Uni-Tübingen

Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2020: Schwerpunkt

Forschung zum Coronavirus an der Universität Tübingen

An der Universität Tübingen wird in mehreren Projekten zum Coronavirus SARS-CoV-2 und der durch ihn ausgelösten Infektionskrankheit COVID-19 geforscht. Unter anderem geht es dabei um die Entwicklung eines Impfstoffes sowie um die Testung von Wirkstoffen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Tübingen AI Center, einer gemeinsamen Einrichtung der Universität Tübingen und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, haben zusammen mit Medizinerinnen und Medizinern des Universitätsklinikums die App CoroNotes entwickelt, die anhand von anonymen Gesundheitsdaten zu einem besseren Verständnis des neuartigen Coronavirus beiträgt. Weitere Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise. Der Newsletter Uni Tübingen aktuell gibt einen Überblick über die Forschungsprojekte.

Weitere Forschungsprojekte

Schutzfaktoren und psychische Gesundheit während der Covid-19-Pandemie

Für einen Großteil der Bevölkerung stellt die aktuelle Covid-19-Pandemie eine sehr große Herausforderung und Belastung dar. Empirisch belegt sind vielfältige negative Konsequenzen von Maßnahmen wie Quarantäne oder sozialer Distanzierung auf die psychische Gesundheit, wie Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen. Gleichzeitig zeigen Studien präventive Effekte sportlicher Aktivität und sozialer Unterstützung im Hinblick auf psychische Erkrankungen. 

In diesem Kontext untersuchen Sebastian Wolf (Psychologisches Institut & Institut für Sportwissenschaft) und Professor Gorden Sudeck (Institut für Sportwissenschaft) im Rahmen einer Langzeitstudie die protektiven Effekte regelmäßiger sportlicher Aktivität und sozialer Unterstützung auf diverse Parameter wie Ängste, Depression und Schlafstörungen als Konsequenz der Covid-19-Pandemie. Auch der Einfluss der Veränderungen dieser Faktoren wird an drei Messzeitpunkten untersucht. Ein weiteres Ziel ist es eine empirische Basis zu schaffen, um zeitnah Online-Module zur Bewegungsförderung und sozialen Unterstützung entwickeln zu können. 

Die Studie wird anhand von Online-Fragebögen durchgeführt. Erhebungszeitpunkte sind: April, Mai/Juni sowie nach Ende der Pandemie.

Der Einfluss der Corona-Krise auf die Einkommenserwartungen und die Konjunktur in den USA

Der Tübinger Wirtschaftswissenschaftler Professor Gernot Müller befragt in einem internationalen Forschungsprojekt seit dem 10. März 2020 täglich 200 Haushalte in den USA zu ihren Erwartungen und Befürchtungen angesichts der Corona-Krise. Beteiligt an dem Projekt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Tübingen, Bonn und Brandeis (USA). Die Haushalte werden befragt, welche Folgen der Corona-Pandemie sie für das Bruttoinlandsprodukt in den USA sowie ihr persönliches Einkommen erwarten. Zudem werden die Inflationserwartungen abgefragt. Gleichzeitig wird verfolgt, ob die Pandemie das Verhalten beeinflusst, beispielsweise, ob mehr gespart wird. Im Rahmen einer Modellanalyse wird dann quantifiziert, welche Auswirkungen die abgefragten Erwartungen auf die Konjunkturentwicklung in den USA haben.

Mehr Informationen zum Forschungsprojekt
 

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Leistungssport

Wie wirkt sich die aktuelle Corona-Pandemie auf den Leistungssport aus? Dieser Frage gehen Wissenschaftler der Abteilung Sportmedizin am Tübinger Universitätsklinikum Tübingen (UKT) unter Leitung von Professor Dr. Christof Burgstahler nach und haben dazu einen Online-Fragebogen entwickelt, der über die vier großen deutschen Sportverbände und den Landessportverband Baden-Württemberg veröffentlicht wurde. 

