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24.02.2026
Workshop der Tübinger Theologien zum Thema „Religion und extreme Rechte“
Im Workshop „Religion und extreme Rechte“ stellen Forschende aus den Tübinger Theologien ihre Untersuchungsergebnisse vor und diskutieren diese gemeinsam mit einer interessierten Öffentlichkeit. Der Workshop findet am Donnerstag und Freitag, dem 5. und 6. März 2026, im Theologicum der Universität Tübingen (Liebermeisterstraße 16) statt. Inte-ressierte aus den Kirchen und Religionsverbänden sowie aus der Zivilgesellschaft sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist gewünscht über https://eveeno.com/religionundextremerechte .
Weltweit erstarkt die extreme Rechte, so auch in Deutschland. Von der politischen Linken hat sie gelernt, dass kulturelle Hegemonie nur auf einem Weg zu erreichen ist: Indem man sich an unterschiedliche Milieus der Gesellschaft anschließt und Allianzen bildet. Dement-sprechend bietet sich die extreme Rechte auch den gesellschaftlich einschlägigen Religionen an – in der Bundesrepublik „dem“ Christentum und „dem“ Islam. Dafür greift sie die Themen und Positionen eines rechtsgestimmten, häufig fundamentalistischen oder integralistischen Christentums auf, vor allem die dort herrschende Gegenwartskritik. Die extreme Rechte geht von einem Niedergang der gegenwärtigen Verhältnisse aus und verspricht, danach eine christliche Ordnung wiederherzustellen. Sie stellt in Aussicht, das Christentum neu zu beleben, auch gegen die Amtskirchen, denen sie eine Mitverantwortung für diesen Zusammenbruch gibt. Eine ähnliche Konstellation zeigt sich, wenngleich öffentlich kaum bemerkt, in muslimischen Milieus, wenn ein konservativer Islam von extrem rechten und integralistischen Organisationen angesprochen und vereinnahmt wird.
Am Tübinger „Campus der Theologien“ beschäftigen sich Forschende aus den beiden christlichen Theologien und aus der islamischen Theologie mit der religiösen Verarbeitung des Rechtsrucks und der kulturellen Hegemonie der extremen Rechten. Sie untersuchen aber auch den Rechtsruck innerhalb der Religionen selbst: Sowohl im Christentum als auch im Islam wird das religiöse Wissen nach extrem rechts hin ausgedeutet und auf die Narrative der extremen Rechten zugespitzt. Umgekehrt greift die extreme Rechte Triggerthemen der christlichen und islamischen Rechten auf. Nicht immer bewusst und geplant, manchmal auch eher unbeholfen, kommen so rechte Religion und extreme Rechte überein – und wirken in den Religionen schismatisch. Ebenso interessiert in den drei Tübinger Theologien, wie sich Glaubensgemeinschaften, Kirchen und Religionsverbände dem Rechtsruck widersetzen, wie sie dem Missbrauch ihrer religiösen Ressourcen widersprechen und die extreme Rechte bekämpfen.
Mitveranstalter des Workshops sind die Evangelische Akademie Bad Boll, die Katholische Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus sowie das Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenrechte der Katholischen Kirche in Bayern.
Matthias Möhring-Hesse
Professur Theologische Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen