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30.01.2026
Vom Zettelkatalog zur digitalen Plattform: 50 Jahre Index Theologicus
Der IxTheo prägt seit 1975 die theologische Forschung. Heute ist er eine unverzichtbare internationale Open-Access-Datenbank und wird von der Universitätsbibliothek der Universität Tübingen verantwortet. Ein Festakt im Februar feiert die Leistung.
Als im Jahr 1975 die ersten Hefte des „Zeitschrifteninhaltsdienst Theologie“ erschienen, recherchierte und las die Welt noch rein analog. Monat für Monat druckte die Universitätsbibliothek Tübingen Inhaltsverzeichnisse und Register der wichtigsten theologischen Zeitschriften. „Der Auftrag hieß Sammeln“, sagt Martin Faßnacht, Leiter der Abteilung Fachinformationsdienste (FID) und seit 2011 an der Universitätsbibliothek Tübingen beschäftigt. Bücher und Zeitschriften kaufen, erschließen, verfügbar machen – das war die Aufgabe der Sondersammelgebiete.
Fünf Jahrzehnte später haben viele Menschen gemeinsam aus dem Zettelkatalog eine digitale Plattform entwickelt: den Index Theologicus (IxTheo). Er stellt heute die weltweit größte Open-Access-Bibliografie mit etwa 4,9 Millionen Einträgen für Theologie und Religionswissenschaft dar. Enthalten sind wissenschaftliche Literatur zum Christentum und zum interreligiösen Dialog – konfessions-, sprachen- und medienübergreifend. „IxTheo ist heute ein One-Stop-Hub für den Fachinformationsdienst Theologie“, sagt Martin Faßnacht, der auch die Projektkoordination des Index Theologicus leitet. Denn mittlerweile listet der Index zentral Aufsätze, Monografien, Datenbanken, Archivmaterial sowie moderne Formen der Wissenschaftskommunikation wie Blogs und Podcast.
Von der CD-ROM ins Netz
Im Jahr 1995 entwickelte sich der gedruckte Dienst zur Datenbank, zunächst auf Disketten und CD-ROM, organisiert von der Universitätsbibliothek der Universität Tübingen. Seit dem Jahr 2007 steht IxTheo online und kostenlos zur Verfügung. Die Datenbank wertet mehr als 1.200 internationale Fachzeitschriften aus, viele davon vollständig und bis zurück zum Erscheinungsbeginn. Ferner sind auch historische Titel ab dem 15. Jahrhundert nachgewiesen.
Mit dem Wechsel zum Förderformat der Fachinformationsdienste (FID) begann im Jahr 2015 eine neue Ära. „Die Jahre 2015 bis 2017 können mit Fug und Recht als bedeutende Entwicklungsphase bezeichnet werden“, wie Martin Faßnacht betont. Durch technische Innovationen wie die Volltextsuche, die automatisierte Erschließung sowie die Integration internationaler Bibliografien entwickelte sich IxTheo im Verlauf dieser Jahre zu einem modernen Instrumentarium für Forschende der Theologie und angrenzender Disziplinen.
Für Fachkreise eine unverzichtbare Infrastruktur
Der FID Theologie, angesiedelt an der Universitätsbibliothek Tübingen und gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, ergänzt die Plattform durch neue Dienstleistungen: Open-Access-Publikationen, Digitalisierung on Demand und Beratung zum Forschungsdatenmanagement.
„Die Erstellung von anspruchsvollen, inhaltlich sinnvollen Bibliografien ist aufwändig und erfordert hohe fachliche, bibliothekarische und technisch-innovative Kompetenzen“, sagt Martin Faßnacht. IxTheo gilt heute in Fachkreisen weltweit als unverzichtbare Infrastruktur und ist das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit – und der Bereitschaft, neuen Entwicklungen offen gegenüberzustehen und für die Open-Access-Bibliografie aufzugreifen.
Ein solidarisches System für die Wissenschaft
Nach zwölf Jahren Förderung im FID-Förderformat kann der FID Theologie in das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) langfristig ausgelegte Förderformat FIDplus wechseln. Das FIDplus Format beruht auf bewährten Prinzipien, die bereits in der Sondersammelgebiets- und FID-Förderung etabliert wurden. Dienstleistungen werden jeweils an dem Standort erbracht, der hierfür fachlich, technisch und organisatorisch am besten geeignet ist. Aufgaben werden nicht doppelt vorgehalten, sondern dort angesiedelt, wo die größte Expertise vorhanden ist.
Das Prinzip der Solidarität beschreibt ein arbeitsteiliges, verteiltes System: Alle beteiligten Standorte bringen ihre jeweiligen Stärken ein und profitieren von den Leistungen der anderen. Die Universität Tübingen profitiert von diesem solidarisch organisierten System in zweifacher Hinsicht: Einerseits ziehen Forschung und Lehre unmittelbar Nutzen aus den drei an der Universitätsbibliothek Tübingen verantworteten Fachinformationsdiensten Theologie, Religionswissenschaft und Kriminologie. Andererseits profitiert der Standort Tübingen als Volluniversität in 147 Studiengängen, Fächern und Forschungsprojekten von den Leistungen weiterer 35 Fachinformationsdienste, die an anderen Standorten in Deutschland angesiedelt sind.
Festakt und Ausblick
Am Donnerstag, 12. Februar 2026, wird das IxTheo Jubiläum mit einem Festakt für geladene Gäste in der Alten Aula gefeiert. Grußworte sprechen Vertreterinnen und Vertreter der Universität Tübingen, die Dekaninnen der beiden theologischen Fakultäten und Vertreter der (inter-)nationalen Kooperationspartner, den Festvortrag hält Professorin Dr. Marianne Heimbach-Steins (Universität Münster).
Ein Nachtkonzert mit französischer Orgelmusik schließt den Festakt ab. Das Konzert in der benachbarten Stiftskirche beginnt um 21:15 Uhr, zu dem die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist.
Die Jubiläumsfeier wird von einer Fachtagung zur Zukunft der Theologie im digitalen Zeitalter am 12./13. Februar gerahmt.
Stefan Bentele