Uni-Tübingen

29.06.2026

GeneNovate® Finale 2026: Auszeichnung für unternehmerisches Denken im Bereich gen- und zellbasierter Therapien

Mit der Auszeichnung der besten Projektteams ging am 25. Juni in München die 3. Runde des GeneNovate® Entrepreneurship-Programms mit dem Final Event 2026 zu Ende. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des bundesweiten Programms der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien (Nationale Strategie GCT) präsentierten Wissenschaftler*innen vor einer Expert*innen-Jury ihre Ideen mit Potenzial für zukünftige Gesundheitslösungen und damit verbundene Geschäftsmodelle. Die vielversprechendsten Geschäftsmodelle wurden ausgezeichnet und erhalten ein persönliches Coaching zur Idea Validation ihrer Produktideen.

Im Finale trafen sich 25 ausgewählte Teams aus ganz Deutschland, die aus den regionalen Vorentscheiden mit insgesamt 45 Teams hervorgegangen sind und präsentierten ihre Ideen vor einer Expert*innen-Jury aus Business Angels, Venture Capital-Investoren (VCs) und erfahrenen Unternehmer*innen. 

Die diesjährigen Teams überzeugten mit vielversprechenden Ansätzen, die Potenzial für die zukünftige Gesundheitsversorgung bieten. Die Bandbreite reichte von innovativen CAR-T-Zelltherapien über neuartige Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADC) bis hin zu KI-gestützten Plattformtechnologien für Geneditierung oder personalisierte Arzneimittelherstellung. 

 

Von der Jury ausgezeichnet wurden die folgenden Gewinnerteams:

  • MACULA PATCH (GeneNovate®-Region Ost)

Entwicklung von personalisierbarer Zelltherapie zur Behandlung von Sehverlust, der durch den Verlust lichtempfindlicher Zellen im Auge verursacht wird.

  • Next-PA (GeneNovate®-Region Nordrhein-Westfalen)

Entwicklung eines vollständig humanen monoklonalen Antikörpers gegen den Krankheitserreger Pseudomonas aeruginosa, der für schwere im Krankenhaus erworbene Infektionen mit hoher Krankheits- und Sterblichkeitsrate verantwortlich ist.

  • ReRetina (GeneNovate®-Region Nordrhein-Westfalen)

Entwicklung von Zelltherapie zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei Menschen mit altersbedingter Makuladegeneration, einer der weltweit häufigsten Ursachen für Erblindung.

  • ZELF (GeneNovate®-Region Berlin)

ZELF ist ein Ansatz zur Erhaltung der Zellfunktionalität während des gesamten Herstellungsprozesses therapeutischer Zellen. Damit soll die therapeutische Wirksamkeit von Zelltherapien gesteigert werden.

Das Potenzial im Bereich Gen- und Zelltherapien, Biotech und MedTech entfalten

Gen- und zellbasierte Therapien (GCT) setzen dort an, wo viele Krankheiten ihren Ursprung haben: in den Genen und Zellen. Während herkömmliche Medikamente meist nur Beschwerden lindern, versuchen diese neuen Ansätze, die eigentliche Ursache einer Erkrankung zu beheben. Dadurch entstehen neue Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit schweren oder seltenen Krankheiten, für die es bislang keine geeignete Therapie gibt. Auch bei weit verbreiteten Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs eröffnen sich neue Perspektiven. Diese Technologien bieten zudem große Chancen für Forschung, Wirtschaft und Gesundheitsversorgung in Deutschland. 

Trotz der hohen wissenschaftlichen Exzellenz im Bereich GCT gelingt es in Deutschland bislang nur begrenzt, Forschungsergebnisse in erfolgreiche Unternehmensgründungen und klinische Anwendungen zu überführen. Insbesondere Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen verfügen häufig über herausragende fachliche Expertise, haben jedoch nur wenig Zugang zu unternehmerischem Know-how, Business-Netzwerken und Finanzierungsmöglichkeiten. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Entwicklung von GCT besonders hoch: lange Entwicklungszeiten, komplexe regulatorische Rahmenbedingungen sowie erheblicher Kapitalbedarf stellen hohe Hürden für Neugründungen dar. 

Als bundesweites Entrepreneurship-Programm unterstützt GeneNovate® Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen dabei, ihr translationales und unternehmerisches Potenzial im Bereich Gen- und Zelltherapien, Biotech und MedTech zu entfalten. Das Programm vermittelt nicht nur die Grundlagen des Unternehmertums, sondern fördert gezielt interdisziplinären Wissenstransfer und vernetzt Teilnehmende mit Expert*innen aus Forschung, Klinik, Industrie, Regulatorik und Finanzierung. Am diesjährigen GeneNovate® Entrepreneurship-Programm nahmen rund 200 Forschende und Mediziner*innen aus ganz Deutschland teil. In 18 Trainings- und Mentoring-Modulen entwickelten die Teilnehmenden ihre Ideen weiter und bereiteten diese auf eine mögliche Translation in die Anwendung sowie auf Ausgründungen von Startups vor. 

Das Programm wird vom Nationalen Netzwerkbüro GCT Germany gemeinsam mit den Verantwortlichen der aktuell neun deutschen Standortregionen koordiniert. Über alle neun Regionen hinweg beteiligen sich über 50 Institutionen an dem GeneNovate® Programm. 

