Uni Tübingen

Magazin

29.09.2026

Die besten Bilder aus 70 Jahren ATTEMPTO!

Im Jahr 1953 erschien die erste Ausgabe der ATTEMPTO!, das Magazin der Universität Tübingen. Seither berichtet die ATTEMPTO! über Forschungsprojekte, wichtige Ereignisse und neue Ideen. Zu ihren prägenden Chefredakteuren zählten Ralf Dahrendorf und Walter Jens. Seit einem Relaunch 2014 erscheint die ATTEMPTO! in Farbe. Wir haben die eindrucksvollsten Aufnahmen aus 70 Jahren zusammengestellt.

2016 - Die Entstehung der Sprache 

Die Kappe auf dem Kopf des Babys misst selbst schwache elektrische Spannungsunterschiede auf der Kopfhaut. Je nachdem, welches Bild und Wort das Kind wahrnimmt, steigt und sinkt die Spannung. Letztlich entsteht ein Elektroenzephalogramm (EEG), aus dem die Entwicklungspsychologin Claudia Friedrich der Universität Tübingen ableitet, wie „Wörter in den Kopf kommen“ – also wie Säuglinge und Kinder Sprache erlernen. Obwohl Babys zum ersten Geburtstag meist nicht mehr als ein oder zwei Wörter sprechen können, erkennen sie bereits feine Unterschiede in Sprachmelodie und verstehen Wörter, die ihre Eltern häufig verwenden.


Hoch hinaus

Ein Athlet testet ein neues Trampolin. Bis dahin stand keines in der alten Turnhalle der Universität Tübingen, einem Bau mit Gebälk aus Eichenholz für Ringe und Reckstangen. Sportstudenten schauen fasziniert dem fliegenden Mann hinterher. Das Foto wurde bereits in den 50er-Jahren geschossen, aber erst 1973 veröffentlicht.


Die Mischung macht´s

Ein neuer Arbeitsplatz erweitert das chemisch-toxikologische Labor der Universität Tübingen. Fläschchen mit Salzsäure, Aceton und Natronlauge stehen auf Regalen bereit, dahinter zeigt eine Mitarbeiterin beim Abfüllen eines Gemischs, wie praktisch ihre neue Umgebung ist.


Eine Expedition im Zagros-Gebirge, Iran, 1972.


Eine Gruppe Herren wohnt Professor Ommo Grupe bei der Eröffnung der sportmedizinischen Untersuchungsstelle am Institut für Sportwissenschaften bei…


…während ein Phantomkurs der Zahnerhaltungskunde vorallem von Damen belegt wird.


Das jährliche Stocherkahnrennen auf dem Neckar ist seit Jahrzehnten großes Kino in Tübingen.


Andere Zeiten, andere Sitten bei der Studentischen Vollversammlung im Audimax.


Linearbeschleuniger mit Prof. Walter Frommhold.


Demonstration vor dem Amerikahaus in den 60ern. Die Slogans klingen vertraut, nur die Ortsnamen wechseln.


Lernhilfe

An einem Sommertag sitzt diese Frau auf einem Stocherkahn und vertieft sich in ein Buch. Studieren kann anstrengend sein – oder auch mal schön. Der Neckar und seine Ufer machen es den jungen Menschen seit Generationen ein klein wenig leichter.


Meister des Vortrags

Die Vorlesungsreihe „Religiöse Werke der Weltliteratur“ zog im Wintersemester 1984/85 Hörerinnen und Hörer aller Fakultäten in den Festsaal. Der katholische Theologe und Kirchenkritiker Hans Küng las im Wechsel mit dem Altphilologen und Schriftsteller Walter Jens – beides Gelehrte, die weit über Tübingen hinaus den Ruf hatten, packend Vortragende zu sein.


2015 - Karriere einer Theologie-Studentin

Die neu ernannte Erzbischöfin Schwedens, Antje Jackelén, und Mitglieder der schwedischen Königsfamilie werden vom Fotografen für ein Gruppenbild positioniert. Jackelén hatte in Tübingen Evangelische Theologie studiert, war dann mit einem Stipendium nach Schweden gezogen und dort 1980 zur Pastorin geweiht worden. Über die Ernennung wunderte sich die gebürtige Westfälin Jackelén nicht: „In der Kirche zählt die Taufe mehr als der Pass.“


2023 - Der gläserne Tumor

Diese Lunge einer Maus sieht mystisch-schön aus – doch ist sie von einem Geschwür befallen, erkennbar am hellen Knoten des mittleren Lungenstrangs. Die Aufnahme hat die Zellbiologin Bettina Weigelin vom Exzellenz-Cluster iFIT gemacht. Bei der sogenannten Lichtblattmikroskopie werden reflektierende Fette, Farbstoffe und Proteine mit Chemikalien aus dem Gewebe der Mauslunge herausgelöst und die Organe anschließend durchleuchtet. Auf dem Bild lassen sich einzelne Zellen erkennen, die eine Therapie überlebt haben. Die Therapie lässt sich anschließend verbessern. So kann langfristig verhindert werden, dass der Krebs wiederkommt – zuerst bei der Maus, dann beim Menschen.


