Frau Mozdzen, Sie haben eine Ausstellung zur Agora gemacht, dem Zentrum der athenischen Demokratie…
Nominell wird Agora mit Marktplatz übersetzt. Sie ist der Ort, an dem die Bürger tagtäglich zusammenkommen, Besorgungen machen und sich austauschen.
Gleichzeitig findet hier eine Politisierung des öffentlichen Raumes statt. Zwischen den Denkmälern, Verwaltungs- und Ratsgebäuden der Agora wurden Gesetzesentwürfe ausgehängt, über öffentliche Ausgaben diskutiert und Recht gesprochen. Wichtige demokratische Institutionen, wie der Rat der 500 oder der Archon Basileos, einer der höchsten Beamten in Athen, haben hier ihren Sitz. Bürger, die als vorbildlich galten, werden auf der Agora mit Denkmälern geehrt.
Archäologische Objekte, die wir in der Ausstellung zeigen, haben zu tun mit den praktischen Prozessen, mit denen Demokratie in Athen gelebt wurde, insbesondere demokratische Teilhabe: wer darf reden, wer darf entscheiden, wer darf urteilen? Wir haben ganz bewusst Denkmäler aufgegriffen, die sowohl mit den politischen Prozessen als auch mit dem Charakter des Versammlungsortes Agora verbunden sind.
Wichtig war uns, immer wieder den Bezug zur Gegenwart haben, um die Ausstellung auch zu unserem eigenen Diskursraum zu machen.
Athen wird häufig als Wiege der Demokratie bezeichnet…
Ausgelöst durch politische und wirtschaftliche Krisen, wurden in Athen zwischen ca. 570 und 500 v. Chr. durch Solon und Kleisthenes verschiedene Reformen umgesetzt. Sie zielten darauf, die Macht der Adelsfamilien zu reduzieren und deutlich mehr Bürger an politischen Ämtern und Entscheidungen zu beteiligen. Diese Beteiligung beschränkte sich jedoch auf volljährige Söhne von zwei in ihrem Bezirk registrierten Athener Bürgern, ausgeschlossen blieben Nachkommen nur eines Bürgers, Zugewanderte, Unfreie und Frauen.
Wie sah die Beteiligung aus? Wie wurden Ämter vergeben?
Die genannte Personengruppe bildete die Volksversammlung, in der alle das gleiche Rederecht hatten. Und sie bildeten das Bürger-Heer für den Verteidigungsfall.
Die meisten Amtsträger, etwa die Mitglieder des Rats der 500 oder der Volksgerichte, wurden ausgelost, nicht gewählt. Sie wechselten oft und mussten Rechenschaft ablegen. Dieses Verfahren verhinderte Korruption und Vetternwirtschaft bei der Auswahl von Richtern und Beamten in der athenischen Demokratie.
Spätestens nach dem Bürgerkrieg am Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. hielten die Athener ihre Demokratie nicht für selbstverständlich. Es war Konsens, dass es auf das aktive Engagement jedes Einzelnen ankommt, sei es als Bürger, als Soldat gegen Bedrohungen von außen oder auch als Ankläger und Richter gegen Bedrohungen von innen.
Wie finanzierte sich die Athener Demokratie?
Unter anderem durch Bodenschätze, insbesondere aus den Silberminen von Laurion, in denen versklavte Personen arbeiteten. Hinzu kamen die Besteuerung von Fremden (Metöken) und der Handelshafen Piraios (heute Piräus).
Ein weiterer wichtiger Posten für die Finanzierung waren verpflichtende, teilweise jedoch auch freiwillig übernommene Aufgaben der wohlhabendsten Athener. Damit wurden unter anderem die Ausrüstung und der Bau von Kriegsschiffen finanziert, aber auch Veranstaltungen für Bürger im Rahmen von religiösen Festen.