Uni-Tübingen

Aktuelle Publikationen

Neuerscheinungen

Erschütterte Welt. Soziale Bewältigung von Erdbeben im östlichen Mittelmeerraum der Antike

Jonas Borsch

Die antike Welt war mit dem Phänomen Erdbeben gut vertraut. Das gilt gerade auch für die Bewohner des östlichen Mittelmeerraumes, von denen viele regelmäßig mit seismischen Erschütterungen konfrontiert gewesen sind. Dies ist durch eine vergleichsweise reiche schriftliche Überlieferung und den archäologischen Befund bezeugt. Für den Historiker sind bebenbedingte Katastrophen von besonderem Interesse, da sie gesellschaftliche Debatten auslösen und Strukturen (z.B. sozial, ökonomisch, weltanschaulich) offenlegen können, die weit über das einmalige Ereignis hinausweisen. Jonas Borsch untersucht einige mit Erdbeben besonders eng verbundene Regionen und Orte unter diesem Aspekt: Dabei schaut er auf die mit Erdbeben in Verbindung stehenden Diskurse, auf gesellschaftliche Resilienz sowie auf religiöse und materielle Bewältigungsstrategien. Die Ergebnisse setzt er durch einen diachronen Vergleich zur mediävistischen und neuzeitlichen Katastrophenforschung in Beziehung.

Hier finden Sie den Link zum Mohr Siebeck Verlag, das Inhaltsverzeichnis und die Möglichkeit, die Publikation zu bestellen.
 

Deformationen der Ordnung Bausteine einer kulturwissenschaftlichen Katastrophologie

Bausteine einer kulturwissenschaftlichen Katastrophologie

Sandro Ratt

Katastrophen entstehen in enger Verflechtung mit jenen Ordnungsverhältnissen, die von ihnen durchbrochen werden. Sandro Ratt erarbeitet ein begriffliches Instrumentarium, um die komplexen Bezüge zwischen »Ordnung« und »Katastrophe« näher zu analysieren. Am Beispiel einer ursachen- und folgenreichen Lawinenkatastrophe, die sich 1954 im österreichischen Bergdorf Blons zugetragen hat, wendet er die Ergebnisse empirisch an.

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Bedrohte Ordnungen

Konzepte, Materialien und Arrangements für den Geschichtsunterricht

Dennis Schmidt, Johanna Singer, Roland Wolf (Hg.)

Mit den Begriffen „Bedrohung“ und „Ordnung“ sowie dem Modell der Bedrohungskommunikation können Prozesse historischen Wandels kategoriengeleitet analysiert werden, ohne dass dabei das Handeln und Leben der Menschen in den Hintergrund tritt.  Hierzu sind in diesem Band Materialien für den Geschichtsunterricht aus allen Epochen gesammelt. Bekannte Themen werden durch neue Quellen unter innovativen Blickwinkeln betrachtet (Investiturstreit, Kalter Krieg), bisher unübliche oder unbekannte Themen für den schulischen Kontext nutzbar gemacht (Erdbeben in der Antike, armer Adel).

Der Band eignet sich besonders für kompetenzorientierten Unterricht und zur Förderung der Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler. Die Quellen sind jeweils mit einer fachwissenschaftlichen Einleitung und einem geschichtsdidaktischen Kommentar versehen, der konkrete Unterrichtsvorschläge sowohl für kurze Sequenzen als auch für längerfristig angelegte Projektarbeiten bereithält.

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Kumpel, Kohle und Krawall: Miners’ Strike und Rheinhausen als Aufruhr in der Montanregion

Arne Hordt

Der Miners’ Strike von 1984–1985 und die Rheinhausener Proteste waren epochale Ereignisse. Doch warum rebellierten Bergleute und Stahlarbeiter nach Jahrzehnten friedlicher wirtschaftlicher Umbrüche gegen Firmen und Gewerkschaftsfunktionäre, gegen Staat und Regierung? Arne Hordt zeigt, dass sich der Aufruhr vor dem Hintergrund einer bedrohten Ordnung abspielte, nämlich des bis dahin staatlich gesteuerten Strukturwandels in den Montanregionen. Die Arbeiter, die in den 1980er Jahren gegen Werksschließungen protestierten, verteidigten diese Ordnung, ihre Mitbestimmungsrechte und ihre Lebenswelt. In Großbritannien vertiefte der Protest die Spaltung in politische Lager – mit negativen Folgen für die Regionen und das ganze Land bis hin zum Brexit. Im Ruhrgebiet bildete sich hingegen eine neue, positive Identität heraus: Die Metropole Ruhr nahm Gestalt an.

