Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 1/2026: Leute
Ein Leben für den Natur- und Artenschutz
Zum Tode von Professor Dr. Ewald Müller ein Nachruf von Rita Triebskorn und Heinz-R. Köhler
Am 18. Januar 2026 verstarb kurz vor seinem 80. Geburtstag plötzlich und völlig unerwartet Professor Dr. Ewald Müller, der die Abteilung „Physiologische Ökologie der Tiere“ an der Universität Tübingen von 1993 bis 2000 leitete.
Geboren am 22.01.1946 in Pforzheim-Hohenwart, absolvierte Ewald Müller seine Schulausbildung zunächst an der Volksschule in Hohenwart und anschließend am Hebel-Gymnasium in Pforzheim. Nach dem Abitur im Jahr 1966 studierte er das Fach Biologie mit den Schwerpunkten Zoologie, Zoophysiologie, Biochemie, Genetik, Anthropologie und Humangenetik an der Universität Tübingen. Im Jahr 1974 beendete er sein Studium mit dem Abschluss als Diplom-Biologe.
Im Anschluss begann Ewald Müller in der damaligen Abteilung „Physiologische Ökologie“ des Zoologischen Instituts der Universität Tübingen unter Anleitung von Professor Dr. Erwin Kulzer mit seiner Promotionsarbeit über den Energiestoffwechsel, die Temperaturregulation und den Wasserhaushalt beim Plumplori, einem nachtaktiven Primaten aus Südostasien. Ende Juni 1977 schloss er seine Promotion ab. Ab Juli 1977 widmete er sich für weitere Jahre dieser Thematik und forschte an mehreren tropischen Primatenarten im Rahmen zweier DFG-Forschungsstipendien, wobei ihn Auslandsaufenthalte insbesondere 1977 und 1980 nach Nairobi, Kenia, führten. Darüber hinaus beschäftigte er sich Ende der 1970er-Jahre mit dem Energiestoffwechsel von Frettchen.
In seiner weiteren akademischen Laufbahn blieb Ewald Müller der Universität Tübingen kontinuierlich treu. Im November 1986 habilitierte er sich in der damaligen Fakultät für Biologie für das Fach Zoophysiologie. Er hatte im Zoologischen Institut die Positionen eines Hochschulassistenten, Oberassistenten, Hochschuldozenten und außerplanmäßigen Professors inne und leitete über sieben Jahre hinweg nach Ausscheiden des damaligen Leiters Erwin Kulzer die Abteilung „Physiologische Ökologie der Tiere“ kommissarisch. In dieser Zeit beschäftigte er sich zunehmend mit der Kommunikation von Fledermäusen und vor allem mit deren Arten- und Habitatschutz.
Ewald Müller war Hochschullehrer mit außerordentlich großer Leidenschaft. Über viele Jahre hinweg vermittelte er in zahlreichen Lehrveranstaltungen, darunter einem ganzsemestrigen Großpraktikum, unzähligen Studierenden das Fach Ökophysiologie sowie ökologische Zusammenhänge und fundierte Artenkenntnisse. Studentische Exkursionen führten ihn abermals nach Kenia, Tansania, Tunesien und Kolumbien sowie regelmäßig in die Schweizer Alpen. Im Jahr 1994 erhielt er den Landeslehrpreis des Landes Baden-Württemberg.
Neben seinen akademischen Tätigkeiten engagierte sich Ewald Müller über Jahrzehnte hinweg im angewandten Natur- und Artenschutz von Fledermäusen durch seine Funktionen bei der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg e.V., deren jahrelanger Geschäftsführer und Vorsitzender er war. Im Rahmen dieser Tätigkeit trug er durch intensive Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich zur Akzeptanz dieser Tiergruppe in der Gesellschaft bei. Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2011 führte er diese Tätigkeiten fort. Darüber hinaus arbeitete er intensiv mit der Naturparkverwaltung Schönbuch zusammen, war ein herausragender Naturfotograf, hielt zahlreiche Vorträge für die interessierte Öffentlichkeit und verfasste eine Reihe von Broschüren, unter anderem über Pilze, Flechten, Orchideen und Insekten des Naturparks Schönbuch.
Mit Professor Dr. Ewald Müller verlieren wir einen ausnehmend engagierten Hochschullehrer und Naturschützer, der in vielen Bereichen der Zoologie über einen umfassenden Wissensschatz verfügte und diesen sowohl im universitären als auch im gesellschaftlichen Kontext an die Nachwelt weitergegeben hat. Durch seine engagierte Lehrtätigkeit und sein Schaffen für den Natur- und Umweltschutz bleibt er auch für nachfolgenden Generationen als Vorbild in guter Erinnerung.