10.04.2026 | Sonderforschungsbereich Andere Ästhetik
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| Weiterführende Informationen : | Tagungen |
Die Forschung zur Entstehung der frühen islamischen Rechtskultur tendiert dazu, Darstellungen der Geschichte des islamischen Rechts zu privilegieren: von den „Ursprüngen” in Hijaz bis hin zu vergleichsweise späten Prozessen der Theoretisierung und Institutionalisierung, die zur Entstehung der islamischen Rechtsschulen und zur Entwicklung der Rechtshermeneutik führten.
Das Koranrecht selbst spielt in solchen Darstellungen oft nur eine marginale Rolle. Dies ist nicht überraschend, da es einige bemerkenswerte Diskontinuitäten zwischen dem Koranrecht und dem islamischen Recht gibt.
Während die Verbindungen zwischen dem koranischen und dem islamischen Rechtsdenken und -ausdruck noch genauer untersucht werden müssen, bleibt ein wichtiger Aspekt der frühislamischen Rechtskultur besonders wenig erforscht:
die Rechtserzählungen.
Wir laden Referenten ein, die Entstehungsphase der islamischen Rechtskultur neu zu überdenken, indem sie koranische und frühislamische „Rechtsgeschichten” identifizieren und diskutieren. Dabei handelt es sich um Erzählungen, deren Ästhetik dazu beitrug, gesellschaftliche Normen sowie rechtliche und ethische Ideen zu verbreiten und zu verankern. Solche Geschichten spielten eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der koranischen und frühislamischen Rechtskultur und deuteten zwar auf gesellschaftliche Veränderungen hin, zeigten aber auch Kontinuitäten im Rechtsdenken und in der Rechtspraxis zwischen dem Koran und der islamischen Tradition auf.