Ausschreibung im Bereich Neurowissenschaft
24.06.2026
BMFTR: Innovative Datenanalysen für Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin
Frist: 9. August 2026
Die fortschreitende Digitalisierung der Medizin und die sektorenübergreifende Nutzung von Gesundheitsdaten bieten enorme Chancen zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. So können Diagnosen präzisiert, Behandlungsprozesse optimiert und die Effizienz im Gesundheitswesen gesteigert werden. Dafür ist die Erforschung gesundheitsrelevanter Fragestellungen anhand bereits zugänglicher, qualitativ hochwertiger und multizentrischer Datensätze erforderlich.
Dies gilt insbesondere auch für die Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin, denn Männer und Frauen erkranken unterschiedlich. Trotz des Wissens über Unterschiede zwischen den Geschlechtern fehlt es für viele Krankheiten an einer ausreichenden Informationsgrundlage. Das betrifft nicht nur zu wenig erforschte frauenspezifische Erkrankungen wie zum Beispiel Endometriose, sondern auch zahlreiche andere Erkrankungen. In der medizinischen Forschung werden oft zu wenige oder gar keine Daten von Frauen erhoben. Frauen sind in vielen Datensätzen daher unterrepräsentiert. Dieser sogenannte Gender Data Gap kann dazu führen, dass Diagnosen, Therapien und Präventionsmaßnahmen nicht optimal auf Frauen abgestimmt sind.
Mit der Hightech Agenda Deutschland fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die zielgerichtete Verknüpfung und Nutzung von Gesundheitsdaten zur „Entwicklung neuer Diagnosemethoden, Wirkstoffe und Arzneimittel, Impfstoffe und Therapien, damit Erkrankungen gezielter und personalisiert verhindert, erkannt, behandelt und geheilt werden können“1. Dabei sollen auch die „Potenziale in der datengetriebenen Gesundheitsforschung durch Künstliche Intelligenz (KI), In-silico-Modellierungen und Computersimulationen von biomedizinischen Prozessen“ gehoben werden, um unter anderem im Bereich der Frauengesundheit und geschlechtersensiblen Medizin Fortschritte zu erzielen.
Digitalisierung und KI-Methoden ermöglichen es, schneller fundierte Entscheidungen zu treffen und für Frauen relevante Therapieansätze weitreichender und effizienter zu erforschen. Mit der Digitalisierung in der Medizin wächst zugleich die Gefahr der medizinischen Fehleinschätzungen zulasten von Frauen, wenn Daten und Algorithmen in der Forschung auf Evidenz basieren, die überwiegend an Männern generiert wird. Beispielsweise ist insbesondere für hochwertige KI-Modelle die Qualität und Repräsentativität von Trainingsdatensätzen entscheidend.
Daher fördert das BMFTR inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekte, die zur Verbesserung der Datennutzbarkeit, insbesondere hinsichtlich des Gender Data Gaps und den damit verbundenen Verzerrungen (Gender Data Bias), beitragen und dadurch die datengestützte Medizin im Hinblick auf eine geschlechtersensible Diagnostik und Therapie weiterentwickeln oder optimieren.
Ziel der Fördermaßnahme ist es, Impulse für eine stärkere Berücksichtigung der Frauengesundheit in der klinischen Forschung und einer geschlechtersensiblen Gesundheitsversorgung zu geben. Mit der Förderung innovativer Data-Science-Ansätze (einschließlich KI-basierter Methoden) zur Analyse bestehender Datensätze zu Fragen der Frauengesundheit und geschlechtersensiblen Medizin soll negativen Auswirkungen des Gender Data Gaps und den damit einhergehenden geschlechterspezifischen Verzerrungen in der Gesundheitsforschung entgegengewirkt werden. So soll die Anwendung neu entwickelter, verbesserter oder angepasster Ansätze der Datenanalyse dazu beitragen, dass forschungsrelevante Informationen noch besser aus vorhandenen Datensätzen gewonnen und für eine geschlechtersensible medizinische Forschung verwertet werden können.
Die Ziele der Förderrichtlinie sind erreicht, wenn kurzfristig
- Datensätze für die Bearbeitung von Forschungsfragen optimiert wurden, sodass Daten insbesondere von Frauen besser repräsentiert sind;
- Verfahren zur Analyse bestehender Datensätze optimiert wurden, damit geschlechtsspezifische Verzerrungen in Datensätzen erkannt und transparent gemacht werden können;
- vorhandene Datensätze genutzt wurden, um geschlechtersensible Forschungsfragen, insbesondere mit Relevanz für die Frauengesundheit, zu bearbeiten und zu publizieren.
Gefördert werden dabei ausschließlich inter- und transdisziplinäre Einzelprojekte, die die technische Expertise aus Datenwissenschaften (zum Beispiel Data Science, Medizininformatik, KI) und klinischer Expertise zur Frauengesundheit beziehungsweise der geschlechtersensiblen Medizin sowie den für das Projekt relevanten klinischen Fachdisziplinen zwingend miteinander verbinden.
Dem Projektträger ist bis spätestens 9. August 2026 ein Förderantrag vorzulegen.
Weitere Informationen:
https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2026/06/2026-06-10-bekanntmachung-frauengesundheit.html