2022 - Spieglein, Spieglein im Labor

Spiegel sind in dieser Apparatur so geschickt angeordnet, dass sie Infrarotlicht von drei Lasern reflektieren und ein komplexes Lichtfeld erzeugen. Christian Groß (rechts), Professor am Physikalischen Institut der Universität Tübingen, untersucht anschließend die Wechselwirkungen einzelner Lithium-Atome in diesem Lichtfeld und gewinnt Erkenntnisse, die zum Beispiel zur Konstruktion von Quantencomputern wichtig sein können. Um ein stabiles Umfeld für seine Messung zu erhalten, muss er Temperaturen von wenigen Milliardstel Grad über dem absoluten Nullpunkt erzeugen, der bei minus 273,15 Grad liegt.


2016 - Von Bakterien lernen

Jede Farbe dieser Petrischalen steht für einen anderen Bakterienstamm. Die Farbenpracht verheißt tatsächlich Gutes: Vielfalt erhöht die Chance auf neue antibakterielle Wirkstoffe. Sie müssen nur in der Natur gefunden werden. Denn sie entstehen vor allem dann, wenn sich Bakterien oder Pilze gegen andere Mikroorganismen zur Wehr setzen. Der Mensch muss nur ihre Wirkmechanismen besser verstehen.
Das Exzellenzcluster CMFI, „Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen“, hat sich diese Aufgabe gesteckt. Die Forschenden suchen neue Wirkstoffe vor unserer Haustüre in der Erde, in Bakterienstämmen der farbenprächtigen Sammlung und in solchen, die natürlicherweise auf und in unserem Körper leben.


2024 - Jeder Buchstabe zählt

Ein Textfragment mit altgriechischen Buchstaben, eingescannt und am Bildschirm geöffnet, fordert eine Runde von Gräzisten heraus. Die Lücken in der Papyrusrolle Epikurs wollen gedeutet werden. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Ländern und das Ambiente in einem Seminar in Pisa helfen. Ein Experte hat seinen Platz kurz verlassen und dieses Foto gemacht: Kilian Fleischer, Papyrologe aus Tübingen. Er saß während der Diskussion eigentlich am Laptop im Vordergrund. Neben der eigenen Expertise nutzt Kilian Fleischer auch KI, um verkohlte Papyrus-Rollen wieder zu entziffern.


2023 - Digital unsterblich 

Auch die Ethikerin Jessica Heesen könnte als digitaler Avatar im Internet für immer weiterleben und mit der Nachwelt kommunizieren. Am Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) untersuchte die Philosophin, wie solche KI-Anwendungen unseren Umgang mit Trauer und Tod verändern können und wie die Rechte Betroffener gegenüber kommerziellen Interessen und Missbrauch geschützt werden können. Dazu werteten Heesen und ihr Kollege Matthias Meitzler Fragebögen mit Betroffenen, Beerdigungsinstituten und Trauerbegleitern aus.


2015 - Die Weisheit des Maisblatts

Woher weiß das Maisblatt, wo oben und unten ist? Um ein gesundes Blatt zu werden, muss das Blatt an der Oberfläche Zellen bilden, die Fotosynthese betreiben, an der Unterseite dagegen solche, die durch Spaltöffnungen Kohlendioxid ansaugen und Wasserdampf entlassen. Marja Timmermanns hat über viele Jahre Stoffe identifiziert, die nur in den oberen Zellen des Blattes gebildet werden, und solche, die es nur in den unteren gibt. Und RNAStücke, die wesentlich darüber entscheiden, wie genau sich diese Stoffe im Blatt verteilen. Dafür können diese RNA-Stücke sogar über kleine Tunnel in den Zellwänden im Blatt von Zelle zu Zelle wandern.


2024 - Seltenes Zusammentreffen

In der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen treffen sich nachts die Saurier zum Stelldichein. Ganz oben: ein Dimetrodon incisivus mit seinem Rückensegel, das ihm die Regulierung seiner Körpertemperatur erlaubte. Dadurch blieb das Tier agiler als mancher Konkurrent. Zu seinen Füßen: zwei Stenaulorhynchus stockleyi, frühe Saurier, die vor 250 bis 200 Millionen Jahren in Afrika lebten und damit etwas später als der Dimetrodon. Die Tiere sind sich in Wirklichkeit nie begegnet. Im Therapsiden-Saal jedoch stehen sie beeinander, denn sie verbindet, dass aus ihrer Linie in der Entwicklungsgeschichte, den Therapsiden, die Säugetiere hervorgegangen sind. Fachleute aus aller Welt kommen nun, um diese und andere seltene Funde zu studieren.


2023 - Mündliche Traditionen

Der Indische Ozean hinter der Radiomoderatorin Bahati Ngazi mit ihrem wehenden Umhang ist groß und dennoch verletzlich: Um Strände, Wasser, Fische, Korallen zu schützen, schreibt sie Gedichte und Songs und trägt sie den Menschen um sich herum vor. Und zwar in Kenia – denn bis dorthin reicht der Indische Ozean im Westen. Jacky Kosgei, Junior-Professorin an der Universität Tübingen, erforscht mündliche literarische Traditionen wie diese in ihrer Heimat, analysiert deren Strukturen und gibt das Gesamtwerk in Form von Ausstellungen und Workshops den Menschen zurück. „Es geht letztlich darum, wer wir sind“, sagt sie. Ihre Arbeit gehört zur Plattform Global Encounters der Universität Tübingen, die soziale und kulturelle Auswirkungen von Mobilität und Kommunikation untersucht.