Uni-Tübingen

Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2016: Forschung

Erste Absolventin im PhD-Programm Experimentelle Medizin

Die Ärztin Tarza Baban tauchte in Tübingen tiefer in die Forschung ein

Tarza Baban stammt aus dem Irak, wo sie an der Universität in Erbil Medizin studiert und ihren Abschluss gemacht hat. Drei Jahre lang hat sie dort als Ärztin praktiziert. Doch dann wollte sie ihre Kenntnisse in der medizinischen Forschung weiter vertiefen. Ihr Mann, der ebenfalls Mediziner ist, plante zu der Zeit, seine Karriere in der Klinik mit einer deutschen Facharztausbildung fortzusetzen. „Tübingen kam in die engere Wahl als eine der elf deutschen Exzellenzuniversitäten, außerdem gibt es hier viele internationale Studierende“, sagt Tarza Baban. Ihr Mann bekam eine Stelle in der Radiologischen Klinik.

Sie selbst begann im Oktober 2012 gleich zum Start im neuen PhD-Programm Experimentelle Medizin. „Zwei meiner großen Interessensgebiete, Onkologie und Dermatologie, konnte ich in dem interdisziplinär ausgerichteten Programm kombinieren“, sagt die Medizinerin. Ihr Forschungsprojekt führte sie im Labor von Professor Mark Berneburg und dem Postdoktoranden Dr. York Kamenisch an der Universitäts-Hautklinik durch. Sie untersuchte die Rolle der UV-A-Strahlung und der DNA-Veränderungen in Mitochondrien, also Mutationen der genetischen Information in den sogenannten Kraftwerken der Zelle, auf die Entwicklung von malignen Melanomen, auch Schwarzer Hautkrebs genannt. „Im Labor habe ich viel gelernt“, meint Tarza Baban. Den dortigen Wissenschaftlern wie auch ihren weiteren Betreuern Professor Michael Schwarz und Professor Peter Rodemann habe sie viel zu verdanken. Ihre PhD-Arbeit ist vom Journal of Investigated Dermatology angenommen worden und geht aktuell in den Druck.

An dem PhD Programm gefiel ihr, dass sie ihr theoretisches Wissen in medizinischen Grundlagen erweitern konnte. Als hilfreich für die eigene Arbeit empfand sie die jährliche Präsentation, die jeder Programmteilnehmer über seine Ergebnisse vorbereiten muss. „Das erzeugt einen gewissen Druck. Aber der ist positiv, man sieht, was man getan hat und wo man steht, selbst wenn es negative Ergebnisse sind.“ Die Zwischenbilanz zeige neue Wege auf. „Oft haben andere in der Gruppe auch Ideen, wie sich Probleme lösen lassen.“

Tarza Baban hat in Tübingen Deutsch gelernt, kam häufig aber auch mit Englisch gut aus. „Innerhalb des Programms kenne ich fast alle, da war es leicht, Anschluss zu finden“, sagt sie. Ihr Aufenthalt in Tübingen wurde hauptsächliche vom Ministerium für höhere Bildung und Wissenschaft der Region Kurdistan im Irak finanziert. Mit dem PhD in der Tasche wird sie nun zur Geburt ihres zweiten Kindes nach Erbil zurückkehren und in den kommenden Jahren an der dortigen Universität lehren und in der Klinik arbeiten. Ihr Mann folgt ihr im Juli, sobald seine Facharztausbildung abgeschlossen ist.

Janna Eberhardt

Das PhD-Programm Experimentelle Medizin

Mit dem englischsprachigen PhD-Studiengang Experimentelle Medizin, der seit Oktober 2012 läuft, richtet sich die Medizinische Fakultät an forschungsinteressierte Absolventinnen und Absolventen der Medizin und Naturwissenschaften aus aller Welt. In dem drei- bis vierjährigen Programm bis zum akademischen Grad „PhD“ führen die Teilnehmer ein eigenständiges Forschungsprojekt unter enger interdisziplinärer Betreuung an einem Institut oder einer klinischen Abteilung der Medizinischen Fakultät durch.

Derzeit sind 50 Kandidatinnen und Kandidaten aus 18 Ländern in das Programm eingeschrieben. Tarza Baban aus dem Irak hat es als erste Absolventin mit dem PhD abgeschlossen. „Die meisten Programmteilnehmer kommen mit einer eigenen Forschungsidee für ihre Doktorarbeit, suchen sich einen Betreuer an der Universität Tübingen und stellen gemeinsam den Antrag zur Aufnahme ins Programm“, berichtet die Programmkoordinatorin Dr. Inka Montero. In der internationalen Atmosphäre, durch die interdisziplinäre Betreuung durch jeweils drei Professoren und gemeinsame Kurse entwickle sich eine große Dynamik unter den Teilnehmern.

Neben dem Forschungsprojekt wählen die Doktoranden Veranstaltungen aus dem Kursprogramm aus zu den Forschungsschwerpunkten der Fakultät – Infektionsforschung, Onkologie/Immunologie, Neurowissenschaften, Kardiologie und vaskuläre Medizin, Medizintechnik und Bildgebung. Sie lernen, wie man Publikationen und Drittmittelanträge für Forschungsgelder schreibt. Vorträge und Workshops über klinisch-wissenschaftliche Aspekte der Arzneimittelproduktion, die Arbeit der Ethikkommission, Tierversuchsrecht, die Durchführung von klinischen Studien und Statistik ergänzen die Ausbildung. Das PhD-Programm läuft in enger Zusammenarbeit mit der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und der Graduiertenakademie der Universität Tübingen.