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Die Senatsaristokratie des oströmischen Reiches, ca. 457-518

Christoph Begass

Im Zuge der Gründung Konstantinopels erhielt die neue Hauptstadt – nach dem Vorbild Roms – auch einen Senat. Von Beginn an rekrutierten sich dessen Mitglieder in erster Linie aus den städtischen Oberschichten des oströmischen Reiches. In der vorliegenden Studie werden der Senat Konstantinopels und seine Mitglieder erstmals Gegenstand einer systematischen Untersuchung. Zunächst werden die sich wandelnden Bedingungen einer Mitgliedschaft im Senat herausgearbeitet. Eine Prosopographie bietet Biographien von mehr als 220 Senatoren unter den Kaisern Leo, Zeno und Anastasius. Anschließend werden auf Basis dieser Prosopographie vier Familien exemplarisch in den Blick genommen, bevor Herkunft und Ausbildung, religiöse Orientierung und Karriereverläufe der Senatoren sowie ihre wirtschaftlichen Hintergründe und die Repräsentation von senatorischem Status untersucht werden. Da sich die Kaiser im Untersuchungszeitraum immer wieder von senatorischen Usurpatoren herausgefordert sahen, ergriffen sie zahlreiche Maßnahmen, um diesem Phänomen Herr zu werden. Diese Schritte bedeuteten für den Senat und die Struktur seiner Mitglieder tiefgreifende Veränderungen und gaben ihm eine Form, die für die nächsten Jahrhunderte prägend sein sollte.

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AIDS Autopsie einer Bedrohung im geteilten Deutschland

Henning Tümmers


Zwischen Hysterie und Aufklärung: Wie die Krankheit Aids politische Debatten und gesellschaftliche Veränderungen in beiden deutschen Staaten befeuerte.

Zu Beginn der achtziger Jahre häuften sich Berichte über eine mysteriöse Krankheit, die vor allem Homosexuelle traf und ein qualvolles Sterben zur Folge hatte. Als wenig später auch die ersten Heterosexuellen erkrankten, wuchs weltweit die Angst vor jenem tödlichen Phänomen, dem Mediziner 1982 den Namen »Aids« gaben. In der Bundesrepublik entbrannte bald eine heftige politische Debatte über die vermeintliche Notwendigkeit, die Grundrechte von »Risikogruppen« wie Schwulen und Drogenabhängigen einzuschränken, und selbst in der abgeschotteten DDR versuchte die Regierung mithilfe heimlicher Bluttests und Überwachungsmaßnahmen gegen die neuartige »Seuche« vorzugehen.
Henning Tümmers schildert, wie latente Konflikte über die Rechte und Pflichten von Bürgern und Staat, über Sexualität, Lebensstile und Moralvorstellungen unter dem Eindruck einer damals noch unmittelbar tödlich verlaufenden Krankheit zutage traten.

www.wallstein-verlag.de/9783835330054-henning-tuemmers-aids.html

Wenn Hunger droht - Bewältigung und religiöse Deutung (1400–1980)

Hunger bedroht die Menschheit elementar – bis heute. Die Autoren des sechsten Bands in unserer Reihe "Bedrohte Ordnungen" beim Mohr Siebeck-Verlag untersuchen in drei Zeitschnitten, wie christliche Gesellschaften Hunger bekämpften und ihn religiös deuteten.

