Leibniz Kolleg

studium generale - Fächer und Kursangebot

Denken ohne Geländer, das ist es in der Tat, was ich zu tun versuche.

Hannah Arendt

Die Kollegiat*innen wählen aus folgenden Bereichen mindestens je einen Kurs:

  • Rechts- und Sozialwissenschaften,
  • Geisteswissenschaften,
  • Naturwissenschaften,
  • Künstlerische Praxis, Musisches, Kreativität, Medien.

Die Sprachkurse sind ein freies Zusatzangebot.

Verbindlich für alle sind die Einführungswochen, die Methodenworkshops in den Geistes- und in den Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften, das Wochenende zur einem politischen Thema, das gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt wird, das Vorbereitungsseminar zur Studienreise, das Seminar zur Einführung in die Rhetorik und vom Haus zusätzlich angesetzte Exkursionen sowie die wöchentlichen Vorträge, der wöchentliche Konvent und die Studierendenkonferenz am Ende des Kursjahres.

Rechts- und Sozialwissenschaften

Geschlechterforschung

Dozentin: Elvira Martin

Geschlecht neu denken?! - Einführung in Gender Studies: Selbstverständnis, Methodik und Praxisbeispiele

In unseren Köpfen und Denkfiguren sowie in unserem Handeln ist in der Regel verankert, dass beim Menschen zwei Geschlechter vorhanden sind: Mann und Frau. Seit den 1980er Jahren  etablierte der sozialwissenschaftliche-feministische Diskurs zunächst die begriffliche Trennung zwischen dem biologischen Geschlecht (‚sex‘) und dem sozialen Geschlecht (‚gender‘). ‚Gender‘ bezeichnet dabei die durch Gesellschaft und Kultur geprägten Geschlechtseigenschaften einer Person, ‚sex‘ das dazu in Abgrenzung gedachte biologischen Geschlecht als unveränderbare „Natürlichkeit“. Auch bei der politischen Praxis des Gender Mainstreamings basiert die Beachtung der Geschlechterperspektive beziehungsweise die Intervention gegenüber konkreten Diskriminierungen auf einer dualen und polaren Geschlechterorganisation männlich/weiblich.

Die Philosophin und Philologin Judith Butler hingegen stellt die „Natürlichkeit“ eines biologischen Geschlechts grundlegend in Frage, indem sie formuliert: „Wie müssen wir dann die „Geschlechtsidentität“ (gender) reformulieren, damit sie auch jene Machtverhältnisse umfasst, die den Effekt eines vordiskursiven Geschlechts (sex) hervorbringen und dabei diesen Vorgang der diskursiven Produktion selbst verschleiern?“ (Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies. Frankfurt/M. 1991, S.24)

Das ist eine herausfordernde Position. Geschlecht als Struktur- und Denkkategorie in Frage zu stellen scheint zunächst unerhört und  völlig im Widerspruch zu den Erkenntnissen biologisch-medizinischer Wissenschaft zu stehen.

Gedanklich den Spuren Judith Butlers zu folgen, bedeutet eingefahrene Denkstrukturen zu verlassen, Vorannahmen radikal in Frage zu stellen und tatsächlich bei der Reflexion die Perspektive zu wechseln, um das bisher gültige Konzept der Zweigeschlechtlichkeit neu zu denken.

Bezugnehmend auf Judith Butler nehmen wir im Verlauf der Studiengemeinschaft unter anderem in den Blick:

Wie vereinbart sich die dekonstruktivistische Sichtweise von Geschlecht nach Butler mit einer politischen Praxis der Gleichstellung? Welche Rolle kommt dabei dem Ansatz der Intersektionalität zu? Unter Intersektion verstehen wir die Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person, allerdings nicht im Sinne einer bloßen „Addition“, sondern im Sinne eines jeweils spezifischen Zusammenwirkens.

Im Rahmen der Gender Studies –Studiengemeinschaft wollen wir dazu verschiedene Positionen und Ansätze kennen lernen, erörtern und Hinblick auf ihre praktische und politische Bedeutung ausloten. Wir werden sie in Beziehung setzen zu den Konstruktionen von Geschlecht und Reproduktionen von Geschlechterverhältnissen seit dem 18. Jahrhundert. Wir fragen nach, wie das Beharrungsvermögen des Konzepts der Zweigeschlechtlichkeit zu Stande kommt.

Darüber hinaus werden wir im Verlauf der Studiengemeinschaft Fragen der Methodik erörtern und diese anhand konkreter Beispiele aus Forschung und Praxis nachvollziehen.

Gender Studies arbeiten interdisziplinär, bedienen sich Methoden unterschiedlicher Fachrichtungen (z. B. aus der Geschichte, Soziologie, usw.) und erweitern sie um spezifische Anforderungen für die Geschlechterforschung.

Zentraler Leitfaden und Impulsgeber für den Verlauf des Seminars wird uns dabei unter anderem das Buch „Making Sex Revisited“ von Heinz-Jürgen Voß sein.

Eine ausführliche Literaturliste wird im Kurs ausgegeben und vorgestellt. Beispielhaft seien an dieser Stelle genannt:

Bauer, Gero/ Regina Ammicht-Quinn, Ingrid Hotz-Davis (Hg.): Die Naturalisierung des Geschlechts. Zur Beharrlichkeit der Zweigeschlechtlichkeit. Bielefeld 2018

Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies. Frankfurt/M. 1991

Tübinger Institut für frauenpolitische Sozialforschung e.V. (Hg.): Den Wechsel im Blick. Methodologische An­sichten feministischer Sozialforschung. Pfaffenweiler 1998

Heinz-Jürgen Voß: Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive. Bielefeld 2010

 

 

Pädagogik

Dozentinnen: Prof. Dr. Karin Amos, Ursula Konnertz

Die Erziehungswissenschaft ist äußerst vielfältig und streitbar. Schon über die Bezeichnung gibt es Auseinandersetzungen: mal ist von Erziehungswissenschaft im Singular die Rede, mal von Erziehungswissenschaften im Plural, mal von Pädagogik. Warum das so ist, womit sich die Erziehungswissenschaft/Pädagogik befasst, damit wollen wir uns im Seminar auseinandersetzen. Die Perspektive ist sowohl historisch als auch systematisch, theoretisch, aber auch praktisch. Es geht also um einen Überblick und um Einblicke, die zeigen, dass die Erziehungswissenschaft viel mehr ist, als das, was man zuerst mit ihr verbindet, nämlich eine vertraute Wissenschaft, die sich mit Erziehung und Schule befasst – und beides ist uns allen hinreichend bekannt, denn wir haben beides mehr oder weniger freudig durchlebt und erfahren. Der spezifische Einblick, den das Seminar geben möchte, ist in die Beziehung der Erziehungswissenschaft zu Ethik und Politik.

Das Seminar wird als Kompaktseminar im WS am 18./19. Dezember stattfinden. Zur Vorbereitung werden Texte auf Ilias hochgeladen. Hierzu werden Kurzreferate erwünscht. Der Termin einer kurzen Vorbesprechung wird noch bekanntgegeben.

Im Sommersemester wird ein anderes Thema angeboten.

Politik

Dozent: Dr. Melanie Nagel

Der Klimawandel, der Aufstieg rechter Kräfte und die Digitalisierung sind nur einige der Herausforderungen, die politisches Handeln fordern. Kein Wunder, streiken Junge Menschen bei „Fridays for Future“ für das Klima, demonstrieren Tausende bei der „Unteilbar-Demo“ für eine offene und solidarische Gesellschaft und steigen die Wahlbeteiligungen. Den Handlungsbedarf, die Vorstellungen über die Zukunft und die Mittel diese umzusetzen werden im Politikseminar bearbeitet. Die Diskussionen werden in einer simulierten Klimakonferenz im Sommersemester für alle Kollegiat*innen münden, die vom Politikkurs vorbereitet wird.

Zu Beginn des Seminars werden wir grundsätzliche Fragen behandeln, etwa „wie wird Politik verstanden? Was ist Politikwissenschaft? Welche Ansätze gibt es in der Politikwissenschaft und wie können politische Prozesse erklärt werden?

Was die wissenschaftliche Annährung an politische Fragen anbelangt, werden wir empirisch-analytische und normative Ansätze diskutieren. Zentrales Instrument, um sich den Konzepten anzunähern, ist das kritische Lesen von Texten und das Anwenden auf Fallbeispiele.

Das Schwerpunktthema für das Seminar ist Klimagerechtigkeit. Der Klimawandel stellt die globale Gesellschaft vor große Herausforderungen und drängt die Frage auf, wie die Gesellschaft umgebaut werden muss, damit sie überlebensfähig bleibt.

