Ist Muskelaufbau Männersache? Auf Instagram und Youtube geben unzählige Influencer Tipps, wie sich Muckis antrainieren lassen. Und ja: Die meisten sind muskelpralle Kerle. Doch Training baut bei Frauen effizienter Muskeln auf als bei Männern, belegen Studien. Deswegen ist Muskeltraining ganz bestimmt auch Frauensache. Und gut für die Gesundheit ist Muskeltraining ohnehin für alle Geschlechter. Die Forschung hat beispielsweise positive Effekte zur Vorbeugung von Osteoporose oder Demenz dokumentiert.
Professorin Dr. Barbara Munz, Leiterin des molekularen- und zellbiologischen Forschungslabors am Universitätsklinikum Tübingen, gleicht elf solcher Mucki-Mythen in einem Thesencheck mit dem Stand der Wissenschaft ab, etwa „Vom Salat schrumpft der Bizeps“, „No pain, no gain“, „Ohne Proteinpulver kein effizienter Muskelaufbau“ oder „Der Zeitpunkt und die Länge des Trainings sind entscheidend“.
Muskelmasse-Influencer wedeln gerne mit wissenschaftlichen Studien vor der Kamera, doch nur selten gehen sie genauer darauf ein. Barbara Munz sagt: „Die Ergebnisse einer einzelnen Studie hängen stark vom jeweiligen Studien-Design ab – deshalb lässt sich für jede erwünschte Behauptung eine Studie finden. Eine gehaltvolle Einschätzung kann ich allerdings erst geben, wenn ich einen breiten Überblick über die Studienlage habe.“ Das zeigt Munz beispielhaft bei der Frage, wie sehr die Einnahme von Kreatin den Muskelaufbau unterstützt. Sie zeigt dafür eine Reihe von Studien, die zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Dennoch sind die Studien seriös – sie müssen aber richtig gelesen werden.
Barbara Munz widerlegt manche These, differenziert andere, kommt dabei dennoch zu klaren Aussagen. So widerspricht sie eindeutig der Behauptung, dass Cardio-Training schlecht für den Muskelaufbau von Hobby-Sportlerinnen und -Sportlern sei. „Nur bei Leistungssportlern kann Ausdauertraining den Effekt des Muskeltrainings leicht reduzieren“, so Munz. Der Thesencheck „Muskelforscherin vs. 11 Mucki-Mythen“ ist das sechste Video in der Reihe „Thesencheck“ auf dem Youtube-Kanal der Universität Tübingen.
Tilman Wörtz