Der von Andreas Holzem herausgegebene Sammelband "Wenn Hunger droht. Bewältigung und religiöse Deutung (1400-1980)" ist aus der Forschung des von ihm geleiteten Teilprojekts B02 "Hungerkatastrophen als Bedrohung religiöser und sozialer Ordnungen. Bedrohungskommunikation und Bewältigungshandeln in christlichen Gesellschaften (1570 – 1980)" hervorgegangen. Es umfasst u.a. Beiträge der Teilprojektbearbeiter Jürgen Michael Schmidt, Christina Riese und Johannes Stollhof.

https://www.mohr.de/buch/wenn-hunger-droht-9783161551758

Neuer Sammelband mit dem Titel „Die Christen als Bedrohung?“ im Franz Steiner Verlag erschienen

Der von Prof. Dr. Irmgard Männlein-Robert herausgegebene Band umfasst alle gehaltenen Beiträge der vom 28.–30. Juli 2014 an der Universität Tübingen abgehaltenen internationalen und interdisziplinären Tagung zum Thema „Die Christen als Bedrohung? Text, Kontext und Wirkung von Porphyrios’ Contra Christianos“. Das Tagungsthema war eingebettet in das gräzistische Teilprojekt D01, das im Rahmen des SFB 923 zwischen 2011–2015 von Dr. Matthias Becker bearbeitet wurde.

Das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung finden Sie auf den Seiten des Franz Steiner Verlags

Die Landstände in Steiermark, Kärnten und Karin und die josephinischen Reformen. Bedrohungskommunikation angesichts konkurrierender Ordnungsvorstellungen (1789-1792)

Vor wenigen Tagen ist das Buch unseres Kollegen Dr. Philip Steiner unter dem Titel "Die Landstände in Steiermark, Kärnten und Karin und die josephinischen Reformen. Bedrohungskommunikation angesichts konkurrierender Ordnungsvorstellungen (1789-1792)" im Aschendorff-Verlag erschienen. Die Monografie ging aus seiner Dissertation im Rahmen des Teilprojekts D02 der ersten Förderphase hervor. Philipp Steiner ist inzwischen Senior Scientist für Neuere Geschichte am Fachbereich der Geschichte an der Universität Salburg.

 

https://www.aschendorff-buchverlag.de/shop/vam/apply/viewdetail/id/6436/

"Bedrohte Ordnungen" Thema der aktuellen Ausgabe des "Journal of Modern European History"

Das Journal of Modern European History nimmt in seiner aktuellen Ausgabe 1/2017 "'Bedrohte Ordnungen' als Thema der Kulturwissenschaften" in den Blick. In einem Leitartikel formulieren Ewald Frie und Boris Nieswand "Zwölf Thesen zur Begründung eines Forschungsbereichs". Es kommentieren Andreas Ziemann, Martin Schmid, Bernhard Linke und Ute Daniel.

https://elibrary.chbeck.de/zeitschrift/1611-8944

Nürnberger Fastnachtspiele und städtische Ordnung

Beatrice von Lüpke

Inwiefern lässt sich das mittelalterliche Fastnachtstheater als Auseinandersetzung mit städtischer Ordnung verstehen? In der vorliegenden Studie interpretiert Beatrice von Lüpke die vorreformatorischen Nürnberger Fastnachtspiele unter Berücksichtigung historischer Quellen und geschichtswissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Viele Spieltexte lassen sich dadurch neu erschließen; vor allem deutet die Vielzahl der Anspielungen auf Ordnungsmuster und Konflikte darauf hin, dass die Teilhabe am städtischen Ordnungsdiskurs diese frühe Spieltradition wesentlich charakterisiert. Mit den ihm eigenen poetischen Mitteln verhandelt das Fastnachtspiel Recht, Religion, Politik, Wirtschaft und Stand sowie Ehe- und Geschlechterrollen. Exemplarisch zeigen sich hier die Bedingungen des vormodernen Theaters in der Stadt.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung

Von Selma bis Ferguson: Rasse und Rassismus in den US

Michael Butter, Astrid Franke, Horst Tonn (Hg.)