Voraussetzungen für die Teilnahme sind die Freude am Lesen und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Texten, das Verfolgen aktueller Debatten in den Medien, besonders jedoch Neugier und Offenheit verbunden mit kritischem Denken. Vorkenntnisse in Politikwissenschaft sind für das Seminar nicht notwendig.

Literatur

Bernauer, Thomas; Jahn, Detlef; Kuhn, Patrick M.; Walter, Stefanie (2018): Einführung in die Politikwissenschaft. (4. Auflage). Baden-Baden: Nomos Verlag.

Klein, Naomi (2015): Die Entscheidung Kapitalismus vs. Klima. Frankfurt am Main: S. Fisher Verlag GmbH

Wagner, Wolf (2007): Uni-Angst und Uni-Bluff heute. Wie studieren und sich nicht verlieren. (2. Auflage) Berlin: Rotbuch Verlag.

Göhler, Gerhard (Hg.) (2011): Politische Theorie: 25 umkämpfte Begriffe zur Einführung, Wiesbaden: VS-Verlag.

Recht

Dozent: Prof. Dr. Jochen von Bernstorff, Dominik Keicher, Theresa Schneck, Corinna Wolf

Das Recht ist ein seltsames Ding: einerseits ist es ein Mittel zum Schutz Schwacher vor der Macht der Starken, auf der anderen Seite sollen wir uns auch dann daran halten, wenn mit seiner Unterstützung oder unter seinem Schutz die größten Ungerechtigkeiten verübt werden. Trotz dieser Ambivalenz ist das Recht aus unserer globalisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Wer die Tageszeitung aufschlägt, ist ganzseitig mit juristischen Fragen konfrontiert. Wer versorgt das Scheidungskind? Wer bekommt Hartz IV? Wer darf nach Deutschland kommen, wer muss gehen und wird Beate Z. bestraft? Darf die CIA im Jemen Terrorverdächtige durch Drohnenschläge töten und ist der Krieg in Syrien erlaubt?

Politische Fragen sind häufig zunächst einmal juristische und so scheint es heute kaum noch ein gesellschaftliches Problem zu geben, das nicht zumindest auch nach der eigenartigen, nicht nur für Laien rätselhaften Logik des Rechts geprägt ist. Aber was steckt hinter dieser speziellen Art und Weise der Behandlung von Konflikten? Wie funktioniert juristisches Denken und was passiert eigentlich genau, wenn Konflikte nach juristischen Verfahren entschieden werden? Was geschieht im Jura-Studium und was kann ich später damit tun? Diesen Fragen werden wir in der Studiengruppe Recht nachgehen.

Das Seminar beginnt mit einem Überblick über die Welt des Rechts und einer Einführung in nationale und internationale rechtliche Strukturen und juristische Methodik. Anschließend werden in drei Blöcken konkrete Fälle aus den Bereichen des Zivilrechts, Strafrechts und Verwaltungsrechts besprochen, die von verschiedenen Mitarbeitern meines Lehrstuhls vorgestellt werden. Die Fälle aus diesen für das juristische Studium zentralen Bereichen werden grundlegende Fragen über die Funktion und den Sinn des Rechts in der Gesellschaft aufwerfen, denen wir im dritten Teil anhand von rechtsphilosophischen Texten über das Verhältnis von Recht und Moral, über Demokratietheorie und Menschenrechte nachgehen. Am Ende folgt noch ein Einblick über Inhalt und Art des Jurastudiums: Was lernt man dort und was lernt man nicht? Wie lernt man es und was lässt sich danach anstellen?

Ziel ist, eine Vorstellung von den Gegenständen des Rechts, seiner Funktionsweise, aber auch von seiner Einbettung in die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu gewinnen. Wir werden sehen: das Recht ist keine natürliche, neutrale, immerwährende Art gesellschaftlicher Organisation. Es ist immer geprägt von den historisch hergebrachten Widersprüchen unserer Zeit.

Es ist aber auch etwas ganz Banales: ein weites Feld voller spannender Tätigkeiten.

Volkswirtschaftslehre

Dozent: Prof. Dr. Rainer Berkemer

Ziel dieses Kurses ist es, wesentliche Begriffe aus der volkswirtschaftlichen Theorie zu klären, damit dann im weiteren Verlauf auch aktuelle wirtschaftspolitische Themen von den Studierenden kompetent diskutiert werden können.

Im ersten Semester werden aus den beiden Bereichen der VWL, der Mikro- sowie der Makroökonomie, ausgewählte Kapitel aus dem Lehrbuch von Peter Bofinger behandelt. Damit kann ein Verständnis der Arbeitsteilung sowie der grundsätzlichen Funktionsweise von Märkten erreicht werden. Den Marktpreisen, die eine Signal- und Anreizfunktion haben, kommt eine Schlüsselrolle in der Mikroökonomie zu. Aus dem Bereich der Makroökonomie sind zunächst die Kapitel zu betrachten, die eine Definition der Zielgrößen vornehmen. Was ist das Bruttoninlandsprodukt (BIP) und wie kann es berechnet werden? Wie werden Arbeitslosenziffern bestimmt und worauf ist zu achten, dass hier keine manipulative oder missverständliche Interpretation geschieht? Wann sprechen Ökonomen von Inflation und warum ist auch das Gegenteil (eine Deflation) nicht unproblematisch? Zentral ist auch das Verständnis des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts. Erst wenn Begriffe wie Leistungsbilanz, Handelsbilanz, Kapitalbilanz, etc. sauber definiert und verstanden sind, haben wir eine verlässliche Grundlage, um später etwa die Staatsschuldenkrise und Ungleichgewichte im Euroraum zu thematisieren.

Nach je zwei Theorie-Sitzungen können dann einzelne Konzepte kritisch hinterfragt werden:

Auch schon vor der Corona-Pandemie war die Wachstumskritik ein Thema: Muss das BIP eigentlich immer weiterwachsen? Welche Alternativen gäbe es? Was würde mit den ganzen Schulden geschehen, wenn die Wirtschaft nicht immer weiterwächst? Als Reaktion auf die Pandemie wollen nun die einen möglichst rasch die Wirtschaft wieder in Gang bringen, während andere falsche Weichenstellungen befürchten, wenn versäumt wird die Transformation des Wirtschaftssystems in Richtung Klimagerechtigkeit voranzutreiben. Auch umweltökonomische Fragestellungen, etwa ob CO2 besteuert werden soll oder ob CO2-Zertifikate die bessere Alternative sind, sollten deshalb diskutiert werden.

Wir stellen uns auch die Frage, wie die Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Wirtschaft und die Arbeitswelt der Zukunft prägen werden.

Im zweiten Semester befassen wir uns zunächst mit Finanzmärkten. Dabei ist dringend zu klären, was Banken von anderen Unternehmen unterscheidet. Warum ist für diese das Arbeiten mit sehr viel Fremdkapital (Ökonomen sprechen vom „Leverage“- oder Hebel-Effekt) so besonders relevant? Müssen Banken so hoch verschuldet sein oder wollen sie dieses nur – und wenn ja, warum? Und was folgt daraus für die Stabilität des Finanzsystems?

Das Thema Staatsverschuldung wird auch nicht zu vermeiden sein. Zum einen bauen als Reaktion auf die Pandemie die meisten Staaten bewusst auf massive Defizite. Zum anderen halten fast alle Geschäftsbanken Staatsanleihen, weil dies vermeintlich „sichere Papiere“ sind während umgekehrt die Staaten wieder für Banken garantieren.

Auch der Begriff der „Systemrelevanz“ erfährt derzeit einen interessanten Bedeutungswandel. Waren vor etwa 10 Jahren damit in erster Linie Finanzinstitute gemeint, so stellt sich nun im Kontext der Pandemie dringend die Frage, welche wirtschaftlichen Sektoren wirklich unverzichtbar sind, aber auch wie es sein kann, dass ausgerechnet die „systemrelevanten“ Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich oft miserabel bezahlt werden.

Geisteswissenschaften

American Studies

Dozent: Scott Stelle

This course is an introduction to contemporary American society - its politics, economy, culture and imaginative literature. We shall explore the major themes through a comparative and historical approach. The United States has since WWII had more influence on world history than any other state. Therefore, you simply cannot understand modernity, the international landscape or any field without taking it into account. What happens there matters everywhere.

Our year-long seminar is divided into two parts. The first part will take place in trimesters I and II while alternating focus between essays, fiction and films; the second part in trimester III will deal with longer works, which shall be decided together as a class before the spring break.

