Spätestens in der Einstiegsphase einer Promotion wird die Frage der Betreuung geklärt sowie die Finanzierung organisiert. Häufig entsteht in dieser Zeit das Exposé für das der Dissertation zugrunde liegende Forschungsprojekt. Diese drei zentralen Aspekte behandelt der Schwerpunkt „Einstieg in die Promotion“ in der vorliegenden Ausgabe des Newsletters Uni Tübingen aktuell jeweils mit einzelnen Artikeln.
Darüber hinaus sind detaillierte Informationen zu allen Aspekten einer Promotion online im WIKI der Graduiertenakademie abrufbar.
In Zusammenhang mit der Klärung der Promotionsbetreuung ist auch die Annahme als Doktorandin oder Doktorand an der Fakultät von großer Wichtigkeit. Darüber hinaus ist individuelles Selbst- und Zeitmanagement gefordert, um das selbstorganisierte Arbeiten in der Promotionszeit von Anfang an gut zu planen und zu strukturieren. Schließlich hilft es, sich von Beginn an über typische Krisensituationen im Promotionsprozess klar zu werden. Denn Krisen gehören angesichts des zeitlichen Umfangs und der Komplexität der Promotionsprojekte in den allermeisten Fällen zu einer Promotion.
Die Annahme als Doktorandin/Doktorand an der Fakultät ist in mehrfacher Hinsicht eine rechtliche Absicherung für Promovierende und sollte kurz nach der Betreuungszusage durch eine Professorin/einen Professor erfolgen.
Die Immatrikulation als Doktorandin/Doktorand ist hingegen freiwillig und bleibt der/dem Einzelnen überlassen – Voraussetzung für die Immatrikulation ist jedoch u.a. die Annahme als Doktorandin/Doktorand an der zuständigen Fakultät.
Eine größere Herausforderung, der viele Promovierende in der Einstiegsphase der Promotion begegnen, ist, sich den größeren zeitlichen Horizont von beispielsweise drei Jahren vorzustellen, die für Promotionen in der Regel angesetzt werden. Das ‚Umrechnen‘ von ‚bekannten Messeinheiten‘ wie etwa der Zeit, die für die Erstellung der Masterarbeit erforderlich war, sowie das Übertragen von Strategien aus der Masterphase funktionieren daher nicht ohne Weiteres.
Es ist Chance und Herausforderung zugleich, die Arbeit am Forschungsprojekt und – abhängig von Forschungsbereich und Finanzierungsform – den Arbeitstag selbst planen zu können bzw. zu müssen. Insbesondere – aber nicht nur – im geisteswissenschaftlichen Kontext besteht zudem die Gefahr der sozialen Isolation, die sich in der Folge zusätzlich in wissenschaftlicher Isolation niederschlagen kann.
Von Anfang an ist es daher wichtig, die Planung für das Forschungsprojekt mit Hilfe von Teilzielen und Meilensteinen herunter zu brechen sowie die als nächstes anstehenden Schritte zu konkretisieren. Die Projektplanung muss immer wieder korrigiert und an die Entwicklungen im Forschungsprojekt angepasst werden. Denn drei Jahre, die zu Beginn des Projekts noch nicht wirklich vorstellbar sind, können sehr schnell verrinnen.
Mindestens genauso wichtig wie die Arbeitsplanung ist auch die Planung der Pausen und weiterer Erholungszeiten wie Wochenenden und Urlaub. Das ist wichtiger Teil der Selbstfürsorge als Aspekt des Selbstmanagements. Pausen sind wichtig, um die tägliche Arbeit zu strukturieren. Freizeit und Urlaub dürfen für die längerfristige Gesundheit und das Wohlbefinden nicht fehlen.
Die Komplexität des Forschungsprojekts sowie die Durchführung über einen längeren Zeitraum bringen es mit sich, dass auch Krisen unabdingbar mit zum Promotionsprozess gehören.
So individuell diese Krisen auch ausfallen können, lassen sich doch jenseits der Fachkulturen typische Krisen identifizieren:
Unabhängig davon, um welche Art von Krise es sich handelt, empfiehlt sich der Austausch mit anderen Promovierenden. Kontakt zu und regelmäßige Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, die zwar zu anderen Themen arbeiten, aber letztlich vor vergleichbaren Herausforderungen stehen, sollte von Beginn der Promotion an in den Blick genommen und aktiv gesucht und betrieben werden – im Idealfall noch vor der ersten Krise. Das kann im Promotionsprozess die soziale Isolation ebenso verhindern wie z.B. die wissenschaftliche Isolation. Insbesondere können damit sowohl eigene Erfahrungen relativiert werden als auch neue Handlungsstrategien kennen gelernt und für die eigene Situation adaptiert werden, um eine Krise zu bewältigen.
Vernetzungsmöglichkeiten bieten sich über den Doktorandenkonvent an der eigenen Fakultät (Stammtischtermine u.a. Aktivitäten), fachübergreifend durch die Teilnahme an Veranstaltungen der Graduiertenakademie oder bundesweit durch Kontakt zu umfassenderen Netzwerken für Promovierende.
Sibel Vurgun
Literatur: |
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