Uni-Tübingen

Die virtuelle Ausstellung "Bedrohte Ordnungen"

In Kooperation mit der Kölner Agentur DITHO Design und einem Innovation Grant der Exzellenzinititive der Universität Tübingen wurde im April 2018 die virtuelle Ausstellung www.bedrohte-ordnungen.de realisiert. Darin wird das Modell des „re-ordering“ anhand von (bislang) zwölf Fallbeispielen in vereinfachter Form einem breiten Publikum präsentiert.

Leitung und Kuration: Reinhard JohlerRoman Krawielicki und Dennis Schmidt

Wissenschaftliche Konzeptgruppe: Prof. Dr. Reinhard Johler, Lic. Andrea Kirstein, Roman Krawielicki, Carlotta Posth, Tabea Scheible, Dennis Schmidt, Dr. Anne Ulrich

Designkonzept und Realisierung: DITHO Design GmbH

Autoren: Dr. Jonas Borsch, Dr. Laura Carrara, Marlene Keßler, Dr. Christine Knauer, Dr. Damián Omar Martínez, Carlotta Posth, Theresia Raum, Dr. Jan Sändig, David Scheu, Tabea Scheible, Dennis Schmidt, Timm Schönfelder, Rafael Streib, Elena Ziegler

Vorbereitend hat der SFB im Mai 2016 einen Workshop mit erfahrenen Ausstellungsmachern (u.a. Hans-Ulrich Thamer, Paula Lutum-Lenger) durchgeführt.  Die Ausstellung macht interessierten Laie*innen aber auch Forscher*innen Erkenntnisse und zentrale Botschaften des SFB im digitalen Raum zugänglich. Gleichzeitig erprobt sie neue Wege des kulturhistorischen Darstellens, der Vermittlung und Herstellung von Wissen unter Einbeziehung des Modells des SFB sowie seiner Teilprojekte. 

 

Mit der virtuellen Ausstellung verfolgte der SFB vier Zielvorhaben:

1. Darstellung des Gesamt-SFB nach Außen

Mit ihrer Eröffnung am 21. April 2018 diente die Ausstellung der Popularisierung von Wissen des SFB und öffnete sich einem Dialog mit der Öffentlichkeit. Gemeinsam mit der Hochschulkommunikation wurde eine Marketingstrategie entwickelt, die mit einer Pressemitteilung über den bundesweiten Presseverteiler, der Nutzung der Social-Media- Kanäle, Plakataktionen und einer Eröffnungsveranstaltung im Historischen Lesesaal der Universitätsbibliothek umgesetzt wurde. ‚SWR‘, ‚Deutschlandfunk‘, Lokalpresse, das Portal ‚designmadeingermany.de‘ sowie die international renommierte Fachzeitschrift ‚Novum‘ thematisierten die Ausstellung jeweils mit Beiträgen. Es gingen nach dem Start zahlreiche interessierte Anfragen ein; u.a. von Journalist*innen, Dokumentarfilmer*innen, von Forschungsprojekten, die ihre Erkenntnisse in ähnlicher Weise präsentieren wollten oder neuen Kooperationspartnern, wie dem Landeslehrerbildungsserver oder der Volkshochschule Tübingen, die ihre Themen im Jahr 2019 unter das Motto ‚Bedrohte Ordnungen‘ stellen wird.

 

2. Darstellung des Gesamt-SFB nach Innen

Das Ausstellungsprojekt leistete durch die notwendige visuelle Verknappung, das Nebeneinanderstellen von Einzelprojekten und die Systematisierung der Gesamtfragestellung des SFB einen eigenen Beitrag zum Theoriebildungsprozess des SFB – insbesondere im Hinblick auf die Darstellung von synchronen und diachronen Interdependenzen. Zugrunde lag ein Konzept, das von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Teilprojekte D02, F03, G02, G03, G07, Ö und Z erarbeitet wurde. Sie reduzierte die begriffliche Komplexität des Modells, der Definition und der Teilprojekte. Zugleich bleibt das SFB-Modell durch vier daran angelehnte Grundfragen strukturgebend für die Ausstellung und durchzieht alle zwölf dargestellten Fälle Bedrohter Ordnungen. Diese Fälle verzahnen Forschungsprojekte der ersten und zweiten Förderphase durch die Beteiligung der Teilprojekte B01, C03, C05 und D02 sowie E02, E04, E05, E06, F01, F03, G02 und G07, die sich in ihrer thematischen, zeitlichen und räumlichen Ausprägung allesamt unterscheiden. Mithilfe der vier Leitfragen ist zudem der epochenübergreifende Vergleich mitgedacht. Dies stellte die beteiligten Teilprojekte vor die Herausforderung, sich interdisziplinär über die Abläufe in ihren geschilderten Bedrohten Ordnungen auszutauschen, woraus sich Rückschlüsse auf diachrone und synchrone Interdependenzen ableiten ließen. Diese haben wir in Form von sechs kuratierten Vergleichen erklärend in die Ausstellung integriert sowie über die Gremien und Foren des SFB in das SFB- Konzept der dritten Förderphase eingebunden.

3. Beitrag für beteiligte Teilprojekte
Die Teilprojekte profitierten ihrerseits inhaltlich von ihrer Beteiligung an der Ausstellung. Visualisierung und argumentative Zuspitzung haben einerseits dazu beigetragen, die Teilprojekte in ihren Aussagen zu präzisieren. Der Zwang zur Konzentration auf die wesentliche Aspekte und der durch den Vergleich angeregte Kommunikationsprozess zwischen den Teilprojekten stießen Reflexionsprozesse an, die den Teilprojekten halfen, ihren Platz im SFB besser einordnen und bestimmen zu können. Auch die für die Ausstellung spezifische Medienauswahl fügte sich produktiv in den Forschungsprozess ein: So haben etwa die positiven Erfahrungen durch das Hinzuziehen historischen Kartenmaterials für die Ausstellung das Teilprojekt G02 dazu bewogen, dieses auch im Quellenkorpus der Arbeit zu berücksichtigen.

 

4. Weiterbildungsmaßnahme
Die beteiligten Mitarbeiter*innen wirkten in einem innovativen, zugleich anspruchsvollen Ausstellungsprojekt mit, was auf mehreren Ebenen eine wertvolle Weiterbildungsmaßnahme darstellte. Es zwang die Autor*innen, ihr ‚sicheres‘ Terrain der gewohnten Fachsprache zu verlassen und komplexe Zusammenhänge so zu vereinfachen, ohne dass diese trivial oder sinnentstellt erscheinen. Zudem ermöglichte die Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Designagentur das Kennenlernen moderner Visualisierungspotentiale und die Prüfung ihrer historischen Korrektheit. Gleichzeitig erforderte dies eine präzise Beschreibung eigener Visualisierungsvorstellungen. Die Mitarbeiter*innen waren überdies, durch das von der Agentur bereitgestellte Drehteam, das aus erfahrenen Dokumentarfilmern bestand, mit einer echten Interviewsituation konfrontiert. Schließlich schlug sich die Projektbeteiligung auch in einer Autorenschaft in deren Bibliographien nieder.