We begin with articles from magazines, such as Harper's, The Atlantic and The New Yorker for their informative and direct style. In addition, we will explore a wide range of contemporary topics like the elections, race, globalization, migration among others through mass media. We shall also be reading short stories, a format that draws our attention to the relationship between language and culture, and enables us to entertain various points of view and levels of society. Stories from Edgar Allan Poe to T.C. Boyle will be analyzed in terms of their literary significance - themes, motifs, symbols and characterization - as well as the eras that produced them.

Objectives

Students will develop skills of close reading, interpretation and criticism; improve their English communication skills, and hopefully widen their conception of the world.

What is expected?

Students should come prepared and participate and occasionally give a presentation to be followed by a short discussion.

Literature

Jill Lepore, This America: The Case for the Nation (New York: W.W. Norton & Company, 2019)

 

 

Europäische Architektur- und Siedlungsbaugeschichte

Dozentin: Irene Gocht

Das Seminar ist einerseits gedacht als allgemeine Einführung in das Thema für alle einfach so Interessierten, andererseits aber auch für diejenigen unter Euch, die sich überlegen, Architektur oder Kunstgeschichte zu studieren, und zwar insbesondere als Ergänzung des Angebots an kunsthistorischen Instituten. Denn einst Königsdisziplin innerhalb der Kunstgeschichte, ist die Architekturgeschichte dort mittlerweile unterrepräsentiert; nur wenige Kunsthistoriker haben sich auf diesem Gebiet spezialisiert.

Wir werden uns im Sommersemester intensiv mit der Architektur und mit Städtebau/Siedlungsplanungen des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandersetzen – mit jener gebauten Umwelt also, die den größten Teil dessen ausmacht, was uns permanent umgibt. Architektur und damit auch Stadtplanung begleiten jeden von uns seit Kindheitstagen unmittelbar – und meist unbewusst. Hier setzt das Seminar an, das die jeweiligen Hintergründe aufzeigen soll und dessen Ziel ein geschärftes Bewusstsein für unser architektonisches Umfeld ist. Architektur dient den unterschiedlichsten Bedürfnissen, z. B. dem Witterungsschutz, aber auch dem Versuch, eine reformierte Gesellschaft zu evozieren, oder zu propagandistischer Inszenierung. Ein Wandel in der Architektur ist immer bedingt von gesellschaftlichen und technischen Veränderungen.

Mithilfe von Referaten werden wir uns in chronologischer Abfolge mit den einzelnen Epochen und Strömungen befassen. Themenübergreifend wird uns beispielsweise aber auch die Entwicklung der Denkmalpflege und das Problem der Rekonstruktion beschäftigen, das trocken klingt, aber heiße Diskussionen birgt.

Es sind keine Vorkenntnisse notwendig.

Kurze Information zum Fach: Die Architekturhistoriographie gibt es (bislang jedenfalls) nicht als eigenes Studienfach. Sie ist entweder in der Kunstgeschichte oder innerhalb der Ingenieurwissenschaften bzw. innerhalb des Studiengangs ”Architektur und Stadtplanung“ in der (Bau-)Technikgeschichte angesiedelt. Das spiegelt die traditionelle Kontroverse wider, ob es sich bei Architektur primär um Kunst oder um ein technisches Erzeugnis handle.

Die Architektur- (und Siedlungsbau-)geschichte unterscheidet sich aber von anderen Teildisziplinen dieser Fächer in wesentlichen Punkten. Denn Komplexität und Prozesshaftigkeit des Forschungsbereichs führen zu einer fachübergreifenden Verschränkung mit diversen Nachbarwissenschaften und deren Methoden (v. a. mit Klassischer Archäologie, Mittelalterarchäologie, Kulturgeographie, Geschichtswissenschaft und Kulturanthropologie [EKW/ Volkskunde]). Daneben gilt für den Kunsthistoriker: ohne Grundkenntnisse baupysikalischer Gesetzmäßigkeiten und Baustofflehre ist eine Analyse vieler Bauwerke kaum möglich.

Das erklärt wohl hinreichend, warum die Architektur- und Städtebaugeschichte weder in den Ingenieurwissenschaften noch in der Kunstgeschichte mit ihrer traditionellen, einseitigen Fo-kussierung auf die Baukunst der Eliten seit der Spätantike (also auf die Baukunst von Aristokratie und Klerus) eine zufriedenstellende Heimat gefunden hat. Aufgrund dieser prinzipiellen interdisziplinären Komponente ist die Architektur- und Städtebaugeschichte strenggenommen als eigenes, als integratives Fach einzustufen.

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Germanistik

Dozenten: Dr. Michael Hermann, Dr. Franz Huberth

IN KÜRZE MEHR

Kurze Erzählungen nach 1800

 

Literatur lässt sich unterschiedlich einteilen: nach Gattungen, Themen, Autor*innen, Epochen, Publikationsformen... Ein Unterscheidungskriterium ist ganz schlicht der Umfang. Vom pointierten Einzeiler bis hin zum 2000-seitigen Romanfragment ist in der literarischen Prosa alles möglich. Manche Geschichten erfordern einen langen Atem, andere nicht. Was lässt sich kurz erzählen? Was wird dabei verschwiegen?

Erzählliteratur hatte und hat – abgesehen von traditionellen Kurzformen wie Märchen oder Fabel –nicht selten einen Hang zu ‚epischer‘ Breite. Daneben entwickelten und etablierten sich in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert kürzere Textformen. Anregungen kamen von der (italienischen) ‚Novelle‘ und später von der (amerikanischen) ‚Short Story‘. In der Blütezeit der Zeitungen und Zeitschriften sind knappe Texte gefragt: der Platz ist begrenzt. Eine kurze Geschichte ist jedoch kein eingedampfter Roman. Hier wird anders erzählt.

Diese Entwicklung wollen wir anhand ausgewählter Kurzprosa nachverfolgen. Auf unserem Weg werden uns neben Klassikern wie Heinrich von Kleist, Alfred Döblin, Franz Kafka oder Ernest Hemingway herausragende Erzählerinnen und Erzähler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begegnen.

Die Vorgehensweise ist vielschichtig: Wir lesen die Texte genau, analysieren sie auf der Basis von Erzähltheorie und einschlägiger Forschungsliteratur, recherchieren historische Hintergründe, finden gemeinsam heraus, wie komplexe Texte funktionieren, decken verborgene Strukturen auf, erproben verschiedene Methoden der Interpretation, diskutieren unterschiedliche Perspektiven. Damit erarbeiten wir uns auch Schlüsselkompetenzen in Sachen Textverständnis und Kommunikation, die überall gefragt sind, wo gelesen und gesprochen wird.

Voraussetzungen: Lust an der Sprache. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Konsumhaltung, Copy & Paste, vage Spekulationen? Nein, danke.

Neugier, Offenheit und die Bereitschaft zum kritischen (Quer-)Denken? Herzlich willkommen!

Geschichte

Dozent: Daniel Menning

Essen, Identität und Geschichte. Deutschland in der Welt im 19. und 20. Jahrhundert.

In Diskussionen über nationale Identität und die Konstruktion ethnischer Stereotypen spielen spezifische Ernährungs- und Essgewohnheiten eine zentrale Rolle. So konstruierten Deutsche im 19. und 20. Jahrhundert regionale und nationale Identitäten durch vielfältige Speisen, von Fleischgerichten bis hin zu Kuchen. Andererseits wurden Deutsche im zwanzigsten Jahrhundert im britischen Englisch häufig abfällig als "Krauts" bezeichnet, womit auf ihre scheinbare Vorliebe für Sauerkraut angespielt wurde. Solche Selbstidentifikationen und Stereotype sind jedoch über die Zeit nicht stabil. So kann zum Beispiel eine deutliche Hinwendung zu ostpreußischen Gerichten in Westdeutschland in den 1950er und 60er Jahren als mangelnde Bewältigung der territorialen Verluste nach dem Zweiten Weltkrieg gelesen werden. Als ein weiteres Beispiel: Brasilianische Behörden griffen in den 1970er Jahren in den südlichen Provinzen des Staates, die stark durch deutsche Einwanderung geprägt waren, die scheinbar "authentische" deutsche Küche auf, um sie als Teil ihres Tourismuskonzepts zu vermarkten. Das daraus resultierende "café colonial" förderte jedoch wiederum ganz bestimmte ethnische Stereotype – namentlich, dass Deutsche regelmäßig nachmittags neben Kaffee, Kuchen auch Brot und Wurst verzehren.

Im Geschichtsseminar werden wir im Wintersemester solche Selbst- und Fremdkonstruktion sowie ihren Wandel über die Zeit analysieren und dabei gleichzeitig grundlegende Kompetenzen von Historiker*innen erlernen. Im Sommersemester werden wir uns dann der eigenständigen Erforschung der regionalen, nationalen und globalen Dimensionen eines handschriftlichen Kochbuchs aus dem südwestdeutschen Raum aus dem späten 18./frühen 19. Jahrhundert zuwenden.

