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29.07.2026
Düfte der Vergangenheit rekonstruieren
Archäo-Chemikerin Barbara Huber erhält Branco Weiss Fellowship für die Entwicklung neuer Analysemethode von Pflanzenrückständen
Dr. Barbara Huber vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen erhält eine Projektförderung durch ein Branco Weiss Fellowship, vergeben von der gleichnamigen Stiftung an der ETH Zürich. Ziel des geförderten Forschungsvorhabens ist es, Gerüche der Vergangenheit mit molekularen Methoden nachzuweisen und zu rekonstruieren, etwa Gewürze, Räucherstoffe, Heilpflanzen oder Kosmetika. Huber will zunächst neue Methoden zur Identifizierung dieser Duftstoffe entwickeln und diese dann auf ausgewählte archäologische Proben anwenden. Die Analyse von Aromata ermöglicht es, bisher verborgene Aspekte des Alltags vergangener Gesellschaften besser zu verstehen. Die Förderung für Barbara Hubers Projekt mit dem Titel „MetAPlant – Metabolomics of Ancient Aromatic Plants: Reconstructing Ancient Scents and Sensory Practices Across Artefacts, Bodies, and Built Environments” beläuft sich auf 600.000 Schweizer Franken; Projektstart ist der 1. Januar 2027.
Duftstoffe spielten in vergangenen Gesellschaften eine wichtige Rolle – etwa in Ernährung, Medizin, Körperpflege oder Ritualen. Archäologisch sind mit Aromata verbundene Praktiken besonders schwer zu erfassen, da Gerüche flüchtig sind und aromatische Pflanzen meist verarbeitet, verbrannt, gemischt oder abgebaut wurden. Um neue Nachweise für deren Rückstände zu entwickeln, analysiert Barbara Huber kleine Moleküle, sogenannte Metaboliten, die als Zersetzungsprodukte der früher genutzten pflanzlichen Stoffe und Stoffgemische in Artefakten, Knochen, organischen Rückständen und Sedimenten erhalten bleiben können. Die Forscherin will herausfinden, welche Moleküle über lange Zeiträume stabil bleiben, welche Prozesse dazu führen, dass sie verändert oder abgebaut werden und welche archäologischen Materialien die besten Bedingungen für ihre Erhaltung bieten. Durch die Identifizierung der ursprünglichen Pflanzenverbindungen wie auch charakteristischer Umwandlungs- und Abbauprodukte durch Untersuchung der Metaboliten will Huber eine neue methodische Grundlage für den Nachweis aromatischer Pflanzen in archäologischen Funden schaffen – ein wegweisender Ansatz in der Archäometabolomik.
Die neuen Methoden sollen es ermöglichen, bislang kaum beachtete Archive pflanzlicher Rückstände in der Archäologie gewinnbringend zu erschließen. Barbara Huber wird sie in Fallstudien auf ausgewählte archäologische Artefakte anwenden. So möchte sie mit den Arbeiten im „MetAPlant“-Projekt neue Erkenntnisse gewinnen, wie aromatische Pflanzen in vergangenen Gesellschaften aufbereitet, konsumiert und angewendet wurden und was ihre Nutzung über Medizin, Rituale, Ernährung, Handel, Körperpflege, Parfümerie und kulturelles Gedächtnis aussagen kann. Teil ihres Vorhabens wird auch sein, wissenschaftlich fundierte Duftreproduktionen von antiken Parfüms für Forschung und Vermittlung, etwa in Museen, zu entwickeln.
Die international vergebenen Branco Weiss Fellowships richten sich an exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, die mit innovativen Forschungsansätzen neue Wege gehen wollen. Die Fellowships sind jeweils mit bis zu 600.000 Schweizer Franken dotiert und unterstützen Forschungsprojekte mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Fellowships werden jährlich an maximal zehn junge Forschende vergeben.
Tina Schäfer/Hochschulkommunikation