Uni-Tübingen

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31.03.2021

Forschungsprojekt untersucht die historische Entwicklung der Auenlandschaften

Neues DFG-Schwerpunktprogramm erforscht Interaktion von Gesellschaften und Flussauen – Tübinger Archäologie beteiligt

Biodiversität als Themenfeld innerhalb der Forschung zur Fluvialen Anthroposphäre: Flora und Fauna im Bereich eines mittelalterlichen Kanals in Großbritannien.

Tübinger Forschende sind maßgeblich an einem neuen Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt: Das Projekt „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ soll analysieren, wie menschliche Gesellschaften und vorindustrielle Auen Mitteleuropas zusammengewirkt haben. Im Zusammenspiel von Archäologie, Geo- und Geschichtswissenschaften soll die Interaktion des Menschen mit seiner Umwelt multidisziplinär und mit innovativen Methoden erforscht werden. Die Universität Leipzig, die Universität Tübingen und die TU Darmstadt entwickelten gemeinsam das Rahmenprogramm, das in der ersten Phase von drei Jahren mit rund 5,5 Millionen Euro finanziert wird, insgesamt ist eine Förderung von sechs Jahren vorgesehen.

Auen sind besonders dynamische Landschaften und Kernzonen des Kultur- und Naturerbes Europas. Strategien für Landgewinnung und Risikominimierung, zum Beispiel Hochwasserabwehr, haben dafür gesorgt, dass bis zu 95 Prozent der mitteleuropäischen Auen überformt oder zerstört wurden - selbst Auen in einem noch naturnahen Zustand wurden bereits durch menschliche Eingriffe transformiert. Ob und seit wann Menschen auf die Auenentwicklung Einfluss genommen haben, soll im Rahmen des Programms erforscht werden. 

Die Federführung für die erste Phase des Projekts übernimmt Christoph Zielhofer, Professor für Physische Geographie an der Universität Leipzig: „Die Auen sind globale Brennpunkte früher menschlicher Eingriffe und sozioökologischer Mechanismen im Zusammenspiel von Mensch und Natur. Fallstudien zeigen, dass vom Menschen verursachte Veränderungen der Oberflächen und der Umwelt der Auen bereits lange vor der Industrialisierung, nämlich im Mittelalter und der vorindustriellen Neuzeit, begannen. Wir wollen ergründen, wann und warum der Mensch zum kontrollierenden Faktor der Auenentwicklung wurde und wie genau die Wechselwirkung zwischen der menschlichen Gesellschaft und der Natur funktionierte.“ 

Als Modellregionen für systematisch vergleichende Analysen dienen die früh transformierten und soziokulturell hochrelevanten Flusssysteme des Rheins, der Elbe und der Donau. „Durch den spezifischen räumlichen und zeitlichen Rahmen versprechen wir uns Rückschlüsse auch auf die Entwicklung weiterer Auenlandschaften Mitteleuropas und damit Erkenntnisse von globaler Relevanz zur Frage, ab wann und in welchem Ausmaß der Mensch potentiell riskant in die Entwicklung der Natur eingegriffen hat. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einer Anthroposphäre“, sagt Lukas Werther, Privatdozent im Fachbereich Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Tübingen, der in der zweiten Projektphase die Federführung des Projektes übernehmen wird. 

An der Universität Tübingen ist das neue Schwerpunktprogramm in verschiedene Forschungsschwerpunkte wie beispielsweise „Wasser, Klima, Energie – Zukunftsthemen der Menschheit“ eingebunden. Die traditionell enge Verknüpfung von Archäologie, Geschichte und Naturwissenschaften in Tübingen bietet hier einen idealen Rahmen. „Ein deutschlandweites Förderprogramm mit Einbindung internationaler Expertise zur Erforschung der natürlichen Auenlandschaften hin zu menschlich stark überprägten Landschaften zu bekommen ist für das gesamte Team phantastisch“, freut sich Natascha Mehler, Professorin für Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen, die ebenfalls an der Konzeption beteiligt ist. 

Gerrit Jasper Schenk, Professor für Mittelalterliche Geschichte an der TU Darmstadt ergänzt: „Auenlandschaften sind die Wiege unserer Kultur. Ob in Mesopotamien oder am Rhein – Auenlandschaften sind ein Inkubator soziokultureller Entwicklungen und zugleich haben sie die Funktion eines Sensors für die Gefahren, die durch immer dominierendere menschliche Eingriffe entstehen.“ 


Mitteilung der Abteilung für Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen


Zur Pressemitteilung der DFG: https://www.dfg.de/service/presse/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung_nr_07/index.html 

Kontakt: 

PD Dr. Lukas Werther
Universität Tübingen
Abteilung für Archäologie des Mittelalters 
+49 7071-29-74363
lukas.wertherspam prevention@uni-tuebingen.de 

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