Journalismus

Dozentin: Sabine Schröder

Journalistische Textsorten in Print und Digital

„Journalismus ist die zivilisierteste Form von Widerstand!“

Peter Glaser, Kolumnist der Stuttgarter Zeitung und Ehrenmitglied des Chaos Computer Clubs

Wie behaupten sich Medien – als Meinungsbildner und finanziell - angesichts der Tatsache, dass politische und gesellschaftliche Debatten mitunter nur noch über soziale Medien ausgetragen werden? Was bedeutet die Digitalisierung für Journalisten?  Warum ist die Pressefreiheit ein so hohes Gut, und welchen Gefahren ist sie ausgesetzt?

Wir widmen uns in diesem Seminar nicht nur solchen Fragen, sondern klären auch, wie Medien Nachrichten aufbereiten und nach welchen Kriterien Journalisten Informationen priorisieren.

Anhand aktueller Texte aus verschiedenen Tageszeitungen werden wir journalistische Darstellungsformen analysieren und Texte verfassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, was eine Nachricht ist, schreiben Teaser für Online-Texte, rezensieren einen Film und/oder ein Buch, kommentieren ein selbst gewähltes Thema, verfassen ein Portrait und/oder führen ein Interview.          

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Gelegenheit, die Aufbereitung aktueller gesellschaftlicher Debatten in den Medien zu analysieren, allein oder in Gruppen ein Thema ihrer Wahl zu recherchieren und zur Reportage auszuarbeiten.  

Literatur:
Paul-Josef Raue und Wolf Schneider, Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus, 2012

Wolf Schneider: Wörter machen Leute, 2011

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Wintersemester statt.

Mythenbilder

Dozent: Jan Papenberg

Wenn man an Antike denkt, so fallen einem neben den Ruinen in Griechenland oder Rom und bedeutenden historischen Ereignissen auch immer wieder Mythen ein. Herakles/Herkules bekämpft irgendwelche Monster, Odysseus sucht den Weg nach Hause, Frauen verwandeln sich in Bäume, Spinnen oder Felsen, ränkeschmiedende Götter bestrafen die Menschheit – diese und ähnliche Mythen tauchen in Literatur, Film und anderen Medien bis heute auf. Im Kurs werden wir einen Blick darauf werfen, wie die Antike selbst mit ihren Mythen umging, zum einem in literarischer Form und zum anderen – worauf auch das Hauptaugenmerk liegen soll – in der bildenden Kunst. Mythen sind uns vielfach im Epos wie bei Homer, Drama oder in der Poesie überliefert; wir werden unter anderem übersetzte antike Texte lesen, um zu verstehen, wie der Mythos überliefert wurde.

Daneben schauen wir uns aber vor allem antike Mythenbilder an, die es praktisch in jeder antiken Bildgattung gibt: man findet sie auf Vasen, als Wandmalerei oder Mosaik, auf Münzen, als Skulptur, rundplastisch oder als Relief, z.B. als Bauschmuck oder auf Sarkophagen. Verwunderlich ist das eigentlich nicht, ist doch der Mythos für den antiken Menschen ein essentieller Bestandteil seines Lebens, seiner Geschichte, Religion und seiner Weltanschauung, der vom Verhältnis der Götter zu den Menschen berichtet oder Spiegel ist für menschliches Verhalten. Es stellen sich uns verschiedene Fragen: ist ein Bild nur reiner Dekor oder gibt es eine tiefer gehende Interpretation – welche; vermittelt ein Bild den Betrachtern unterschiedlicher Epochen den gleichen Inhalt (wer sind überhaupt die Betrachter) und sind bestimmte Mythen, z. B. jene die von Krieg und Tod handeln, für bestimmte Gattungen prädestiniert? Thema wird also sein, einige Mythen erst einmal genau kennenzulernen, um sich danach der Frage zu widmen, welche Bedeutung deren bildliche Darstellung hatte. Dabei werden wir uns einige antike Zentren wie Athen und Rom genauer anschauen, die in der Produktion von Bildwerken eine große Rolle spielen, auch die neuzeitliche Rezeption von Mythen wird Thema sein.

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Philosophie

Dozentin: Ursula Konnertz

„Die Erfahrung von Solidarität löst kein Problem, sondern stellt eine Frage.

Die Frage, der man, wenn man Albert Camus folgt, nicht entgehen kann:

Wofür lohnt es sich zu leben?“

(Heinz Bude, Solidarität, 2019)

Das Seminar führt zu Beginn in philosophisches Fragen und grundlegende philosophische Themen ein.

Zunächst wird der Frage „Was ist Philosophie?“ in einer ersten Annäherung mit Hilfe der gemeinsamen Lektüre kurzer Texte nachgegangen.

Im Anschluss an diese erste Phase steigen wir mit der Lektüre von Texten der Philosophiegeschichte, aber vor allem auch der aktuellen Diskussion zu Gerechtigkeit und Solidarität ein.

Der Kritikbegriff kann, wenn der Kurs das möchte, neben denen der Gerechtigkeit und Solidarität einen Schwerpunkt bilden. Alle drei Begriffe sind in der Politischen Philosophie und Theorie ebenso wie in der Ethik und praktischen Philosophie und der interkulturellen Philosophie zentral, aber auch sehr uneindeutig.  Interessieren wird uns vor allem aber auch, wie sie in den globalen sozialen Bewegungen z.B.  Fridays for Future für Klimagerechtigkeit oder der Black Lifes Matter verstanden werden, wie der kritische Diskurs dort geführt wird, wie man Solidarität phänomenologisch beschreiben kann in Handlungen, auf welche vielleicht alternativen anderen Begriffe und Theorien Bewegungen zurückgreifen, welche Visionen von Solidarität in nicht europäischen Kontexten eine Rolle spielen.

 

Vorschläge zu einführender Überblicksliteratur für Interessierte:

Herbert Schnädelbach, Philosophie, in: Martens, Schnädelbach (Hg.), Philosophie. Ein Grundkurs,

Band 1., S. 37-77.

Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie, Freiburg 2009.

Karl Jaspers: Was ist Philosophie?, in: Karl Jaspers, Einführung in die Philosophie. 12 Radiovorträge, Zürich 1950.

Walter Schulz, Philosophie in der veränderten Welt, Pfullingen 1972.

Hans Jörg Sandkühler, Wozu Philosophie? Frankfurt a.M. 2007.

Jean Francois Lyotard: Wozu Philosophieren? Zürich 2013.

Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? Stuttgart 2000.

Annemarie Pieper: Selber denken: Anstiftung zum Philosophieren, Stuttgart 2008.

 

Weitere Literatur wird im Seminar bekanntgegeben.

Rom - Archäologie, Architektur, Kunstgeschichte

Dozenten: Irene Gocht, Jan Papenberg

Auch in diesem Jahr unternimmt das Leibniz Kolleg seine Studienreise wieder in die "erstaunlichste Stadt des Universums" (Goscinny 1974). Der Vorbereitungskurs richtet sich an die Mutigen, die einfach mehr über die Ewige Stadt erfahren wollen und die bereit sind, ein Teil ihres Wissens in Rom mit der Gesamtheit des Jahrgangs zu teilen. Thematisch deckt der Kurs vor- und die nachchristliche Ära ab: es gibt einen archäologischen, antiken und einen kunstgeschichtlichen Teil, wobei fächerimmanent Aspekte der Topographie, Geschichte, Architektur und Stadtplanung immer wieder eine große Rolle spielen.

Im antiken Part werden wir uns verständlicherweise mit dem Aufstieg Roms zu einem Weltreich auseinandersetzen und wie sich dieser im Stadtbild niederschlägt. Rom wird mit mehr als einer Million Bewohnern zur größten Stadt ihrer Zeit und seit dem ersten Kaiser Augustus massiv ausgebaut. Monumente, Paläste und Tempel künden von Glanz und Gloria des Imperiums und seiner Führer. Wir werden uns anschauen, wie und wofür die Römer ihre Erinnerungs- und Baukultur einsetzen, die sich im ganzen Reich verbreitet hat und deren Formen auch noch heute in Europa und Amerika zu finden sind. Dabei fällt uns dann auch ins Auge, dass die Römer fleißig die griechische Kultur rezipiert haben. Weitere Aspekte, die am antiken Rom höchst interessant sind: Wohnen, Freizeit und Tod. Was macht man mit seinen Verstorbenen und warum, was macht der gemeine Römer den Tag über und warum baut man dafür die größten Komplexe Roms und wo legt der Kaiser mal seine Beine hoch?

