Uni-Tübingen

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23.10.2017

Hohe Erwartungen: Refugee Programm der Universität Tübingen startet in neue Runde

Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Refugee Programms 2017/2018. Foto: Mirvat El-Dassouki
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Refugee Programms 2017/2018. Foto: Mirvat El-Dassouki

Das Refugee Programm an der Universität Tübingen, dass Geflüchtete mit akademischem Hintergrund in neun Monaten auf ein reguläres Studium vorbereitet, startet in eine neue Runde.


40 neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Syrien, Irak, Iran und Gambia im Alter von 19 bis 34 Jahren lernten sich Anfang Oktober in geselliger Runde kennen. Nach einer ausführlichen Präsentation des intensiven Studienprogramms (Deutschkurse, interkulturelle Orientierungskurse, Fachkurse, Rahmenprogramm, Exkursionen) stellten sich die Neuankömmlinge mit ihren Studienwünschen und Erwartungen ans Programm vor. Hoch im Kurs stehen bei den zukünftigen Studierenden mit Fluchthintergrund die Fächer Medizin, Informatik, Wirtschaft, aber auch Friedensforschung, Medienwissenschaften oder Islamische Theologie.


Die in einem langen Bewerbungsverfahren ausgewählten Studierenden des Refugee Programms haben sich unter 300 Mitbewerbern durchgesetzt. Sie konnten ein besonders ansprechendes Motivationsschreiben, Deutschkenntnisse auf mindestens B1-Niveau insbesondere im Schriftlichen nachweisen und einen überzeugenden Eindruck im persönlichen Interview hinterlassen. Eine Gruppe – der sogenannte Kurs Einstein – belegt ein deutsch-englisches Programm, während die Gruppe mit dem nach dem schwäbischen Erfinder benannten Namen Daimler alle Kurse auf Deutsch belegt. Hauptziel ist es, innerhalb von neun Monaten auf ein C1-Niveau zu kommen – eine unglaubliche Leistung, denn jeder weiß, wie lange man in der Schule eine Fremdsprache belegen muss, um ein akademisches Niveau (Abiturlevel) zu erreichen.

Fotos: Mirvat El-Dassouki


Nicht nur die Sprache, auch die unterschiedlichen akademischen Traditionen, die Lehr- und Lernkulturen sind völlig verschieden. Daher gibt es besonders viel Raum für interkulturelle Reflexionen in allen Kursen, aber auch genügend Stunden, die die Geflüchteten mit ihren deutschen buddies verbringen. Ob bei Stammtischen, Ausflügen oder Exkursionen, für das Deutschlernen außerhalb des Deutschkurses gibt es zahlreiche Gelegenheiten. Das Konzept des Refugee Programms – neben Deutschkursen auch Kurse wie Politik, Kreatives Schreiben, Mathematik und ein extensives Beratungsangebot für die zukünftigen Studierenden bereitzustellen - führte im vergangenen Programm bereits zum Erfolg: Viele der ehemaligen Absolventen studieren inzwischen: Medizin, Informatik, Wirtschaft und Computerlinguistik. Einige andere haben sich auch für einen Ausbildungsplatz entschieden. „Unser Programm ist bewusst offen, denn viele Geflüchtete wissen anfangs noch nicht, dass es viele Wege zu einem soliden und gut bezahlten Beruf in Deutschland gibt“, meint Christine Rubas, Leiterin des Refugee Programms. Daher sei es auch Aufgabe eines Vorstudiums, die Menschen über die Begriffe Hochschule, Fachhochschule, Duale Hochschule und Duale Ausbildung aufzuklären. Denn es gibt viele interkulturelle Missverständnisse, die im schlimmsten Fall zu Irrwegen, Frustrationen oder mögliche Studienabbrüche führen können. „Ich bin gespannt, was mich hier erwartet“, sagt Ammar Karzon, der bereits in Syrien Innenarchitektur studiert hat. „Ich bin bereit und hoffe, dass das Refugee Programm mir endlich den Weg in eine bessere Zukunft in Deutschland weist.“

Christine Rubas, Uschi Kübler-Hampel und das Refugee Programm Team

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