Seit 21. April können Leistungssportlerinnen und -sportler den Online-Fragebogen anonym ausfüllen. Allein in den ersten acht Tagen haben dies schon über 1200 Sportler (davon 600 Sportlerinnen) getan. Darunter befanden sich 278 Profisportler, 471 Bundeskaderathleten und 564 Landeskaderathleten. 406 Mitglieder einer Nationalmannschaft sind ebenfalls im Kollektiv vertreten.

Erste Zwischenergebnisse zeigen, dass im Leistungssport Infektionen nicht vermehrt auftreten. Fast 97 Prozent aller Teilnehmenden gaben in den ersten Auswertungen an, dass die Krise sie in der Ausübung ihrer Sportart zumindest mäßig beeinträchtigt. Ebenfalls groß ist der Anteil der Leistungssporttreibenden, die sich um ihre Gesundheit (33 Prozent) oder sportliche Zukunft (53 Prozent) Sorgen machen. Nur 14 Prozent geben an, sich um ihre finanzielle Situation zu sorgen.

Anfang Mai ist die Befragung auch in Österreich gestartet. Ob sich dort ähnliche Ergebnisse zeigen, werden die Wissenschaftler der Tübinger Sportmedizin in den nächsten Wochen sehen.

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf Menschen mit psychischen Erkrankungen aus?

Wie gehen Menschen mit Angststörungen oder Depressionen mit einem Alltag in der Corona-Pandemie um? Wie erleben Betroffene mit Ess- und Zwangsstörungen, akustischen und optischen Halluzinationen oder Panikattacken die Pandemie? Und wie ergeht es psychisch erkrankten Menschen generell im Vergleich zur gesunden Bevölkerung? Diese und weitere Fragen untersucht die Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität Tübingen unter Leitung von Professorin Dr. Jennifer Svaldi in Kooperation mit den Universitäten Münster und Osnabrück in einer Online-Studie. Daran haben mehr als 2000 Freiwillige mit und ohne Erkrankungen teilgenommen.

Kontakt:

Prof. Dr. Jennifer Svaldi
Fachbereich Psychologie
Klinische Psychologie und Psychotherapie
E-Mail: jennifer.svaldispam prevention@uni-tuebingen.de

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen

Weltweit haben Staaten einschneidende Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ergriffen. Dazu gehören unter anderem auch die zeitweise Schließung von Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten, Spielplätzen und sozialen Einrichtungen sowie die Umstellung auf digitale Formen des Lernens im Rahmen von Homeschooling. 

In Kooperation zwischen Prof. Dr. Sascha Neumann vom Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) der Universität Tübingen und der Universität Luxemburg startete am 07. Mai 2020 eine internationale Studie, welche die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Abhängigkeit von der jeweiligen sozioökonomischen Lage ihrer Familien untersucht. Ziel der Studie ist es, Wissen über die kurz- und mittelfristigen Folgen zu gewinnen, die sich aus den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie für Kinder und Jugendliche ergeben und bei entsprechenden politischen Entscheidungen in der Zukunft zu berücksichtigen sind. Daneben wird von den Ergebnissen erwartet, dass sie auch für Fachkräfte in Erziehungs- und Bildungsinstitutionen sowie für Eltern eine wichtige Informationsgrundlage bilden können, um auf die sozialen Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche angemessen reagieren zu können.

Die Studie mit dem Titel „COVID KIDS - Understanding the influence of COVID-19 on children’s and adolescents’ school experience and subjective well-being” stützt sich auf einen Online-Survey in fünf verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Luxemburgisch, Portugiesisch), der in mehreren Ländern eingesetzt wird. Dabei werden Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 16 Jahren direkt befragt. 

Alle interessierten Kinder und Jugendliche sind eingeladen an der anonymen Befragung teilzunehmen!

Link zur Befragung:

https://covid-kids-survey.uni.lu

Kontakt:

Prof. Dr. Sascha Neumann
Institut für Erziehungswissenschaft
Abteilung Sozialpädagogik
E-Mail: Sascha.neumannspam prevention@uni-tuebingen.de