Im kunstgeschichtlichen Teil des Seminars werden wir uns anschauen, wie Rom sich zum abendländischen Zentrum des Christentums und damit zur Schatzkammer europäischer Kunst entwickelt. Was wie die selbstverständliche Fortsetzung der Glorie des römischen Imperiums klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als Kraftakt mit einigen Erfolgen und vielen Rückschlägen und mit diversen unvermuteten Details. Da Kunst nie in luftleerem Raum entsteht, spiegelt sie all diese Prozesse und Auseinandersetzungen wider. Römische Kunst ist letztlich (fast) immer (religions-)politische Kunst. Wir werden uns also anschauen, was die frühchristliche römische Kunst in Rom ausmacht, was typisch für die mittelalterliche ist, und wie Rom in

Renaissance und Barock seine Glanzzeit erreicht. Im 19. Jahrhundert schließlich sinkt Roms Stern – die Stadt wird zu einer europäischen Großstadt unter vielen und verliert ihren Vorbildcharakter. Für uns ist sie deshalb nicht weniger interessant, denn auch die Entwicklung Roms zu einer typischen Großstadt des Industriezeitalters und zu einer nationalen Hauptstadt ist spannend zu untersuchen. Das Ziel Mussolinis, an die Größe des antiken Imperiums anzuknüpfen, wird ein weiteres Thema sein. Auch wenn viele seiner Projekte das heutige Gesicht Roms geprägt haben, so haben sie doch überwiegend antike Bausubstanz in Szene gesetzt (wir werden uns allerdings auch die Ausnahmen anschauen, also Beispiele faschistischer Architektur). Der Anschluss an moderne Architektur internationalen Ranges ist Rom erst vor wenigen Jahren wieder gelungen. Auch damit werden wir uns befassen.

Rom bietet eine unübertroffene Vielfalt von der Antike bis heute. Nicht umsonst gehörte eine Studienreise in die Ewige Stadt lange Zeit zum absoluten Muss einer guten Ausbildung. Rom ist einzigartig, und doch werdet Ihr Rom überall in Europa auf Euren künftigen Reisen wiederfinden. Warum das so ist, wollen wir mit Euch klären.

Unmittelbar vor der Romfahrt findet ein Wochenendseminar statt, das für alle Pflicht ist, und den gesamten Jahrgang in die Romfahrt einführt.

Sinologie

Dozent: Robin Becht

“China is a sleeping giant. Let her sleep, for when she wakes, she will move the world.” – Napoleon Bonaparte

China, die neue Weltmacht und eine Herausforderung für die westliche Welt und deren Werte. Eine jahrtausendealte Zivilisation, die sich scheinbar radikal modernisiert hat und die Globalisierung vorantreibt. Obwohl China eine enorme Vielfalt an Kulturen, Ethnien und Sprachen hat, schafft es die Kommunistische Partei Chinas scheinbar alles unter einem einheitlichen Nationalstaat zu verbinden. Der Sozialismus herrscht hier als offizielle ideologische und wirtschaftliche Leitlinie, trifft jedoch in der Wirklichkeit eine der wettbewerbsstärksten Marktwirtschaften der Welt. Westliche Kritik an der Menschenrechtssituation, dem Umgang mit Uiguren und dem Verhalten gegenüber Hongkong prallen an der chinesischen Führung ab, dennoch kommt es auch tatsächlich immer wieder zu sozialen Unruhen im Inland, aber bisher schafft es der Parteistaat, sich ausreichend zu legitimieren und an der Macht zu bleiben.

Die Sinologie als wissenschaftliche Disziplin beschäftigt sich mit allen Facetten „Greater Chinas“ (VR China, Taiwan, Hongkong, Macao und Singapur) und des chinesischen Kulturraums. Dieses Seminar soll einen ersten Einblick und Kontakt mit China schaffen. Während des Seminars wollen wir gemeinsam Fragestellungen entwickeln, die für das spätere Studienleben von Interesse bleiben können.

Im ersten Halbjahr befassen wir uns zum einen mit den Grundlagen zu China, das beinhaltet geographische, historische und kulturelle Hintergründe zu erfassen und einzuordnen und zum anderen werden kulturwissenschaftliche Forschungsfelder aus der Sinologie vorgestellt. Dieses Gebiet gilt als das traditionsreichste in der westlichen Chinaforschung und umfasst literarische, anthropologische, geschichtswissenschaftliche sowie philosophisch-religiöse Themenstellungen.

Im zweiten Halbjahr geht es um das wachsende Gebiet der sozialwissenschaftlichen Chinaforschung. Gegenstand sind politische Phänomene in und um das gegenwärtige China (seit der Reform- und Öffnungspolitik Ende der 1970er Jahre) sowie strukturelle Faktoren, die die Zukunft des Landes beeinflussen. Hierbei werden auch die aktuellen außenpolitische Entwicklungen um Xi Jinping und seine Kampagnen vom „China Dream“ bis zur „Belt-and-Road-Initiative“ untersucht, aber auch innenpolitische Probleme (Soziales Kreditsystem, „Ein-Kind-Politik“) angesprochen und analysiert.

Wissenschaftstheorie

Dozent: Dr. Reinhard Brunner

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt". Sprache und Welt bei Ludwig Wittgenstein

Das Seminar wird sich mit der einzigen von Ludwig Wittgenstein selbst veröffentlichten Schrift, dem ”Tractatus logico-philosophicus“, und der Frage der Grenzen der Sprache auseinandersetzen. Was meint Wittgenstein mit dem hier angeführten Titelzitat über die ”Grenzen meiner Sprache“? Ist er davon überzeugt, dass meine erlernte Sprache meine Erfahrungen und mein Weltbild präformiert? Wittgenstein benennt die Grenze der Sprache als die Grenze des Sagbaren, dessen andere Seite das Unaussprechliche, ja das ”Mystische“ sein soll. Was soll das bedeuten?

Wir werden uns im ersten Semester Trimestern intensiv, am Text entlang analysierend und interpretierend, mit dieser komplexen Problematik auseinandersetzen. Ganz nebenbei werden hier die Grundlagen der analytischen Sprachphilosophie kennengelernt und erörtert, die Schriften Russells und Freges sind hier von Bedeutung. Der sogenannte ”linguistic turn“ des 20. Jahrhunderts, dessen Vertreter die klassische Erkenntnistheorie angreifen, wird zu diskutieren sein und vieles mehr. Wir nähern uns also den wissenschaftstheoretischen Fragen von der sprachphilosophischen Seite, dem Verhältnis von Sprache und Welt und der Frage nach den Grenzen, auch der (Natur-) Wissenschaften.

Im zweiten Semester widmen wir uns dann einem anderen Thema, nämlich den Emotionen bzw. Gefühlen. Wir werden uns die Frage stellen, welche Art von Bewusstseinszustände Gefühle sind und wie wir sie einordnen können.  Sind sie eher Wahrnehmungen über Zustände unseres Körpers oder sind sie Gedanken ähnlich? Dabei schauen wir uns die beiden ‚klassischen‘ Positionen von René Descartes und David Hume an, schreiten über William James zur aktuellen Diskussion fort. Hier ist die Position António Damasios besonders relevant, eines Neurowissenschaftlers, der die Emotionen und Gefühle sowohl neurowissenschaftlich, als auch evolutionsbiologisch und philosophisch einordnet.

Naturwissenschaften

Astronomie

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Der Weltraum, unendlichen Weiten.

Die Astronomie ist eine der ältesten Naturwissenschaften und diente über Jahrtausende vorrangig der Religion und der Astrologie. Seit der kopernikanischen Wende entwickelte sich aus der rein beobachtenden Astronomie die moderne Astrophysik. Diese untersucht die physikalischen Vorgänge, die zu den beobachteten Phänomenen führen. Der Kurs ist als Einstieg in die Astronomie und Astrophysik gedacht und richtet sich an Anfänger und interessierte Laien. Neben Grundlagen wie Teleskope und Keplergesetze werden wir uns intensiv mit unserem Sonnensystem und Raumfahrtmissionen darin beschäftigen. Nach Weihnachten steht dann die Astrophysik im Mittelpunkt, wir befassen uns mit Sternaufbau und Sternentwicklung, unserer Milchstraße und Kosmologie.

Das Sommersemester ist anwendungsorientiert: Aufgaben aus dem Astronomischen Anfängerpraktikum der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät werden in Gruppenarbeit gelöst. Wir bestimmen hierbei unter anderem die Masse des Jupiter aus der Bewegung der vier galileischen Monde.

Bei geeignetem Wetter werden wir auch ab und zu einen Blick in den Sternhimmel werfen und hierzu das 80cm Spiegelteleskop des Instituts für Astronomie und Astrophysik auf dem Sand besuchen.

