Uni-Tübingen

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07.09.2026

Vielfalt unter Mitarbeitenden der Caritas nimmt zu

Die Arbeitswelt konfessioneller Träger im Sozial- und Gesundheitswesen befindet sich im Wandel. Die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden wird zur Herausforderung, denn die Mitarbeitenden der katholischen Caritas werden weltanschaulich und religiös vielfältiger. Dennoch gibt es unter ihnen eine geteilte Wertebasis. Das ist ein Ergebnis einer Studie, die auf einer eine Befragung unter Caritas-Mitarbeitenden der Diözesen Köln und Rottenburg-Stuttgart beruht.

Professor Michael Schüßler vom Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Katholischen Fakultät der Universität Tübingen hat die Studie gemeinsam mit der Sozialpsychologin Dr. Lotte Pummerer von der Universität Mannheim und Bruno Schrage vom Caritasverband Köln erstellt. Im von ihnen herausgegebenen Sammelband „Nächstenliebe zwischen Dogma und Diversität – Was Mitarbeitende im konfessionellen Sozial- und Gesundheitswesen motiviert“ werden die Ergebnisse aus psychologischer, caritaswissenschaftlicher und theologischer Perspektive diskutiert, kommentiert und mit Beiträgen von neun weiteren Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis vertieft.

Anonyme Befragung mit 977 Teilnehmenden

Die Befragung für die Studie fand in drei Wellen im Zeitraum zwischen Oktober 2023 und Juli 2024 statt. Die Teilnahme war freiwillig, anonym und erfolgte über einen Online-Fragebogen, der an 10.115 Mitarbeitenden verschickt wurde. Von den 997 teilnehmenden Personen waren knapp 60 Prozent katholisch, knapp 25 Prozent evangelisch, etwa 12 Prozent fühlten sich keiner Religion zugehörig. Die größten repräsentierten Berufsgruppen waren im Bereich Soziale Arbeit tätig, gefolgt von Verwaltung, Pflege, Medizin und erzieherischen Berufen. Gefragt wurden die Beschäftigten unter anderem, was sie motiviert, bei einem Träger, der sich als „Wohlfahrtsverband der katholischen Kirche“ beschreibt, zu arbeiten und welche Werte und Haltungen gelebt werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Befragten eigene Wertvorstellungen wie Nächstenliebe und Menschenwürde in der eigenen Arbeit verorten. Deren Verwirklichung erscheint ihnen wichtiger als die des persönlichen Glaubens oder religiöser Angebote. Dabei zeigt sich kein Unterschied zwischen Befragten mit Konfessionszugehörigkeit und ohne Religionszugehörigkeit. Zudem ist die Identifikation mit der Caritas deutlich höher als mit übergeordneten kirchlichen Institutionen – das gilt auch für die befragten Katholikinnen und Katholiken.

„Konfessionslose haben eine ähnliche hohe Identifikation mit Caritas als Arbeitgeberin wie Kirchenmitglieder“, sagt Michael Schüßler. „Was sie verbindet, ist die Bedeutung, die Sinnstiftung ihrer caritasbezogenen Alltagspraxis. Vielfalt ist Teil christlicher Identität und sollte nicht als deren Bedrohung oder Verwässerung skandalisiert werden.“

Hochschulkommunikation/Stefan Bentele