Leibniz Kolleg

studium generale - Fächer und Kursangebot

Denken ohne Geländer, das ist es in der Tat, was ich zu tun versuche.

Hannah Arendt

Die Kollegiat*innen wählen aus folgenden Bereichen mindestens je einen Kurs:

  • Rechts- und Sozialwissenschaften,
  • Geisteswissenschaften,
  • Naturwissenschaften,
  • Künstlerische Praxis, Musisches, Kreativität, Medien.

Die Sprachkurse sind ein freies Zusatzangebot.

Verbindlich für alle sind die Einführungswochen, die Methodenworkshops in den Geistes- und in den Sozialwissenschaften sowie den Naturwissenschaften, das Wochenende zur einem politischen Thema, das gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt wird, das Vorbereitungsseminar zur Studienreise, das Seminar zur Einführung in die Rhetorik, die thematische Projektwoche  und vom Haus zusätzlich angesetzte Exkursionen sowie die wöchentlichen Vorträge, der wöchentliche Konvent und die Studierendenkonferenz am Ende des Kursjahres.

Rechts- und Sozialwissenschaften

Geschlechterforschung

Dozentin: Elvira Martin

Gender Studies – Queer Studies
Diskurse und Kontroversen

Seit den 1980er Jahren etablierte der sozialwissenschaftliche-feministische Diskurs zunächst die begriffliche Trennung zwischen dem biologischen Geschlecht (‚sex‘) und dem sozialen Geschlecht (‚gender‘). ‚Gender‘ bezeichnet dabei die durch Gesellschaft und Kultur geprägten Geschlechtseigenschaften einer Person, ‚sex‘ das dazu in Abgrenzung gedachte biologischen Geschlecht als unveränderbare „Natürlichkeit“. Auch bei der politischen Praxis des Gender Mainstreamings basiert die Beachtung der Geschlechterperspektive beziehungsweise die Intervention gegenüber konkreten Diskriminierungen auf einer dualen und polaren Geschlechterorganisation männlich/weiblich.

Die Philosophin und Philologin Judith Butler hingegen stellt die „Natürlichkeit“ eines biologischen Geschlechts grundlegend in Frage. Sie formuliert: „Wie müssen wir dann die „Geschlechtsidentität“ (gender) reformulieren, damit sie auch jene Machtverhältnisse umfasst, die den Effekt eines vordiskursiven Geschlechts (sex) hervorbringen und dabei diesen Vorgang der diskursiven Produktion selbst verschleiern?“ (Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies. Frankfurt/M. 1991, S.24)

Queer Studies und Queer Theory befassen sich mit sexuelle Identitäten und den Verschränkungen mit weiteren - intersektional zu denkenden -  Diskriminierungskategorien. Damit geraten auch binäre Vorstellungen von Heterosexualität und Homosexualität kritisch in den Blick. Die Analyse kultureller und sozialer Prozesse legt die Konstruktion von traditionellen gesellschaftlichen Identitätsangeboten offen und eröffnet damit eine Abkehr von der Vorstellung biologische begründbarer Vorstellung zweier Geschlechter.

Unter anderem die Texte von Judith Butler haben diese Diskurse deutlich befördert.

Die Lektüre ihrer Texte fordert heraus, eingefahrene Denkstrukturen zu verlassen, Vorannahmen radikal in Frage zu stellen und tatsächlich bei der Reflexion die Perspektive zu wechseln, um das bisher gültige Konzept der Zweigeschlechtlichkeit neu zu denken.

Darin liegt aber auch viel Sprengstoff für politische und wissenschaftliche Diskurse und Kontroversen:

Wie vereinbart sich die dekonstruktivistische Sichtweise von Geschlecht nach Butler und daraus abgeleiteten Identitätspolitiken mit einer politischen Praxis der Gleichstellung in der Tradition feministischer Analyse? Welche Rolle kommt dabei dem Ansatz der Intersektionalität zu? Welche Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang das Konstrukt der Identität zu? Und nicht zuletzt: Wie repräsentieren wir all dies in und mit unserer Sprache?

Im Rahmen der Studiengemeinschaft wollen wir dazu verschiedene Positionen und Ansätze kennen lernen, erörtern und Hinblick auf ihre praktische und politische Bedeutung ausloten. Wir fragen nach, wie das Beharrungsvermögen des Konzepts der Zweigeschlechtlichkeit zu Stande kommt.

Darüber hinaus werden wir im Verlauf der Studiengemeinschaft Fragen der Methodik erörtern und diese anhand konkreter Beispiele aus Forschung und Praxis nachvollziehen.

Gender Studies und Queer Studies arbeiten interdisziplinär, bedienen sich Methoden unterschiedlicher Fachrichtungen (z. B. aus der Geschichte, Soziologie, usw.) und erweitern sie um spezifische Anforderungen der eigenen Forschungsgebiete.

Je nach Zusammensetzung der Studiengemeinschaft, den Vorkenntnissen, Interessenlagen und daraus resultierenden Fragestellungen werden die einzelnen Themen gewichtet und um weitere Aspekte ergänzt.

Eine ausführliche Literaturliste wird im Kurs ausgegeben und vorgestellt. Beispielhaft seien an dieser Stelle genannt:

Gero Bauer, Regina Ammicht-Quinn, Ingrid Hotz-Davis (Hg.): Die Naturalisierung               

des Geschlechts. Zur Beharrlichkeit der Zweigeschlechtlichkeit. Bielefeld 2018

Gero Bauer/Rebecca Hahn/ Gerrit Kaschuba: Identitätspolitiken und (Anti)feminismen, tifs-Newsletter 2019/20, S. 3-12, www.tifs.de/news-stellungnahmen/

Judith Butler: Das Unbehagen der Geschlechter. Gender Studies. Frankfurt/M. 1991

Lann Hornscheidt, Lio Oppenländer: Exit Gender. Gender loslassen und strukturelle Gewalt benennen: eigene Wahrnehmung und soziale Realität verändern. Hiddensee 2021

Annemarie Jagose: Queer Theory. Berlin 2001

Heinz-Jürgen Voß: Geschlecht – Wider die Natürlichkeit. Stuttgart 2011

Heinz-Jürgen Voß: Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive. Bielefeld 2010

 

Pädagogik

Dozent: Lukas Ahlhaus

Disziplin zwischen Bildung und Erziehung

Die Erziehungswissenschaft sieht sich bis heute mit der Frage nach der eigenen Positionierung innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses konfrontiert. In ihren verschiedenen Ausprägungen finden sich Berührungspunkte mit anderen teils etablierten, teils modernen Disziplinen wie der Philosophie, der Soziologie, der Psychologie oder den Gender Studies.

Die verschiedenen Aspekte der Erziehungswissenschaft sollen im Seminar näher betrachtet werden. Schwerpunkte können hierbei nach Absprache mit dem Kurs auch selbst gewählt werden, sodass das Semesterprogramm aktiv mitgestaltet werden kann.

Die Kernfragen der Erziehungswissenschaft sollen konkret in dem Spannungsfeld zwischen Erziehung, die uns durch andere Personen zuteilwird, und Bildung im Sinne einer Selbstverwirklichung behandelt werden. Wo liegt der Unterschied zwischen Erziehung und Bildung und zu welchen Personen wollen wir mit Hilfe von Erziehung und Bildung überhaupt werden? Wie wirkt sich unsere Erziehung auf unsere Person und wie auf unsere Gesellschaft, besonders hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit aus? Inwieweit prägt uns unsere Erziehung und steht Erziehung dadurch in einem Widerspruch zu Freiheit? Diesen und weiteren Fragen widmen wir uns im Seminar.

Das Seminar findet wöchentlich statt. Hierzu wird für jede Sitzung ein Text mit ausreichend Vorlauf auf Ilias hochgeladen, den aufmerksam zu lesen die einzige Aufgabe und Teilnahmebedingung darstellt. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Recht

Dozenten: Prof. Dr. Jochen von Bernstorff, Dominik Keicher, Theresa Schneck, Jakob Schuler

Das Recht ist ein seltsames Ding: einerseits ist es ein Mittel zum Schutz Schwacher vor der Macht der Starken, auf der anderen Seite sollen wir uns auch dann daran halten, wenn mit seiner Unterstützung oder unter seinem Schutz die größten Ungerechtigkeiten verübt werden. Trotz dieser Ambivalenz ist das Recht aus unserer globalisierten Welt nicht mehr wegzudenken. Wer die Tageszeitung aufschlägt, ist ganzseitig mit juristischen Fragen konfrontiert. Wer versorgt das Scheidungskind? Wer bekommt Hartz IV? Wer darf nach Deutschland kommen, wer muss gehen und wird Beate Z. bestraft? Darf die CIA in Afghanistan Terrorverdächtige durch Drohnenschläge töten und ist der Krieg in Syrien erlaubt?

