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13.05.2026

Neue Emmy-Noether-Forschungsgruppe zu Pilzinfektionen bei Pflanzen

Der Biologe Juan Carlos De la Concepción wirbt Förderung zum Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe ein

Juan Carlos De la Concepción

Der Reisbrandpilz, Magnaporthe oryzae, ist ein Krankheitserreger, der in vielen Ländern der Erde verheerende Schäden anrichtet. Schätzungen zufolge vernichtet der Brandpilz in der Landwirtschaft jährlich Ernteerträge, mit denen rund 60 Millionen Menschen ernährt werden könnten. Der Pilz befällt nicht nur Reis, sondern auch viele weitere Getreidepflanzen und Gräser und verursacht weltweit Krankheitsausbrüche und Pandemien bei Pflanzen. Um mehr über die gefährliche und ökonomisch wichtige Pflanzenkrankheit zu erfahren, setzt Dr. Juan Carlos De la Concepción ein neues Verfahren ein. Er will auf der molekularen Ebene verstehen, wie der Pilz die Pflanze infiziert. Möglicherweise können auf diese Weise Wege zur effektiven und nachhaltigen Bekämpfung des Pilzes entwickelt werden.

Der Forscher wechselte mit einer Förderung im Rahmen des Emmy-Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Jahresbeginn neu an das Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) der Universität Tübingen. Für sein Vorhaben erhält er mehr als 1,8 Millionen Euro für einen Zeitraum von sechs Jahren. Unter dem Projekttitel „Zelluläre und strukturelle Mechanismen der Pflanzeninvasion durch Pilzpathogene“ kann De la Concepción eine eigene Arbeitsgruppe mit zwei Promotionsstellen und einer Postdoc-Stelle aufbauen. Das Emmy-Noether-Programm ermöglicht herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in einer frühen Karrierephase über die eigenverantwortliche Leitung einer Arbeitsgruppe die Qualifizierung für eine Hochschulprofessur.

Aufwendiges Verfahren

„Der Reisbrandpilz sprang vom Reis auf den Weizen und andere Nutzpflanzen über und ist in vielen Ländern verbreitet. Diese Pandemie ist ein riesiges Problem, vor allem in ärmeren Ländern“, berichtet De la Concepción. Bei der Infektion bilden die Pilze eine spezielle Zelle aus, das sogenannte Appressorium. Damit kann sich der Pilz an die Oberfläche der Pflanze anheften und einen enormen Turgordruck aufbauen – bis zu 80 bar oder den 40-fachen Innendruck eines Autoreifens. Diesen Druck macht sich der Pilz zunutze, um die Zellwand der Pflanze zu durchdringen und die Infektion zu etablieren.

Um die Vorgänge genauer als bisher möglich zu beobachten, nutzt De la Concepción die Kryoelektronentomografie, eine sich schnell entwickelnde Technik in der Strukturbiologie. Diese bildgebende Technik wird bisher noch wenig in der Pflanzenforschung eingesetzt. Dabei werden die Proben bei sehr niedrigen Temperaturen eingefroren und mit einem Elektronenmikroskop untersucht. „Vorteil ist, dass die Strukturen der Zellen vollständig erhalten bleiben und sogar Proteinstrukturen aufgelöst werden können“, erklärt De la Concepción. „Bei den meisten anderen Verfahren muss man die Molekülkomplexe isolieren, um sie genauer untersuchen zu können, das große Ganze geht dabei verloren.“ Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit seien breit anwendbar, sagt er. „Viele krankheitserregende Pilze bilden Appressorien, um in ihre Wirtspflanze einzudringen. Meine Hoffnung ist, dass die Ergebnisse auch bei der Eindämmung weiterer Pflanzenkrankheiten helfen könnten.“

Mit Tübingen schon länger in Kontakt

Mit dem ZMBP in Tübingen sei er schon lange in Kontakt gewesen, sagt er, es sei in der Pflanzenforschung eine von Deutschlands Top-Institutionen. „Ich kann hier die gute technische Infrastruktur nutzen und führe im Gegenzug mit der Kryoelektronentomografie ein am ZMBP neues Verfahren ein. Davon profitieren beide Seiten.“ Außerdem hänge seine Arbeit stark an guten Kooperationen – auch da biete das ZMBP als Teil von Sonderforschungsbereichen und Exzellenzclustern ein dynamisches Forschungsumfeld.

Juan Carlos De la Concepción studierte Biologie, Biochemie und Biotechnologie an der Universität Sevilla in Spanien und wurde an der University of East Anglia in Norwich 2020 promoviert. Als Postdoc forschte er bis 2021 zunächst weiter in Norwich am John Innes Centre und The Sainsbury Laboratory, bevor er von März 2021 bis Dezember 2025 an das Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) in Wien ging. Zum Jahresanfang 2026 wechselte er mit der Emmy-Noether-Förderung an das Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen der Universität Tübingen.

Janna Eberhardt/Hochschulkommunikation
 

Kontakt:

Dr. Juan Carlos De la Concepción
Universität Tübingen
Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen
juan.delaconcepcionspam prevention@zmbp.uni-tuebingen.de