Uni Tübingen

Pressemitteilung

17.09.2026

Berberaffen in Norddeutschland: Forscher finden über 300.000 Jahre alten Zahn

Der äußerst seltene Fund aus Schöningen ist der nördlichste Nachweis eines Makaken in Kontinentaleuropa

Rekonstruktion des jungen, etwa einjährigen Makaken (Macaca cf. sylvanus) von Schöningen. Bei heute lebenden Berberaffen (Macaca sylvanus) spielt die Fürsorge für die Jungtiere eine zentrale Rolle in ihrem Zusammenleben. Auch männliche Berberaffen kümmern sich um den Nachwuchs, unabhängig von der Vaterschaft – unter Primaten ein außergewöhnliches Verhalten.

Ein Forschungsteam des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und der niederländischen Universität Leiden hat einen Zahn aus der archäologischen Fundstelle Schöningen in Niedersachsen untersucht. In ihrer heute in der Fachzeitschrift „Quaternary Environments and Humans“ erschienenen Studie zeigen die Forscher, dass es sich um einen Milchzahn eines jungen Makaken (Macaca cf. sylvanus) handelt, der vor mehr als 300.000 Jahren in dieser Region lebte. Der Zahn ist damit der nördlichste Fund dieser Primatenart in Kontinentaleuropa.

Berberaffen (Macaca sylvanus) sind die einzige heute lebende Makakenart, die nicht in Asien, sondern in Nordafrika heimisch ist und auch an der Südspitze Europas in Gibraltar vorkommt. Vor allem in den Bergregionen Algeriens und Marokkos leben heute noch etwa 8.000 der Tiere frei in Laub- und Nadelwäldern. Die kleine, aber berühmte Population in Gibraltar wurde ursprünglich vom Menschen eingeführt. Während des Pleistozäns erstreckte sich der Lebensraum dieser Primaten dagegen noch über weite Teile Süd- und Mitteleuropas, wie fossile Funde aus Spanien, Italien und Griechenland bis nach Deutschland und England zeigen.

„Der von uns jetzt untersuchte kleine Zahn wurde bei der Grabungskampagne 2004 in Seeufersedimenten der niedersächsischen Fundstelle Schöningen geborgen. Diese ist weltweit für ihre gut erhaltenen archäologischen und paläontologischen Überreste aus der Altsteinzeit bekannt und erlaubt sensationelle Einblicke in die damalige Umwelt und die klimatischen Bedingungen“, berichtet Dr. Jordi Serangeli vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Grabungsleiter in Schöningen.
„Der Zahn ist fast vollständig erhalten und weniger als einen Zentimeter lang“ ergänzt Studienleiter Prof. Dr. Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden. „Es handelt sich um den Milchbackenzahn eines jungen, etwa einjährigen Makaken (Macaca cf. sylvanus), einer Art, die dem heute lebenden Berberaffen (Macaca sylvanus) sehr nahe steht. Schöningen liegt rund 1.800 Kilometer weiter nördlich als das heutige nördlichste Verbreitungsgebiet dieser Art. Damit gehört der Zahn zu den nördlichsten Funden von Makaken aus dem mittleren Pleistozän und ist der nördlichste Fund aus Kontinentaleuropa überhaupt.”

Pressemeldung des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment