Uni-Tübingen

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16.07.2018

Neue Emmy Noether-Forschungsgruppe zur Wechselwirkung zwischen Ozean und antarktischen Eisschelfen

Der Geophysiker Reinhard Drews wirbt Förderung für eigenständige Arbeitsgruppe ein

Reinhard Drews. Foto: Friedhelm Albrecht
Reinhard Drews. Foto: Friedhelm Albrecht

Dr. Reinhard Drews, Postdoktorand im Bereich Geologie und Geodynamik der Universität Tübingen unter der Leitung von Professor Todd Ehlers, erhält im Rahmen des Emmy Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die Möglichkeit, eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. Sein Forschungsprojekt „Quantifizierung der Wechselwirkungen zwischen Eis und Ozean mittels geophysikalischer Methoden und Modellierungen“ wird in den kommenden fünf Jahren mit rund 1,5 Millionen Euro gefördert.


Drews untersucht die Dynamik von Eisschichten. Sein Untersuchungsgebiet ist die Antarktis, die er bereits vier Mal im Rahmen von deutschen und belgischen Antarktisprogrammen für Forschungsfeldarbeiten bereist hat. In seinem Emmy Noether-Projekt will er geophysikalische Methoden mit der Robotik verbinden, um die Strukturen und die Stabilität der schwimmenden antarktischen Eisschelfe zu untersuchen. Ziel ist es, die Schmelzraten abzuleiten, um Vorhersagen zur Entwicklung des Meeresspiegels zu verbessern. „Es sind hauptsächlich zwei Mechanismen, die das Eis in der Antarktis zum Schmelzen bringen: Zum einen brechen am äußersten Rand immer wieder Eisberge ab, das nennt man Kalben. Sie driften ab und schmelzen in anderen Regionen. Zum anderen transportiert der Ozean Wärme an den Eisschild, der dadurch an der Basis abschmilzt“, erklärt Reinhard Drews. Im neuen Projekt will er vor allem den Einfluss des Ozeans auf die Schmelzrate untersuchen. Außerdem interessiert ihn, wie stark Klimaschwankungen diese Dynamik beeinflussen.


An der Universität Tübingen arbeitet Drews mit Professor Todd Ehlers aus dem Bereich Geologie und Geodynamik, dem Informatiker Professor Andreas Zell, Professor Paul Bons aus der Strukturgeologie zusammen sowie mit Juniorprofessorin Ilka Weikusat, die die Mikrostruktur von Eis untersucht. Weitere externe Kooperationspartner sind das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar-und Meeresforschung, die Université Libre de Bruxelles und das Forschungszentrum Jülich.


Reinhard Drews studierte Physik an der Universität Bremen und wurde 2012 mit einer Arbeit über die Rekonstruktion von Klimasignalen aus der Schichtung des Antarktiseises am Alfred-Wegener-Institut promoviert. Nach seiner Promotion forschte er bis 2016 als Postdoktorand an der Université Libre de Bruxelles in Belgien und seither an der Bayrischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Tübingen. Die Förderung im Emmy Noether-Programm bietet Nachwuchswissenschaftlern einen Weg zu früher wissenschaftlicher Selbständigkeit, um durch die Leitung einer eigenen Arbeitsgruppe die Befähigung zum Hochschullehrer zu erwerben.


Janna Eberhardt

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