News für Studierende – Archiv
22.06.2009
Brief von Rektor Bernd Engler zum Bildungsstreik
Liebe Studierende, in der letzten Woche streikten manche von Ihnen zusammen mit Schülerinnen und Schülern für eine Bildungspolitik, die Schluss macht mit den vielfach erkennbaren Hindernissen für eine umfassende Bildung wie zum Beispiel Verschulungstendenzen in den Bachelorstudiengängen oder allein auf additive Wissensakkumulation setzende Bildungsformen.
Wir unterstützen in vielen zentralen Anliegen Ihr Engagement für die Verbesserung Ihrer Studienbedingungen – es geht schließlich um Ihre Ausbildung und um Ihre Zukunft. In der vergangenen Woche haben wir bei verschiedenen Gelegenheiten mit unterschiedlichen Gruppen diskutiert und manche Überschneidung von Ihren mit unseren Anliegen wahrgenommen, auch dort wo die Bewertungen differieren. Unser Standpunkt lässt im Wesentlichen in drei Punkten zusammenfassen:
1. An der Universität Tübingen hat es – wie an anderen Universitäten auch – beträchtliche Probleme bei der Umsetzung der Bolognavorgaben für die Bachelor- und Masterstudiengänge gegeben. Aus diesem Grund wird berechtige Kritik an den neuen Studiengängen geübt. Diese Kritik rechtfertigt es aber nicht, den Bologna-Prozess insgesamt in Frage zu stellen. Das Rektorat der Universität Tübingen hat sich zusammen mit der Senatskommission für Studium und Lehre und den Studiendekanen bereits im letzten Semester intensiv mit den Schwachpunkten in der Umsetzung der Bolognavorgaben befasst und mit ihrem bereits dem Senat vorliegenden Entwurf für 8-semestrige Bachelorstudiengänge erste Konsequenzen aus der Schwächen- bzw. Fehleranalyse gezogen: Die neuen, 8-semestrigen Bachelorstudiengänge werden der übermäßigen Verschulung wirksam entgegenwirken können und den Studierenden mehr Freiheit bei der individuellen Gestaltung ihres Studiums bieten. Unser vorrangiges Ziel ist die 'Mobilität' der Studierenden. Eine Mobilität, die Zeit lässt für individuelle fachliche Vertiefung und Spezialisierung, Eigeninteressen und interdisziplinäre Studien, ein Auslandsstudium oder aber auch berufsvorbereitende Praktika. Wir setzen hierbei auch auf Freiräume für eine verlorengegangene 'geistige' Mobilität, die es Ihnen erlauben soll, Ihre persönlichen Interessen zu erkunden und zu entfalten.
2. Die Exzellenzinitiative einerseits und die oft beschworene Einheit von Forschung und Lehre andererseits sind für uns keine Gegensätze. Im Gegenteil werden wir mit unserem in Arbeit befindlichen Konzept zur Exzellenzinitiative 2010/2011 größten Wert auf eine gelungene Synthese dieser mancherorts auseinanderdriftenden Orientierungen legen. Wir wollen mit unserem Antrag in der nächsten Exzellenzinitative deutlich machen, dass Spitzenforschung die Voraussetzung für eine hochwertige Lehre ist, die sich das forschende Lernen zum Ziel setzt. Das Bemühen um eine exzellente Lehre, die die Studierenden motiviert, ist wesentliches Kennzeichen einer für die Studierenden attraktiven Hochschule. Die durch die Spitzenforschung eingeworbenen Drittmittel kommen übrigens auch der Lehre zu gute, da mit diesen Drittmitteln Stellen für Nachwuchswissenschaftler finanziert werden, die sich wiederum in der Lehre engagieren.
3. Wie sehr uns die Qualität der Lehre am Herzen liegt, bezeugt unsere „Initiative zur Stärkung guter Lehre“, bei der auch viele Kommilitoninnen und Kommilitonen mitarbeiten und in die Sie Ihre Vorschläge gerne einbringen können.
Es ist für uns nachvollziehbar, dass auf Seiten der Studierenden momentan viel Diskussionsbedarf besteht. Das Rektorat der Universität Tübingen wird auch zukünftig offen für einen fairen Dialog mit den Studierenden sein und wird sich auch wie bisher mit Nachdruck für eine Verbesserung der Studiensituation einsetzen.
Für das Rektorat der Universität Tübingen
Bernd Engler, Rektor
Reaktionen
<link file:171391 download herunterladen der datei>Offener Brief der Fachschaft Geschichte vom 5. Juli 2009
<link file:135540 download herunterladen der datei>Antwort von Prorektorin Prof. Stefanie Gropper