Astrophysik

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt und richtet sich an Interessierte, die bereits ein Fundament in Astronomie und Physik haben oder neue Herausfordungen suchen. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit Strahlungstransport und Spektralanalyse, Sternaufbaugleichungen, der Herleitung der Keplergesetze sowie schwarzen Löchern. Wer an diesem Kurs teilnehmen möchte, sollte folgende Vorraussetzungen erfüllen:

  • keine Angst vor Gleichungen, Integralen und Ableitungen
  • Kenntnisse bzgl. Atomaufbau, elektromagnetisches Spektrum, Entstehung von Spektrallinien

Biologie

Dozentin: Michael Walter

The love for all living creatures is the most noble attribute of man.
Charles Darwin

 

Wikipedia beschreibt die Biologie als „die Wissenschaft der Lebewesen“ und ihre Geschichte reicht zurück bis in die Antike zur Zeit von Aristoteles. Sie versucht allgemeine Gesetzmäßigkeiten in Bau und Funktion von Tieren, Pflanzen, Bakterien und anderen Lebewesen zu finden und diese zu beschreiben. In den letzten Jahrzehnten ist die Spezialisierung in der Biologie stark fortgeschritten. Heute wird nicht nur in den klassischen Fächern Botanik, Zoologie, Ökologie und Physiologie, sondern auch in neuen und interdisziplinären Themengebieten geforscht. Dazu zählen vor allem die Neurowissenschaften, Theoretische Biologie, Zell- und Molekularbiologie, Genetik und Mikrobiologie. Diese fachliche Fülle wird noch bestärkt durch die unterschiedlichen hierarchischen Ebenen auf denen biologischen Forschung betrieben wird — von der Betrachtung eines einzelnen Proteins in einem Zelltyp über die Forschung an Zellen, Organen, Organismen bis hin zur Beschreibung ganzer Ökosysteme. Durch diese extreme Vielfältigkeit nimmt die Biologie einen besonderen Platz in den Naturwissenschaften ein.

Zu Beginn verschaffen wir uns einen kurzen Überblick über die verschiedenen Fachrichtungen und die Geschichte der Biologie und erarbeiten Grundlagen und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens. Hauptthema im Wintersemester ist die Neuro- und Verhaltensbiologie. Dabei sprechen wir unter anderem über folgende Themen: Grundlagen der Elektrophysiologie, Sinnesphysiologie, neuropsychologische Erkrankungen, aktuelle Forschung in der Neurowissenschaft, Verhaltensbiologie und -physiologie, Tierversuche in der Forschung, Kognition und Lernen. Dabei zeige ich auch Fortschritte aus meiner eigenen Forschung und anderer aktueller Forschungsprojekte der Universität Tübingen.

Das Seminar besteht aus einer Mischung aus Vorlesung und dem Lesen und Vorstellen von englischer Originalliteratur und ist für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen geeignet. Ein Teil der Themen, die wir diskutieren, kann von den Teilnehmern selbst ausgesucht werden. Abgerundet wird der Kurs durch Diskussionsrunden zu aktuellen, gesellschaftsrelevanten Themen und Gastvorträgen.

Informatik

Dozentin: Felicia Saar

Die Studiengemeinschaft "Angewandte Informatik" konzentriert sich auf eine Kerndisziplin der Informatik: das Programmieren. Ihr Ziel ist es die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die zum Schreiben eigener Programme nötig sind.

Sie gewährt dadurch nicht nur einen Einblick in die Informatik, sondern bietet auch für Interessierte anderer Fachrichtungen eine bedeutende Bereicherung. Diese Bereicherung äußert sich neben der Förderung des analytischen Denkens ganz konkret in der Fähigkeit, Programme für eigene Problemstellungen zu schreiben. Egal ob ein Experiment simuliert, ein Datensatz ausgewertet oder eine Anwendung zur Automatisierung von Routinearbeiten realisiert werden soll: wer einmal richtig Programmieren gelernt hat wird zu jedem dieser Probleme eine Lösung in Form eines konkreten Programms entwickeln können.

Um dieses gewagte Versprechen zu erfüllen wird die Programmiersprache Python vermittelt. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie auch von Interessierten ohne jegliche Programmierkenntnisse als leicht empfunden und gleichzeitig von Erfahrenen für die unglaubliche Vielfalt ihrer Erweiterungen gelobt wird. Die Erweiterung SciPy (Scientific Python) bietet beispielsweise umfassende Möglichkeiten zur statischen Datenanalyse und Simulation an und wird sowohl im akademischen als auch im industriellen Umfeld häufig eingesetzt.

Im Wintersemester findet der Python-Grundkurs statt. Der Kurs setzt keinerlei Programmierkenntnisse voraus und führt - angefangen bei der Installation des benötigten Programms - schrittweise in die Sprache ein. Das Niveau des Kurses wächst subtil mit der Zeit an, so dass auch Programmiererfahrene neues entdecken und lernen können.

Die wichtigsten Sprachkonzepte der Programmiersprache Python werden in diesem Kurs von Grund auf erklärt und in der Form von Beispielen, Aufgaben und kleinen Projekten praktisch vertieft, wobei die Möglichkeiten zum eigenständigen Experimentieren mit jedem Kapitel des Kursskripts stark wachsen.

Die Kursstunden beginnen in der Regel mit einem kurzen Vortrag des Dozenten oder einer Besprechung der vorangegangenen Aufgaben. In der übrigen Zeit arbeiten die Kursteilnehmer*innen einzeln oder in Gruppen das Kursskript durch und haben jederzeit die Möglichkeit den Dozenten zu konsultieren.

Im Sommersemester findet eine Anschlussveranstaltung des Python-Kurses statt, die sich auf ein bestimmtes Anwendungsgebiet (z.B. wissenschaftliche Datenanalyse und Simulation) konzentriert. Die im ersten Kurs erworbenen Programmierkenntnisse in Python sollen in diesem Kurs auf konkrete, praktische und realistische Problemstellungen angewendet werden. Genauere Informationen zu diesem Kurs werden gegen Ende des Wintersemesters bekannt gegeben.

Mathematik

Dozent: Prof. Dr. Walther Paravicini, Prof. Dr. Hermann Hähl

Wintersemester, Teil I Walther Paravicini: Mathematische Probleme lösen

Probleme kreativ lösen und die eigenen Lösungen dann überzeugend anderen darstellen – beides ist über die Mathematik hinaus wichtig und lässt sich in der Mathematik gleichsam in destillierter Form erfahren und üben.
Wir wollen diesen Forschungs- und Findeprozess in diesem Seminar nachvollziehen und an (hoffentlich) spannenden Beispielen von Woche zu Woche selbst erleben.
Die Beispielprobleme können dabei sehr unterschiedlichen Umfang haben: von kleinen Knobelaufgaben bis hin zu umfangreicheren mathematischen Projekten, an denen man auch etwas Theorie entwickeln kann. Mathematische Vorkenntnisse über Mittelstufenalgebra hinaus werden dabei nur an wenigen Stellen eine Rolle spielen: Vom Mathemuffel bis zur Wettbewerbsknoblerin sind alle willkommen.

Im Seminar lernen wir nicht nur ausgewählte mathematische Inhalte und Problemlösestrategien kennen, sondern mit etwas Glück auch uns selbst etwas besser, wenn wir bis zu einem „Heureka-Moment“ vielleicht auch einmal eine längere Durststrecke überstehen müssen und dabei mit unserer Frustration – und der Freude über den guten Einfall – umzugehen lernen.
Am Ende geht es dann auch darum, die eigenen Ideen und Argumente überzeugend und fachlich angemessen zu formulieren und die Argumentationen anderer nachzuvollziehen.

 

Wintersemester, Teil II Hermann Hähl: Euklidische Geometrie

Die Geometrie ist diejenige mathematische Disziplin, für die als erstes eine systematische deduktive Darstellung entwickelt wurde (vor ca. 2 300 Jahren durch Euklid, gestützt auf die heute verschollenen Vorarbeiten anderer, von denen man nur teilweise die Namen weiß). Das Werk von Euklid galt bis ins 19. Jahrhundert als das Musterbeispiel mathematischer Strenge. Aus einigen wenigen explizit formulierten Grundtatsachen ("Axiomen") sollten alle weiteren geometrischen Sachverhalte rein logisch hergeleitet werden. Das gelingt Euklid weitgehend, aber unter heutigen Anforderungen an mathematische Strenge nicht ganz (gelegentlich unterlaufen Rückgriffe auf die Anschauung, die nicht durch die Axiome fundiert sind). Der Geometrieunterricht der Schule ist noch in viel größerem Maße von solchen Anleihen bei der Anschauung durchsetzt.

