Uni-Tübingen

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23.06.2026

Buchprojekt zur Rolle Jesu in den großen monotheistischen Religionen

Religionshistoriker Holger Zellentin erhält Opus-Magnum-Förderung

Professor Dr. Holger Zellentin

Der Religionshistoriker Dr. Holger Zellentin, Professor am Seminar für Religionswissenschaft und Judaistik der Universität Tübingen (Evangelisch-Theologische Fakultät), erhält eine Opus-Magnum-Förderung der Volkswagenstiftung. In einem Publikationsprojekt wird Zellentin untersuchen, wie ähnlich und wie unterschiedlich Juden, Christen und Muslime das Verhältnis der Figur Jesus zum Begriff des „ursprünglichen Gesetzes“ aushandelten. Besonders die Verwobenheit der Begrifflichkeiten rabbinischer Juden, syrischer Christen und des Korans öffnet neue Perspektiven auf die eng verbundene Geschichte der drei großen monotheistischen Religionen, die bis heute der Spätantike verpflichtet ist. Mit der Opus-Magnum-Förderung wird eine Vertretung Zellentins über drei Semester finanziert, in denen sich der Wissenschaftler voll seinem Buchprojekt mit dem Arbeitstitel „Jesus and the Original Law in Judaism, Christianity and Islam” widmen kann.

Die Tora ist in der jüdischen Tradition als Gesetz Gottes eine zentrale Schrift. Die Rolle Jesu in Bezug auf dieses Gesetzeswerk interpretierten Juden, Christen und Muslime in der Spätantike jedoch unterschiedlich: Christen im römischen Reich sahen in der Kreuzigung Jesu eine Aufhebung der Tora, also eine Befreiung vom Joch des Gesetzes für Juden und Heiden gleichermaßen. Jüdische, christliche und islamische Traditionen im Mittleren Osten dagegen verstanden das Wirken Jesu als eine praktische, rechtliche Bestätigung der ursprünglichen Tora, die mit einer Aufhebung sekundärer Zusätze einherging. In seinem Buchprojekt will Holger Zellentin diese unterschiedlichen Vorstellungen nachzeichnen. Er untersucht dazu das Neue Testament, die lateinische, griechische, syrisch christliche und manichäische Literatur, den Talmud und pararabbinische jüdische Traditionen sowie den Koran und bezieht auch wichtige mittelalterliche jüdische und christliche sowie klassische islamische Entwicklungen ein.

Ziel der Opus-Magnum-Förderung ist es, Professorinnen und Professoren aus den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, die sich bereits durch herausragende Arbeiten ausgewiesen haben, einen Freiraum für die intensive Arbeit an einem wissenschaftlichen Werk zu eröffnen. Mit der Finanzierung einer Vertretungsprofessur soll das Format auch dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine zusätzliche Perspektive eröffnen. Die Projektförderung für Holger Zellentin läuft bis zum Sommer 2028.

Weitere Informationen

Webseite von Holger Zellentin