Am 28. April wurde der Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation verliehen. Ausgezeichnet wurden mit dem Hauptpreis der Medienwissenschaftler Professor Dr. Bernhard Pörksen sowie Rechtsextremismusforscher PD Dr. Rolf Frankenberger. Den Nachwuchspreis erhielt die Ökologin Dr. Rachel L. Gunn
„Science isn’t finished until it has been communicated.“ Diese Worte der Nachwuchspreisträgerin Rachel L. Gunn stehen sinnbildlich für den Kern des Tübinger Preises für Wissenschaftskommunikation: Er würdigt Forschende, die ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in herausragender Weise über Fachgrenzen hinaus vermitteln und den Austausch mit einer breiten Öffentlichkeit suchen.
Professor Dr. Bernhard Pörksen erforscht öffentliche Kommunikation im digitalen Zeitalter. Er analysiert, wie öffentliche Debatten entstehen und geführt werden, und vermittelt seine Forschung leicht verständlich über Bücher, Medienbeiträge und öffentliche Dialogformate an ein breites Publikum.
PD Dr. Rolf Frankenberger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Rechtsextremismusforschung (IRex), untersucht Entstehung und Dynamiken extrem rechter Bewegungen. Seine Forschungsergebnisse bringt er adressatengerecht in verschiedenste gesellschaftliche Bereiche ein – von lokalen Initiativen über Bildungsinstitutionen bis hin zur Landespolitik.
Dr. Rachel L. Gunn erforscht fragile marine Ökosysteme und vermittelt ihre Forschung in interaktiven Formaten wie offenen Online Kursen, Citizen Science Projekten oder die Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften an ein fachfremdes Publikum.
Zur feierlichen Preisverleihung war die Alta Aula in Tübingen gut gefüllt. Den Abend prägten prominente Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Journalismus: Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun eröffnete mit einem persönlichen Plädoyer für die Relevanz von Wissenschaftskommunikation – Wissenschaft solle allen zugänglich gemacht werden, die von einem Forschungsgegenstand betroffen seien.
SPIEGEL‑Chefredakteur Dirk Kurbjuweit würdigte Bernhard Pörksens Arbeit aus journalistischer Perspektive. Er verwies insbesondere auf ihre langjährige Zusammenarbeit im Rahmen der öffentlichen Blattkritik, in der Pörksen sich regelmäßig kritisch mit der Arbeit der SPIEGEL-Redaktion auseinandersetzte. Professorin Léonie de Jonge machte in ihrer Würdigung von Rolf Frankenberger deutlich, welchen hohen persönlichen Preis er für seine Forschung zur extremen Rechten zahle – öffentliche Anfeindungen, Drohungen und versuchte Einschüchterungen gehörten für ihn zur Begleiterscheinung seiner Arbeit. Professor Nicolaas Michiels hob in seiner Laudatio insbesondere einen Open-Access-Ökologiekurs hervor, den Rachel L. Gunn während der COVID-19-Pandemie entwickelt hatte und der Studierenden auch unter Krisenbedingungen den Zugang zu wissenschaftlichen Inhalten ermöglichte.
In ihren Dankesreden gingen die Preisträger und die Preisträgerin auf die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft ein. Wissenschaft, so der gemeinsame Tenor, entfalte ihre Wirkung erst durch Übersetzung, Zugänglichkeit und Diversität – insbesondere in Zeiten, in denen der Ton im öffentlichen Diskurs schärfer wird und Fakten an Gewicht verlieren.
Nora Zeller
Seit 2021 vergibt die Universität Tübingen den Preis für Wissenschaftskommunikation jährlich. Er ist Teil der Exzellenzstrategie der Universität. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Nachwuchspreis mit 5.000 Euro.