Uni-Tübingen

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08.06.2018

Sarah Wiethoff erhält den Förderpreis „For Women in Science“

Die Medizinerin erforscht die genetischen und zellulären Grundlagen von seltenen neurodegenerativen Erkrankungen und vereinbart erfolgreich Karriere und Familie

Dr. Dr. Sarah Wiethoff erforscht die genetischen und zellulären Grundlagen von seltenen neurodegenerativen Erkrankungen. Copyright: Peter Böttcher/L‘Oréal

Dr. Dr. Sarah Wiethoff vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, dem Universitätsklinikum sowie der Universität Tübingen ist mit dem diesjährigen „For Women in Science“-Förderpreis ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird jährlich von der deutschen UNESCO-Kommission und L’Oréal Deutschland in Partnerschaft mit der Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung an herausragende Wissenschaftlerinnen mit Kindern vergeben. Wiethoff erforscht die genetischen und zellulären Grundlagen von seltenen neurodegenerativen Erkrankungen. Zusätzlich bildet sich die Medizinerin und bald zweifache Mutter zur Fachärztin für Neurologie fort. Die Preisverleihung fand am 4. Juni 2018 im Rahmen der „Global Female Leaders“ Konferenz in Berlin statt.

„Die ideelle und finanzielle Unterstützung durch den Förderpreis gibt Mut und Aufwind“, erklärt Preisträgerin Wiethoff. „Erfolgreich Wissenschaft zu betreiben ist eine Herausforderung – mit Kindern ist es noch einmal mindestens doppelt so schwer. Da ist es toll, dass ein solches Programm existiert.“ Das Preisgeld ist zur einen Hälfte für praktische Unterstützung wie Haushaltshilfe und Kinderbetreuung sowie fachliche Fortbildungen vorgesehen. Zur anderen Hälfte sollen mit seiner Hilfe am Forschungsinstitut, an dem die Preisträgerin arbeitet, Maßnahmen umgesetzt werden, die langfristig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern. Hier fände die angehende Neurologin personelle Unterstützung auf der Krankenstation sehr hilfreich: „In der Klinik fallen immens viele Überstunden an, was mit kleinen Kindern nicht immer einfach zu verbinden ist. Viele junge Mütter brechen deshalb die Facharztausbildung ab oder nehmen lange Auszeiten, der Wiedereinstieg verläuft oft zusätzlich schwierig. Das muss so nicht sein.“

Neben der finanziellen Unterstützung schätzt Wiethoff am „For Women in Science“-Förderprogramm darüber hinaus die Möglichkeit, mit anderen Preisträgerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen und sich zu vernetzen: „Es ist unheimlich spannend und hilfreich, sich mit so erfahrenen Forscherinnen und ausgesprochenen Persönlichkeiten wie Christiane Nüsslein-Volhard auszutauschen“, so Wiethoff.

In ihrer Forschung beschäftigt sich die 32-Jährige mit seltenen neurologischen Erkrankungen. Dabei interessieren sie insbesondere Bewegungsstörungen, wie etwa die Eisenspeichererkrankungen des Gehirns (NBIA, vom englischen Begriff Neurodegeneration with Brain Iron Accumulation) oder seltene erbliche Ataxien. Den Erkrankungen ist gemein, dass sie auf Fehlern im Erbgut beruhen. Wiethoffs Ziel ist, neue Gendefekte zu entdecken und die damit verbundenen klinischen Erscheinungsbilder und zellulären Prozesse genau zu beschreiben. „Unterschiedliche Genmutationen können ganz unterschiedliche Symptome hervorrufen“, erklärt die Hirnforscherin. In einem Kooperationsprojekt mit dem Institute of Neurology am University College in London hat sie bereits an der Entdeckung eines neuen Gens mitgewirkt, welches zu einer Eisenspeichererkrankung des Gehirns führt. Außerdem hat sie an der Identifizierung mehrerer weiterer neuer Genvarianten gearbeitet, welche seltenen Bewegungsstörungen zugrunde liegen.

Aktuell erstellt Wiethoff mit ihren Kollegen eine Biobank, in der Proben – wie etwa Hautzellen – von Patienten mit seltenen erblichen Ataxien eingespeist und gespeichert werden. „Aus diesem einfach und risikoarm zu gewinnenden Biomaterial erstellen wir Stammzellen, welche wir wieder in Nerven- und Stützzellen des Gehirns differenzieren können. Wir können somit am ‚menschlichen Neuron in Aktion‘ von betroffenen Patienten erforschen, was im einzelnen Fall zur Neurodegeneration führt und Prozesse identifizieren, an denen wir therapeutisch ansetzen können“, erläutert die Medizinerin. Die generierten Stammzellen stellen die Wissenschaftler auf Anfrage auch anderen Forschern zur Verfügung. „Mit Hilfe unterschiedlicher Kollaborateure können wir die zeit- und arbeitsaufwendige Erforschung der zellulären Defekte effektiver vorantreiben.“

Um sich neben ihrer klinischen Ausbildung so viel wie möglich der Wissenschaft widmen zu können, hat Wiethoff, die Mutter einer einjährigen Tochter ist und derzeit ihr zweites Kind erwartet, eine Haushaltshilfe eingestellt. „Das ist eine unheimliche Entlastung und war das erste, was ich unverzüglich mit dem Preisgeld gemacht habe. Der Förderpreis hilft auch bei der Finanzierung von Tageseltern während meiner Arbeitszeit. So kommt auch dieser Teil des Preisgeldes unmittelbar der Forschung zu Gute.“ Die Medizinerin und Nachwuchswissenschaftlerin möchte anderen Frauen in ähnlicher Lage Mut zusprechen, trotz Drucks von außen ihre Ziele im eigenen Tempo zu verfolgen. „Es lohnt sich“, sagt sie.

Dr. Mareike Kardinal, Leitung Kommunikation, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung“.

Pressekontakt:

Dr. Mareike Kardinal

Leitung Kommunikation

Hertie-Institut für klinische Hirnforschung

Otfried-Müller-Str. 27

72076 Tübingen

Tel: 07071 29-8 88 00

Fax: 07071 29-2 50 04

Mail: mareike.kardinalspam prevention@medizin.uni-tuebingen.de

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