Politische Fragen sind häufig zunächst einmal juristische und so scheint es heute kaum noch ein gesellschaftliches Problem zu geben, das nicht zumindest auch nach der eigenartigen, nicht nur für Laien rätselhaften Logik des Rechts geprägt ist. Aber was steckt hinter dieser speziellen Art und Weise der Behandlung von Konflikten? Wie funktioniert juristisches Denken und was passiert eigentlich genau, wenn Konflikte nach juristischen Verfahren entschieden werden? Was geschieht im Jura-Studium und was kann ich später damit tun? Diesen Fragen werden wir in der Studiengruppe Recht nachgehen.

Das Seminar beginnt mit einem Überblick über die Welt des Rechts und einer Einführung in nationale und internationale rechtliche Strukturen und juristische Methodik. Anschließend werden in drei Blöcken konkrete Fälle aus den Bereichen des Zivilrechts, Strafrechts und Verwaltungsrechts besprochen, die von verschiedenen Mitarbeiter:Innen meines Lehrstuhls vorgestellt werden. Die Fälle aus diesen für das juristische Studium zentralen Bereichen werden grundlegende Fragen über die Funktion und den Sinn des Rechts in der Gesellschaft aufwerfen, denen wir im dritten Teil anhand von rechtsphilosophischen Texten über das Verhältnis von Recht und Moral, über Demokratietheorie und Menschenrechte nachgehen. Am Ende folgt noch ein Einblick über Inhalt und Art des Jurastudiums: Was lernt man dort und was lernt man nicht? Wie lernt man es und was lässt sich danach anstellen?

Ziel ist, eine Vorstellung von den Gegenständen des Rechts, seiner Funktionsweise, aber auch von seiner Einbettung in die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu gewinnen. Wir werden sehen: das Recht ist keine natürliche, neutrale, immerwährende Art gesellschaftlicher Organisation. Es ist immer geprägt von den historisch hergebrachten Widersprüchen unserer Zeit.

Es ist aber auch etwas ganz Banales: ein weites Feld voller spannender Tätigkeiten.

Rhetorik

Dozentin: Klara Prettl

Rhetorik - Manipulation oder gelebte Demokratie

Allgemeinhin wird unter der Rhetorik das kunstvolle Sprechen, insbesondere in der Antike verstanden. Eine der leider häufigsten Assoziationen sind auch die vielen rhetorischen Figuren, welche im Deutschunterricht fieberhaft in Kurzgeschichten und Gedichten gesucht werden mussten. Doch womit beschäftigt sich die Rhetorikforschung in der heutigen Zeit und wie können wir uns dieser nähern?

„Die Rhetorik sei also als Fähigkeit definiert, das Überzeugende, das jeder Sache innewohnt, zu erkennen.“ Diese Definition nach Aristoteles geht weit über die Vorstellung des kunstvollen Sprechens hinaus und verweist auf den persuasiven Charakter der Rhetorik. Der kunstvolle Gebrauch der Rhetorik hat das Ziel, Glauben zu erwecken, zu überzeugen, ob durch gesprochene Sprache, geschriebene Texte oder auch durch Bilder. Wir sind umgeben von Rhetorik, bei politischen Reden, Werbeplakaten, unseren Lieblingsinfluencern oder auch teils bewusst, teils unbewusst in unserem eigenen Auftreten. Schon diese wenigen Beispiele für Anwendungsfelder der Rhetorik zeigen auch ihre Zweischneidigkeit. Seit die ersten Menschen begonnen haben zu kommunizieren, wurde Sprache genutzt, um zu verhandeln, zu beraten und um Wissen weiterzutragen, jedoch auch um zu täuschen, zu manipulieren und um falsche Dogmen zu verbreiten.

Schon in der Antike war man sich der ethischen Verpflichtung, welche aus der Macht der Rhetorik resultiert bewusst und suchte einen Umgang damit. Der Begriff des Iudiciums, der Urteilsfähigkeit bildete sich heraus. Sie wurde zu einer der wichtigsten Kompetenzen des antiken Staatsbürgers. Nicht nur die eigene Rede konnte so perfekt inszeniert werden, sondern vielmehr schulte sie die Fähigkeit des Bewertens von Argumenten, des Erkennens von Fehlschlüssen und das Feingefühl plumpe, wie auch gerissene Manipulationsversuche in der Kommunikation zu erkennen, ihnen zu begegnen und sie auszuräumen. Diese Urteilsfähigkeit hat in Zeiten von Fakenews, Verschwörungstheorien, Deepfakes und polarisierenden Debatten nichts an Relevanz verloren. Die Fähigkeit, sich selbst vor der, leider alltäglich gewordenen Manipulation durch die verschiedensten Kommunikationspartner schützen zu können, anderen die Fehlschlüsse ihrer Argumentation aufzeigen und selbst kohärent und ohne Fehler argumentieren zu können ist grade in der Demokratie essentiell.

In dem Rhetorikkurs soll ein Einblick in dieses kritische Denken gegeben werden, indem logische Argumentationsmuster und Fehlschlüsse analysiert, psychologische Grundlagen von Manipulation betrachtet und kognitive Verzerrungen untersucht werden, welche oft zu Fehleinschätzungen von Argumenten führen. Dadurch wird sowohl die eigene Argumentationsfähigkeit verbessert, als auch das kritische Denken gefördert.

 

Volkswirtschaftslehre

Dozent: Prof. Dr. Rainer Berkemer

Ziel dieses Kurses ist es, wesentliche Begriffe aus der volkswirtschaftlichen Theorie zu klären, damit dann im weiteren Verlauf auch aktuelle wirtschaftspolitische Themen von den Studierenden kompetent diskutiert werden können.

Im ersten Semester werden aus den beiden Bereichen der VWL, der Mikro- sowie der Makroökonomie, ausgewählte Kapitel aus dem Lehrbuch von Peter Bofinger behandelt. Damit kann ein Verständnis der Arbeitsteilung sowie der grundsätzlichen Funktionsweise von Märkten erreicht werden. Den Marktpreisen, die eine Signal- und Anreizfunktion haben, kommt eine Schlüsselrolle in der Mikroökonomie zu. Aus dem Bereich der Makroökonomie sind zunächst die Kapitel zu betrachten, die eine Definition der Zielgrößen vornehmen. Was ist das Bruttoninlandsprodukt (BIP) und wie kann es berechnet werden? Zentral ist auch das Verständnis des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts. Erst wenn Begriffe wie Leistungsbilanz, Handelsbilanz, Kapitalbilanz, etc. sauber definiert und verstanden sind, haben wir eine verlässliche Grundlage, um später etwa die Staatsschuldenkrise und Ungleichgewichte im Euroraum zu thematisieren. Der aktuellen Situation geschuldet, wird auch Inflation ein Thema sein müssen. Um aber die Zentralbankpolitik des letzten Jahrzehnts nachvollziehen zu können, ist es gut zu wissen, dass auch das Gegenteil (eine Deflation) nicht unproblematisch ist.

Nach je zwei Theorie-Sitzungen können dann einzelne Konzepte kritisch hinterfragt werden: Sind Markteingriffe, wie etwa Gaspreisdeckel, die richtige Antwort, oder was würden Ökonom:innen eher empfehlen. Auch schon vor der Corona-Pandemie war die Wachstumskritik ein Thema: Muss das BIP eigentlich immer weiterwachsen? Welche Alternativen gäbe es? Was würde mit den ganzen Schulden geschehen, wenn die Wirtschaft nicht immer weiterwächst? Als Reaktion auf die Pandemie wollten nun die einen möglichst rasch die Wirtschaft wieder in Gang bringen, während andere falsche Weichenstellungen befürchten, wenn versäumt wird die Transformation des Wirtschaftssystems in Richtung Klimagerechtigkeit voranzutreiben. Auch umweltökonomische Fragestellungen, etwa ob CO2 besteuert werden soll oder ob CO2-Zertifikate die bessere Alternative sind, sollten deshalb diskutiert werden.

Im zweiten Semester befassen wir uns zunächst mit Finanzmärkten. Dabei ist dringend zu klären, was Banken von anderen Unternehmen unterscheidet. Warum ist für diese das Arbeiten mit sehr viel Fremdkapital (Ökonomen sprechen vom „Leverage“- oder Hebel-Effekt) so besonders relevant? Müssen Banken so hoch verschuldet sein oder wollen sie dieses nur – und wenn ja, warum? Und was folgt daraus für die Stabilität des Finanzsystems?