Unter zentraler Beteiligung des Teilprojekts G06 „Drogen, Macht und Marginalisierung: “ (2. Förderphase) / C03 „Multiple Bedrohungen in amerikanischen Rassenbeziehungen seit 1945“ (1. Förderphase) ist im Transcript Verlag soeben der Sammelband Von Selma bis Ferguson: Rasse und Rassismus in den USA erschienen, der sich fünfzig Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung aus kultur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive der seitherigen Entwicklung der Rassenbeziehungen in den USA widmet. Die Teilprojektleiterin Astrid Franke, Professorin für Amerikanistik, hat den Band herausgegeben und einen Beitrag zur Verhandlung der afroamerikanischen Geschichte im Roman John Henry Days (2001) des schwarzen Schriftstellers Colson Whitehead verfasst. Die Mitarbeiterinnen Nicole Hirschfelder, Christine Knauer und Katharina Motyl beleuchten in ihren Beiträgen aktuelle Formen schwarzen Protests wie #BlackLivesMatter (Hirschfelder), Lynchmorde in den Südstaaten nach 1945 (Knauer) sowie die Hyperinhaftierung der schwarzen urbanen Unterschicht im Zeichen des War on Drugs (Motyl). Georg Schild, Professor für Nordamerikanische Geschichte und Teilprojektleiter von G07, ist ebenso mit einem Beitrag vertreten, in dem er die historischen Hintergründe der Bürgerrechtsbewegung nachzeichnet. Die Mitglieder des Teilprojekts G06 / C03 bedanken sich beim SFB für die Förderung dieses Buchprojekts.

Inhaltsverzeichnis und Einleitung

Land, Soil and People. Agricultural Expertise and Power (19th - 20th Centuries). Paris 2016 (= Cahiers du Monde Russe 1/2016

Katja Bruisch, Klaus Gestwa, (Hg.)

Prof. Dr. Klaus Gestwa gibt zusammen mit Dr. Katja Bruisch das neue Themenhefte der Cahiers du Monde Russe heraus. Das Themenheft trägt den Titel „Land, soil and people. Agricultural expertise and power (19th-20th centuries).“ Das Themenheft widmet sich drei thematischen Schwerpunkten: der Regulierung der Landnutzung, ökonomischen und politischen Interessen als Bestimmungsgrößen für Sachwissen sowie den daraus entstehenden Konflikten und Zwangsmäßigkeiten. Klaus Gestwa und Katja Bruisch führen in ihrer umfassenden Einleitung in das Themengebiet ein, reflektieren souverän den Forschungsstand und regen so weiterführende Studien an.

"Boko Haram: Lokaler oder transnationaler Terrorismus?

Jan Sändig

Zurückgehend auf sein Forschungsprojekt in der ersten Förderphase hat unser Mitarbeiter Jan Sändig, aus dem Teilprojekt F07, einen Aufsatz in der aktuellen Ausgabe (24-25/2016) der Zeitschrift "Aus Politik und Zeigeschichte" der Bundeszentrale für Politische Bildung veröffentlich. Jan Sändig schreibt dort über "Boko Haram: Lokaler oder transnationaler Terrorismus?".

Seine These: "Die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram ist aus lokalen politischen Ursachen und Dynamiken entstanden und nicht, wie weithin angenommen, aus religiösen Gründen und transnationalen Terrornetzwerken wie Al-Qaida und dem 'IS'."

Der Artikel ist kostenlos abrufbar unter http://www.bpb.de/apuz/228876/boko-haram-lokaler-oder-transnationaler-terrorismus

Wie reagierten geistliche Frauengemeinschaften auf die Bedrohung durch die Reformatio

Agnes Müller

Den Beitrag von Agnes Müller zu ihrem Projekt finden Sie in der aktuellen Ausgabe (4/2015) der Zeitschrift "Momente - Beiträge zur Landeskunde Baden-Württemberg" sowie, mit freundlicher Genehmigung des Verlags, auch in digitaler Form hier im Anhang.

Agnes Müller bearbeitet im SFB das Teilprojekt G02. Das Projekt untersucht geistliche Frauengemeinschaften in Südwestdeutschland im 15. und 16. Jh., die durch Reformen bzw. die Reformation mit einer massiven Bedrohung ihrer inneren Ordnung konfrontiert waren. Untersucht werden zum einen württembergische Dominikanerinnengemeinschaften, die in geschlossener Klausur lebten, wodurch sich eine starke Differenzierung ihrer Kommunikation in Innen- und Außenkontakte und eine merklich eingeschränkte eigene Handlungsfähigkeit ergab; zum anderen eine Gruppe von Frauengemeinschaften in Südwestdeutschland, die als Säkularkanonissen (Stiftsdamen) kaum an die Klausur gebunden waren, wodurch sich fließende Übergänge zwischen ihrer Innen- und Außenkommunikation ergaben und die Frauen in erheblich höherem Maße in der Außenwelt direkt handeln konnten.

