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17.03.2026

Bekämpfung digitaler Desinformation: Wie kann KI im Journalismus transparent gekennzeichnet werden?

Bundesforschungsministerium fördert Projekt unter Federführung der Universität Tübingen für drei Jahre mit rund einer Million Euro

Alexandra-Gwyn Paetz (links), Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, überreicht die Förderbewilligung für das Projekt "VITraDes" an Professorin Dr. Jessica Heesen, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen

Am 16. März 2026 war offizieller Startschuss für die neue Förderkampagne des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zur Bekämpfung digitaler Desinformation. Die Kampagne fördert bis 2029 zunächst elf Forschungsprojekte mit dem Ziel, gesellschaftliche und technologische Resilienz gegen digitale Desinformation nachhaltig zu stärken.

Vertrauenswürdige Information und Transparenz zu Algorithmen und lernenden Systemen im Journalismus

Das Projekt „Vertrauenswürdige Information und Transparenz zu Algorithmen und lernenden Systemen im Journalismus“ (VITraDes) unter Leitung von Professorin Dr. Jessica Heesen vom Internationalem Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen zielt darauf ab, durch transparente Kennzeichnung von KI-Einsatz diese Lücke im Journalismus zu schließen und einen Beitrag zur Stärkung einer vertrauenswürdigen öffentlichen Kommunikation zu leisten. Konkret möchte das Projektteam praxisorientierte Leitlinien für die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte entwickeln und Bildungsangebote für Medienschaffende erstellen. Das interdisziplinäre Vorgehen basiert auf der Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten aus Ethik, Recht und Journalistik. So werden im Vorhaben bestehende Regularien und Selbstverpflichtungen analysiert, partizipative Workshops mit Journalistinnen und Journalisten und weiteren relevanten Akteuren durchgeführt sowie auf diese zugeschnittenen Bildungsangebote entwickelt und evaluiert. Zudem wird untersucht, wie solche Selbstregulierungsansätze der Medien von Online-Plattformen aufgegriffen werden können. Im Fokus steht die Entwicklung eines Standards, der sowohl rechtlich tragfähig als auch für die journalistische Praxis umsetzbar ist.
Innovationen und Perspektiven

Die Forschenden streben, über einzelne technische Lösungen hinausgehend, eine umfassende, branchenübergreifende Lösung für KI-Transparenz an. Die Ergebnisse sollen nicht nur die Medienbranche stärken, sondern auch als Grundlage für Selbstregulierung der Medien und staatliche Regulierungsansätze dienen und somit einen Beitrag zur Stärkung einer vertrauenswürdigen öffentlichen Kommunikation leisten.

Die Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre bis März 2029, die Fördersumme beträgt 1,08 Millionen Euro. Projektpartner der Universität Tübingen sind die Technische Universität Dortmund und die Universität Bayreuth.

Desinformation – erkennen, verstehen, abwehren

Die Kampagne „Desinformation – erkennen, verstehen, abwehren“ des BMFTR hat das Ziel, gesellschaftliche und technologische Resilienz gegen digitale Desinformation nachhaltig zu stärken. Sie ist Teil des Forschungsrahmenprogramms der Bundesregierung zur IT-Sicherheit „Digital. Sicher. Souverän.“

Gezielte Versuche der Täuschung und Manipulation durch bewusst verbreitete Desinformation haben erhebliche Auswirkungen auf das demokratische Gemeinwohl und das Vertrauen in staatliche Institutionen. Digitale Plattformen, soziale Netzwerke und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) haben die Erstellung und Verbreitung von Desinformation stark vereinfacht.

Umgekehrt können technische Lösungen beispielsweise durch KI dazu beitragen, Desinformation besser zu erkennen, zu verstehen und abzuwehren. Die BMFTR-Fördermaßnahme verbindet technische Innovation mit gesellschaftswissenschaftlicher Analyse und beschleunigt den Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.

Erkennen, verstehen, abwehren: elf neue Forschungsprojekte

Um unsere Gesellschaft gegen Desinformation zu stärken, fördert das BMFTR mit zunächst insgesamt mehr als 20 Millionen Euro elf interdisziplinäre Forschungsprojekte. Die Projektteams untersuchen, wie Desinformation entsteht, wie sie sich verbreitet, wie sie wirkt und wie ihr wirksam begegnet werden kann:

  1. Desinformation erkennen
    Entwicklung von Methoden und Technologien zur Erkennung von Desinformation und Desinformationskampagnen – multimodal (Text, Bild, Audio, Video), mehrsprachig und über neue Verbreitungswege.
  2. Desinformation verstehen
    Erforschung von Wirk- und Verbreitungsmechanismen, Narrativen und Manipulationsstrategien sowie ihrer Folgen für Individuen, Gesellschaften und das Vertrauen in demokratische Institutionen.
  3. Desinformation abwehren
    Konzeption und Entwicklung von Schutzstrategien sowie wirksamer Gegenmaßnahmen auf technologischer und gesellschaftlicher Ebenen und niedrigschwelligen Aufklärungsformaten orientiert an den Bedürfnissen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen zur Stärkung gesellschaftlicher Resilienz und Medienkompetenz.

Meldung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt 

 

Kontakt:

Professorin Dr. Jessica Heesen 
Universität Tübingen
Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)
+49 7071 29-77983
jessica.heesenspam prevention@uni-tuebingen.de