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29.09.2026
Wegmarken
Wegmarken aus 550 Jahre Universitätsgeschichte, die unser Leben verändert haben.
9. Oktober 1477
Graf Eberhard im Bart gründet die Universität Tübingen unterstützt von seiner Mutter Mechthild von der Pfalz. 200 Studierende schreiben sich für das erste Semester ein.
1536
Herzog Ulrich von Württemberg gründet das Tübinger Stift, für Jahrhunderte Ausbildungsstätte für protestantische Pfarrer. Auch begabte Kinder von Handwerkern und Bauern konnten hier studieren.
1552
Veröffentlichung von „De historia stirpium“ (deutsch: „New Kreüterbuch“) von Leonhart Fuchs.
Das Buch beschreibt 400 europäische und 100 exotische Pflanzenarten. Die „Fuchsien“ wurden später nach ihm benannt.
3. Aug 1593
Todesurteil gegen Felicitas Heppler, gesprochen vom Senat der Universität und zu vollstrecken mit dem Schwert. Die 18-Jährige hatte ihr Neugeborenes getötet und in einer Truhe versteckt.
1621
Katharina Kepler, die Mutter des Astronomen Johannes Kepler, ist der Hexerei beschuldigt. Die Juristische Fakultät entscheidet in einem rechtlichen Gutachten, dass Katharina Kepler zwar die Folterinstrumente gezeigt werden dürfen, verbiet aber ihre Anwendung.
20. Sept 1623
Erster Brief Wilhelm Schickards an Johannes Kepler, in dem er dem Freund und Mentor von der Erfindung seiner mechanischen Rechenmaschine berichtet.
22. Oktober 1788
Georg Friedrich Hegel beginnt sein Theologie-Studium, ebenso Friedrich Hölderlin und Friedrich Schelling. Die drei Friedriche teilen sich eine Stube im Tübinger Stift, gemeinsam mit weiteren Kommilitonen.
1805
Einrichtung des ersten Universitätsklinikums in der Alten Burse. Auch psychisch erkrankte Menschen werden aufgenommen und behandelt – für die damalige Zeit sehr fortschrittlich.
17. Oktober 1817
Auf Anregung des Wirtschaftstheoretikers und Eisenbahn-Pioniers Friedrich List gründet die Universität Tübingen die staatswissenschaftliche Fakultät – die älteste noch bestehende wirtschaftswissenschaftliche Fakultät in Deutschland. Die Überlegungen Lists zu „Erziehungszöllen“ und einem nationalen Innovationssystem wurden unter anderem in vielen ostasiatischen Staaten studiert und wirtschaftspolitisch genutzt.
1821
„Ausschuß der Studirenden“ – erste studentische Vertretungskörperschaft in Deutschland, die in einer universitären Verfassung gesichert wird.
1832/33
Robert Mohl publiziert sein zweibändiges Werk „Polizei-Wissenschaft nach den Grundsätzen des Rechtsstaates“. Darin entwickelt er als Erster ein umfassendes Konzept des Begriffs „Rechtsstaat“.
1862
Der Chemiker Felix Hoppe-Seyler weist nach, dass Hämoglobin im Körper Sauerstoff bindet und transportiert. Er isoliert und kristallisiert den Blutfarbstoff.
16. Oktober 1863
Tübingen erhält als erste Universität in Deutschland eine Naturwissenschaftliche Fakultät.
1864
Lothar Meyer entwickelt das Periodensystem für die damals 28 bekannten chemischen Elemente.
Fünf Jahre später tut es ihm der russische Chemiker Dmitri Mendelejew gleich – allerdings lässt Mendelejew Lücken für noch unentdeckte Elemente. Wegen dieser Flexibilität seines Periodensystems wird nur Mendelejew als Erfinder weltbekannt.
1869
Der Schweizer Mediziner Friedrich Miescher isoliert bei Experimenten mit Zellkernen eine Substanz, die er „Nuklein“ nennt. Nuklein wird später als Träger der Erbinformation identifiziert.
1889/1890
Im Wintersemester wird eine offen kolonialistische Vorlesung in Tübingen gehalten. Weitere folgen.
1890
Das juristische Seminar richtet erstmals Übungen für Studierende ein. Davor lernten Studierende nur über Vorlesungen. Auch Institutsbiobliotheken werden als Lernorte gegründet.