In diesem  Kurs soll nun ein einfaches System von wenigen geometrischen Axiomen vorgestellt werden, anhand dessen die Teilnehmer erleben werden, wie man aus ihnen rein logisch (insbesondere ohne zu "rechnen") eine Fülle geometrischer Tatsachen der euklidischen Geometrie gewinnen kann. Das Vorgehen genügt dabei den heutigen Anforderungen an mathematische Strenge. Da es aber um Geometrie geht, bleibt der Stoff anschaulich. Allerdings darf man  sich von der Anschauung nicht zu vorschnellen Schlüssen verleiten
lassen; sie kann jedoch zur Auffindung stringenter Argumentationen genutzt werden. In Übungsphasen werden die Teilnehmer Gelegenheit haben, unter Anleitung selbst entsprechende Schlussketten aufzubauen, um im Rahmen der Theorie geometrische Sachverhalte zu beweisen.  

Der Inhalt des Sommersemesters steht noch nicht fest.

Medizinische Vortragsreihe

Dozent: Prof. Dr. Klaus Hamprecht

Die medizinische Vorlesungsreihe wird im Sommersemester von Klaus Hamprecht mit Kolleg*innen aus der medizinischen Fakultät organisiert und in unterschiedliche Forschungs- und Praxisfelder der Medizin Einblicke gegeben.

Medizinische Virologie

Dozent: Prof. Dr. Klaus Hamprecht

Diese Lehrveranstaltung, die nur im Wintersemester stattfindet, verknüpft molekulare Grundlagen der Virologie/Infektionsforschung mit Klinik, Diagnostik, Prävention, Therapie und Epidemiologie beispielhaft ausgewählter Virusinfektionen und Viruserkrankungen.

Die Virologie erfährt derzeit als Bindeglied zwischen Labordiagnostik und Klinischer Medizin immer mehr Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung.

Teil 1: Was sind Viren

Grundlagen von Virusinfektionen (3 Kurstage)
Infektionszyklus, Virusstruktur, der Virustaxonomie, Zelleintritt, Nukleinsäuresynthese, Virus-Wirt-Interaktion, Antivirale Therapie, Impfung
Vergleich Herpesviren (Herpes simplex-Viren) und Orthomyxoviren (Influenza A,B)

Teil 2: Häufige Virusinfektion des Menschen

In fünf Themenschwerpunkten sollen jeweils von den KollegiatInnen Präsentationen zu folgenden Krankheitsbildern (gegliedert jeweils in Epidemiologie, Diagnose, Klinik, Prävention und Therapie) mit anschließender Diskussion gegeben werden:

  1. Atemwegsinfektionen: Pandemische Virusinfektionen (Influenza A, SARS-Cov-1, MERS, SARS-CoV-2.
  2. Virusinfektionen von globaler Bedeutung (HIV, Hepatitis B).
  3. Virusinfektionen in der Transplantationsmedizin (Herpesvirusinfektionen bei Organ und Stammzelltransplantation: Herpes simplex und Cytomegalovirus).
  4. Viren und Krebs (EBV, HPV).
  5. Vertikale Virusinfektionen (Mutter-Kind) (Beispiel Cytomegalovirus).

Literatur:
- Teaching biochemistry online at Oregon State University. Biochem Mol Biol Educ. 2017 Jan 2;45(1):25-30. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/bmb.20979/epdf
- Tobler, Ackermann, Fraefel: Allgemeine Virologie 2017, utb, ISBN: 978-3-8252-4516-0
- Robert-Koch-Institut: Ratgeber für Ärzte, www.rki.de
- Aktuelle Reviews in Englisch werden an die KollegiatInnen für die Präsentationen per E-Mail zur Verfügung gestellt.

 

Physik

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Die faszinierende Welt der Physik

Glühbirnen, Fernseher, Handys, DigiCams, Kernkraftwerke... Ohne die Erkenntnisse der modernen Physik wären die meisten Erfindungen des letzten Jahrhunderts nicht möglich gewesen und wir würden auch heute noch ein recht karges Dasein fristen. Dieser Kurs gibt euch einen Einblick in die faszinierende Welt der Physik ohne den in der Schule gebräuchlichen Weg des eintönigen Rechnens einzuschlagen. Hierzu werden wir uns im Wintersemester auf eine Reise entlang der Temperaturskala machen, beginnend bei Werten von Milliarden Grad Kelvin und endend bei Werten von Milliardstel Grad Celsius, und uns die dort jeweils interessantesten physikalischen Phänomene anschauen und zu verstehen versuchen. Am Ende des Kurses wird jeder in der Lage sein, Begriffe wie "Kernfusion", "Neutrino", "Supraleitung" oder "Bose-Einstein-Kondensat" in den entsprechenden Kontext einzuordnen und mitzureden.


Das Sommermester steht dann ganz im Zeichen experimenteller Physik. Wir wollen kleine Experimente aus dem Anfängerpraktikum durchführen, wie zum Beispiel das berühmte Millikan-Experiment. Zu jedem Experiment verfasst ihr eine schriftliche Auswertung. Details dazu erfahrt ihr am Ende des Wintersemesters.

Psychologie

Dozentin: Eva-Maria Kurz, Dr. Katharina Zinke

„Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ Richard David Precht

Dieser Kurs bietet euch die Möglichkeit, das spannende Feld der Psychologie kennenzulernen – der Lehre des menschlichen Erlebens und Verhaltens. Am Ende dieses Kurses werdet ihr etwas besser verstehen, wer wir eigentlich sind, was uns ausmacht und warum wir tun was wir tun. Wir werden uns mit verschiedenen Gebieten und Themen der Psychologie beschäftigen, u.a. mit Lernen und Gedächtnis, Emotion, Motivation und Persönlichkeit. Darüber hinaus erhaltet ihr einen Einblick in die Psychologie sozialer Interaktion und Kommunikation. Auch mit einigen Beispielen der klinischen Psychologie werden wir uns beschäftigen, u.a. mit Depression, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen.

Ihr werdet euch außerdem einige methodische Kenntnisse der psychologischen Forschung aneignen und verstehen, wie psychologische Phänomene untersucht werden. Dabei werdet ihr z.B. lernen, wie ein psychologisches Experiment funktioniert und welche zunehmende Rolle neurowissenschaftliche Methoden in der psychologischen Forschung spielen. Ihr bekommt auch einen Einblick, wie wir im Schlaflabor die Funktionen von Schlaf untersuchen.

Schließlich werden wir uns genauer damit beschäftigen, wie wir so werden wie wir sind und was in diesem Prozess schiefgehen kann. Wie lernen Kinder sich in dieser Welt zurecht zu finden? Wie entwickeln sie die Fähigkeit zu sprechen? Wie entwickelt sie ein Verständnis von sich selbst und ihrer Rolle in der Familie oder Gesellschaft? Verändern sich unsere sozialen Beziehungen im Laufe des Lebens? Gibt es im hohen Alter nur Abbauprozesse? Antworten auf diese und weitere Fragen wollen wir uns gemeinsam erarbeiten.  

Musische und kreative Fächer

Instrumentalmusik

Dozent: Alex Kim

Der Chor kann coronabedingt nicht stattfinden. Wir werden mit den vielen vorhandenen Instrumenten ein kleines Ensemble bilden.

Creative Writing

Dozentin: Eva Zeller

Literarisches Schreiben

Vom Brief, über Tagebuch, Miniatur, Porträt, Notat bis zur Kurzgeschichte, Szene und Gedicht: Hier werden literarische Texte geschrieben und gemeinsam diskutiert. Und hier lernen wir Grundsätzliches über das Handwerkszeug des Schreibens. Was sagt der Text genau? Was weiß er, was wir noch nicht wissen? Wie sprechen wir am besten über eigene Texte? Und was bitte ist Literatur?

Filmanalyse und Videoproduktion

Dozent: Dr. Harald Weiß

Filme werden viel gesehen und genossen. Aus Filmen erwachsen Gefühle und Gedanken. Das Medium Film ist Kunst und Kommerz. Filme reizen nahezu alle unsere Sinne, unabhängig davon, ob wir sie auf dem Fernsehbildschirm, auf dem Computer- oder Handymonitor oder im Kino anschauen (und anhören). Meistens genießen wir die filmische Unterhaltung, reflektieren aber nicht, warum und wie uns Filme berühren oder zum Nachdenken anregen. Die Wirkweisen und Gestaltungsprinzipien des Mediums Film sind den meisten Rezipienten im Vergleich zum Medium Text/Buch wenig bekannt. Dies will diese Veranstaltung ändern. Es wird analytisch untersucht, wie Filme ihre Wirkungen und Aussagen generieren, und es werden produktiv Aussagen und Wirkungen generiert, indem ein eigener Film erstellt wird. Abgerundet wird das Ganze durch das Ausprobieren verschiedener filmischer Gestaltungsmittel.

