Uni-Tübingen

Attempto! 02/2023: Kurzmeldungen

Intelligentes Pflaster für die Haut

Intelligente Polymermaterialien, die sich an Bewegungen und wechselnde Umweltbedingungen anpassen: Eine Entwicklung der Universitäten Stuttgart und Tübingen könnte dies künftig möglich machen.

Dominique Lunter aus der Pharmazeutischen Technologie arbeitet mit an der Entwicklung eines Polymermaterials, das autonom seine Steifigkeit verändert und sich elastisch verformt – abhängig von Luftfeuchte und Temperatur. Die extrem anpassungsfähigen Polymere könnten für Roboter aus weichen organischen Materialien (Soft Robotics) interessant sein, wie sie in der Biomedizin verwendet werden.

Geeignet sind sie zudem für Hautanwendungen als Pflaster für die kontrollierte Arzneimittelfreigabe durch die Haut. Die Forschenden hatten hier mit dem Schmerzmittel Diclofenac in einem Hautmodell experimentiert. „Der Trick besteht darin, dass die Wirkstoff-Freisetzung vom Pflaster selbst gesteuert wird, indem es auf die veränderliche Feuchte der Wunde, also auf das Wundsekret, reagiert“, sagt Lunter.

Frauen verändern Dynamik in Aufsichtsräten

Gehört Aufsichtsräten mindestens eine Frau an, ist die Teilnahmequote der Sitzungen höher als bei einer rein männlichen Besetzung, das hat die Wirtschaftswissenschaftlerin Kerstin Pull in einer Studie festgestellt. Zwei oder mehr Frauen im Aufsichtsrat stehen sogar im Zusammenhang mit der Profitabilität eines Unternehmens.

Mit ihrem Team hatte Pull die Berichte 44 börsennotierter Unternehmen zu Aufsichtsräten analysiert und diese mit der Profitabilität der Unternehmen abgeglichen. Zudem führte sie Interviews mit 17 Aufsichtsratsmitgliedern. „Unterschiedliche Perspektiven im Aufsichtsrat führen dazu, dass mehr Alternativen abgewogen und bessere Entscheidungen getroffen werden können“, erklärt sie.

Zudem beeinflussten eine „breitere Expertise“ und ein „produktiverer Umgangston“ die Diskussionen positiv. Ein anderer Grund für den positiven Effekt könnte sein, dass Frauen oft von extern in einen Aufsichtsrat berufen werden. „Aufsichtsräte sollen den Vorstand kontrollieren. Mit einem Blick von außen lässt sich diese Funktion leichter erfüllen.“

Südamerikanische Sprachfamilie älter als 2.500 Jahre

Wörter wie „Jaguar“ und „Piranha“ verdanken wir der indigenen Tupí-Guaraní-Sprachfamilie aus Südamerika, von der heute noch 40 Sprachen gesprochen werden. Ihren Ursprung hatte sie vor rund 2.550 Jahren im Becken der Flüsse Tapajós und Xingu, wie Computerlinguist Fabrício Ferraz Gerardi erstmals aufzeigt.

Mit einem internationalen Team nutzte er eine molekularbiologische Verwandtschaftsanalyse, um die Entwicklung geografisch und chronologisch nachzuvollziehen. Das Team verglich dafür Vokabeln z.B. für Tiere oder Pflanzen. „Mutationen“ zeigten, wann sich zwei verwandte Arten von einem gemeinsamen Vorfahren abgespaltet hatten – den Gen-Mutationen bei biologischen Arten entsprachen hier Lautverschiebungen oder Ersetzungen.

Mit der Analyse von Vokabeln und Algorithmen aus der Molekularbiologie konnte ein Familienbaum erstellt werden. Zudem ordnete das Team archäologische Funde räumlich Einzelsprachen zu, z. B. die Beschreibung von Keramiken, um indirekt auf die zeitliche Sprachentwicklung zu schließen.

Gebissvergleich statt DNA-Analyse

Erbgutanalysen menschlicher Knochen stoßen an Grenzen, wenn die DNA schlecht erhalten ist oder die Proben nicht zerstört werden dürfen. Alternativ können die Vergleiche von Struktur und Form bestimmter Skelettteile Informationen über Verwandtschaftsverhältnisse liefern. Das zeigen die Paläoanthropologen Hannes Rathmann und Katerina Harvati mit einem internationalen Forschungsteam auf.

Durch computergestützte Verfahren hatten sie in Datenbeständen überprüft, inwieweit sich die genetische Diversität von Menschen weltweit in der Struktur und Form von Skelettteilen, der Morphologie, widerspiegelt. Die besten Ergebnisse erzielte das Team beim Vergleich von Schädel- und Gebisselementen, aufschlussreich sind vor allem kleinere morphologische Eigenschaften wie Rillenmuster in Zahnkronen, die relative Größe der Zahnspitze, die Anzahl der Wurzeln und Weisheitszähne.

In archäologischen und forensischen Untersuchungen könnte dies künftig helfen, die Geschichte einer Population zu rekonstruieren oder Verwandtschaftsprofile zu erstellen.



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