Die Ergebnisse der Forscher zeigten eine klare geschlechtsspezifische Arbeitsaufteilung während der Industrialisierung, einer der prägendsten Perioden moderner Gesellschaften. Bei den Frauen, die als Hausangestellte oder in der Fabrik gearbeitet hatten, stellten die Forscher ein sehr weites Spektrum bei der Ausformung – oder Morphologie – der Handknochen fest. „Dies entsprach den vielfältigen Aufgaben und wechselnden Arbeiten, die zu dieser Zeit üblich waren“, sagt Karakostis. Bei Frauen, die spezifischere Beschäftigungen hatten, wie Näherinnen und Schneiderinnen, hätten die Handknochen andere Ausprägungen aufgewiesen.
Ähnliche Ergebnisse erhielten die Forscher bei den untersuchten Männern, die „geschlechtsspezifische“ Berufe hatten. „Zum Beispiel fanden wir bei Bauarbeitern bestimmte Skelettmerkmale, die schwere Arbeit und festes Zupacken widerspiegelten“, berichtet der Wissenschaftler. „Handknochen von Männern, die mehr feinmotorische Arbeiten verrichteten, wiesen mehr Merkmale auf, die sich durch häufige Präzisionsgreifbewegungen von Daumen und Zeigefinger herausbilden.“
Um zu verstehen, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat, sei es wichtig, die Geschichte der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zu rekonstruieren, sagt Karakostis. Bisher sei es in der Anthropologie schwierig gewesen, die Methoden zur Untersuchung geschlechtsspezifischer Arbeit zu überprüfen, da kaum Skelette von Frauen vorhanden waren, über deren Aktivitäten zu Lebenszeiten Näheres bekannt war. Generell gebe es wenige Archivbelege über die Beschäftigung von Frauen in vergangenen Jahrhunderten. Dies habe auch damit zu tun, wie frühere Gesellschaften die Arbeit von Frauen wahrnahmen.