Filmanalyse und Filmproduktion ergänzen sich gegenseitig, wobei die Filmanalyse im Verlauf der Veranstaltung der Videoproduktion etwas vorauslaufen wird.

Fotografie

Dozent: Peter Eisen

Der Kurs sollte grob in zwei Abschnitte aufgeteilt werden:

Vermittlung der technischen Grundlagen anhand konkreter Aufgabenstellungen in Aufnahme und Ausarbeitung zum fertigen Bild. Das beinhaltet die Handhabung der Kamera, Wirkung von Belichtungszeit und Blende, Lichtmessung, die Möglichkeit von Wechselobjektiven, die Wirkungsweise von Filtern, Filmmaterialien und Beleuchtungstechnik im Negativbereich sowie das Entwickeln der Filme, die dazu gehörende Chemie, das Erstellen von Abzügen und besondere Dunkelkammertechniken im Positivbereich. Der Schwerpunkt des Kurses wird auf dem Umgang mit Geräten und Materialien aus dem Bereich der herkömmlichen (Silber)-Fotografie liegen, aber auch die technischen Grundlagen der Digitalfotografie und die Grundzüge der digitalen Bildbe- und -verarbeitung werden Themen des Kurses sein.

Anwendung der erlangten Kenntnisse durch das Erarbeiten und die Durchführung eines oder mehrerer Fotoprojekte, die, wenn möglich, zu einer Ausstellung führen sollten. Dies könnte unter unterschiedlichen Gesichtspunkten geschehen. So zum Beispiel im Rahmen einer Reportage oder aus rein künstlerischen Zielsetzungen.

Den Teilnehmer*innen steht ein Fotolabor (schwarz-weiß) im Hause zur Verfügung.

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Bildende Kunst

Dozent: Jürgen Klugmann

Der Kurs soll ein Angebot sein für kunstinteressierte Menschen, die selbst gerne künstlerisch tätig sein wollen. Hierfür sind Vorkenntnisse nicht nötig, das praktische Arbeiten im Atelier steht im Vordergrund.

Wir werden mit verschiedenen Materialien (Blei, Tusche, Kohle, Graphit,..) zeichnen und uns dabei mit Perspektive und Komposition, Spannung und Harmonie, Kräfte, Tiefe, Fläche und Raum, Linie, Richtung, Strich etc. auseinandersetzen. Gebundenheit und Autonomie der Zeichnung werden uns ebenso beschäftigen wie die (fließenden) Grenzen zur Malerei.

Gemalt wird sowohl mit gekauften als auch selbst gemachten Farben (Öl, Acryl, Tempera...) auf Papier, Holz und Leinwand. Wir können drucken (Holz-, Linolschnitt, Radierung), Landart machen, den Zufall kultivieren, versuchen ein völlig aussagefreies Bild zu schaffen...

Themenfelder gibt es viele, eigene Wünsche und Ideen dürfen gerne eingebracht werden.

Im Sommersemester soll jede(r) selbständig ein eigenes Projekt erarbeiten, das am Ende in einer kleinen Ausstellung gezeigt wird.

Sprachen

Französisch

Dozentin: Karine Garnier

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Italienisch

Dozentin: Elena Bassi

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Spanisch

Dozentin: Olga Ochoa

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Kompakt- und Wochenendseminare

Schreiben wissenschaftlicher Prosa (Propädeutikum, Pflicht)

Dozenten: Dr. Michael Hermann, Dr. Franz Huberth

Das Wochenendseminar zum Schreiben wissenschaftlicher Prosa dient der Einübung des Schreibens nach wissenschaftlichen Kriterien. Letztere werden detailliert vorgestellt. Anschließend wird in kleineren Gruppen schrittweise eine entsprechende Hausarbeit angefertigt. Das Thema lautet: "Fakten, Fake-News, Fälschungen - Wahrheit und Lüge im öffentlichen Diskurs der Gegenwart". Die gemeinsame Textgrundlage bildet ein eigens zu diesem Zweck zusammengestellter Reader, der im Vorfeld der Veranstaltung an alle Teilnehmer*innen verschickt wird.

Praktische Rhetorik (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentin: Dr. Carmen Lipphardt

Das Wochenendseminar zur praktischen Präsentationsrhetorik zielt darauf, das freie Sprechen und Präsentieren wissenschaftlicher Arbeiten vor Gruppen - mit und ohne Notizen - intensiv zu reflektieren und einzuüben. Es kommt hierbei besonders auf die Gewinnung von praktischen Erfahrungen an.

Schreiben naturwissenschaftlicher Arbeiten (Propädeutikum, Pflicht)

Dozenten der naturwiss. Fächer

Das Verfassen naturwissenschaftlicher Arbeiten wird an einem Wochenendseminar im zweiten Trimester gesondert behandelt. Es beinhaltet im Vorfeld hierzu zwei Doppelstunden Excel und zwei Doppelstunden Statistik. Im Rahmen des Seminars wird in Gruppenarbeit ein kleines Experiment durchgeführt, das Grundlage des anschließenden Schreibprojektes ist.

Politisches Kompaktseminar (Propädeutikum, Pflicht)

Das politische Wochenendseminar findet in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung im Haus auf der Alb in Bad Urach statt. Das Thema und das Rahmenprogramm werden gemeinsam von allen Kollegiat*innen bestimmt. Die Programmgestaltung (Auswahl der Referent*innen) übernimmt Bernd Mall von der LZPB in Abstimmung mit der Leitung des Leibniz Kollegs.

 

Methoden der empirischen Sozialforschung (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentin: Dr. Katja K. Hericks

Die Soziologie beschäftigt sich wie viele Wissenschaften mit Fragen des Zusammenlebens von Menschen. Der Unterschied zu Jura, Wirtschaftswissenschaften, Politologie oder Kulturwissenschaften liegt daher weniger im Gegenstand, sondern in der Art der Frage und der Weise, wie sie diese beantwortet. Die Soziologie fragt nicht, „wie soll Gesellschaft sein?“ oder „wie wollen wir leben?“, sondern wundert sich, wie Gesellschaft überhaupt möglich ist, und nutzt die Frage „wie könnte es denn stattdessen sein?“, um herauszufinden, wie die gesellschaftliche Situation ist. Hierzu verfügt sie über einen Methodenapparat der sogenannten empirischen Sozialforschung, die grob unterteilt wird in quantitativ und qualitativ. Die quantitativen Verfahren kennen wir als Statistiken. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie Gesellschaftliches in Zahlen übersetzt (quantifiziert) und berechenbar macht. Qualitative Verfahren dagegen sind zumeist aufwendige interpretative Analysen mit kleinen Fallzahlen, in denen Worte und Bilder, Erzählungen und Bewegungen, Zusammenhänge und Unterschiede auf die Goldwaage gelegt werden. Im Kurs werden wir mit quantitativen und qualitativen Verfahren eine kleine Forschung durchführen: von der Forschungsfrage über die Erhebung bis zur Auswertung.

 

Erstellen von wissenschaftlichen Postern (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentin: Marion Springer

Zur Präsentation von Forschungsergebnissen auf Tagungen wird zunehmend nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften verlangt, die Ergebnisse von Arbeiten und Projekten übersichtlich und bildlich angeordnet für ein Fachpublikum oder auch eine interessierte Öffentlichkeit strukturiert aufzubereiten. Dabei kann ein künstlerisch kreativer Zugang sehr hilfreich sein. Ideal wäre die praktische Erarbeitung und Umsetzung einer Präsentation von gemeinsamen Arbeiten zum Jahresthema für das ganze Kolleg auf der Abschlussveranstaltung.

Einführung in Latex (freiwillig)

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Latex ist ein freies Textsatzsystem zum professionellen Erstellen wissenschaftlicher Texte. Es erstellt automatisch, mittels vordefinierter Klassen, ein professionelles Layout, das auf jahrhunderte langer Erfahrung der Setzer und Drucker beruht, und ermöglicht so dem Autor, sich voll und ganz auf den Inhalt zu konzentrieren. Latex ist insbesondere in der naturwissenschaftlichen Welt weit verbreitet, setzt sich aber auch in anderen Bereichen immer mehr durch.

Dieser Kurs gibt eine Einführung in den, für Neueinsteiger etwas gewöhnungsbedürftigen, Umgang mit Latex. Wir werden uns mit der Strukturierung des Dokumentes und Textes, dem Erstellen von Tabellen und Einbinden von Graphiken, dem mathematischen Zeichensatz, dem automatischen Erstellen von Literatur- und sonstigen Verzeichnissen und vielem mehr beschäftigen.