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14.06.2018

Kick-Off Veranstaltung des Projekts: „BeTaBalance – bewegt studieren zwischen Berg und Tal“

Schritt für Schritt zu mehr Bewegung. Foto: Constanze Greule
Schritt für Schritt zu mehr Bewegung. Foto: Constanze Greule

Im Mai fand im Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen die Kick-Off Veranstaltung zur Vorstellung des Projektes „BeTaBalance“ statt. Beginnend mit dem Empfang und dem Markt der Informationen im Foyer des Instituts konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein erstes Bild über die beteiligten Akteure und das Projekt machen. Als kleiner Wegweiser wurde auch die Treppe zum Foyer gestaltet. In Anlehnung an farbige Bouldergriffe markierten bunte Fußabdrücke verschieden schwere Routen auf der Treppe. Dies gab schon auf dem Weg zur Veranstaltung einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie das neue Projekt interessante Bewegungsräume schaffen und kennzeichnen könnte.

Anschließend begrüßte Monika Teuber als Projektmanagerin die Anwesenden und stellte die verschiedenen Akteure vor: die Stadt Tübingen, die Techniker Krankenkasse, der Allgemeine Deutsche Hochschulsport, der Tübinger Hochschulsport und die Universität Tübingen sowie den Studierendenrat und die Studierenden des begleitenden Projektseminars.

Der Kanzler der Universität Tübingen, Dr. Andreas Rothfuß, eröffnete offiziell mit seinem Grußwort die Kick-Off Veranstaltung und gab zum Ausdruck, dass das Projekt BeTaBalance die volle Unterstützung der Hochschulleitung habe. Er betonte die Wichtigkeit der körperlichen Bewegung sowohl für die psychische als auch die physische Gesundheit. Zudem schilderte er den Zuhörern das große Potenzial zu mehr Bewegungsförderung, welches in Universitäten stecke. Bewegungsangebote im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements wären schon weit verbreitet, doch in der Universität beschränke sich dieser Gedanke bisher weitgehend auf die Mitarbeitenden. Die Studierenden, welche zahlenmäßig die größte Gruppe an der Universität bilden, blieben eher unbeachtet. Dabei dürfe auch deren Multiplikatorfunktion im späteren Berufsalltag nicht außer Acht gelassen werden, so Rothfuß. Daher stelle sich die Frage: „Wie gelingt es im Setting Universität vor allem körperlich inaktive Studierende zu mehr körperlicher Aktivität im Alltag zu motivieren?“. Genau mit dieser Aufgabe beschäftigt sich das zukünftige Projekt BeTaBalance. Die Hoffnung besteht darin, ein motivierendes, breites Bewegungsangebot zu schaffen, wobei die Hochschule als zentrales Handlungsfeld fungieren soll. Gerade Tübingen bietet für genau dieses Projekt beste Voraussetzungen, da die verschiedenen Fakultäten in der ganzen Stadt verteilt liegen.

Ingrid Arzberger, Leiterin des Hochschulsports Tübingen, stellte in ihrem Grußwort die vier Säulen des Hochschulsports vor: Bestandteil des Hochschullebens, Bereicherung für die Sportlandschaft, Förderung und Forderung von Engagement und Bereicherung der Bildungslandschaft. Sie beschrieb den Hochschulsport als einen großen, wichtigen Sportanbieter, den im Wintersemester 2017/18 schon rund 17 000 Studierende genutzt haben. Auch die Orientierung der Sportangebote an den „neuesten“ Trends sei eine wichtige Aufgabe des Hochschulsports. Vor allem aber die Bereicherung der Lernlandschaft sowohl durch informelle als auch formelle Lehrangebote nehme der Hochschulsport sehr ernst. Genau in dieser Säule könne das neue Projekt „BeTaBalance“ eingeordnet werden – das Ziel sei, „Sport für Unsportliche“ anzubieten.

Dirk Kilian, Vorstandsmitglied des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes, wies vor allem auf die neue Formulierung des Lebensweltansatzes im Präventionsgesetz von 2015 hin. Hier würde die Universität nun explizit als Lebenswelt geführt und es bestätige sich die Wichtigkeit von gesundheitsorientierten Projekten und Sportangeboten in diesem Setting.

