Uni-Tübingen

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28.04.2020

Schutz der Insekten: Initiative „Bunte Wiese“ empfiehlt späteres und selteneres Mähen

Mitglieder der Universität setzen sich für heimische Arten ein

Foto einer Wiese mit Blumen und Bäumen
Wiese in der Nähe des Tübinger Bergfriedhofs.

Der gegenwärtig zu verzeichnende Insektenrückgang betrifft nicht nur auffällige Gruppen wie Bienen und Schmetterlinge, sondern die ganze Bandbreite von Insekten unserer Offenland-Lebensräume. Eine der Ursachen liegt in der zu frühen und zu häufigen Mahd unserer Wiesen. Das betrifft nicht nur Wirtschaftsgrünland, sondern auch Streuobstwiesen, Wegränder, öffentliche Grünflächen sowie Grünanlagen in Privatgärten und Gewerbegebieten. „Es sollten vor allem Streuobstwiesen das erste Mal im Jahr erst ab Mitte Juni und insgesamt höchstens zweimal pro Jahr gemäht werden“, sagt Professor Oliver Betz vom Institut für Evolution und Ökologie. „Wird zu früh und zu häufig gemäht, können viele Wiesenpflanzen nicht zur Blüte und Samenreife gelangen.“ Dieser Prozess benötige im Durchschnitt sechs Wochen.

Auch Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten profitieren von der späten und selteneren Mahd; sie können sich dadurch vom Ei über die Larve bis zum geschlechtsreifen erwachsenen Stadium entwickeln. Eine zu frühe und zu häufige Mahd unterbricht diesen Prozess. Sie wirkt gleichsam wie ein Staubsauger, wodurch die Pflanzen- und Tiervielfalt unserer Grünflächen zunehmend verarmt. Darunter leiden auch die insektenfressenden Vögel und Fledermäuse.

Wichtig sei auch, wie gemäht wird, so Betz: „Die Mahd mit Schlegelmähern ist für die Kleintierwelt meist tödlich. Besser sind Balkenmäher oder, wer es kann und je nach Fläche, die Mahd mit der Sense.“ Die Mähbalken sollten auf 8 bis 10 Zentimeter Höhe eingestellt werden, damit die an Pflanzen sitzenden Insekten beim Mähen verschont werden. Nach der Mahd müsse das Mähgut von der Fläche entfernt werden. Denn die heimische Pflanzen- und Tierwelt gedeiht am besten auf mageren Böden. Wenn das Schnittgut liegen gelassen wird, verbleiben oft zu viele Nährstoffe in der Fläche und die nachwachsende Krautschicht kann behindert werden. Über den Winter sollten mindestens 10 Prozent der Wiesenflächen ungemäht bleiben. Die Strukturen dienen Insekten als Winterquartier und Vögeln als Winternahrung.

Die Initiative Bunte Wiese hat auf ihrer Website weitere Tipps zur Gestaltung naturnaher Gärten und zu nachhaltiger Wiesenpflege zusammengestellt. Damit kann jede und jeder auf der eigenen Obstwiese oder im Hausgarten der Verarmung der heimischen Artenvielfalt und dem Insektenschwund entgegenwirken: www.buntewiese-tuebingen.de

Wer auch ohne eigenen Garten aktiv werden möchte: Die Initiative Bunte Wiese startet ein Patenschaftsprojekt für ein Monitoring der Modellwiesen im Stadtgebiet Tübingen. Informationen zum Mitmachen unter https://www.buntewiese-tuebingen.de/wiesenpatenschaften/.

Initiative Bunte Wiese

Die Initiative Bunte Wiese

Die „Bunte Wiese“ ist eine Initiative zur Förderung der Artenvielfalt auf öffentlichen Grünflächen. Sie wurde im Zuge des Jahres der Biodiversität 2010 von Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität Tübingen gegründet. Diese setzen sich für ein nachhaltiges Pflegekonzept der öffentlichen Parks und Grünanlagen der Stadt Tübingen ein. Gemeinsam mit der Stadt Tübingen und dem Amt Tübingen Vermögen und Bau Baden-Württemberg werden bestehende Maßnahmen überdacht und verbessert.

Kontakt

Prof. Dr. Oliver Betz 
Universität Tübingen
Institut für Evolution und Ökologie
oliver.betzspam prevention@uni-tuebingen.de 

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