30.06.2026
Civic Engagement in Europa erleben: Tübinger Beteiligung am CIVIS Blended Intensive Programme (BIP) in Rumänien
Internationale Zusammenarbeit, gesellschaftliches Engagement und praxisnahes Lernen: Im Rahmen eines CIVIS Blended Intensive Programme reisten Studierende und Lehrende aus ganz Europa in die rumänische Region Maramureș, um gemeinsam mit lokalen Partnern an Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu arbeiten. Mit dabei waren auch zwei Vertreterinnen der Universität Tübingen, von unserer Abteilung TRACS.
Wie kann gesellschaftliches Engagement über Ländergrenzen hinweg gelernt, erforscht und praktisch erprobt werden? Dieser Frage widmeten sich Studierende und Lehrende aus mehreren europäischen Universitäten im Rahmen des Blended Intensive Programme (BIP) „Civic Engagement in Europe: A Transdisciplinary Approach“ der CIVIS – Europe's Civic University Alliance.
Mit dabei waren auch Dr. Iris-Niki Nikolopoulos und Franziska Müller aus dem Bereich „Civic Engagement & Service Learning“ der Universität Tübingen. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Partneruniversitäten begleiteten sie Studierende aus sieben CIVIS-Universitäten bei einer intensiven Lern- und Projekterfahrung in der rumänischen Region Maramureș.
Blended Intensive Programmes verbinden virtuelle Zusammenarbeit mit einer kurzen physischen Mobilitätsphase vor Ort. Sie ermöglichen Studierenden internationale Lernerfahrungen und transnationale Zusammenarbeit, ohne dass dafür ein ganzes Auslandssemester notwendig ist. So werden internationale Erfahrungen auch für diejenigen zugänglicher, die keine längeren Auslandsaufenthalte absolvieren können.
Im Mittelpunkt des Programms standen gesellschaftliches Engagement, Service Learning und regionale Entwicklungsfragen. Durch Exkursionen, Gespräche mit lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie gemeinsame Projektarbeit erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Herausforderungen und Potenziale der Region. Themen wie Abwanderung junger Menschen, wirtschaftliche Perspektiven, nachhaltiger Tourismus und die Stärkung lokaler Gemeinschaften wurden dabei aus unterschiedlichen fachlichen Blickwinkeln betrachtet.
Die Studierenden hatten bereits im Onlineteil durch einen Partner eine Perspektive auf einen Teil der Region kennengelernt. Vor Ort entwickelten sie in internationalen Teams konkrete Projektideen, die auf die Bedürfnisse der lokalen Gemeinschaften eingehen. Die Ergebnisse wurden zum Abschluss Vertreterinnen und Vertretern der Region vorgestellt, die viele der Vorschläge als wertvolle Impulse für ihre zukünftige Arbeit aufnahmen.
„Es war ein sehr abwechslungsreiches Programm. Die Studierenden haben sich intensiv mit der Region und ihren Herausforderungen beschäftigt, vor Ort interessierte und kritische Fragen gestellt und in sehr kurzer Zeit beeindruckende Projekte entwickelt und umgesetzt, wie zum Beispiel eine Webseite auf Englisch für touristische Aktivitäten in der Region“, berichtet Franziska Müller.
Besonders eindrucksvoll waren für viele Teilnehmende die Begegnungen mit engagierten Menschen vor Ort. Ein Highlight war das Treffen mit Mitgliedern des lokalen Motorradclubs „Rock N' Road Friends Club“. Sie zeigten eindrucksvoll, wie bürgerschaftliches Engagement Gemeinschaften stärken kann – von sozialen Projekten für Kinder bis hin zur Organisation eines inzwischen weit über die Region hinaus bekannten Festivals. Das Beispiel machte deutlich, wie bereits kleine Initiativen große Wirkung entfalten können.
Neben der Projektarbeit bot das Programm vielfältige Möglichkeiten zum interkulturellen Austausch. Die Studierenden lernten die kulturelle Vielfalt Maramureș kennen, besuchten UNESCO-Welterbestätten und kamen mit Vertreterinnen und Vertretern lokaler Gemeinden ins Gespräch. Dabei entstanden nicht nur neue Perspektiven auf gesellschaftliches Engagement, sondern auch zahlreiche persönliche und fachliche Verbindungen über Ländergrenzen hinweg.
Eine Studentin der Universität Bukarest fasste ihre Erfahrungen am Ende des Programms treffend zusammen: „We arrived as participants, but we leave as a community.“
Auch für die beteiligten Lehrenden war das Programm eine besondere Erfahrung. Der persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen europäischen Universitäten stärkte bestehende Kooperationen und eröffnete neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
Für die Universität Tübingen zeigt das Programm beispielhaft, wie internationale Zusammenarbeit, gesellschaftliches Engagement und praxisorientiertes Lernen innerhalb der CIVIS-Allianz miteinander verbunden werden können – und wie Studierende Europa nicht nur kennenlernen, sondern aktiv mitgestalten.