Uni-Tübingen

Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 3/2021: Forum

Alltagskultur und medizinische Weiterbildung fürs Ohr

Wissenschaftliche Podcasts an der Universität Tübingen

„Der Podcast am LUI ist letzten Sommer bedingt durch die Coronakrise aus der Not heraus geboren. Da ich selbst sehr gerne Podcasts höre und dieses Format sehr spannend finde, hatte ich aber schon länger vor, so etwas einmal selbst umzusetzen“, sagt Helen Ahner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft (LUI). Sie hat im Sommersemester 2020 gemeinsam mit Professor Dr. Thomas Thiemeyer das Institutskolloquium zum Thema „Technikforschung in der Kulturwissenschaft“ erstmals als Podcast stattfinden lassen. „Als Institut, das Alltagskultur erforscht, finde ich, dass Podcasts hier besonders gut geeignet sind. Zudem läuft das Kolloquium auch in Präsenzzeiten so ab, dass Gäste eingeladen werden, so dass sich das recht einfach in ein solches Format übertragen ließ“, erklärt Ahner. Die Notwendigkeit, durch die Coronakrise das Sommersemester online gestalten zu müssen, habe dann den Anstoß gegeben. 

Sechs Folgen sind dabei entstanden, in denen sich Helen Ahner und Thomas Thiemeyer mit Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus Deutschland und der Schweiz über Technik als kulturwissenschaftliches Terrain ausgetauscht haben. Mit Professorin Dr. Ulrike von Luxburg vom Exzellenzcluster "Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft" war auch eine fachfremde Wissenschaftlerin zum Thema Künstliche Intelligenz zu Gast. Thiemeyer und Ahner sprachen unter anderem mit Professor Dr. Reinhard Johler und Felix Masarovic vom LUI darüber, was Kulturwissenschaft mit dem Einsatz von 3D-Brillen in der ingenieurswissenschaftlichen Lehre zu tun hat, und mit Dr. Maximilian Jablonowski von der Universität Zürich darüber, wie Drohnen und Viren mit Menschen "zusammenleben".

Mehr Reichweite für ein kleines Fach

„Wir wollten den Podcast auch nutzen, um die Reichweite unseres kleinen Faches zu erhöhen, was meiner Meinung nach gut gelungen ist. Unsere Annahme, dass wir damit den heutigen Hörgewohnheiten jüngerer Menschen entgegenkommen, hat sich auch als wahr erwiesen“, berichtet Helen Ahner. Veröffentlicht wurden die Podcast-Folgen auf Soundcloud und auf der Webseite des Institutskolloquiums. Das Einzige, was gegenüber einer Präsenzveranstaltung gefehlt habe, sei die Diskussionsrunde und das tatsächliche Vor-Ort-Sein gemeinsam mit anderen. „Durch den Gesprächscharakter des Podcasts ohne Präsentation haben wir versucht, die fehlende Diskussionsrunde etwas abzufangen.“ 

Nach diesem klassischen Lehrpodcast produzieren Helen Ahner und Ihre Kolleginnen und Kollegen die nächste LUI-Podcast-Reihe nun anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Tübinger Empirischen Kulturwissenschaft (EKW). „Das folgt dann eher der Idee einer Oral History und ist vor allem für die Kulturwissenschafts-Community gedacht“, erklärt Ahner. Ehemalige EKW-Studierende werden von ihrer Zeit am LUI erzählen und erläutern, was das Fach für sie bis heute bedeutet.

"Best Science Communicator"-Award für Podcast „abhoeren“ 

Den Medizin-Podcast „abhoeren“ gibt es seit Juli 2018. Seitdem haben Dr. Moritz Mahling vom Universitätsklinikum Tübingen (UKT) und sein ehemaliger UKT-Kollege Dr. Hanno Bunz 21 Folgen produziert, die sich mit allgemeinen Gesundheitsthemen befassen, sich aber vor allem an medizinisches Fachpersonal richten. Moritz Mahling arbeitet seit 2015 am UKT in der Abteilung für Innere Medizin IV bei Prof. Dr. Andreas Birkenfeld. Im April 2021 wurde der Podcast mit dem "Best Science Communicator"-Award des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) ausgezeichnet. Die 1.000 Euro Preisgeld wurden in neues Equipment für die Podcast-Produktion investiert. 

„INFOsion“ und „Visite“

„Die Auszeichnung bekamen wir vor allem für die Kommunikation von Diabetes-bezogenen Forschungsdaten, was wir in zwei Folgen unseres Formats ‚INFOsion‘ als Thema hatten. Bei der INFOsion versuchen wir, Studienergebnisse in möglichst leicht konsumierbarer Form, nämlich in Reimform in einem 3-5-minütigen Gedicht, zu präsentieren“, erklärt Moritz Mahling. „Medizin ist ein Fach, das sich unglaublich schnell weiterentwickelt. Und mit einem vollen Job hat man nur begrenzt Zeit, um sich mit dem umfangreichen Fachzeitschriftenangebot auf dem Laufenden zu halten. Ich sehe unseren Podcast als Weiterbildungsangebot, das sich die Hörerinnen und Hörer auch nebenbei beim Joggen oder bei einer Autofahrt zu Gemüte führen können“, so Mahling.

Das zweite Format des Podcasts neben der INFOsion ist die „Visite“. Hier sprechen Mahling und Bunz mit Expertinnen und Experten zu aktuellen Themen in der Medizin wie beispielsweise "Humanitäre Aspekte der Corona-Pandemie", "Psychologische Deeskalation" oder "Sedierungsfreie Intensivmedizin". „Das ist bewusst recht locker gehalten, wie eine Art Feierabendgespräch“, sagt Mahling. Die meisten bisherigen Folgen sind noch vor der Coronapandemie entstanden, so dass Mahling und Bunz für die „Visite“ die Podcast-Gäste tatsächlich zu Hause besuchen konnten. „Das sind dann tolle Begegnungen, die auch für uns selbst sehr bereichernd sind.“

Wissenschaftskommunikation für das Fachpublikum

„Bei Wissenschaftskommunikation geht es nicht nur darum, Wissenschaft in die Öffentlichkeit zu tragen, sondern auch darum, neue Forschungsergebnisse zum Fachpublikum zu bringen. Hier sehe ich Podcasts als Format, das sich besonders gut in den Alltag integrieren lässt. Ich denke, dass die Bedeutung von Podcasts bei der Kommunikation innerhalb der Wissenschaft auch noch deutlich zunehmen wird“, so Moritz Mahling. 

Die Folgen von „abhoeren“ sind auf der Webseite des Podcasts sowie auf Spotify und Apple Podcast zu finden. Allein bei Spotify hat der Podcast aktuell rund 12.000 Follower und rund 150.000 Abrufe. Neue Folgen sind für voraussichtlich Ende Juli geplant.

Johannes Baral