Das Thema Staatsverschuldung wird auch nicht zu vermeiden sein. Zum einen bauten als Reaktion auf die Pandemie die meisten Staaten bewusst auf massive Defizite. Zum anderen halten fast alle Geschäftsbanken Staatsanleihen, weil dies vermeintlich „sichere Papiere“ sind während umgekehrt die Staaten wieder für Banken garantieren.

Auch der Begriff der „Systemrelevanz“ erfährt dabei einen interessanten Bedeutungswandel. Waren vor etwa 10 Jahren damit in erster Linie Finanzinstitute gemeint, so stellt sich nun im Kontext der Pandemie dringend die Frage, welche wirtschaftlichen Sektoren wirklich unverzichtbar sind, aber auch wie es sein kann, dass ausgerechnet die „systemrelevanten“ Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich oft miserabel bezahlt werden.

Wir stellen uns auch die Frage, wie die Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Wirtschaft und die Arbeitswelt der Zukunft prägen werden.

Geisteswissenschaften

American Studies

Dozent: Scott Stelle

This course is an introduction to contemporary American society - its politics, economy, culture and imaginative literature. We shall explore the major themes through a comparative and historical approach. The United States has since WWII had more influence on world history than any other state. Therefore, you simply cannot understand modernity, the international landscape or any field without taking it into account. What happens there matters everywhere.

Our year-long seminar is divided into two parts. The first part will take place in trimesters I and II while alternating focus between essays, fiction and films; the second part in trimester III will deal with longer works, which shall be decided together as a class before the spring break.

We begin with articles from magazines, such as Harper's, The Atlantic and The New Yorker for their informative and direct style. In addition, we will explore a wide range of contemporary topics like the elections, race, globalization, migration among others through mass media. We shall also be reading short stories, a format that draws our attention to the relationship between language and culture, and enables us to entertain various points of view and levels of society. Stories from Edgar Allan Poe to T.C. Boyle will be analyzed in terms of their literary significance - themes, motifs, symbols and characterization - as well as the eras that produced them.

Objectives

Students will develop skills of close reading, interpretation and criticism; improve their English communication skills, and hopefully widen their conception of the world.

What is expected?

Students should come prepared and participate and occasionally give a presentation to be followed by a short discussion.

Literature

Jill Lepore, This America: The Case for the Nation (New York: W.W. Norton & Company, 2019)

 

 

Europäische Architektur- und Siedlungsbaugeschichte

Dozentin: Irene Gocht

Der Kurs ist einerseits gedacht als allgemeine Einführung in das Thema für alle einfach so Interessierten, andererseits aber auch für diejenigen unter Euch, die sich überlegen, Kunstgeschichte zu studieren, und zwar speziell als Ergänzung des Angebots an kunsthistorischen Instituten. Denn einst Königsdisziplin innerhalb der Kunstgeschichte, ist die Architekturgeschichte dort mittlerweile unterrepräsentiert; nur wenige KunsthistorikerInnen haben sich auf diesem Gebiet spezialisiert.

Nach einem einleitenden Block werden wir uns mithilfe von Referaten in chronologischer Abfolge mit den einzelnen Strömungen im 19. und 20. Jahrhundert befassen. Es geht dabei in diesem Seminar nicht um eine Stil-Lehre – die ist nur Nebensache. Es geht vielmehr beispielweise um Bedürfnisse, Umstürze, neuartige Möglichkeiten, Krisen- und Konfliktbewältigungsstrategien, nonverbale Kommunikation, um die unterschiedlichsten Ausdrucksformen menschlichen Miteinanders, die sich in unserer gebauten Umwelt widerspiegeln. Die gewählten beiden Jahrhunderte sind insofern von herausragendem Interesse, weil in dieser Zeitspanne der überwiegende Teil der uns umgebenden Gebäude und Strukturen entstanden ist. Planungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert begleiten und rahmen unser alltägliches Leben ubiquitär, oft nicht bewusst wahrgenommen und meist unhinterfragt. Themenübergreifend wird uns auch die Entwicklung der Denkmalpflege und das Problem der Rekonstruktion beschäftigen, das trocken klingt, aber den Keim für heiße Diskussionen legt. In einer abschließenden Exkursion durch Tübingen werden wir als Abrundung die erworbenen Kenntnisse anwenden und exemplarisch die Tübinger Bausubstanz gemeinsam diskutieren, enträtseln und zeitlich einordnen.

Es sind keine Vorkenntnisse notwendig!

Allerdings möchte ich Euch die vorherige Teilnahme am Romkurs wärmstens empfehlen. Denn gerade das 19. Jahrhundert, in dem zahllose architekturhistorische Epochen aufgegriffen,kopiert, zitiert, imitiert werden, ist ohne eine Vorstellung von diesen Vorbildern nur schwer zu greifen. Im Romseminar werden wir uns einige dieser älteren Epochen anschauen.

Kurze Information zum Fach: Die Architekturhistoriographie gibt es (bislang jedenfalls) nicht als eigenes Studienfach. Sie ist entweder in der Kunstgeschichte oder innerhalb der Ingenieurwissenschaften bzw. innerhalb des Studiengangs 'Architektur und Städtebau' in der (Bau-)Technikgeschichte angesiedelt. Das spiegelt die traditionelle Kontroverse wider, ob es sich bei Architektur primär um Kunst oder um ein technisches Erzeugnis handle.

Die Architektur- (und Siedlungsbau-)geschichte unterscheidet sich aber von anderen Teildisziplinen dieser Fächer in wesentlichen Punkten. Denn Komplexität und Prozesshaftigkeit des Forschungsbereichs führen zu einer fachübergreifenden Verschränkung mit diversen Nachbarwissenschaften und deren Methoden (v. a. mit Klassischer Archäologie, Mittelalterarchäologie, Kulturgeographie, Geschichtswissenschaft und Kulturanthropologie [EKW/Volkskunde]). Daneben gilt für KunsthistorikerInnen: ohne Grundkenntnisse baupysikalischer Gesetzmäßigkeiten und in Baustofflehre ist eine ernstzunehmende Analyse vieler Bauwerke kaum möglich.

Das erklärt wohl hinreichend, warum die Architektur- und Städtebaugeschichte weder in den Ingenieurwissenschaften noch in der Kunstgeschichte mit ihrer traditionellen, einseitigen Fokussierung auf die Baukunst der Eliten seit der Spätantike (also auf die Baukunst von Aristokratie und Klerus) eine zufriedenstellende Heimat gefunden hat. Aufgrund dieser prinzipiellen interdisziplinären Komponente ist die Architektur- und Städtebaugeschichte strenggenommen als eigenes, als integratives Fach einzustufen.

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Germanistik

Dozenten: Dr. Michael Hermann, Dr. Franz Huberth

Wo weniger mehr ist
Von der kurzen Erzählung zur Kurzgeschichte

Literatur lässt sich nach Gattungen, Themen, Autor*innen oder Epochen einteilen. Ein Unterscheidungsmerkmal ist der Umfang. Vom Aphorismus bis hin zum 2000-seitigen Romanfragment ist in der literarischen Prosa alles möglich. Manche Geschichten erfordern einen langen Atem, andere nicht. Was lässt sich kurz erzählen, wie und warum kurz? Was wird dabei verschwiegen, weggelassen oder ausgeklammert?

Neben den klassischen Erzählungen und Romanen etablierten sich in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert kürzere Textformen. Impulse dazu kamen von der (italienischen) ‚Novelle‘ und später von der (amerikanischen) ‚Short Story‘. Und ganz profan: in Zeitungen und Zeitschriften – neben dem Buch die zentralen Medien für Literatur – ist der Platz begrenzt, knappe Texte sind gefragt. Dieser Entwicklung folgen wir anhand ausgewählter Kurzprosa aus dem letzten Jahrhundert. Auf unserem Weg werden uns neben Klassikern der Moderne wie Alfred Döblin, Franz Kafka oder Ernest Hemingway herausragende Erzählerinnen und Erzähler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begegnen. Die Vorgehensweise ist vielschichtig: Wir lesen die Texte genau, analysieren sie auf der Basis von Erzähltheorie und einschlägiger Forschungsliteratur, recherchieren historische Hintergründe, finden gemeinsam heraus, wie komplexe Texte funktionieren, decken verborgene Strukturen auf, erproben verschiedene Methoden der Interpretation, diskutieren unterschiedliche Perspektiven. Richtig oder falsch sind dabei keine brauchbaren Kategorien.

Nebenbei erarbeiten wir uns Schlüsselkompetenzen in Sachen Textverständnis und Kommunikation, die überall wichtig sind, wo (wissenschaftlich) gelesen und (intellektuell) gesprochen wird.

Voraussetzungen: Lust auf Literatur und Sprache
Unerwünscht: Konsumhaltung, Copy & Paste, beliebige Spekulationen
Willkommen: Neugier, Offenheit und die Bereitschaft zum kritischen Denken

Geschichte

Dozent: PD Dr. Daniel Menning

Geschichte von unten: Leben und Hoffnungen eines Vergessenen.

