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28.09.2026
„Selbschdbewussd“ mit Dialekt: Universität Tübingen entwickelt Unterrichtsmaterialien
Forschende der Universität Tübingen entwickeln Unterrichtsmaterialien für Vielfalt von Sprachen und Dialekten – „Dialekt und Du“ soll Dialekt und Mehrsprachigkeit in der Schule fördern
Dialekte stiften Identität und Zusammenhalt – und sie verschwinden zusehends. Seit Jahren geht die Zahl der Dialektsprechenden in Baden-Württemberg zurück. Nach einer Studie des Ludwig-Uhland-Instituts für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Tübingen (LUI) sprechen nur noch 11 bis 15 Prozent der Grundschüler Dialekt. Ein Grund dafür ist das negative Klischee, das mit dem Sprechen von Dialekten verbunden ist. Wer Dialekt spricht, wird oft das Ziel von Abwertung und Vorurteilen. Um dem entgegenzuwirken, haben Forschende der Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ des LUIs gemeinsam mit dem Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Unterrichtsmaterialien entwickelt, die Kinder und Jugendliche für die Vielfalt und Normalität von Dialekten und Mehrsprachigkeit sensibilisieren sollen. „Dialekt und Du – das Webportal für sprachliche Vielfalt“ wurde am vergangenen Freitag vorgestellt und ist Teil der Dialektstrategie für Baden-Württemberg.
„Bestimmte gesellschaftlich verbreitete Vorstellungen über Sprache begünstigen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Dialekts, Akzents oder ihrer Sprache. Diese Menschen werden weniger ernst genommen und erfahren häufig Abwertung“, sagt Dr. Julia Braun, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle. „Die Unterrichtsmaterialien sollen die Schülerinnen und Schüler dazu ermächtigen, diese mit der Sprache verknüpften Ideologien zu hinterfragen. Sie prüfen Vorurteile wie: Menschen sprechen üblicherweise nur eine Sprache, Standardsprache klingt überall gleich, Dialekte folgen keinen grammatischen Regeln oder Dialekt eignet sich grundsätzlich nicht für anspruchsvolle Literatur.“
Grundlage der Unterrichtsmaterialien sind Interviews mit Dialektsprechenden vor allem in Baden-Württemberg, teilweise auch in Bayern, die von ihren Spracherfahrungen im Alltag berichten. Bei Auswahl und Auswertung berücksichtigten die Forschenden neben regionalen Dialekten auch Akzente und weitere Sprachen. Auf diese Weise führen die Materialien innere Mehrsprachigkeit, also unterschiedliche Sprechweisen innerhalb einer Sprache, und äußere Mehrsprachigkeit, also den Gebrauch mehrerer Sprachen, zusammen. Aus den Interviews entstanden authentische Hörbeispiele sowie, gemeinsam mit einer Illustratorin, Comics zu zentralen Themen sprachlicher Vielfalt.
Das Team der Universität Tübingen arbeitete die Inhalte gemeinsam mit dem ZSL zu vollständigen Unterrichtsstunden auf, die Lehrkräfte mit geringem zusätzlichem Aufwand einsetzen können. Schülerinnen und Schüler analysieren die Materialien, diskutieren Alltagssituationen und erproben in Rollenspielen, wie sie sprachliche Benachteiligung erkennen und sich für sprachliche Vielfalt und Gleichberechtigung einsetzen können.
Gefördert wird das Projekt von der Eva Mayr-Stihl Stiftung.
Zur Website „Dialekt und Du“: www.dialektunddu.de
Kontakt:
Dr. Julia Braun
Universität Tübingen
Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft
Arbeitsstelle „Sprache und Südwestdeutschland“
Telefon +49 7071 29-74879
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Pressekontakt:
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