Uni-Tübingen

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13.05.2015

„Forschung – Lehre – Unrecht. Die Universität Tübingen im Nationalsozialismus“

In einer Gesamtschau stellt sich die Universität Tübingen nach der Kabinettausstellung zu „Fleischhackers Händen“ nun ihrer Geschichte im Dritten Reich

Im Rahmen des Jahresthemas „Die Universität Tübingen im Nationalsozialismus“ präsentiert das Museum der Universität Tübingen MUT eine weitere Ausstellung: „Forschung – Lehre – Unrecht“ zeigt erstmals an einer deutschen Hochschule die NS-Geschichte einer Universität in einer umfassenden Überblicksdarstellung. Anhand von Objekten, Bildern, Relikten und Dokumenten soll dieser Zeit einer größeren Öffentlichkeit exemplarisch vor Augen geführt werden. Eingebettet ist die Präsentation in Begleitveranstaltungen, Kabinettausstellungen und Publikationen.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, den 21. Mai 2015, um 18 Uhr auf Schloss Hohentübingen eröffnet (Burgsteige 11, 72070 Tübingen). Die interessierte Öffentlichkeit ist dazu herzlich eingeladen.

Das dunkle Kapitel der Nazi-Diktatur in der Geschichte der Universität Tübingen wird in sechs schwarzen Kuben (Abteilungen) präsentiert. In ihnen soll die Vergangenheit Schritt für Schritt greifbar werden. Die Abteilung „Struktur und Planungen“ dokumentiert die politisch-ideologischen und organisatorischen Veränderungen an der Universität Tübingen nach 1933. Bei „Naturwissenschaften und Medizin“ stehen die Konsequenzen der wissenschaftlichen Neuausrichtung im Sinne der Nazi-Ideologie im Fokus. Dazu zählen rassenbiologische Forschungen, aber auch Fragen der Naturwissenschaften, die vor allem auf Nutzen für die Kriegsführung abzielten. Die Abteilung „Kultur- und Geisteswissenschaften“ zeigt, wie diese die kulturelle Bedeutung und Tradition der germanisch-arischen Rassenideologie unterstreichen oder erst konstruieren sollten.

Unter „Lehre und Studium“ ist zu sehen, wie sich der Lehrbetrieb nach 1933 veränderte. Die Exponate dokumentieren eindrücklich, wie die Studierenden ‒ selbst in vermeintlich unpolitischen Fächern ‒ ideologisch beeinflusst und indoktriniert wurden. Auf dem Weg zur NS-„Vorzeigeuniversität“ wurden die Opfer oft ignoriert, aber auch nach 1945 und teilweise bis heute zu wenig beachtet. Deshalb widmet sich eine Abteilung beispielhaft den unterschiedlichen Schicksalen der Opfer. Die Aufarbeitung und die Bewältigung der eigenen Vergangenheit ist ein historischer Prozess, der die Jahrzehnte der deutschen Geschichte nach 1945 bestimmte und in der Abteilung „Nach 1945 ‒ Anknüpfung und Aufarbeitung“ zur Diskussion gestellt wird: Unbewusste Verdrängung, aktive Verleugnung, aber auch kritische Verarbeitung bilden die Pole der öffentlichen Haltung.

Die Ausstellung will ein anschauliches Bild dieser dunklen Epoche bieten. Damit soll eine breite Wahrnehmung der Rolle der Universität Tübingen im Nationalsozialismus – ihrer gesellschaftlichen Verantwortung einst und heute – über die zeit- und fachhistorischen Publikationen hinaus ermöglicht werden.

Das Begleitbuch zur Ausstellung entspricht der Struktur der Ausstellung. Es stellt in kurzen Essays die Abteilungen und die Objektkonvolute in den jeweils relevanten historischen Kontext.

Kontakt und Bildmaterial:

Prof. Dr. Ernst Seidl
Museum der Universität Tübingen MUT
Telefon +49 7071 29-74134
<link mail ein fenster zum versenden der>ernst.seidl[at]uni-tuebingen.de


Ausstellung:
Ort:
MUT | Schloss Hohentübingen | Rittersaal
Burgsteige 11∙ 72070 Tübingen


Laufzeit:

22. Mai bis 13. September 2015

Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Donnerstag 10 bis 19 Uhr

Informationen: 07071-29-77384, <link http: www.unimuseum.de external-link-new-window externen link in neuem>www.unimuseum.de

Organisation: Prof. Dr. Ernst Seidl, Museum der Universität Tübingen MUT

Kooperationspartner: Universitätsarchiv Tübingen, Prof. Dr. Hans-Joachim Lang sowie zahlreiche inner- und außeruniversitäre Sammlungen

Ausstellungsgestaltung: Stephan Potengowski Formgebung

Licht: Jens Maier/Maierlighting

Ausstellungsgrafik: Christian Bornefeld, Frank Duerr


Publikation:
„Forschung – Lehre – Unrecht. Die Universität Tübingen im Nationalsozialismus“,
Herausgegeben von Ernst Seidl (I. d. R. Schriften aus dem Museum der Universität Tübingen MUT, Hg. von B. Engler und E. Seidl, Band 9), 292 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, 19,90 Euro; ISBN: 978-3-9816616-5-1. Zu bestellen unter 07071-29-77384 oder -76437 oder <link>museum@uni-tuebingen.de

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Leitung
Antje Karbe
Pressereferentin
Telefon +49 7071 29-76789
Telefax +49 7071 29-5566
<link mail ein fenster zum versenden der>antje.karbe[at]uni-tuebingen.de
<link http: www.uni-tuebingen.de aktuelles>www.uni-tuebingen.de/aktuelles

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