Noch immer wird Geschichte oftmals als das Werk großer, alter, weißer Männer, ihre Ideen, Motive und Bestrebungen sowie deren Umsetzung durch Politik, Intrigen und Kriege erzählt. Das Leben, die Wünsche und Zukunftspläne der einfachen Menschen geraten hingegen häufig aus dem Blick - sie sind mehr oder weniger williges Werkzeug der Politik bzw. ihr Leben verkommt zu netten Anekdoten im Rahmen des Erzählstroms der großen Ereignisse.

Demgegenüber will sich das Geschichtsseminar dem Leben eines Menschen zuwenden, das vermutlich vollkommen in Vergessenheit geraten wäre, wenn nicht sein handschriftliches Kochbuch aus dem Jahr 1770 überliefert wäre: Johann Friedrich Mühlecker (1748-18??). Anhand von Quellen und Literatur wollen wir die Möglichkeiten austesten, sein Leben, das Leben eines einfachen schwäbischen Dorfchirurgen zu erforschen, seinen Handlungen und Zukunftsplänen nachzuspüren. Dabei werden wir Eingang in die kulinarische Welt des 18. Jahrhunderts, in Fragen von Medizin, Kolonialismus, Klimawandel und Migration gewinnen.

Auch wenn die zeitliche Distanz groß ist, so die Annahme, lässt sich anhand von Johann Friedrich Mühlecker doch viel über die vergangene Zukunft, über Hoffnungen, Sehnsüchte und Enttäuschungen einfacher Menschen lernen.

Journalismus

Dozentin: Sabine Schröder

Journalistische Textsorten

Wie behaupten sich Tageszeitungen angesichts der Tatsache, dass politische und gesellschaftliche Debatten verstärkt über soziale Medien ausgetragen werden? Was bedeutet das für Journalistinnen und Journalisten?  Warum ist die Pressefreiheit ein so hohes Gut, und welchen Gefahren ist sie ausgesetzt?

Wir widmen uns in diesem Seminar nicht nur solchen Fragen, sondern klären auch, wie RedakteurInnen Nachrichten aufbereiten und nach welchen Kriterien Journalisten Informationen priorisieren.

Anhand aktueller Texte werden wir journalistische Darstellungsformen analysieren und eigene Texte verfassen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, was eine Nachricht ist, schreiben Teaser für Online-Texte, rezensieren einen Film und/oder ein Buch, kommentieren ein selbst gewähltes Thema oder verfassen ein Portrait.           

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben außerdem Gelegenheit, die mediale Aufbereitung aktueller gesellschaftlicher Debatten zu analysieren. 

Literatur:
Paul-Josef Raue und Wolf Schneider, Das neue Handbuch des Journalismus und des Online-Journalismus, 2012

Stefan Weichert, Matthias Daniel (Hg): Resilienter Journalismus. Wie wir den öffentlichen Diskurs widerstandsfähig machen, 2022

Bernhard Pörksen: Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung, 2018

Beachte: Der Kurs findet nur im Wintersemester statt.

Mythenbilder

Dozent: Jan Papenberg

Wenn man an Antike denkt, so fallen einem neben den Ruinen in Griechenland oder Rom und bedeutenden historischen Ereignissen auch immer wieder Mythen ein. Herakles/Herkules bekämpft irgendwelche Monster, Odysseus sucht den Weg nach Hause, Frauen verwandeln sich in Bäume, Spinnen oder Felsen, ränkeschmiedende Götter bestrafen die Menschheit – diese und ähnliche Mythen tauchen in Literatur, Film und anderen Medien bis heute auf. Im Kurs werden wir einen Blick darauf werfen, wie die Antike selbst mit ihren Mythen umging, zum einem in literarischer Form und zum anderen – worauf auch das Hauptaugenmerk liegen soll – in der bildenden Kunst. Mythen sind uns vielfach im Epos wie bei Homer, Drama oder in der Poesie überliefert; wir werden unter anderem übersetzte antike Texte lesen, um zu verstehen, wie der Mythos überliefert wurde.

Daneben schauen wir uns aber vor allem antike Mythenbilder an, die es praktisch in jeder antiken Bildgattung gibt: man findet sie auf Vasen, als Wandmalerei oder Mosaik, auf Münzen, als Skulptur, rundplastisch oder als Relief, z.B. als Bauschmuck oder auf Sarkophagen. Verwunderlich ist das eigentlich nicht, ist doch der Mythos für den antiken Menschen ein essentieller Bestandteil seines Lebens, seiner Geschichte, Religion und seiner Weltanschauung, der vom Verhältnis der Götter zu den Menschen berichtet oder Spiegel ist für menschliches Verhalten. Es stellen sich uns verschiedene Fragen: ist ein Bild nur reiner Dekor oder gibt es eine tiefer gehende Interpretation – welche; vermittelt ein Bild den Betrachtern unterschiedlicher Epochen den gleichen Inhalt (wer sind überhaupt die Betrachter) und sind bestimmte Mythen, z. B. jene die von Krieg und Tod handeln, für bestimmte Gattungen prädestiniert? Thema wird also sein, einige Mythen erst einmal genau kennenzulernen, um sich danach der Frage zu widmen, welche Bedeutung deren bildliche Darstellung hatte. Dabei werden wir uns einige antike Zentren wie Athen und Rom genauer anschauen, die in der Produktion von Bildwerken eine große Rolle spielen, auch die neuzeitliche Rezeption von Mythen wird Thema sein.

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Philosophie

Dozentin: Ursula Konnertz

Das Seminar führt zu Beginn in philosophisches Fragen und grundlegende Themen der Philosophiegeschichte ein.
Im Anschluss an diese erste Phase steigen wir mit der Lektüre von Texten zur Dialektik der Aufklärung tiefer in das Studienjahresthema und zum Kritikbegriff ein. Davon ausgehend werden anhand ausgewählter Texte und jenseits von eurozentrischen Großtheorien und Erzählungen die Fragen gestellt, wie sich Verantwortung der Einzelnen verstehen lässt, was Verantwortung für Gerechtigkeit, Verantwortung auch für globale Gerechtigkeit und Verantwortung für zukünftige Menschen in einer komplexen und unübersichtlichen Welt heute bedeuten kann. Was verantwortliches Handeln eigentlich heißt und woher es seine Motivation und utopische Vision bezieht. Letztlich geht es darum, zu fragen, wie wollen wir heute leben in einer technisierten bedrohten Welt, die durch gravierende Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten, durch Gewalt und Umweltzerstörung, durch polarisierende konkurrierende Gesellschaftssysteme, durch eine Wirtschafts- und Zivilisationskrise bestimmt ist? Wer wollen wir - anthropologisch gefragt - sein, als moralisch handelnde Wesen? Wie werden wir uns verändern, um überleben zu können? Welchen Preis an Menschlichkeit werden wir zahlen, sind wir bereit zu zahlen? Wer werden wir am Ende unseres Lebens gewesen sein wollen?

Vorschläge zu einführender Überblicksliteratur für Interessierte:
Herbert Schnädelbach, Philosophie, in: Martens, Schnädelbach (Hg.), Philosophie. Ein Grundkurs, Band 1., S. 37-77.
Arno Anzenbacher: Einführung in die Philosophie, Freiburg 2009.
Walter Schulz, Philosophie in der veränderten Welt, Pfullingen 1972.
Hans Jörg Sandkühler, Wozu Philosophie? Frankfurt a.M. 2007.
Raul Fornet-Betancourt: Modelle befreiender Theorie in der europäischen Philosophiegeschichte. Ein Lehrbuch. Frankfurt 1992.
Raul Fornet-Betancourt: Philosophische Voraussetzungen des interkulturellen Dialogs, in: Polylog 2 (1), 1998.
Jean Francois Lyotard: Wozu Philosophieren? Zürich 2013.
Thomas Nagel: Was bedeutet das alles? Stuttgart 2000.
Annemarie Pieper: Selber denken: Anstiftung zum Philosophieren, Stuttgart 2008.
Adorno/ Horkheimer: Dialektik der Aufklärung, Theodor W. Adorno, Gesammelte Schriften Band 3, FfM 1997.
Hannah Arendt: Persönliche Verantwortung in der Diktatur, München 2018.
Marina Garces: Neue Radikale Aufklärung, Wien Berlin 2019.
Michel Foucault: Was ist Kritik?, Berlin 1992.
Weitere Literatur wird im Seminar bekanntgegeben.

