Meldung
04.11.2026
Kooperation in der Herzforschung mit der japanischen Doshisha University
Zusammenarbeit eröffnet neuen Perspektiven in den medizinischen Lebenswissenschaften
Seit mehr als drei Jahrzehnten pflegt die Universität Tübingen eine Partnerschaft mit der Doshisha University im japanischen Kyoto. Heute reicht die Kooperation weit über den ursprünglichen Schwerpunkt der Japanologie hinaus und umfasst zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen. Mitte Oktober ist die Tübinger Professorin Dr. Karin Klingel, Leiterin der Arbeitsgruppe Kardiopathologie am Institut für Pathologie und Neuropathologie des Universitätsklinikums, nach Japan gereist. Ziel ihres Aufenthalts war es – neben der Teilnahme an Konferenzen und Symposien –, die Zusammenarbeit in der Herzforschung zu intensivieren. Die komplementäre wissenschaftliche Expertise der Forschenden beider Universitäten in diesem Bereich könnte dazu beitragen, unterschiedliche Formen von Herzmuskelentzündungen besser zu diagnostizieren und zu behandeln. Auch im Hinblick auf andere Erkrankungen des Herzmuskels sieht Professorin Karin Klingel in der Kooperation zwischen Tübingen und der Doshisha großes Potenzial für neue Erkenntnisse.
Die Zusammenarbeit geht auf die Doshisha Week im Herbst 2025 zurück, einem jährlichen Austauschforum für Forschende aus Kyoto und Tübingen, bei dem Professor Dr. Masaya Ikegawa, Arbeitsgruppenleiter an der Doshisha University, in Tübingen zu Gast war. Ikegawa ist auf dem Gebiet der Massenspektrometrie und der Omics-Wissenschaften tätig. Zu seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören insbesondere die Proteomik, Metabolomik und bildgebende Massenspektrometrie. Diese Verfahren ermöglichen es, komplexe molekulare Veränderungen in biologischen Geweben mit hoher Sensitivität zu erfassen und räumlich zuzuordnen.
Komplementäre wissenschaftliche Kompetenzen in der Herzforschung und Massenspektrometrie
Die Kardiopathologie am UKT unter der Leitung von Karin Klingel beschäftigt sich vor allem mit den molekularen und zellulären Mechanismen entzündlicher und infektiöser Herzerkrankungen. Ein besonderes Forschungsinteresse gilt der Interaktion zwischen Viren und dem menschlichen Herzmuskel, insbesondere hinsichtlich der Mechanismen, die zur Entstehung einer chronischen Herzmuskelentzündung (Myokarditis) und einer dilatativen Kardiomyopathie beitragen können, einer krankhaften Vergrößerung des Herzens, die mit einer verminderten Pumpleistung des Herzens einhergeht.
Dazu werden histologische, immunhistologische und molekularpathologische Untersuchungsmethoden eingesetzt. Ziel ist es, Faktoren zu identifizieren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, sowie neue diagnostische und prognostische Biomarker zu etablieren. Die Untersuchung humaner Herzmuskelbiopsien und die Analyse experimenteller Modelle ermöglichen dabei eine enge Verknüpfung zwischen klinisch-pathologischen Befunden und molekularbiologischen Forschungsansätzen.
Die Ansätze der Arbeitsgruppe von Masaya Ikegawa in Kyoto eröffnen mit der bildgebenden Massenspektrometrie neue Möglichkeiten, molekulare Veränderungen unmittelbar im histologischen Gewebekontext sichtbar zu machen. Proteine, Lipide und weitere Stoffwechselprodukte können dadurch nicht nur quantitativ analysiert, sondern auch bestimmten Gewebestrukturen und pathologischen Veränderungen zugeordnet werden.
Gerade in der kardiovaskulären Forschung gewinnt die integrative Betrachtung morphologischer, molekularer und metabolischer Veränderungen zunehmend an Bedeutung. Die Kombination etablierter kardiopathologischer Expertise mit innovativen massenspektrometrischen Technologien könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die molekularen Grundlagen entzündlicher Herzerkrankungen besser zu verstehen und neue diagnostische Perspektiven zu eröffnen.
Gemeinsame Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch
Die Zusammenarbeit soll nun schrittweise durch gemeinsame Pilotprojekte, den Austausch wissenschaftlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie gegenseitige Forschungsaufenthalte aufgebaut werden. Mit regelmäßigen Workshops und wissenschaftlichen Symposien wollen die Arbeitsgruppen den Austausch intensivieren und langfristig eine Grundlage für gemeinsame Publikationen und Drittmittelanträge schaffen.
Besonders günstig sind hierfür die bereits bestehenden institutionellen Rahmenbedingungen. Das Faculty Exchange Program der beiden Universitäten ermöglicht Forschungsaufenthalte an der jeweiligen Partner-Einrichtung. Darüber hinaus bieten der Doshisha EU Campus und die etablierten internationalen Symposiumsformate geeignete Plattformen, um neue medizinisch-wissenschaftliche Kooperationen sichtbar zu machen und institutionell zu verankern.
Die Kooperation in der Herzforschung stärkt damit nicht nur die langjährige Partnerschaft zwischen der Universität Tübingen und der Doshisha University, sondern setzt zugleich neue Impulse für die internationale Zusammenarbeit in den medizinischen Lebenswissenschaften.
Prof. Dr. Karin Klingel, Arbeitsgruppe Kardiopathologie