Uni-Tübingen

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04.07.2019

Das Ziel: eine Medaille mit nach Hause bringen

Tennisspieler Christoph Negritu vertritt die Universität Tübingen bei der Universiade in Neapel

Christoph Negritu
Christoph Negritu

Tennisspieler Christoph Negritu, 25, studiert an der Universität Tübingen Philosophie auf Bachelor. Er vertritt Deutschland und die Universität Tübingen im Einzel- und Doppelwettbewerb bei der 30. Sommer-Universiade in Neapel, die gestern eröffnet wurde. Maximilian von Platen hat ihn vor seiner Abreise interviewt.

Christoph, erzähl‘ ein bisschen über Dich und Deinen Werdegang

Ich bin 25 Jahre alt und spiele Tennis, seitdem ich drei Jahre alt bin. Ich bin in Bayern geboren, aber in Stuttgart aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach dem Abitur bin ich Tennis-Profi geworden und versuche meine Brötchen mit dem Sport zu verdienen. 

Wie bist Du zum Tennis gekommen?

Meine Mutter war früher in den TOP 200 der Tennisweltrangliste. Während sie mit mir schwanger war, hat sie noch Tennisstunden gegeben. Als ich klein war, hat meine Mutter noch auf großen Damen 30-Turnieren und in der 1. Bundesliga gespielt – ich war die ganze Zeit mit „on Tour“. Ich habe als Kind mal einen Schläger in die Hand genommen und gemerkt, dass ich Talent für diesen Sport mitbringe. Als Jugendlicher habe ich noch viele andere Sportarten gemacht – Fußball, Golf und vor allem Basketball. Im Tennis war ich irgendwann immer unter den Besten deutschlandweit, deswegen bin ich dabei geblieben.

Was macht für Dich die Faszination Deiner Sportart aus?

Beim Tennis komm vieles zusammen: Fitness, die Art sich auf dem Platz zu bewegen, das Mentale und die Psychologie. Für mich ist Tennis ein Sport, bei dem ich meine Emotionen zeigen und rauslassen kann. Das fasziniert mich. 

Ich bin sehr ehrgeizig und mag Einzelsportarten lieber als Mannschaftssportarten. Du bestimmst selber Dein Schicksal, bist selber verantwortlich, wenn Du gewinnst oder verlierst. Du bist nicht abhängig von deinen Mannschaftskameraden. Tennis ist ein bisschen wie Boxen – nur ohne Kontakt. Das reizt mich. 

Man muss aber auch ein bisschen verrückt sein, um Tennis professionell zu betreiben. Man ist viel alleine - beim Training, im Wettkampf, auf Reisen. Oder man steht bei 35 Grad Hitze auf dem Platz und trainiert eine Stunde lang nur Aufschläge. Da braucht man eine gewisse Leidensfähigkeit, aber mir ist die Hitze lieber als Kälte. Anfang Mai haben wir bei 4 Grad plus draußen trainiert, das war deutlich unangenehmer.

Wie und wo trainierst Du?

Seit gut einem halben Jahr trainiere ich beim Stützpunkt des württembergischen Tennisverbands in Stuttgart-Stammheim. Dort stehen immer Trainer und andere Spieler als Trainingspartner zur Verfügung. Ich trainiere vormittags, dann isst man gemeinsam zu Mittag und nachmittags steht wieder Training auf dem Programm. Es gibt einen Fitnessraum und einen Fitnesstrainer, zweimal die Woche ist auch ein Physiotherapeut für mich da. Ich kann mich hier voll auf das Training konzentrieren und muss mich nicht selbst um Organisatorisches kümmern. Diese Bedingungen sind ideal für mein Ziel, das nächste Leistungslevel zu erreichen und mich weiter zu professionalisieren. 

Was studierst Du und warum hast Du Dich für die Universität Tübingen entschieden?

Neben der Tenniskarriere habe ich angefangen, an der Universität Tübingen Philosophie auf Bachelor zu studieren. Ich interessiere mich sehr für Philosophie und will etwas studieren, was mir Spaß macht und was mich persönlich weiterentwickelt. Ich habe mich ganz bewusst für die Tübingen entschieden, weil die Universität hier ein sehr großes Renommee hat. 

Wie lassen sich Sport und Studium vereinen? Wie sind Deine Zukunftspläne?

Profisport und Studium ist eine Gratwanderung, aber es geht. Momentan gilt mein Hauptaugenmerk jedoch dem Tennis. Mein bestes Weltranglistenergebnis war bisher Platz 466 und ich bin eher ein „Spätzünder“. Ich habe aber noch den Ehrgeiz ganz große Turniere zu spielen. Gleichzeitig bleibe ich auch Realist: Im Sport hängt es oft an Kleinigkeiten, ob Du in zwei Monaten ganz große Turniere spielst oder Deine Karriere beenden musst. 

Wie entspannst Du, wenn Du nicht Tennis spielst oder studierst?

Ich bin gerne draußen und liebe es, mich mit Menschen zu unterhalten. Ich lese viel und nebenbei schreibe ich auch Stand-up-Comedy. Das hilft mir, Erlebnisse aus meinen Sportlerleben zu verarbeiten. Sehr wichtig ist für mich, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Wir zocken alle gerne und haben deswegen auch eine eigene Community für Computerspiele gegründet. Da kann ich gut den Kopf frei bekommen. 

Deine Zielsetzung für die Universiade?

Gestern stand die Eröffnungsfeier auf dem Programm. Am 5. Juli beginnt für mich der Wettkampf. Ich trete im Einzel sowie im Doppel mit Christian Seraphim an. Meine Zielsetzung ist ganz klar: mindestens eine Medaille mit nach Hause bringen. Ich habe hart trainiert und zuletzt gute Ergebnisse erzielt. Besonders gute Chancen sehe ich für uns im Doppel.

„Dabei sein ist alles“ – dieses Motto gilt für die Universiade sicher noch stärker als für andere Wettbewerbe und ich freue mich wahnsinnig darauf. Ich freue mich besonders darauf, mich mit vielen anderen Sportlerinnen und Sportlern auszutauschen. Und ich bin sehr stolz, Deutschland vertreten zu dürfen.

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