Der Präventionsberater der Techniker Krankenkasse, Patrick Letz, stellte anschließend die gesetzlichen Bezugspunkte des Projekts im Rahmen präventiver Handlungsfelder vor. Den wichtigsten Baustein bilde die „Bewegung“ – körperlich zum einen, kognitiv zum anderen. Da die Techniker Krankenkasse Projekte wie BeTaBalance mit Versichertengelder unterstütze, gebe es auf der einen Seite Grenzen der Förderung. Auf der anderen Seite eröffnen sich dadurch auch eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Herr Letz ebenfalls vorstellte. Vor allem die Bedarfsanalyse, sprich die Orientierung an den Bedürfnissen der Studierenden, werde stark gefördert, um dadurch einen nachhaltigen Strukturaufbau gewährleisten zu können. Das Projekt BeTaBalance passe mit der bedarfsorientierten Maßnahmenplanung und der Partizipation von Studierenden genau in diesen gesteckten Rahmen. Die Techniker Krankenkasse könne hier einen Teil dazu beitragen, um die Verstetigung des Gesundheitsprozesses durch Einbindung der hochschulverantwortlichen Träger bzw. Bereiche zu realisieren.

Um der Veranstaltung ein wenig Auflockerung zu schenken und das bewegungsarme Sitzen im Saal zu unterbrechen, wurde eine kurze „bewegte Pause“ zwischengeschaltet. Durch den sogenannte „Pausenexpress“, welcher bisher nur für Bedienstete der Universität zur Verfügung steht, wurden die Teilnehmer eingeladen, kurz aufzustehen und ein paar angeleitete Übungen mitzumachen. Auch solche kleinen Aktionen sollen zukünftig möglicherweise für Studierende im Hörsaal etc. durch das neue Projekt angeboten werden können.

Herr Prof. Dr. Gorden Sudeck ging anschließend auf den wissenschaftlichen Hintergrund des Projekts BeTaBalance ein. Er verdeutlichte vor allem, dass die psychische Belastung im Sinne von Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden oder auch Konzentrationsstörungen im Studium zunehme. Einige Studien würden belegen, dass „Sportvermeider“ für psychische Probleme deutlich anfälliger seien als ihre sportlicheren Kommilitonen. Da gerade das Bewegungsverhalten Auswirkung auf das Lernverhalten und damit auch auf den Bildungsoutput habe, bekräftige dies die Notwendigkeit von Bewegungsförderung im Setting Hochschule. Die Devise laute „Bewegungsförderung als Baustein für erfolgreiches Studieren ansehen“, so Sudeck.

Als interaktive Aufgabe wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu aufgefordert mit Stecknadeln auf einer Karte der Stadt Tübingen jene Orte zu kennzeichnen, welche als bewegungsfreundlich, bewegungsunfreundlich und mit großen Potenzialen für Bewegungsangebote eingeschätzt werden. Dies wird bereits als erste räumliche Orientierung für die Bedarfsanalyse genutzt.

In der abschließenden Diskussion wurde noch einmal verdeutlicht, dass von Seiten der Stadt jederzeit Interesse an Bewegung und attraktiveren Bewegungsräumen und -flächen besteht. Der Studierendenrat äußerte sich erfreut über die positive Annahme der Hochschulsportangebote. Darüber hinaus wäre eine attraktivere Gestaltung der Fahrradwege in der Stadt wünschenswert, um so Angst und Gefahrensituationen beim Fahrradfahren zu vermeiden und um Bewegung im Alltag wieder attraktiver zu machen. Auch sonstige vermehrte Bewegungsangebote im öffentlichen Raum wären wünschenswert.

Als ein weiteres gemeinsames Ziel wurde die Gestaltung des Campus auf der Morgenstelle definiert. Hier soll in Zukunft die Natur und die vielen freien Flächen für attraktive Sportangebote genutzt werden, um diese Region zu beleben und attraktiv für Bewegung zu machen. Ein weiterer Wunsch aus dem Publikum war die Berücksichtigung des Inklusionsgedankens im Rahmen der Maßnahmenentwicklung des Projekts BeTaBalance.

Alles in allem war die Veranstaltung ein gelungener Auftakt für das Ziel, mehr Bewegung im Uni-Alltag der Studierenden zu schaffen: Interessante Gespräche sind aufgekommen, Vernetzungen konnten gefestigt werden und das gemeinsame Vorgehen wurde beschlossen. Wünschenswert ist nun, dass noch mehr Studierende die Chance und die Bereitschaft der Akteure erkennen und nutzen, um in diesem Bereich viel zu bewegen.

Constanze Greule und Anna-Lena Heim

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