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„Aufruhr“

Arne Hordt, Thomas Kohl, Beatrice von Lüpke, Rebekka Nöcker, Sophie Stern

Wie lässt sich das Verhältnis von kurzfristiger sozialer Unruhe zu langfristigen Veränderungen für die historisch arbeitenden Wissenschaften bestimmen? Die Beantwortung dieser Frage machten sich fünf Forscher des SFB 923 im Rahmen eines Arbeitskreises zur Aufgabe. Ihre Ergebnisse präsentieren sie nun im Rahmen eines Artikels in der renommierten Historischen Zeitschrift (HZ).

Arne Hordt, Thomas Kohl, Beatrice von Lüpke, Rebekka Höcker und Sophie Stern erarbeiteten dazu einen Begriff „Aufruhr“, mit dem sich Phänomene unabhängig von epochenspezifischen Großdeutungen interpretieren lassen. Ihr Artikel "Aufruhr! Zur epochenübergreifenden Beschreibung beschleunigten sozialen Wandels in Krisenzeiten" beschreibt mit Hilfe des Begriffs „Aufruhr“ die Loslösung der Analyserichtung historischen sozialen Wandels von zielgerichteten Schemata, wie z. B. Revolution, und betont demgegenüber die Eigenlogik von Verlaufsformen.

Dazu stellen die SFB-Forscher drei historische Beispiele von Aufruhr aus verschiedenen Epochen vor: Auf zwei Unruhen in städtischen Kontexten des hohen und späten Mittelalters folgt ein Fall aus dem industriellen Ruhrgebiet der 1920er Jahre. Auf dieser Basis erarbeiten sie als heuristisches Instrumentarium fünf analytisch getrennte Merkmale von Aufruhr: Gruppencharakter und Gesellschaftsbezug, Öffentlichkeit, Gewalt, Verdichtung von Raum und Zeit sowie Komplexität und Kontingenz. Diese Eigenschaften bleiben zwar an zeitliche und räumliche Spezifika gebunden, sie gestatten aber einen vergleichenden Blick auf Aufruhr als ubiquitäres Phänomen von Gesellschaften über Zeiten und Räume hinweg. Aufruhr macht so im doppelten Sinne Geschichte, als Ereignis und als Generator für Fragen an die Vergangenheit.

Link:
www.degruyter.com/view/j/hzhz.2015.301.issue-1/issue-files/hzhz.2015.301.issue-1.XML

 

Porphyrios, "Contra Christianos" Neue Sammlung der Fragmente, Testimonien und Dubia mit Einleitung, Übersetzung und Anmerkungen

Matthias Becker


Die Sammlung, Selektion und Anordnung der Fragmente und Testimonien der porphyrianischen Schrift Gegen die Christen (entstanden nach 270/271 n.Chr.) gestaltet sich seit über 100 Jahren schwierig: Nicht alle Texte, die Adolf von Harnack (1916) und andere dieser Schrift zugeordnet haben, können Porphyrios sicher zugewiesen werden.

Die vorliegende neue Sammlung bietet nicht nur einen aktualisierten Bestand von 132 Texten, welcher die neuesten Forschungsergebnisse aufgreift, sondern auch eine Textzusammenstellung, die erstmals zwischen authentischen Fragmenten und Testimonien einerseits und Dubia andererseits unterscheidet. Die Partien des anonymen Hellenen aus dem Apokritikos des Makarios Magnes, welche in alle bisherigen Ausgaben von Contra Christianos aufgenommen wurden, sind aus dem Textbestand ausgeschieden.

Durch die deutsche Übersetzung und Erstkommentierung werden die überlieferten Textbruchstücke vollständig erschlossen. Zudem wird Contra Christianos in den größeren Zusammenhang einer Konkurrenz zwischen paganen Platonikern und Christen eingebettet und als Zeugnis einer Bedrohungskommunikation des Porphyrios interpretiert.

www.degruyter.com/view/product/458579