 

 

Religionswissenschaften

Dozent: Dr. Matthias Schiebe

Wintersemester:  „Kann das eigentlich weg ? – Nachdenken über die Begründung von Religion“
Spätestens seit der Religionskritik des 19. Jahrhunderts hat die Religion im westlichen Denken ihre einst unanfechtbare Bedeutung für die Selbstdefinition des Menschen verloren. Statt dessen sind heute vielfältige Negativqualifikationen „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen: Religion sei eine Missgeburt aus Angst und Unwissenheit gegenüber der Natur, ein Rest archaischer Magie, eine verfestigte Form des Aberglaubens, eine ständige Verführung zu Intoleranz entsprechend den einzelnen, apodiktisch gesetzten Lehrinhalten der jeweiligen Religion im Wettkampf mit anderen Religionen.

Gleichzeitig ist aber unübersehbar, dass neuere (modernere?) Formen von Religiosität („Spiritualität“) für viele europäisch geprägte Menschen eine wichtige Rolle im praktischen Lebensvollzug spielen. Kompliziert werden Untersuchungen religiöser Phänomene allerdings dadurch, dass sich die Religionswissenschaft durchaus schwer tut, den Gegenstand ihres Forschens überhaupt zu definieren. So schreibt z.B. Jacques Waardenburg: „Die Antwort […] auf die Frage: ‚Was ist Religion?‘ lautet ganz allgemein, dass sich eine beträchtliche Zahl von Menschen in ganz verschiedenen Kulturen und Gesellschaften, zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten mit Fragen beschäftigt hat, die wir als ‚religiös‘ bezeichnen würden, und einem Phänomen anhingen und anhängen, das wir gemeinhin als „Religion‘ bezeichnen.“

Unabhängig davon, dass Zweifel angebracht sein sollten, ob eine derartige Definition tatsächlich Erkenntnisgewinn vermittelt, sie deutet auf jeden Fall an, dass eine Annäherung an den Religionsbegriff auf sehr unterschiedliche Weisen erfolgen kann und muss. Im Seminar wählen wir einen Einstieg ins Thema über Theorien zur Frühgeschichte von Religion. Dann werden wir uns jeweils ausgehend von Kurzreferaten der Teilnehmer*innen einen Überblick verschaffen über wichtige religionsanalytische und religionskritische Konzepte der europäischen Neuzeit. Durchaus im Bewusstsein, dass die Begrenzung auf europäisches Denken eine Engführung der Beschäftigung mit unserem Thema zur Folge hat, werden wir dann auf die Entwicklung des Religionsbegriffs bei dem Theologen Karl Barth, dem Soziologen Niklas Luhmann, dem Philosophen Max Horkheimer und dem Psychotherapeuten Eugen Drewermann eingehen und nach Möglichkeit versuchen uns praktische Bezüge gemeinsam zu erarbeiten.

Eine zusätzliche Facette unseres Themas beleuchtet der Abendvortrag eines muslimischen Theologen über den heutigen Islam, auf den wir uns im Seminar vorbereiten werden.

Sommersemester Lektüre-Seminar „Die Memoiren der Glikl von Hameln“
Anhand ausgewählter Passagen aus den Lebenserinnerungen der jüdischen Unternehmerin Glikl (1646-1724), einem der ältesten von Frauen verfassten autobiographischen Texte, gewinnen wir Einblicke in Religion, Lebensweise, wirtschaftliche und gesellschaftliche Position von aschkenasischen Jüdinnen und Juden der Frühen Neuzeit. Seit die profilierte Frauenrechtlerin Bertha Pappenheim 1910 eine neuhochdeutsche Übersetzung der „sieben Büchlein“ vorgelegt hat, ist dieses in vieler Hinsicht einzigartige Werk, reportageartige Abschnitte mit authentischen Alltagsbeschreibungen wechseln ab, einerseits mit sehr persönlichen Gedankengängen, anderseits mit fast belletristisch anmutenden Erzählungen, in denen uns Glikl als frühe deutsch-jüdische Schriftstellerin entgegentritt, zu einer der wichtigsten Quellen für die Erforschung der Geschichte des Judentums in der Mitte Europas geworden.

Die Teilnehmer*innen vertiefen ihre Wahrnehmung sozial- und religionsgeschichtlichen Aspekte durch Sekundärliteratur zu den jeweiligen Themen und Ausarbeitung von Kurzreferaten. Im Rahmen des Seminars wird auch Gelegenheit sein, sich einen ersten Eindruck von der altjiddischen Sprache des Originaltextes zu verschaffen. Darüber hinaus ist der Besuch bei einer orthodox-jüdischen Gemeinde Bestandteil der Veranstaltung.

Literatur:
Die Memoiren der Glückel von Hameln. Aus dem Jüdisch-Deutschen von Bertha
Pappenheim. Beltz, Weinheim, 3. Aufl. 2013.

Rom - Archäologie, Architektur, Kunstgeschichte

Dozenten: Irene Gocht, Jan Papenberg

Auch in diesem Jahr unternimmt das Leibniz Kolleg seine Studienreise wieder in die "erstaunlichste Stadt des Universums" (Goscinny 1974). Der Vorbereitungskurs richtet sich an die Mutigen, die einfach mehr über die Ewige Stadt erfahren wollen und die bereit sind, ein Teil ihres Wissens in Rom mit der Gesamtheit des Jahrgangs zu teilen. Thematisch deckt der Kurs vor- und die nachchristliche Ära ab: es gibt einen archäologischen, antiken und einen kunstgeschichtlichen Teil, wobei fächerimmanent Aspekte der Topographie, Geschichte, Architektur und Stadtplanung immer wieder eine große Rolle spielen.

Im antiken Part werden wir uns verständlicherweise mit dem Aufstieg Roms zu einem Weltreich auseinandersetzen und wie sich dieser im Stadtbild niederschlägt. Rom wird mit mehr als einer Million Bewohnern zur größten Stadt ihrer Zeit und seit dem ersten Kaiser Augustus massiv ausgebaut. Monumente, Paläste und Tempel künden von Glanz und Gloria des Imperiums und seiner Führer. Wir werden uns anschauen, wie und wofür die Römer ihre Erinnerungs- und Baukultur einsetzen, die sich im ganzen Reich verbreitet hat und deren Formen auch noch heute in Europa und Amerika zu finden sind. Dabei fällt uns dann auch ins Auge, dass die Römer fleißig die griechische Kultur rezipiert haben. Weitere Aspekte, die am antiken Rom höchst interessant sind: Wohnen, Freizeit und Tod. Was macht man mit seinen Verstorbenen und warum, was macht der gemeine Römer den Tag über und warum baut man dafür die größten Komplexe Roms und wo legt der Kaiser mal seine Beine hoch?

Im kunstgeschichtlichen Teil des Seminars werden wir uns anschauen, wie Rom sich zum abendländischen Zentrum des Christentums und damit zur Schatzkammer europäischer Kunst entwickelt. Was wie die selbstverständliche Fortsetzung der Glorie des römischen Imperiums klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen als Kraftakt mit einigen Erfolgen und vielen Rückschlägen und mit diversen unvermuteten Details. Da Kunst nie in luftleerem Raum entsteht, spiegelt sie all diese Prozesse und Auseinandersetzungen wider. Römische Kunst ist letztlich (fast) immer (religions-)politische Kunst. Wir werden uns also anschauen, was die frühchristliche römische Kunst in Rom ausmacht, was typisch für die mittelalterliche ist, und wie Rom in

Renaissance und Barock seine Glanzzeit erreicht. Im 19. Jahrhundert schließlich sinkt Roms Stern – die Stadt wird zu einer europäischen Großstadt unter vielen und verliert ihren Vorbildcharakter. Für uns ist sie deshalb nicht weniger interessant, denn auch die Entwicklung Roms zu einer typischen Großstadt des Industriezeitalters und zu einer nationalen Hauptstadt ist spannend zu untersuchen. Das Ziel Mussolinis, an die Größe des antiken Imperiums anzuknüpfen, wird ein weiteres Thema sein. Auch wenn viele seiner Projekte das heutige Gesicht Roms geprägt haben, so haben sie doch überwiegend antike Bausubstanz in Szene gesetzt (wir werden uns allerdings auch die Ausnahmen anschauen, also Beispiele faschistischer Architektur). Der Anschluss an moderne Architektur internationalen Ranges ist Rom erst vor wenigen Jahren wieder gelungen. Auch damit werden wir uns befassen.

Rom bietet eine unübertroffene Vielfalt von der Antike bis heute. Nicht umsonst gehörte eine Studienreise in die Ewige Stadt lange Zeit zum absoluten Muss einer guten Ausbildung. Rom ist einzigartig, und doch werdet Ihr Rom überall in Europa auf Euren künftigen Reisen wiederfinden. Warum das so ist, wollen wir mit Euch klären.

