Uni-Tübingen

Tübinger Poetik-Dozentur 2021

Von 15.-19.11.2021 durften wir Eva Menasse und Thomas Hettche in Tübingen begrüßen.

Veranstaltungen

Die Veranstaltungen fanden von Montag, 15. November, bis Donnerstag, 18. November, 19:15 Uhr an der Universität Tübingen statt (Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz, 72074 Tübingen). Für den Besuch galt die aktuelle Corona-Verordnung (in der "Alarmstufe" ab 17.11.: 2G-Regeln).

Montag, 15.11.: Vorlesung von Eva Menasse: „Treppen, Rampen, Räume – Über Romanstrukturen“

Dienstag, 16.11.: Vorlesung von Thomas Hettche: „Schwebend in der Luft wendete ich daher wieder um Oder Vom Schreiben eines Romans“.

Mittwoch, 17.11.: Eva Menasse und Thomas Hettche: „Der/die Kanon:e – Lieblingsautoren und Vorbilder“ (Link zur Bücherliste)

Donnerstag, 18.11.: Eva Menasse und Thomas Hettche im Gespräch mit Dorothee Kimmich: „Techniken der Lüge. Aus der Werkstatt“

Die Veranstaltungen in Tübingen können über den Livestream nachverfolgt werden, der noch online zur Verfügung steht:

https://www.youtube.com/playlist?list=PLsZhiMXtMWI7QZKBAkGXru4rk1yzDrdJx.

Außerdem steht ein Radio-Interview mit Thomas Hettche zum Nachhören zur Verfügung:

https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/121113

Wie jedes Jahr gab es nach der Veranstaltung einen Büchertisch, der dieses Jahr von der Buchhandlung Quichotte gestaltet wurde. Montag, Dienstag und Donnerstag war der Büchertisch in den Türen des Festsaals (gegenüber des Eingangs zum Audimax) aufgestellt, am Mittwoch im Gang links des Eingangs in Richtung des kleinen Senats. Eva Menasse und Thomas Hettche waren nach den Vorlesungen vor Ort, um zu signieren.

Weitere Termine:

Lesung von Eva Menasse und Thomas Hettche

Sonntag, 14.11., 16.00 Uhr, Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

(Anmeldung erforderlich: kunsthallespam prevention@wuerth.com)

Workshop von Eva Menasse und Thomas Hettche mit Studierenden zur Nachbereitung der Vorlesungen

Freitag, 19.11. vormittags. Weitere Informationen: sara.bangertspam prevention@uni-tuebingen.de

 

 

Kurzporträts unserer Gäste

Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, lebt seit 1999 in Berlin. Sie studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalistin für das Wiener Nachrichtenmagazin Profil und als Kulturkorrespondentin für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im April 2000 berichtete sie mehrere Wochen lang vom Londoner Prozess um den Holocaustleugner David Irving, daraus entstand ihre erste eigene Buchveröffentlichung unter dem Titel Der Holocaust vor Gericht (2000). 2005 erschien ihr Debütroman Vienna, der die Geschichte einer Familie mit halb jüdischen, halb christlichen Wurzeln im Österreich des 20. Jahrhunderts erzählt, es folgte 2009 der Kurzgeschichtenband Lässliche Todsünden mit sieben Erzählungen über moderne Sündenfälle. Für ihren Roman Quasikristalle (2013), eine Frauenbiographie aus 13 Perspektiven, wurde sie mit dem Gerty-Spies-Literaturpreis, dem österreichischen Alpha-Literaturpreis sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet, 2014 erhielt sie den Wiener alpha-Literaturpreis. 2015 war sie Stipendiatin der Villa Massimo in Rom und erhielt für ihr bisheriges Werk den Jonathan-Swift-Preis für Satire und Humor. 2017 erschien ihr Erzählband Tiere für Fortgeschrittene, sie erhielt den Österreichischen Buchpreis und den Friedrich-Hölderlin-Preis. 2019 war sie Mainzer Stadtschreiberin.

Nach den Enthüllungen von Edward Snowden organisierte sie 2013 gemeinsam mit Juli Zeh und Ilija Trojanow einen weltweiten Protest von Schriftstellern, darunter fünf Nobelpreisträgern, gegen Datenklau und digitale Überwachung: „Writers against mass surveillance“. Seither setzt sie sich kritisch mit den Wirkungen auseinander, die die allumfassende Digitalisierung auf die Verhaltensweisen der Menschen hat. Ihre Reden zur Eröffnung des internationalen Literaturfestivals Berlin im Jahr 2018 („Digitale Gespenster“) sowie zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises im Mai 2019 („Für Pessimismus ist es zu spät“) erhielten große Aufmerksamkeit. 2020 erschien ein längerer Essay, Gedankenspiele über den Kompromiss, im Herbst 2021 erschien ihr neuer Roman, Dunkelblum.

Publikationen (Auswahl)

Der Holocaust vor Gericht, Siedler, Berlin, 2000 / Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2017

Vienna, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2005

Lässliche Todsünden, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2009

Quasikristalle, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2013

Tiere für Fortgeschrittene, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2017

Gedankenspiele über den Kompromiss, Droschl, Graz, 2020

Pressestimmen

„Vom Glück der Lektüre: Eva Menasse schreibt kristallklare Prosa über die Vergeblichkeit des sehnsuchtsvollen Miteinanders – große Literatur!“ (Die Zeit)

„Eva Menasses Spezialität sind die saturierten alternativ-bürgerlichen Milieus in Wien und in Berlin, ein smartes Biotop von Künstlern, Kreativen, Medienleuten und Urban Intellectuals, das sie intim kennt und mit genüsslicher Biestigkeit beschreiben kann.“ (Sigrid Löffler, Deutschlandfunk Kultur)

