Uni Tübingen

Meldung

03.11.2026

Antibiotikaresistenzen spielend verstehen: Tübinger Exzellenzcluster startet Microbe Media Lab

Exzellenzclusters CMFI ermöglicht Teilnahme an Wissenschaftskommunikation – Arcade-Automat und Escape Game in Ausstellung Bakteriopolis vor der Universitätsbibliothek bis 8. November

Begleitmaterial zu Antibiotic Control, dem ersten Projekt des Microbe Media Lab, das gemeinsam mit dem KI Makerspace und dem Leibniz Institut für Wissensmedien (IWM) entstanden ist.

Ein Spielautomat im Stil von Pac-Man und ein digitales Rätselspiel, das Schülerinnen und Schüler mitentwickelt haben: Mit diesen beiden Spielen startet der Exzellenzcluster „Controlling Microbes to Fight Infections“ (CMFI) der Universität Tübingen sein Microbe Media Lab (MML) und thematisiert Antibiotikaresistenzen – Bakterien, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Im MML entwickelt CMFI bis Ende 2032 weitere Formate der Wissenschaftskommunikation, gemeinsam mit den Menschen, für die die Formate gedacht sind. Die beiden Spiele sind bis Sonntag, 8. November, in der Ausstellung Bakteriopolis vor der Universitätsbibliothek an der Wilhelmstraße in Tübingen zu sehen und können täglich von 10 bis 18 Uhr gespielt werden.

Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, lassen sich Infektionen nur noch schwer behandeln. Die Weltgesundheitsorganisation zählt Antibiotikaresistenzen deshalb zu den größten Gefahren für die weltweite Gesundheit. CMFI sucht nach neuen Wegen, solche Infektionen zu verhindern und zu behandeln. Was die Forschenden dabei untersuchen, können sich viele Menschen schwer vorstellen, denn Bakterien sind mit bloßem Auge nicht zu sehen. Hier setzt das MML an.

Pac-Man trifft Bakterien

„Antibiotic Control“ steckt in einem echten Arcade-Automaten, wie man ihn aus Spielhallen der 1980er Jahre kennt. Das Spiel dreht sich um Bakterien, die Krankheiten auslösen können, und um Antibiotikaresistenzen. Der Cluster CMFI hat es mit dem KI-Makerspace der Universität Tübingen und dem Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) entwickelt. Den Kern des Spiels hat das Team in etwa drei Wochen programmiert. Schülerinnen und Schüler haben mehrere Fassungen getestet und mit ihren Rückmeldungen mitgestaltet. „Das zeigt, was möglich ist, wenn Forschende, Schülerinnen und Schüler sowie weitere Partnerinnen und Partner aus der Universität und anderen Forschungsinstituten Lust haben, Neues auszuprobieren“, sagt Leon Kokkoliadis, zuständig für Medien- und Öffentlichkeitsarbeit am CMFI und Leiter des Microbe Media Lab.

Zwei Anwendungen des IWM ergänzen den Automaten. Sie blenden digitale Inhalte in die echte Umgebung ein, man spricht von Augmented Reality. Eine Scan-App liefert Hintergrundwissen und ein Quiz. Ein virtuelles Mikroskop zeigt echte Bakterienproben als 3D-Modell. Die Vorlagen der Modelle stammen aus einem Rasterelektronenmikroskop, das winzige Oberflächen stark vergrößert abbildet. Nach der Ausstellung tourt der Automat zu Veranstaltungen und öffentlichen Orten wie Bibliotheken oder Stadtfesten.

Schülerinnen und Schüler entscheiden über das Spiel

Das „ESKAPE Game“ ist ein digitales Escape Game: Ein Rätselspiel, in dem die Spielenden Aufgaben lösen müssen, um die Geschichte voranzubringen. Dabei lernen sie, was Antibiotikaresistenzen sind und wie man verantwortungsvoll mit Antibiotika umgeht. Das ESKAPE Game – der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben von sechs Bakterienarten zusammen, die oft gegen mehrere Antibiotika resistent sind – ist für den Unterricht in den Klassen 9 und 10 gedacht. Mitentwickelt hat es eine Projektklasse der Friedrich-Förster-Gemeinschaftsschule Reutlingen. Zuerst besuchte die Klasse ein Labor am CMFI und informierte sich dort über Antibiotikaresistenzen. Danach bestimmten die Jugendlichen, welche Inhalte im Spiel vorkommen und wie es funktionieren sollte.

