Uni-Tübingen

Ausschreibung im Bereich Physik

23.07.2026

BMFTR: Förderung von Projekten zum Thema „Das Mesopelagial – eine Schlüsselregion im Wandel“

Frist: 1. Oktober 2026 (Zweistufiges Verfahren, Projektskizzen)

Die mesopelagische Zone in 200 – 1 000 m Wasser-Tiefe, auch „Dämmerzone“ genannt, spielt eine zentrale Rolle im ozeanischen Wärmehaushalt und in den globalen Stoffkreisläufen. Durch das Absinken von Wassermassen wie dem Subantarktischen Mode Water (Subantarctic Mode Water – SAMW) und dem Antarktischen Zwischenwasser (Antarctic Intermediate Water – AAIW) im Südozean werden große Mengen an Wärme, gelöstem Kohlenstoff und Sauerstoff aus der Oberflächenschicht in das Mesopelagial transportiert. In den letzten Jahrzehnten hat der Ozean einen wesent-lichen Teil der durch den Klimawandel verursachten zusätzlichen Wärme aufgenommen und in der mesopelagischen Zone gespeichert. Diese Wärmeaufnahme und -speicherung trägt entscheidend zur Abmilderung der globalen Auswirkungen des Klimawandels bei, wirkt somit als bedeutender Puffer im Klimasystem und beeinflusst die Stabilität der globalen Zirkulation über Jahrzehnte bis Jahrhunderte.

Darüber hinaus spielt die mesopelagische Zone eine zentrale Rolle im marinen Kohlenstoffkreislauf und in der Regulierung des marinen Stickstoff- und Sauerstoffkreislaufes (Nährstoffkreisläufe). So bildet das Mesopelagial zum einen die Brücke zur Tiefsee und sorgt für den Energie- und Nährstofftransport in tiefe Ozeanschichten sowie für die Verfügbarmachung von Nährstoffen aus dem Mesopelagial in die darüberliegenden Schichten. Zum anderen führen Prozesse im Mesopelagial zur langfristigen Speicherung von Kohlenstoff in der Tiefsee. Aufgrund seiner komplexen physikalischen und biogeochemischen Prozesse spielt das Mesopelagial eine zentrale Rolle bei der Weiterleitung und Transformation von Energie und Nährstoffen innerhalb mariner Nahrungsnetze.

Die messbare Erwärmung an der Oberfläche der Ozeane führt zu Veränderungen in den Bildungsregionen der Modus- und Zwischenwasser im Südpolarmeer sowie zu veränderten Windmustern und Dichtegradienten, wie zum Beispiel stabilere Meeresschichtungen. Daraus entstehen zum einen Zirkulationsänderungen, zum anderen Veränderungen der Stoffkreisläufe oder auch stark veränderte Migrationsbewegungen mariner Organismen. Im Resultat kann dies zu einem wärmeren, weniger produktiven und ökologisch stärker destabilisierten Mesopelagial führen und dadurch die globale Klimaregulation sowie die globalen Nahrungsketten (Klimarückkopplungsprozesse) beeinflussen. Somit ist diese immer noch relativ unerforschte Meeresregion ein aktiver Regulator und zugleich sensibler Indikator für globale Umweltveränderungen.

Mit dieser Förderrichtlinie beabsichtigt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) die Wissensbasis zur Rolle des Mesopelagials im Erdsystem zu erweitern, um fundierte Prognosen der Entwicklung des globalen Klimas sowie fundierte Entscheidungen im Klimaschutz, in der Anpassung an den Klimawandel und im nachhaltigen Umgang mit marinen Ressourcen zu ermöglichen.

Um dies zu erreichen, sollen die Wissenslücken in der Ozeanbeobachtung und -modellierung durch die gezielte Quantifizierung der physikalischen und biogeochemischen Prozesse im Mesopelagial sowie durch die Bewertung ihrer Rolle für die marine Wärmeaufnahme und den Kohlenstoffkreislauf geschlossen werden. Darauf aufbauend sollen Unsicherheiten in der Vorhersage und Projektion von regionalen und globalen Veränderungen reduziert und die wissen¬schaftlichen Grundlagen für gesellschaftliche Anpassungsstrategien und Transformationsprozesse erweitert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung autonomer und robotischer Beobachtungssysteme sowie neuartiger Sensoren im marinen Bereich. Damit leistet die Förderrichtlinie einen Beitrag für technologische Innovationen im strategischen Forschungsfeld „Meeres-, Klima- und Nachhaltigkeitsforschung“ der HTAD.

Um diese Förderziele zu erreichen, beabsichtigt das BMFTR Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zu fördern, die Wissenslücken schließen, Unsicherheiten in Klimaprognosen reduzieren und die wissenschaftliche Grundlage für politische Entscheidungen stärken.

Mit der Förderung soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Bereichen Ozeanmodellierung und Ozeanbeobachtung weiter gestärkt werden. Daher sollen die Projekte die Entwicklung beziehungsweise Weiterentwicklung von Modellsystemen zur Prognose von Klimafolgen vorantreiben.

Die nachfolgend genannten Themen sind in den Forschungsverbünden einzeln oder in Kombination zu bearbeiteten.

  • Quantifizierung der klimawandelbedingten Zirkulationsänderungen im Mesopelagial und deren Auswirkungen 
    - auf die damit verbundene Wärmeaufnahme und -speicherung und/oder
    - auf die damit verbundene Kohlenstoffaufnahme und -speicherung
  • Quantifizierung der physikalisch und biogeochemisch getriebenen Kohlenstoffflüsse aus der Oberflächenschicht in das Mesopelagial und/oder aus dem Mesopelagial in die Tiefsee.
  • Technologische Entwicklungen, die eine verbesserte Datenerhebung im Mesopelagial ermöglichen.


Das Antragsverfahren ist zweistufig angelegt.
In der ersten Verfahrensstufe sind bis spätestens 1. Oktober 2026 zunächst Projektskizzen in elektronischer Form vorzulegen.

Weitere Informationen:
https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Bekanntmachungen/DE/2026/07/2026-07-21-bekanntmachung-mesopelagial.html