„Ein bedeutsamer, aus der aktuellen Literatur herausragender Roman“ (Die Zeit, über Vienna)

„Eva Menasses Essays sind klug, pointiert, schonungslos offen und unterhaltsam – ein großartiges Lesevergnügen!“ (buchmedia Magazin, über Lieber aufgeregt als abgeklärt)

„Herrlich zu lesen ist Menasses eleganter Sarkasmus und die Abgebrühtheit, mit der sie die Alltagsdramen ihrer Protagonisten beobachtet, die alle aus dem ach so selbstreflektierten Akademiker-Milieu stammen und sympathisch unsympathisch sind.“ (Nicole Strecker, WDR 3 über Tiere für Fortgeschrittene)

„Eva Menasses Erzählungen Tiere für Fortgeschrittene sind charmante Anti-Fabeln [...]: das heißt nicht zuletzt, im großen Symbiosentheater sowohl dem Traurigen als auch dem Komischen einen Platz zu geben.“ (Die Zeit, über Tiere für Fortgeschrittene)

Thomas Hettche, 1964 am Rand des Vogelsbergs geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Filmwissenschaft und lebt als freier Schriftsteller in Berlin und in der Schweiz. Er gehört seit seinem Debut Ludwig muß sterben (1989) zu den vielfach gewürdigten, mitunter polarisierenden literarischen Stimmen des Landes. 1992 folgte der Erzählungsband Inkubation und 1995 Nox, ein Roman, der in der Nacht des Mauerfalls in Berlin spielt. Hettches Essay Animationen wurde 1997 von der Goethe-Universität Frankfurt als Promotion angenommen. Der Fall Arbogast (2001) wurde in 13 Sprachen übersetzt. 2003 erschien Stellungen, eine Nachdichtung von Sonetten Pietro Aretinos, 2006 der USA-Roman Woraus wir gemacht sind, 2007 Fahrtenbuch 1993-2007. 2010 folgte der Roman Die Liebe der Väter, der auf Sylt spielt und die Nöte eines Vaters und seiner halbwüchsigen Tochter zum Thema hat. 2012 erschien der Essayband Totenberg, eine intellektuelle Autobiographie in zehn Gesprächen. 2014 erschien der Roman Pfaueninsel, der von der kleinwüchsigen Maria Dorothea Strakon erzählt, die im 19. Jahrhundert auf der Pfaueninsel in der Havel vor den Toren Berlins lebte, und u. a. den Wilhelm-Raabe-Preis, den Wolfgang-Koeppen-Preis, den Solothurner Literaturpreis und den Bayerischen Buchpreis erhielt. Darüber hinaus wurde Hettche u. a. auch mit dem Robert-Walser-Preis 1990, dem Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik 1994, dem Rom-Preis der Villa Massimo 1996 und dem Premio Grinzane Cavour 2005 und dem Düsseldorfer Literaturpreis 2013 ausgezeichnet. Hettche ist Mitglied des PEN und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Sein Essayband Unsere leeren Herzen wurde 2017 von der Kritik begeistert aufgenommen. Zuletzt erschien von ihm Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste (2020).

Publikationen (Auswahl)

Nox. RomanKiepenheuer & Witsch, Köln, 2008
Der Fall Arbogast, Kriminalroman, DuMont Verlag, Köln, 2001
Totenberg, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2012
Pfaueninsel. Roman, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2014
Unsere leeren Herzen. Über Literatur, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2017
Herzfaden. Roman der Augsburger Puppenkiste, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2020

Pressestimmen

„Hettche erweist sich erneut als einer der elegantesten und raffiniertesten Stilisten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.“ (Jury des Deutschen Buchpreises 2014, über Pfaueninsel)

„Hettche erzählt [...] in einer virtuosen und dramaturgisch sogkräftigen Mischung aus Selbst- und Fremdporträt, aus Beschreibung, schwebender Assoziation und detailgenauem, stechendem Erinnerungsbild [...].“ (NZZ , 23. April 2013, über Totenberg)

„Freiheit, Unendlichkeit, Moral – Hettche stellt hohe Erwartungen an den Gegenstand seiner Reflexionen. Dass die Literatur diese Versprechen halten kann, beweist das schmale Buch selbst.“ (Karin Janker, Süddeutsche Zeitung, über Unsere leeren Herzen)

„Der Romancier Thomas Hettche ist auch ein glänzender Essayist. In seinen neuen Denkstücken untersucht er vorurteilsfrei Phänomene der Gegenwart.“ (Nico Bleutge, NZZ, über Unsere leeren Herzen)

„Dieser für den Deutschen Buchpreis nominierte Roman erzählt sehr anschaulich und empathisch die aufschlussreiche reale Geschichte der Augsburger Puppenkiste.“ (Jürgen Kanold, Südwest Presse, über Herzfaden)

„[...] wie sie sich die Erzähl- und Zeitebenen aufeinander zu bewegen und unmerklich ineinander übergehen, das bildet das ästhetische Zentrum dieses Romans. Er ist unverkennbar selbst ein ‚Marionettenspiel‘.“ (Helmut Böttinger, Süddeutsche Zeitung, über Herzfaden)

„Es ist eine grandios vergnügliche Wiedersehensfeier mit der eigenen Kindheit. [...] Ein literarischer Triumph.“ Denis Scheck, ARD druckfrisch, über Herzfaden)

„Das ist wirklich ein Roman, bei dem ich alle meine abgebrühten Lesegewohnheiten zur Seite lege und einfach in diesem Buch versinke, das aber dennoch sehr sehr klug ist und auch sehr lustig.“ (Wiebke Porombka, Deutschlandfunk Kultur Lesart, über Herzfaden)