Unmittelbar vor der Romfahrt findet ein Wochenendseminar statt, das für alle Pflicht ist, und den gesamten Jahrgang in die Romfahrt einführt.

Sinologie

Dozent: Robin Becht

“China is a sleeping giant. Let her sleep, for when she wakes, she will move the world.” – Napoleon Bonaparte

China, die neue Weltmacht und eine Herausforderung für die westliche Welt und deren Wertekanon. Eine jahrtausendealte Zivilisation, die sich gleichsam radikal modernisiert hat und die Globalisierung vorantreibt. Obwohl China eine enorme Vielfalt an Kulturen, Ethnien und Sprachen hat, schafft es die Kommunistische Partei Chinas scheinbar alles unter einem einheitlichen Nationalstaat zu verbinden. Der Sozialismus herrscht hier zwar als offizielle ideologische und wirtschaftliche Leitlinie, trifft jedoch in der Wirklichkeit eine der wettbewerbsstärksten Marktwirtschaften der Welt an. Westliche Kritik an der Menschenrechtssituation, dem Umgang mit Uiguren und Hongkong prallen an der chinesischen Führung ab, dennoch kommt es auch tatsächlich immer wieder zu sozialen Unruhen im Inland, aber bisher schafft es der Einparteienstaat, sich ausreichend zu legitimieren und an der Macht zu bleiben.

Die Sinologie als wissenschaftliche Disziplin beschäftigt sich mit allen Facetten „Greater Chinas“ (VR China, Taiwan, Hongkong, Macao und Singapur) und des chinesischen Kulturraums. Dieses Seminar soll einen ersten Einblick und Kontakt mit China schaffen. Während des Seminars wollen wir gemeinsam Fragestellungen entwickeln, die für das spätere Studienleben von Interesse bleiben können.

Im Kurs beschäftigen wir uns zuerst mit den kulturellen und historischen Besonderheiten Chinas, das bedeutet wir machen einen Ritt durch die chinesische Geschichte und betrachten gemeinsam verschiedene Aspekte des chinesischen Kulturraums. Im Anschluss daran werden wir uns intensiv mit der gegenwärtigen Politik Chinas beschäftigen und aktuelle Themen (Hongkong, Taiwan und Xinjiang) ansprechen und gemeinsam analysieren. Hierbei ist es wichtig sowohl den internationalen als auch die regionalen Fokus nicht außer Acht zu lassen.

Beachte: Der Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Wissenschaftstheorie

Dozent: Dr. Reinhard Brunner

"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt". Sprache und Welt bei Ludwig Wittgenstein

Das Seminar wird sich mit dem einzigen von Ludwig Wittgenstein selbst veröffentlichten Buch, dem ”Tractatus logico-philosophicus“, und der Frage nach der Rolle der Sprache in der Philosophie auseinandersetzen. Was meint Wittgenstein mit dem hier angeführten Titelzitat über die ”Grenzen meiner Sprache“? Ist er davon überzeugt, dass meine erlernte Sprache meine Erfahrungen und mein Weltbild präformiert? Wittgenstein benennt die Grenze der Sprache als die Grenze des Sagbaren, dessen andere Seite das Unaussprechliche, ja das ”Mystische“ sein soll. Was soll das bedeuten?

Wir werden uns im ersten Semester Trimestern intensiv, am Text entlang analysierend und interpretierend, mit dieser komplexen Problematik auseinandersetzen. Ganz nebenbei werden wir hier die Grundlagen der analytischen Sprachphilosophie kennenlernen und erörtern, die Schriften Russells und Freges sind hier von Bedeutung. Der sogenannte ”linguistic turn“ des 20. Jahrhunderts, dessen Vertreter die klassische Erkenntnistheorie angreifen, wird zu diskutieren sein und vieles mehr. Wir nähern uns also wissenschaftstheoretischen Fragen von der sprachphilosophischen Seite, dem Verhältnis von Sprache und Welt und der Frage nach den Grenzen, auch der (Natur-) Wissenschaften.

Im zweiten Semester widmen wir uns einer Einführung in die ‚Philosophie des Geistes‘. Es geht um das Verhältnis von bio-physikalischen Beschreibungen von Gehirnzuständen und den sogenannten ‚geistigen Ereignissen‘ wie ‚Gedanken, Gefühlen‘ usw.  Der Aufsatz ‚Mental Events‘ von Donald Davidson wird hierbei das Zentrum der Diskussion bilden. Davidson stellt die eigentümliche These auf, dass einerseits ‘geistige Ereignisse‘ mit ‚physikalischen Ereignissen‘ identisch seien und wir zugleich annehmen können, dass physikalische Beschreibungen die Annahme einer strikten Kausalität beanspruchen.  Andererseits behauptet er, dass ‚geistige Ereignisse‘ nicht den Gesetzen strikter Kausalität folgen. Wie kann diese scheinbar paradoxe Annahme begründet werden?

Begriffe wie ‚Identität‘, ‚Kausalität‘ und ‚Determinismus‘ werden zu diskutieren sein, natürlich im Kontext der Bedeutungen dieser Begriffe bei den Klassikern der Philosophie:  Aristoteles, Hume und Kant.  Kenntnisse der Philosophie Wittgensteins sind von Nutzen, aber keine Voraussetzung.

Basistexte: Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosophicus,  FFM 1963, Donald Davidosn, ‚Geistige Ereignisse‘ in: Ders. ‚Handlung und Ereignis‘ FFM 1990, S. 291-317.

Naturwissenschaften

Arduino

Dozent: Dennis Fuchs

Der Kurs Arduino beschäftigt sich mit der Programmierung von Mikrocontrollern. Hierbei steht die praktische Anwendung der Inhalte im Vordergrund. Die Themen erstrecken sich vom Ein- und Ausschalten einer LED und dem Auslesen von Sensoren bis hin zum Datenaustausch über Bluetooth und WiFi. Die Programmierung findet in Kleingruppen und mit Unterstützung durch den Dozenten statt.

Das Wintersemester ist für Anfänger gedacht, im Sommersemester können dann einzelne Themen vertieft und eigene Projekte durchgeführt werden.

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, die notwendige Hardware wird zur Verfügung gestellt. Die Teilnehmerzahl ist insbesondere im Wintersemester auf 10 beschränkt.

Astronomie

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Der Weltraum, unendlichen Weiten.

Die Astronomie ist eine der ältesten Naturwissenschaften und diente über Jahrtausende vorrangig der Religion und der Astrologie. Seit der kopernikanischen Wende entwickelte sich aus der rein beobachtenden Astronomie die moderne Astrophysik. Diese untersucht die physikalischen Vorgänge, die zu den beobachteten Phänomenen führen. Der Kurs ist als Einstieg in die Astronomie und Astrophysik gedacht und richtet sich an Anfänger und interessierte Laien. Neben Grundlagen wie Teleskope und Keplergesetze werden wir uns intensiv mit unserem Sonnensystem und Raumfahrtmissionen darin beschäftigen. Nach Weihnachten steht dann die Astrophysik im Mittelpunkt, wir befassen uns mit Sternaufbau und Sternentwicklung, unserer Milchstraße und Kosmologie.

Das Sommersemester ist anwendungsorientiert: Aufgaben aus dem Astronomischen Anfängerpraktikum der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät werden in Gruppenarbeit gelöst. Wir bestimmen hierbei unter anderem die Masse des Jupiter aus der Bewegung der vier galileischen Monde.

Bei geeignetem Wetter werden wir auch ab und zu einen Blick in den Sternhimmel werfen und hierzu das 80cm Spiegelteleskop des Instituts für Astronomie und Astrophysik auf dem Sand besuchen.

Astrophysik

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt und richtet sich an Interessierte, die bereits ein Fundament in Astronomie und Physik haben oder neue Herausfordungen suchen. Inhaltlich beschäftigen wir uns mit Strahlungstransport und Spektralanalyse, Sternaufbaugleichungen, der Herleitung der Keplergesetze sowie schwarzen Löchern. Wer an diesem Kurs teilnehmen möchte, sollte folgende Vorraussetzungen erfüllen:

  • keine Angst vor Gleichungen, Integralen und Ableitungen
  • Kenntnisse bzgl. Atomaufbau, elektromagnetisches Spektrum, Entstehung von Spektrallinien

Geoökologie

Dozentin: Prof. Dr. Kira Rehfeld

Die Welt ist im Wandel. Was passiert genau, welche planetaren Grenzen wurden oder werden überschritten? Welche Handlungsoptionen stehen uns zur Verfügung, um eine nachhaltige Zukunft zu sichern? Welche Vor- oder Nachteile haben beispielsweise technologische Ansätze wie Bioenergy with Carbon-Capture and Storage?

