Am 15.12.2018 starb nach längerer schwerer Krankheit Prof. Dr. Jörn Staecker im Alter von 57 Jahren.
Jörn Staecker wurde am 27. April 1961 in Buxtehude geboren. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann mit dem Studium der Ur- und Frühgeschichte, Mittlerer und Neuerer Geschichte sowie Klassischer Archäologie in Kiel, das er 1990 mit der Erlangung des Titel eines Magister Artium abschloss. Bereits in dem Thema seiner Magisterarbeit zu Kreuz- und Kruzifixanhängern der Wikingerzeit in Altdänemark manifestierte sich eines der Hauptthemen seiner späteren Forschertätigkeit: Die Christianisierung des europäischen Nordens. In der Folge wechselte er an die Universität Lund in Schweden, wo das Thema eine weitere Vertiefung erfuhr, die in seine Dissertation „Rex regum et dominus dominorum. Die wikingerzeitlichen Kreuz- und Kruzifixanhänger als Ausdruck der Mission in Altdänemark und Schweden“ wiederum an der Universität Kiel 1995 mündete.
Jörn Staecker setzte seine berufliche Karriere in Schweden fort, wo er an der Universität Lund die Lehrstuhlvertretung für Mittelalterarchäologie bis 1999 und ab 2005 die Professur für Historische Archäologie an der Universität Visby übernahm. Seine Habilitation erlangte er 2001 in Lund mit einer Arbeit zum „Dialog mit dem Tod – Die hoch- und spätmittelalterliche Bestattungssitte und Grablege Südskandinaviens“. Das Thema der mittelalterlichen Gräberarchäologie entwickelte sich auch in der Folge zu einem weiteren Leitmotiv seines wissenschaftlichen Oeuvres. Hinzu kamen einige umfangreiche Studien zu Bildprogrammen auf mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Sakralobjekten, wie ikonografische Analysen mittelalterlicher Grabplatten Schwedens, Untersuchungen paradigmatischer Änderungen in der Sakralkunst im Zuge der Implementierung des Protestantismus in Südskandinavien sowie mit der Dekodierung der Camminer und Bamberger Schreine eine Beschäftigung mit Zeugnissen wikingischer Einflüsse in der christlichen Kunst Nord- und Mitteleuropas. Eine in diesem Kontext zu sehende Neuuntersuchung der Königsgrablege von Jelling in Dänemark weist deutlich auf ein weiteres Thema in Jörn Staeckers Forschungen vor allem der letzten Jahre hin: Die Wikinger. Zahlreiche Publikationen in Zeitschriften und Katalogen erschienen aus seiner Hand hierzu in den letzten Jahren.
2008 wurde Jörn Staecker dann auf den Lehrstuhl für Mittelalterarchäologie an der Universität Tübingen berufen, den er bis zu seinem Tod innehatte. Neben des Einsatzes in der Lehre und kurzzeitig als Dekan der Kulturwissenschaftlichen Fakultät, zeichnete sich seine Tätigkeit vor allem durch sein Engagement in diversen Forschungsverbünden aus, allen voran dem des Sonderforschungsbereiches 1070 RessourcenKulturen, den er von 2013 bis 2017 als stellvertretender Sprecher mit leitete.
Mit Jörn Staecker verlieren wir einen hochgeschätzten Kollegen, der durch sein großes Engagement und inspirierende Beiträge zur Entwicklung der Mittelalterarchäologie sowie allgemein der kulturhistorischen Forschung in Tübingen und darüber hinaus bleibende Verdienste erworben hat. Sit tibi terra levis!
Martin Bartelheim Thomas Scholten