Angestoßen haben das Projekt das CMFI und mehrere Organisationseinheiten der Universität Tübingen die sich mit dem Ziel den Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft zu fördern zusammengeschlossen haben (Public Engagement Hub). Umgesetzt haben es das CMFI, die Medienpädagogik der VHS Reutlingen, das RHET AI Center der Universität Tübingen, das Forschungszentrum für Wissenschaftskommunikation und Interaktionsdesigner. Ein erster Prototyp ist online spielbar. In Programmier-Workshops mit weiteren Schulklassen und im Austausch mit weiteren inner- und außeruniversitären Kooperationspartnern entwickelt das Team den Escape Room weiter. Bis Juli 2027 soll daraus eine modulare Lernstation für Schulen in ganz Baden-Württemberg entstehen, die zum Lehrplan der Klassen 8 bis 10 passt und angefragt werden kann.

Microbe Media Lab ermöglicht Teilnahme an Wissenschaftskommunikation

Im MML entwickeln die Forschenden Formate der Wissenschaftskommunikation gemeinsam mit den Menschen aus der Zielgruppe. Die Teilnehmenden geben Rückmeldungen und arbeiten zum Teil direkt an der Entwicklung mit. Ob am Ende ein Spiel, ein Video oder ein Theaterstück entsteht, entscheidet sich erst in diesem Prozess. Für die fachliche Richtigkeit bleiben die Forschenden von CMFI verantwortlich.

Die Idee entstand aus einem Bedarf des Clusters: Wer über unsichtbare Bakterien spricht, braucht gutes Bildmaterial für die Wissenschaftskommunikation. Im MML arbeiten deshalb Forschende aus der Infektionsbiologie über Institutsgrenzen hinweg mit Fachleuten aus vielen Disziplinen zusammen, von Didaktik und Medienpädagogik über Design bis zur KI-Forschung. Die Partnerinnen und Partner arbeiten projektbezogen und gleichberechtigt mit und treffen Entscheidungen gemeinsam. Das Projektmanagement liegt beim Cluster CMFI. „In Tübingen gibt es schon so gut wie alle Expertisen, die wir brauchen. Man muss sie nur zusammenbringen“, sagt Kokkoliadis. Ab 2027 sollen außerdem Kreative und Medienschaffende für einige Zeit im MML arbeiten, als sogenannte Media Creators in Residence.

Das MML läuft bis Ende 2032. Finanziert wird es über den Exzellenzcluster CMFI von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Exzellenzstrategie, eines Förderprogramms von Bund und Ländern für die Forschung an Universitäten. Das MML ist als Pilot angelegt: Bewährt sich der Ansatz, lässt er sich auf andere Forschungsbereiche übertragen. Das Team will deshalb die Wirkung seiner Angebote messen und wertet sie laufend aus.

Partnerinnen und Partner

  • Universität Tübingen: Public Engagement Hub, Knowledge Design, RHET AI Center, Forschungszentrum Wissenschaftskommunikation, CIVIS Open Lab, Zentrum für Medienkompetenz, Bethge Lab und KI-Makerspace
  • Außerhalb der Universität: Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Nahuel Gerth Design, Medienpädagogik der VHS Reutlingen, Friedrich-Förster-Gemeinschaftsschule Reutlingen
  • Beratend: Stadtmedienzentrum Stuttgart sowie aus der Universität Tübingen das Tübingen Center for Digital Education, die Tübingen School of Education, die Chemiedidaktik, der Public-Engagement-Hub und die Hochschulkommunikation

Links zu den Videospielen:

Antibiotic Control: https://www.cmfi.uni-tuebingen.de/antibiotic-control/ 
ESKAPE Game (Prototyp): https://preview.nahuelgerth.de/ut/escape-game/v1.0.2/ 

Über CMFI

Der Exzellenzcluster „Controlling Microbes to Fight Infections“ (CMFI) erforscht Gemeinschaften von Mikroorganismen, sogenannte Mikrobiome, und entwickelt daraus neue Strategien, um bakterielle Infektionen zu verhindern und zu behandeln. Im Mittelpunkt stehen schwer behandelbare Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern. Dazu verbindet der Cluster biologische, medizinische, chemische und computergestützte Forschung. Beteiligt sind die Universität Tübingen, das Universitätsklinikum Tübingen und das Max-Planck-Institut für Biologie Tübingen. Sprecher ist Prof. Dr. Andreas Peschel, Co-Sprecherinnen sind Prof. Dr. Heike Brötz-Oesterhelt und Prof. Dr. Ruth Ley. Die DFG fördert das CMFI seit 2019 im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder, seit 2026 in der zweiten Förderphase. www.cmfi.uni-tuebingen.de

Kontakt: 

Leon Kokkoliadis
Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Microbe Media Lab
Exzellenzcluster CMFI
Universität Tübingen
Telefon 07071 29 74707
leon.kokkoliadisspam prevention@uni-tuebingen.de