Uni Tübingen

Meldung

04.05.2026

Neu berufen: Professor Dr. Thomas Jürgasch

W3-Professur Alte Kirchengeschichte und Patrologie, Katholisch-Theologische Fakultät

Professor Dr. Thomas Jürgasch

Professor Thomas Jürgasch hat seit April 2026 den Lehrstuhl für Alte Kirchengeschichte und Patrologie inne. Er studierte Katholische Theologie und Philosophie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Theologie an der University of Oxford, wo er sein Studium 2003 mit dem Master of Studies abschloss. Anschließend nahm er ein Promotionsstudium an der Universität Freiburg auf und wurde 2010 in Katholischer Theologie promoviert. In seiner Dissertation mit dem Titel „Theoria versus Praxis? Zur Entwicklung eines Prinzipienwissens im Bereich der Praxis in Antike und Spätantike“ beschäftigte er sich mit der Problematik sicheren Wissens im Bereich der Ethik. Dazu analysierte Jürgasch aristotelische und neuplatonische Ansätze und ihre Weiterentwicklung in der christlich-theologischen Ethik, insbesondere bei Boethius, der mit den Mitteln der Logik das höchste Gut und Ziel allen Strebens mit Gott identifiziert.

Im Anschluss an die Promotion war Thomas Jürgasch wissenschaftlicher Angestellter an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, wo er von 2007 bis 2012 die Koordination der Graduiertenschule Theology and Religious Studies verantwortete und von 2013 bis 2022 Co-Teilprojektleiter im DFG-Sonderforschungsbereich 1015 „Muße“ war. 2020 schloss er sein Habilitationsprojekt ab, in welchem er sich mit dem Denken des spätantiken christlichen Theologen Dionysius Areopagita auseinandersetzte. Als Ergebnis verfasste Jürgasch einen historisch-konzeptionellen Kommentar zum einleitenden Gebet der Mystischen Theologie „Richte uns aus zum Gipfel der mystischen Worte“. 2020 nahm er den Ruf auf die Juniorprofessur für Alte Kirchengeschichte und Patrologie an der Universität Tübingen an.

In seiner Forschung beschäftigt sich Thomas Jürgasch allgemein mit spätantiker Theologie- und Philosophiegeschichte sowie Formen spätantiken Kulturtransfers. Darüber hinaus untersucht er christliche und pagane Identitätsbildungen in Antike und Spätantike und die Entwicklung von Orthodoxie- und Häresie-Verständnissen in der frühen Kirche. Dabei zeigen die frühchristlichen Entwicklungen, dass eine festgefügte christliche Gruppe historisch nicht nachweisbar ist und vielmehr in den Schriften der Kirchenväter performativ erzeugt wird, bevor das Christentum nur wenige Jahrzehnte später zur Staatsreligion wird. Aktuell setzt Jürgasch sich mit Formen gelebter Religiosität auseinander und liest dazu zwischen den Zeilen überlieferter Quellen, um soziale Wirklichkeiten herauszuarbeiten. In seiner Lehre verknüpft Thomas Jürgasch Kirchengeschichte und gegenwärtige Perspektiven beispielsweise in der Frage nach Analogien zwischen christlicher Mystik und der Streetart des Künstler Banksy.

TFranziska Hammer