1895
Nach einem Studium der Naturwissenschaften wird Maria von Linden 1895 als erste Frau in Deutschland an der Universität Tübingen promoviert.
Sie forscht vor allem zu Parasitologie und Infektionskrankheiten wie Tuberkulose.
1889
Erste Demonstration der Braunschen Röhre am Physikalischen Institut in Tübingen, das der Namensgeber Ferdinand Braun aufgebaut hat und leitet. Zur Vermarktung seiner Erfindung gründet Braun 1903 das Unternehmen Telefunken.
1910
21 Studentinnen und fünf Hörerinnen schließen sich zum Verein Tübinger Studentinnen zusammen, um den Benachteiligungen von Frauen besser begegnen zu können. Die Universität ließ weibliche Studierende erst ab 1905 zu.
3. November 1906
Der Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer stellt in Tübingen auf einer Fachtagung die nach ihm benannte Demenzerkrankung vor.
Der Titel seines Vortrags in der Psychiatrischen Universitätsklinik: „Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde“.
9. März 1933
Nationalsozialistische Studenten hissen Hakenkreuzfahnen vor dem Rathaus und in der Neuen Aula der Universität Tübingen. Auch viele Professoren begrüßen die Machtergreifung Hitlers.
1933/34
Entlassung von 12 Lehrenden wegen „nicht-arischer“ Abstammung.
Unter ihnen auch Hans Bethe (20. April), der später den Nobelpreis für Physik gewinnt.
1934
Einrichtung des „Instituts für Deutsche Volkskunde“ und des „Rassekundlichen Instituts“. Mitarbeitende wie Sophie Erhard (links) lehrten auch noch nach 1945 an der Universität weiter (Foto von 1951).
1936
Friedrich von Huene entdeckt den „Einzahnsaurier“ Henodus chelyops auf einer Nachmittagsexkursion mit seinen Studenten.
Der rechtechtige Schädel und der Fressapparat des etwa 230 Millionen Jahre alten Tiers sind so spezifisch, dass Vergleiche mit anderen Tieren unmöglich sind.
15. Oktober 1945
Die Universität nimmt den Lehrbetrieb wieder auf.
Treibende Kraft beim Neubeginn und bei der Berufung vieler Professoren ist Carlo Schmid, Professor an der Juristischen Fakultät der Universität und später Vorsitzender des Hauptausschusses im parlamentarischen Rat.
1959
Claus Jönssen gelingt für seine Doktorarbeit die Interferenzsteuerung von Elektronen am Doppelspalt.
Dieses Experiment galt lange Zeit als undurchführbar. Die Britische Physikalische Gesellschaft kürte es 2002 in ihrer Fachzeitschrift „Physics Today“ zum „Schönsten Experiment aller Zeiten“ – noch vor Galileo Galileis Experiment der fallenden Körper.
1961
Der Philosoph Ernst Bloch tritt seine Professur in Tübingen an.
Durch sein Werk „Prinzip Hoffnung“, das er im Exil in den USA geschrieben hatte, wird er weltberühmt. Er inspiriert die öffentlichen Debatten der Nachkriegszeit in Deutschland.
1970er
Die Augenärztin Elfriede Aulhorn bekommt als eine der ersten Frauen eine Professur an der Universität Tübingen, die Berufung der Virologin Evamarie Sander folgt kurze Zeit später.
Juli 1990
Die Universität Tübingen klärt erstmals dank eines Forschungsprojekts von Benigna Schönhagen mit einer Gedanktafel am „Gräberfeld X“ des Stadtfriedhofs über den Zusammenhang zwischen Opfern des NS-Terrors und Lehre und Forschung der Anatomie auf.
Während des Dritten Reichs wurden Hunderte Leichen von Gewaltopfern der NS-Herrschaft und Präparate auf dem Stadtfriedhof beerdigt.
23. Mai 1991
Hans-Georg Rammensee und sein Team veröffentlichen in der Fachzeitschrift „Nature“ ihre Erkenntnisse zur peptidbasierten Krebsimmuntherapie – eine Pionierleistung.