In kleinen Gruppen untersucht ihr vorgeschlagene Lösungsoptionen näher, und stellt Sie am Semesterende in einer Gruppendiskussion vor. Wir diskutieren die Grundlagen der Klimadynamik, wie Klimaänderungen im Zusammenhang mit natürlichen und menschlichen Treibern stehen, und welche Lösungsansätze uns zur Verfügung stehen um die Erwärmung zu begrenzen. Wir diskutieren Erkenntnisse aus der Klimaphysik, (Geo-)ökologie und erkunden das interdisziplinäre Forschungsfeld der Nachhaltigkeit im Rahmen der Veranstaltung.

Beachte: Dieser Kurs findet nur im Sommersemester statt.

Informatik

Dozent: Dr. Philipp Thiel

„Beware of bugs in the above code; I have only proved it correct, not tried it.“      (Donald E. Knuth)

Informatik ist eine spannende und äußerst facettenreiche Wissenschaft. Letzteres kann man einerseits daran erkennen, dass sie sowohl den Natur- als auch den Ingenieurwissenschaften zugeordnet werden kann, je nachdem in welchem Bereich der Informatik man tätig ist. Andererseits zeigt das Zitat des Informatikpioniers Donald Knuth, dass sich Informatik im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis bewegt. Der Entwurf mathematisch-geprägter Problemlösungsverfahren (Algorithmen) auf dem Papier und deren konkrete Umsetzung (Implementierung) in einer Programmiersprache zur Ausführung auf einem Computer gehören zum Tätigkeitsspektrum von Informatiker:innen.

In diesem Seminar werde ich Ihnen dieses Spannungsfeld vorstellen und wir werden sowohl lernen, was ein Algorithmus ist und welche Bedeutung deren theoretische Betrachtung hat, als auch das „Handwerk“ des Programmierens erlernen.

Nach einer allgemeinen Einführung in die Informatik werden wir uns im Wintersemester hauptsächlich mit dem zweiten Aspekt beschäftigen und die Programmiersprache Python erlernen. Wir werden diese moderne Programmiersprache an spannenden Beispielen aus verschiedenen Bereichen ausprobieren und die Verbindung von Theorie und Praxis durch Implementierung unserer Algorithmen in Python herstellen.

Im Laufe des Sommersemesters möchte ich Ihnen dann Einblicke in den Bereich Data Science geben. Wir werden uns damit beschäftigen, was Daten sind und wie wir diese aufbereiten können, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und schließlich Vorhersagen zu machen (Machine Learning). Praxisgetrieben werden wir Werkzeuge kennenlernen, mit denen Sie einfache Methoden des maschinellen Lernens selber anwenden können und begleitend hierzu einen Blick auf die Theorie hinter diesen Verfahren werfen.

 

Mathematik

Dozent: Prof. Dr. Peter Pickl

Chaos, Ordnung und Zufall in der Natur

Ordnung und Chaos - diese beiden gegensätzlichen Prinzipien, denen in der antik-griechischen wie der christlichen Mythologie eine besondere Bedeutung zukommt, spielen auch für das Naturverständnis eine große Rolle. Während chaotisches  Verhalten als Grundlage dient, die uns bekannten Gesetzmäßigkeiten der Gasphysik aus der Bewegung von Atomen und Molekülen zu erklären, bedarf die Erklärung von zeitlicher Veränderung, die in unserer Welt offenbar gilt, eine Annahme von großer Ordnung. Nur im Zusammenspiel dieser beiden lassen sich die Gesetzmäßigkeiten unserer Welt erklären.

Im Kurs werden wir uns mit mathematischen, physikalischen, philosophischen und humoristischen Aspekten des Themas "Chaos, Ordnung und Zufall in der Natur" beschäftigen. Dem Pfad des angewandten Mathematikers folgend werden wir dabei stets auf Klarheit in der Argumentation achten, um uns bei diesem konzeptionell diffizilen Thema nicht zu verlaufen. Dazu werden wir uns mit den notwendigen mathematischen Begriffen und Sätzen beschäftigen und aufzeigen, wie sich aus der mathematisch modellhaften Beschreibung eine Brücke zur empirischen Erfahrung bauen lässt. Wir werden Eigenschaften von Gasen ganz elementar aus der zufälligen Bewegung von Atomen herleiten und das Thema Zeitpfeil eingehend behandeln.

Medizinische Vortragsreihe

Dozent: NN

Die medizinische Vorlesungsreihe wird im Sommersemester von NN mit Kolleg*innen aus der medizinischen Fakultät organisiert und in unterschiedliche Forschungs- und Praxisfelder der Medizin Einblicke gegeben.

Physik

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Die faszinierende Welt der Physik

Glühbirnen, Fernseher, Handys, DigiCams, Kernkraftwerke... Ohne die Erkenntnisse der modernen Physik wären die meisten Erfindungen des letzten Jahrhunderts nicht möglich gewesen und wir würden auch heute noch ein recht karges Dasein fristen. Dieser Kurs gibt euch einen Einblick in die faszinierende Welt der Physik ohne den in der Schule gebräuchlichen Weg des eintönigen Rechnens einzuschlagen. Hierzu werden wir uns im Wintersemester auf eine Reise entlang der Temperaturskala machen, beginnend bei Werten von Milliarden  Kelvin und endend bei Werten von Milliardstel Kelvin, und uns die dort jeweils interessantesten physikalischen Phänomene anschauen und zu verstehen versuchen. Am Ende des Kurses wird jeder in der Lage sein, Begriffe wie "Kernfusion", "Neutrino", "Supraleitung" oder "Bose-Einstein-Kondensat" in den entsprechenden Kontext einzuordnen und mitzureden.


Das Sommermester steht dann ganz im Zeichen experimenteller Physik. Wir wollen kleine Experimente aus dem Anfängerpraktikum durchführen, wie zum Beispiel das berühmte Millikan-Experiment. Zu jedem Experiment verfasst ihr eine schriftliche Auswertung. Details dazu erfahrt ihr am Ende des Wintersemesters.

Musische und kreative Fächer

Chor

Dozentin: Elli Mergenthaler

Der Chor steht allen offen, die Spaß am Singen haben. Es ist keine bestimmte musikalische Vorbildung nötig und es findet auch kein Vorsingen statt. Das Repertoire soll unterschiedliche Epochen und Stile beinhalten, allerdings mit Schwerpunkt auf der Popularmusik.

Creative Writing

Dozentin: Eva Zeller

Literarisches Schreiben

Vom Brief, über Tagebuch, Miniatur, Porträt, Notat bis zur Kurzgeschichte, Szene und Gedicht: Hier werden literarische Texte geschrieben und gemeinsam diskutiert. Und hier lernen wir Grundsätzliches über das Handwerkszeug des Schreibens. Was sagt der Text genau? Was weiß er, was wir noch nicht wissen? Wie sprechen wir am besten über eigene Texte? Und was bitte ist Literatur?

Filmanalyse

Dozent: Dr. Harald Weiß

Filme werden viel gesehen und genossen. Filme erwirken Gefühle und Gedanken. Das Medium Film ist Kunst und Kommerz. Filme reizen nahezu alle unsere Sinne, unabhängig davon, ob wir sie auf dem Fernsehbildschirm, auf dem Computer- oder Handymonitor oder im Kino anschauen (und anhören). Warum uns Filme zum Lachen oder Weinen bringen, uns über ihre Inhalte nachdenken lassen, machen wir uns kaum bewusst. Die Wirkweisen und Gestaltungsprinzipien des Mediums Film sind den meisten Rezipienten im Vergleich zum Medium Text/Buch wenig bekannt. Dies will diese Veranstaltung ändern! In dieser Veranstaltung wird analytisch untersucht, wie Filme ihre Wirkungen und Aussagen generieren.

Filme sind auch Teil unserer (Alltags)Kultur und bilden in ihrer fast 130 jährigen Geschichte auch Ideen, soziale, politische und kulturelle Entwicklungen dieser 130 Jahre ab. Daher werden wir uns auch mit der Filmgeschichte beschäftigen, mit besonders herausragenden ‚Epochen‘ der Filmgeschichte.

Beachte: Der Kurs findet nur im Wintersemester statt.

Fotografie

Dozenten: Annerose Krebs, Timo Manz

"Es ist eine Illusion, dass Fotos mit der Kamera gemacht werden... sie werden mit dem Auge, dem Herz und dem Kopf gemacht."                  (Henri Cartier-Bresson)

In diesem Kurs entdeckt Ihr die Faszination und Magie der (analogen) Fotografie, zum Beispiel wenn - wie durch Zauberhand - im Chemiebad das Bild auf einem leeren Fotopapier erscheint.

Wir starten mit einem kurzen Ausflug in die Geschichte der Fotografie und einem Exkurs über Bildgestaltung. Darauf folgt etwas Technik: die Handhabung der Kamera, Blende und Belichtungszeit, Filmmaterial etc. 

