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Newsletter Uni Tübingen aktuell Nr. 2/2026: Leute

International renommierter Pharmakologe und Experte für Ionenkanäle

Zum Tode von Professor Dr. Ulrich Quast ein Nachruf von Bernd Nürnberg

Am 1. Oktober 2025 verstarb Universitätsprofessor Dr. phil. nat. Ulrich Quast im Alter von 81 Jahren. Mit ihm verliert die Medizinische Fakultät einen international angesehenen Wissenschaftler und geschätzten Kollegen, der die Pharmakologie in Tübingen über viele Jahre mitprägte.

Ulrich Quast wurde am 12. Februar 1944 geboren. Nach dem Studium der Physik an der RWTH Aachen, das er 1972 abschloss, wandte er sich früh interdisziplinären Fragestellungen an der Schnittstelle von Naturwissenschaften und Medizin zu. Seine Promotion zum Dr. phil. nat. erfolgte 1974 am Biozentrum der Universität Basel in der biophysikalisch-chemischen Arbeitsgruppe von Professor Jürgen Engel auf dem Gebiet der Enzymologie. Bereits in dieser frühen Phase zeigten sich seine außergewöhnliche wissenschaftliche Präzision und methodische Breite. In dieser Promotionsphase entstanden fünf Arbeiten zu Chymotrypsin- und Kallikrein-Inhibitoren zusammen mit seinem Doktorvater.

Es folgten weitere Forschungsjahre in Basel sowie 1976/77 ein sehr fruchtbarer und wegbereitender Aufenthalt am California Institute of Technology in Pasadena, Kalifornien, USA, bei Professor Michael A. Raftery. Dort wandte sich Ulrich Quast den Ionenkanälen zu und widmete sich grundlegenden Untersuchungen zum Acetylcholinrezeptor. Diese sehr produktive Zeit, aus der unter anderem acht gemeinsame Arbeiten mit seinem Mentor hervorgingen, sowie die internationale wissenschaftliche Vernetzung prägten seinen weiteren Weg nachhaltig.

Nach Stationen in der industriellen Forschung – zunächst bei der Goedecke AG in Freiburg, später bei der Sandoz AG in Basel – entwickelte er ein Forschungsprofil, das ihn zu einem international anerkannten Experten für Ionenkanäle und deren pharmakologische Modulation machte. Sein besonderes wissenschaftliches Interesse galt zunehmend den ATP-sensitiven Kaliumkanälen und deren Bedeutung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie insbesondere den Diabetes mellitus. In dieser Phase habilitierte er sich auch und baute seine internationale Reputation und Zusammenarbeit weiter aus.

1992 folgte Ulrich Quast dem Ruf auf eine C3-Professur für Molekulare Pharmakologie an das Institut für Pharmakologie der Universität Tübingen als Nachfolger von Professor Dietrich Winne. 1993 wurde er zum Universitätsprofessor ernannt und leitete fortan eine eigene Abteilung für Molekulare Pharmakologie. Unter seiner Führung wurde die Tübinger Pharmakologie zu einem sichtbaren Standort der Ionenkanalforschung. Mithilfe elektrophysiologischer Verfahren und innovativer Bindungsstudien gelangen seiner Arbeitsgruppe wesentliche Beiträge zum Verständnis der molekularen Regulation ATP-sensitiver Kaliumkanäle, die bei der Therapie des Diabetes mellitus von Bedeutung sind. Weitere Arbeiten befassten sich mit Mechanismen der Reninsekretion aus den Vasa afferentia der Niere.

Seine wissenschaftliche Leistung ist international beachtet worden. Mehr als 100 in PubMed gelistete Publikationen, darunter Arbeiten in international führenden Zeitschriften wie Proceedings of the National Academy of Sciences, Circulation Research, Journal of Biological Chemistry, Biochemistry, Molecular Pharmacology, und das British Journal of Pharmacology dokumentieren seine nachhaltige Wirkung auf das Fach. Zahlreiche Drittmittel, unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, unterstützten seine Forschung.

Auch in der akademischen Lehre brachte sich Ulrich Quast über viele Jahre engagiert ein. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2009 blieb er der Universität und dem Fach weiterhin verbunden und publizierte auch in den Folgejahren noch wissenschaftliche Arbeiten.

Ulrich Quast war verheiratet mit seiner bereits 2021 verstorbenen Ehefrau, der Französin Martine Quast, geborene Livory. Er hinterlässt zwei Töchter, Enkelkinder sowie Kolleginnen, Kollegen und Weggefährten in Wissenschaft und Universität.

Die Universität Tübingen wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.