1995
Die Biochemikerin Christiane Nüsslein-Volhard erhält für ihre Arbeiten zur genetischen Steuerung der Embryonalentwicklung als erste deutsche Frau den Medizin-Nobelpreis.
1995
Gründung der Stiftung Weltethos zur Umsetzung der Weltethos-Idee des Theologen Hans Küng: die Verständigung auf gemeinsame Werte über alle Religionen, Kulturen und Nationen hinweg.
1997
Das Institut für Archäologie des Mittelalters wird unter Leitung von Barbara Scholkmann gegründet.
9. September 1999
Ingmar Hoerr meldet das erste Patent auf eine mRNA-Impfung an und gründet später CureVac zur Entwicklung von mRNA-Impfstoffen.
17. März 2001
Eröffnung der Ausstellung „Troia – Traum und Wirklichkeit“ von Manfred Korfmann. Korfmann hatte seit 1988 die Ausgrabungen auf dem Hirsalik in der Türkei geleitet und Hinweise auf eine ausgedehnte „Unterstadt“ Troias gefunden.
2002
Die Historikerin Hildegard Temporini gibt „Die Kaiserinnen Roms“ heraus, ein grundlegendes Werk zur Rolle von Frauen im römischen Reich.
9. September 2008
Nicholas Conard findet in der Karsthöhle „Hohle Fels“ bei Schelklingen auf der Schwäbischen Alb eine sechs Zentimeter große Frauenfigur aus Elfenbein – mit 35.000 bis 40.000 Jahren die älteste Darstellung eines Menschen in der Menschheitsgeschichte.
2012
Die Universität Tübingen erlangt den Exzellenz-Status. Bestätigung in 2019 und 2026.
Juli 2013
Ein Retina-Implantat wird für die EU zugelassen und in Deutschland Kassenleistung. Die Sehprothese basiert wesentlich auf einem Netzhautchip mit 1.600 Pixeln, den Eberhart Zrenner und sein Team entwickelt hat.
2015
Der Malaria-Impfstoff RTS,S erhält die offizielle Empfehlung von der Europäischen Arzneimittelbehörde.
2021 übernimmt die WHO die Empfehlung, nachdem der Impfstoff in mehreren Pilotprojekten zuvor in Afrika unter der Leitung von von Peter Kremsner vom Tübinger Institut für Tropenmedizin getestet wurde.
17. Mai 2016
Das 11,62 Millionen Jahre alte und nach der Donau benannte Fossil eines Menschenaffen, Danuvius guggenmosi, der sich vermutlich bereits aufrecht bewegen konnte.
Ein Paradigmenwechsel in der Wissenschaft: Der Fund durch Madelaine Böhme in Pforzen im Ostallgäu verlagert den Ursprung des aufrechten Gangs von Afrika nach Europa und um mehrere Millionen Jahre zurück in die Tiefe der Zeit.
2019
Ellen Reisinger vom Universitätsklinikum für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde gelingt das Einschleusen eines Gens mit dem Bauplan des Proteins Otoferlin in das Innenohr von tauben Mäusen. Die Mäuse konnten daraufhin wieder hören – ein großer Schritt für das Verständnis der erblichen bedingten Gehörlosigkeit.
1. Oktober 2022
Karla Pollmann tritt ihr Amt als Rektorin an. Sie ist damit die erste Frau in der Geschichte der Universität Tübingen in dieser Funktion.
2024
Thomas Gasser erhält den Breakthrough Prize für seine Parkinson-Forschung und die Erkenntnis, dass Mutationen in bestimmten Erbanlagen das Risiko für Parkinson erhöhen.
22. Mai 2025
Die Universität Tübingen erhält drei neue Exzellenz-Cluster. Die drei bestehenden Exzellenz-Cluster der Universität Tübingen werden bestätigt.
10. Februar 2026
Katerina Harvati von der Paläoanthropologie findet ein 430.000 Jahre altes Holzwerkzeug auf den Peleponnes in Griechenland – das älteste von Menschen genutzt Holz-werkzeug, das je gefunden wurde.
Es wurde u. a. zum Graben im Sand und dem Ablösen von Baumrinde verwendet. Im selben Jahr bekommt sie den Albert Einstein World Award for Science.
11. März 2026
Bestätigung des Exzellenz-Status der Universität Tübingen für weitere 7 Jahre.