Uni-Tübingen

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02.06.2026

„Kita Lingua“ - dritter Jahrgang feiert Abschluss

Die Teilnehmenden des Kita-Lingua Programms.

19 Teilnehmerinnen aus acht Nationen haben nach sechs Monaten intensiver Vorbereitung den Abschluss des Kita-Lingua-Programms gefeiert. Das gemeinsame Qualifizierungsprogramm der Universität Tübingen und der Stadt Tübingen bereitet Menschen mit Migrationsgeschichte sprachlich auf eine Ausbildung in Erziehungsberufen vor – und gewinnt so zusätzliche Fachkräfte. Zehn der Teilnehmerinnen wechseln direkt auf offene Stellen in städtische Kindertageseinrichtungen.

Kita Lingua ist eine Initiative des International Office der Universität Tübingen um Dezernatsleiterin Dr. Christine Rubas.  Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass es auf der einen Seite entmutigte Geflüchtete gab, die trotz guter Qualifikation wegen sprachlicher und struktureller Barrieren keinen Fuß auf dem deutschen Arbeitsmarkt fassen konnten. Auf der anderen Seite suchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeblich eine Betreuung für ihre Kinder. Der Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen führt auch in Tübingen dazu, dass Betreuungsplätze fehlen – obwohl die Universität in Kooperation mit der Stadt die Kapazitäten für ihre Beschäftigten bereits ausgebaut hat.

Universitäre Kompetenz gegen Fachkräftemangel in der Region

„Mit Kita Lingua bringen wir zwei Bedarfe zusammen: Wir möchten die Menschen, die zu uns gekommen sind, dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln und ihren beruflichen Weg zu gehen. Gleichzeitig gewinnen wir so die dringend benötigte Unterstützung für die Kinderbetreuung“, sagt Rubas. Die Expertise am International Office – Beratung zum deutschen Ausbildungssystem, Sprachqualifizierung und der Umgang mit internationalen Bildungsbiografien – kommt so über das Projekt direkt der Region zugute. Die Bilanz nach drei Jahren ist positiv: „Der Großteil der Absolventinnen hat eine Ausbildung oder Anstellung in Kitas in der Tübinger Umgebung angetreten“, so Rubas. „Der Erfolg zeigt sich auch in einer weiterhin großen Nachfrage nach den Kursplätzen.“ 

Sprachliche Qualifizierung für den Berufseinstieg

Das Programm dauert sechs Monate.  Zentrales Element ist ein intensiver, berufsbezogener Sprachkurs mit dem Zielniveau B2, der Voraussetzung für eine Ausbildung im Erziehungsbereich ist. Der Unterricht findet vormittags oder nachmittags statt, sodass die Teilnehmerinnen die Zeit wählen können, die mit ihren Lebensumständen am besten zu vereinbaren ist. Ergänzend stehen Grundlagen der frühkindlichen Pädagogik, Fachsprache für den Kita-Alltag und Workshops zur interkulturellen Kompetenz auf dem Programm. Praktika in Tübinger Einrichtungen geben Einblick in den Kita-Alltag und ermöglichen erste praktische Erfahrungen.

Fachvokabular wie „Klettergerüst“ mitgedacht 

Die Wirkung zeigt sich am Beispiel der Kursabsolventinnen Karina Horodyska aus der Ukraine und Adriana Vazquez Coronel aus Argentinien, die zu Beginn vor allem mit sprachlicher Unsicherheit im Berufsalltag zu kämpfen hatten.

Horodyskas Ausbildung zur Grundschullehrerin wird in Deutschland nicht anerkannt. Im Anpassungspraktikum zur Erzieherin stellte sie schnell fest, dass ihr Sprachvermögen auf B1-Niveau für den pädagogischen Alltag nicht ausreicht. Teamsitzungen, Elterngespräche und die Alltagssprache der Kinder waren eine Herausforderung.
In Kita Lingua lernte sie fachspezifisches Vokabular, das in allgemeinen Sprachkursen kaum vermittelt wird – etwa Begriffe wie „Eingewöhnung“, „Träger“, „Klettergerüst“ oder “Kinderkrankheiten”.

Adriana Vazquez Coronel hatte eine Ausbildung zur Jugend- und Heimerzieherin begonnen, empfand die sprachlichen Anforderungen jedoch ebenfalls als große Hürde. Nach der Geburt ihres Sohnes fiel es ihr schwer, wieder in den beruflichen Alltag zurückzufinden. Das strukturierte Lernen in der Gruppe sowie familienfreundliche Kurszeiten halfen ihr, ihre Ausbildung wieder aufzunehmen.

Heute blicken beide optimistisch in die Zukunft: Karina Horodyska wird nach Abschluss ihres Anpassungspraktikums eine Festanstellung in einer städtischen Einrichtung antreten. Adriana Vazquez Coronel setzt ihre Ausbildung fort und ist zuversichtlich, diese mit den erworbenen Sprachfähigkeiten erfolgreich abschließen zu können.

Die Bewerbungsphase für den nächsten Kurs läuft noch bis zum 19. Juni 2026. Bewerbungen können per E-Mail an kitalinguaspam prevention@daf.uni-tuebingen.de eingereicht werden.