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02.02.2026
Industry of Beauty: Wie römische Kaiserinnen in Serie gingen
Eine neue Ausstellung im Museum der Universität Tübingen zeigt, wie Bildnisse römischer Kaiserinnen über Jahrhunderte reproduziert wurden – von antikem Marmor bis zum modernen 3D-Druck.
Statuen römischer Kaiserinnen haben neben den Statuen römischer Kaiser das Stadtbild des Imperium Romanum geprägt, damit Schönheitsideale definiert und letztlich Weiblichkeit im Reich normiert – vergleichbar mit Barbiepuppen für heutige Vorstellungen von Schönheit. Die Ausstellung Industry of Beauty. Vom Marmor zum Pixel: Reproduktionen römischer Kaiserinnen zeigt von 6. Februar bis 5. Mai 2026 im Museum Alte Kulturen auf Schloss Hohentübingen, wie diese Bildnisse in der Antike hergestellt, verbreitet und immer wieder kopiert wurden.
Mit dem Beginn des Prinzipats unter Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) begann eine bis dahin einzigartige Massenverbreitung von Bildnissen der kaiserlichen Familie. Besonders die Porträts von Kaiserinnen und Prinzessinnen wurden zu Reichweitenträgerinnen neuer Ideale und Normen. Funde solcher Bildnisse aus Spanien und Italien ergänzen sich dabei so exakt, dass sie auf identische Bildtypen zurückgeführt werden können – und so ein verbreitetes Idealbild römischer Weiblichkeit im Imperium Romanum sichtbar machen.
Antike Werkstätten und moderne Technik im Spiegel
Die Ausstellung führt am Beispiel der Frauen des julisch-claudischen Kaiserhauses die antiken Praktiken der Reproduktion dreidimensionaler Darstellungen vor Augen – und stellt die Methoden späterer Jahrhunderte gegenüber. Gezeigt werden händisch ergänzte und kopierte Marmorstatuen aus dem Zeitraum des 16. bis 18. Jahrhunderts; präzise Gipsabgüsse, die seit Jahrhunderten genutzt werden; digitale 3D-Modelle und aus Kunststoff gefertigte 3D-Drucke, die Bildnisse heute berührungsfrei und millimetergenau erfassen.
Unter den Ausstellungsstücken ist eines besonders eindrucksvoll: Ein nach antiken Vorbildern kopierter Marmorkopf des Bildhauers Francesco Antonio Franzoni (1734–1818), ein Leihstück der Münchner Glyptothek. Der Marmorkopf zeigt, wie nahe frühe Bildhauer der Antike kommen konnten. Zudem wurde in Kooperation mit Tübingen in der Glyptothek erstmals ein Gipsabguss einer bislang nie abgeformten Gewandstatue der Kaiserin Livia hergestellt. Der Abguss wird nach Ende der Ausstellung dauerhaft Teil der Tübinger Abguss-Sammlung – ermöglicht durch eine großzügige Förderung des Vereins der Freunde des Museums Schloss Hohentübingen.
Vernissage am 5. Februar mit Vorträgen und Empfang
Die Ausstellung ist ein gemeinsames Unterfangen des ERC-Projekts The Roman Emperor Seen from the Provinces (Universität Verona) und des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Tübingen. Daran beteiligt sind unter anderem Professor Dario Calomino und Dr. Julia Lenaghan (Universität Verona), Professorin Cristina Murer und Dr. Martin Kovacs (Universität Tübingen). Alle forschen zur römischen Porträtkunst und Repräsentation – mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber einer gemeinsamen Frage: Wie wurden in der Antike Bildnisse reproduziert?
Die feierliche Eröffnung findet am Donnerstag, 5. Februar 2026, um 18 Uhr im Rittersaal des Schlosses Hohentübingen statt. Sprechen werden die Dekanin der Philosophischen Fakultät, Professorin Angelika Zirker, ferner Professor Ernst Seidl, Leiter des Museums der Universität Tübingen, sowie Professorin Cristina Murer, Professor Dario Calomino, Dr. Julia Lenaghan und Dr. Martin Kovacs. Im Anschluss gibt es einen kleinen Empfang und Gelegenheit zum Gespräch mit den Ausstellungsmacherinnen und -machern.
Am Freitag, 6. Februar, öffnet die Schau für das breite Publikum.