Anschließend geht es schon praktisch weiter und Ihr fotografiert Eure ersten Filme anhand konkreter Aufgabenstellungen (z.B. Stadt, Portrait, Architektur, Objekt etc.) Diese Filme werden wir gemeinsam im Labor entwickeln, danach lernt Ihr selbständig in der Dunkelkammer zu arbeiten: Handhabung der Fotochemie, Kennenlernen der unterschiedlichen Papiertypen, Erstellen von Fotogrammen, Kontaktbögen und vor allem von Fotoabzügen.

Wir werden Fotos besprechen und zeitgenössische Fotografen kennenlernen z.B. über Referate oder Ausstellungen.

Da im Kolleg ein schwarz-weiss Fotolabor zur Verfügung steht, liegt der Schwerpunkt des Kurses auf dem Umgang mit Geräten aus der der analogen (Silbergelatine) Fotografie. 

Es gibt analoge Spiegelreflexkameras zur Ausleihe, wer aber eine eigene Kamera zuhause hat, sollte diese auf jeden Fall mitbringen. Es sind auch Digitalkameras willkommen.

Im weiteren Verlauf des Kurses (vor allem im 2. Halbjahr) werden wir ein oder mehrere künstlerische oder reportagenhafte Fotoprojekte realisieren, die am Ende des Studienjahres ausgestellt werden.

Bildende Kunst

Dozent: Jürgen Klugmann

Der Kurs soll ein Angebot sein für kunstinteressierte Menschen, die selbst gerne künstlerisch tätig sein wollen. Hierfür sind Vorkenntnisse nicht nötig, das praktische Arbeiten im Atelier steht im Vordergrund.

Wir werden mit verschiedenen Materialien (Blei, Tusche, Kohle, Graphit,..) zeichnen und uns dabei mit Perspektive und Komposition, Spannung und Harmonie, Kräfte, Tiefe, Fläche und Raum, Linie, Richtung, Strich etc. auseinandersetzen. Gebundenheit und Autonomie der Zeichnung werden uns ebenso beschäftigen wie die (fließenden) Grenzen zur Malerei.

Gemalt wird sowohl mit gekauften als auch selbst gemachten Farben (Öl, Acryl, Tempera...) auf Papier, Holz und Leinwand. Wir können drucken (Holz-, Linolschnitt, Radierung), Landart machen, den Zufall kultivieren, versuchen ein völlig aussagefreies Bild zu schaffen...

Themenfelder gibt es viele, eigene Wünsche und Ideen dürfen gerne eingebracht werden.

Im Sommersemester soll jede(r) selbständig ein eigenes Projekt erarbeiten, das am Ende in einer kleinen Ausstellung gezeigt wird.

Auf Grund der Größe des Ateliers ist die Teilnehmerzahl auf maximal 12 begrenzt. Ein Durchwechseln während des Semesters ist nicht möglich, es müssen immer die selben 12 sein.

Sprachen

Französisch

Dozentin: Karine Garnier

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Italienisch

Dozentin: Elena Bassi

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Spanisch

Dozentin: Olga Ochoa

Das Niveau richtet sich nach den Teilnehmenden.

Kompakt- und Wochenendseminare

Schreiben wissenschaftlicher Prosa (Propädeutikum, Pflicht)

Dozenten: Dr. Michael Hermann, Dr. Franz Huberth

Das Wochenendseminar zum Schreiben wissenschaftlicher Prosa dient der Einübung des Schreibens nach wissenschaftlichen Kriterien. Letztere werden detailliert vorgestellt. Anschließend wird in kleineren Gruppen schrittweise eine entsprechende Hausarbeit angefertigt. Das Thema lautet: "Fakten, Fake-News, Fälschungen - Wahrheit und Lüge im öffentlichen Diskurs der Gegenwart". Die gemeinsame Textgrundlage bildet ein eigens zu diesem Zweck zusammengestellter Reader, der im Vorfeld der Veranstaltung an alle Teilnehmer*innen verschickt wird.

Schreiben naturwissenschaftlicher Arbeiten (Propädeutikum, Pflicht)

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Das Verfassen naturwissenschaftlicher Arbeiten wird an einem Wochenendseminar im zweiten Trimester gesondert behandelt. Es beinhaltet im Vorfeld hierzu zwei Doppelstunden Excel und zwei Doppelstunden Statistik. Im Rahmen des Seminars wird in Gruppenarbeit ein kleines Experiment durchgeführt, das Grundlage des anschließenden Schreibprojektes ist. Wir beschäftigen uns hierbei u.a. mit dem formalen Aufbau naturwissenschaftlicher Arbeiten, wichtigen Regeln der Typografie und Zitierweisen.

Politisches Kompaktseminar (Propädeutikum, Pflicht)

Das Thema wird gemeinsam von allen Kollegiat*innen bestimmt. Eine Arbeitsgruppe befasst sich anschließend mit der detailierteren Programmgestaltung.

 

Methoden der empirischen Sozialforschung (Propädeutikum, Pflicht)

Dozentinnen: Dr. Katja K. Hericks, Mina Godarzani-Bakhtiari

Die Soziologie beschäftigt sich wie viele Wissenschaften mit Fragen des Zusammenlebens von Menschen. Der Unterschied zu Jura, Wirtschaftswissenschaften, Politologie oder Kulturwissenschaften liegt daher weniger im Gegenstand, sondern in der Art der Frage und der Weise, wie sie diese beantwortet. Die Soziologie fragt nicht, ”wie soll Gesellschaft sein?“ oder ”wie wollen wir leben?“, sondern wundert sich, wie Gesellschaft überhaupt möglich ist. Da die Gesellschaft für uns ganz selbstverständlich funktioniert, ist es gar nicht so einfach herauszuarbeiten, was Gesellschaft eigentlich ist. Die Gegenfrage: ”wie könnte Gesellschaft denn stattdessen sein?“, hilft hier bei der Entschlüsselung.

Dabei verfügt die Soziologie über einen Methodenapparat der sogenannten empirischen Sozialforschung, der grob unterteilt wird in quantitativ und qualitativ. Die quantitativen Verfahren kennen wir als Statistiken — soziale Realität wird hier vor allem in Zahlen erfasst. Qualitative Verfahren dagegen sind zumeist aufwendige interpretative Analysen mit kleinen Fallzahlen, in denen Worte und Bilder, Erzählungen und Bewegungen, Zusammenhänge und Unterschiede auf die Goldwaage gelegt werden.

Im Kurs werden wir uns mit qualitativen Verfahren von der Forschungsfrage über die Erhebung bis zur Auswertung beschäftigen und manches selber ausprobieren. Und wir werden mit dem soziologischen Blick Selbstverständliches hinterfragen und sehen, wie seltsam das ’Normale‘ ist.

Geleitet wird das Seminar von Dr. Katja K. Hericks und Mina Godarzani-Bakhtiari, die als Soziologinnen forschen und lehren.

 

Erstellen von wissenschaftlichen Postern (Propädeutikum, Pflicht)

Dozent*in: Ursula Konnertz, Thorsten Nagel

Zur Präsentation von Forschungsergebnissen auf Tagungen wird zunehmend nicht nur in den Naturwissenschaften, sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften verlangt, die Ergebnisse von Arbeiten und Projekten übersichtlich und bildlich angeordnet für ein Fachpublikum oder auch eine interessierte Öffentlichkeit strukturiert aufzubereiten. Dabei kann ein künstlerisch kreativer Zugang sehr hilfreich sein. Ideal wäre die praktische Erarbeitung und Umsetzung einer Präsentation von gemeinsamen Arbeiten zum Jahresthema für das ganze Kolleg auf der Abschlussveranstaltung.

Einführung in Latex (freiwillig)

Dozent: PD Dr. Thorsten Nagel

Latex ist ein freies Textsatzsystem zum professionellen Erstellen wissenschaftlicher Texte. Es erstellt automatisch, mittels vordefinierter Klassen, ein professionelles Layout, das auf jahrhunderte langer Erfahrung der Setzer und Drucker beruht, und ermöglicht so dem Autor, sich voll und ganz auf den Inhalt zu konzentrieren. Latex ist insbesondere in der naturwissenschaftlichen Welt weit verbreitet, setzt sich aber auch in anderen Bereichen immer mehr durch.

Dieser Kurs gibt eine Einführung in den, für Neueinsteiger etwas gewöhnungsbedürftigen, Umgang mit Latex. Wir werden uns mit der Strukturierung des Dokumentes und Textes, dem Erstellen von Tabellen und Einbinden von Graphiken, dem mathematischen Zeichensatz, dem automatischen Erstellen von Literatur- und sonstigen Verzeichnissen und vielem mehr beschäftigen.