Seit der Gründung im Jahr 2024 ist das Programm stark gewachsen und wird 2027 auf zusätzliche Standorte ausgeweitet. Neben dem GeneNovate® Entrepreneurship-Programm mit Schwerpunkt auf frühen akademischen Projekten, bringt der GeneNovate® Investors´Day bereits etablierte Startups gezielt mit potenziellen Investor*innen zusammen, um vielversprechende Entwicklungen auf ihrem weiteren Weg in die klinische Anwendung zu unterstützen.

Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention: 

„Bayern verfolgt seit über 30 Jahren eine innovationsorientierte Standortpolitik. Damit im Gesundheitsbereich Innovationen schnell und sicher bei den Patientinnen und Patienten ankommen, bauen wir für universitäre Teams und Start-ups Brücken zu Politik und Versorgung. Eine solche Brücke ist der TUM-Masterkurs ‚Healthcare Innovation Program‘. Interdisziplinär werden dort medizinisches Wissen, IT-Kenntnisse und unternehmerisches Können miteinander verbunden. Im Kurs bearbeiten Studierende konkrete Herausforderungen aus dem Klinikalltag. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, damit Innovationen nicht im Labor bleiben, sondern nachhaltig und zum Nutzen der Menschen in die Versorgung gelangen!“

Prof. Dr. Christopher Baum, Sprecher der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien sowie Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité – Universitätsmedizin Berlin: 

„Das GeneNovate Entrepreneurship-Programm fördert gezielt ein produktorientiertes und unternehmerisches Mindset in der Wissenschaft. Gerade im Bereich der Gen- und Zelltherapien ist es entscheidend, dass Forschende frühzeitig lernen, Innovationen auch aus einer Anwendungs- und Umsetzungsperspektive zu denken. Diese Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz, Kompetenz im Produktdesign und unternehmerischem Denken ist ein wesentlicher Schlüssel, um neue Therapieansätze schneller und nachhaltig zu den Patientinnen und Patienten zu bringen.“

Prof. Dr. Katja Schenke-Layland, Prorektorin für Forschung, Innovation und Transfer an der Universität Tübingen: 

„Die Universität Tübingen steht für exzellente Forschung mit hoher Innovationskraft. Mit GeneNovate® schaffen wir ein Umfeld, in dem wissenschaftliche Erkenntnisse mit unternehmerischem Denken verknüpft werden und daraus tragfähige Innovationen entstehen können. So stärken wir den Transfer unserer Forschung in die Anwendung und tragen dazu bei, dass neue Therapieansätze schneller den Menschen zugutekommen, die sie benötigen.“

Dr. Ingo Schroeter, Co-Leiter des GeneNovate®-Programms: 

„Es freut mich besonders, dass GeneNovate® nicht hierarchisch gestartet ist, sondern als Kooperation vieler starker Standorte organisch von unten gewachsen ist. Darin liegt seine Stärke. Angesichts der Komplexität gen- und zellbasierter Präzisionsmedizin kann eine solche Zusammenarbeit entscheidende Innovationsimpulse setzen und globale Wettbewerbsvorteile schaffen. Ein besonderer Dank gilt dem Netzwerk aus über 100 erfahrenen Expertinnen und Experten sowie rund 50 Mentorinnen und Mentoren, die die Teilnehmenden und Teams mit großer Leidenschaft unterstützen.“

Pressekontakt: 
Sabine Ranft
sabine.ranftspam prevention@uni-tuebingen.de
+49 7071 29-72830
Startup Center Universität Tübingen
Ob dem Himmelreich 7
72074 Tübingen

 

Über Gen- und Zelltherapien

Gen- und Zelltherapien (GCT) zählen zu den wichtigsten Innovationen im Gesundheitsbereich. Sie haben das Potenzial, die Behandlung von Krebs, Autoimmunerkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und vielen seltenen genetischen Krankheiten grundlegend neu aufzustellen. Die neuartigen Therapien basieren auf Genen, Geweben oder Zellen und enthalten daher oft lebende Bestandteile. Die deshalb auch als „lebende Medikamente“ bezeichneten Produkte können besser als klassische Arzneimittel individuell auf Patient*innen ausgerichtet werden und eignen sich besonders für die Behandlung von Erkrankungen, die bisher nicht oder nur schlecht behandelbar waren. Obwohl Hunderte klinischer Studien zur Entwicklung von Gen- und Zelltherapeutika laufen, sind bisher nur wenige Produkte in Europa zugelassen.

Nationale Strategie für gen- und zellbasierte Therapien

Die Nationale Strategie GCT wurde 2022 vom damaligen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, mittlerweile BMFTR) beauftragt und in einem moderierten Prozess mit rund 150 Stakeholdern erarbeitet. Mit dem Ziel, das Patient*innenwohl und den Biotech-Standort Deutschland aktiv zu fördern, haben Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft acht Handlungsfelder mit insgesamt 90 konkreten Maßnahmen definiert und im Juni 2024 dem BMBF übergeben. Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) moderierte die Erarbeitung des Strategiepapiers und hat aktuell die Sprecherschaft inne. Es koordiniert in dieser Rolle die weitere Ausarbeitung und Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Weitere Informationen unter: www.nationale-strategie-gct.de