LEAD Graduate School & Research Network

Überprüfung wissenschaftlicher Theorien in randomisierten Feldstudien

Unser Ziel

LEAD soll als ein „Zentrum für randomisierte Feldstudien“ ausgebaut werden. Dabei werden nicht nur Interventionen in der Praxis getestet, um empirische Evidenz für deren Wirkung zu finden, sondern explizit auch Beiträge zur Theorietestung und -weiterentwicklung geleistet. Um dies zu erreichen, vergleichen wir nicht Outcomes zwischen Interventions- und Kontrollgruppe, sondern nutzen vielfältige Methoden (u.a. Mixed Methods und Learning Analytics) um Prozesse auf dem Weg zum Interventions(-miss-)erfolg zu ergründen. 

Die Herausforderung

Für viele (vermeintliche) Innovationen im Bildungsbereich gibt es keine Belege für deren Effektivität. Auch Prozesse, Wirkmechanismen und Rahmenbedingungen für Effektivität sind oft nicht gut untersucht. Viele vielversprechende Innovationen mit wissenschaftlichem Hintergrund schaffen es dagegen nicht in den Unterricht, auch wenn sie aus psychologische und pädagogische Theorien des Lernens und Lehrens abgeleitet sind.  

Unsere Lösungsansätze

Der LEAD Forschungsbereich “Überprüfung wissenschaftlicher Theorien in randomisierten Feldstudien” bündelt methodische Expertise und Best Practice-Erfahrungen, die für die Umsetzung großer randomisierter Feldstudien nötig ist und deren Aussagekraft sichert. Beteiligte Forschende unterstützen beispielsweise Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker im Vergleich zweier unterschiedlicher Grundansätze für den Literaturunterricht oder evaluieren den Mehrwert von Lehrkräftefortbildungen für den digitalisierten Fremdsprachenunterricht. Dabei analysieren sie nicht nur die Effektivität einer Intervention, sondern untersuchen auch die Rolle verschiedener Gelingensbedingungen, wie z.B. der Motivation, für den Interventionserfolg.

Neben der Durchführung eigener randomisierter Feldstudien beteiligen sich die Forschenden des Forschungsbereichs auch an methodischen Weiterentwicklungen und konzeptuellen Debatten zu randomisierten Feldstudien. 


Hintergrund: Was sind randomisierte Feldstudien?

Randomisierte Feldstudien sind Studien, die besonders für die Überprüfung der Wirksamkeit von Interventionen geeignet sind. Durch das Mittel der Randomisierung (d.h. zufälligen Zuteilung) werden Gruppen gebildet, die sich statistisch ähnlich sind und die daher gut miteinander verglichen werden können. Erhält eine oder erhalten mehrere Gruppen Interventionen und eine Kontrollgruppe erhält keine, lässt sich über einen Gruppenvergleich der Effekt der Intervention(en) testen. Auf diese Weise können starke wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit einer Intervention erreicht werden.

Durch moderne wissenschaftliche Ansätze (wie z.B. Learning Analytics) lassen sich außerdem Prozesse beobachten, die im Laufe der Intervention ablaufen. Durch diese Beobachtungen können beispielsweise Treiber einer Wirkung oder relevante Nebenbedingungen identifiziert werden. Dadurch liefern randomisierte Feldstudien nicht nur Belege für Interventionseffekte, sondern helfen, Theorien in der Feldsituation  zu testen und weiterzuentwickeln. 


Ausgewählte Forschungsprojekte

Hector Kinderakademien

Die Hector Kinderakademien bieten ein freiwilliges, zusätzliches Angebot zur Begabtenförderung für Grundschulkinder in Baden-Württemberg. Sie werden von einem Team, bestehend aus Mitgliedern des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung sowie des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) in Frankfurt, wissenschaftlich begleitet. 
Dabei werden u.a. Kurse zur Förderung begabter Grundschulkinder in Kooperation mit Fachdidaktiker:innen entwickelt und systematisch auf ihre Wirksamkeit und Skalierbarkeit in randomisierten Feldstudien untersucht.

SEGEL: Die Bedeutung von Subjektivität und Emotionalität in Gesprächen über Literatur im Deutschunterricht

Gespräche über literarische Texte sind ein zentraler Bestandteil des Deutschunterrichts. Empirisch erforscht sind sie bislang allerdings kaum. Das SEGEL-Projekt soll einen Beitrag zur Beseitigung dieses Desiderates leisten. Im Mittelpunkt von SEGEL wird die empirische Überprüfung der in der Literaturdidaktik verbreiteten Annahme stehen, dass Subjektivität und Emotionalität in Gesprächen über Literatur von besonderer Bedeutung für deren Gelingen sind.

AI2Teach: Fortbildungen für Lehrkräfte für einen besseren und wirksameren digitalen Unterricht

Die Digitalisierung verändert Schule. Digitale Endgeräte und Software-Lizenzen sind heute meist weitgehend verfügbar. Die Kompetenzen der Lehrkräfte zur Gestaltung digitalen Unterrichts haben sich aber nicht immer im gleichen Maße mitentwickelt. Während Evidenz dafür vorliegt, dass digitale Tools das Potential haben, den Lernerfolg zu verbessern, fehlt eine Analyse über die Wirksamkeit von ergänzenden Lehrkräftefortbildungen. AI2Teach soll diese Analyse liefern und dabei verstehen helfen, auf welche Arten und Weisen sich Lehrkräftefortbildung auf Unterrichtsgeschehen und Lernerfolg auswirkt. 

Wirksamkeit von Zeitzeug:innenbefragungen im Geschichtsunterricht

Zeitzeug:innenbefragungen im Geschichtsunterricht sind beliebt, weil für Schüler:innen Geschichte damit „lebendiger“ unterrichtet werden kann. Allerdings besteht die Gefahr, dass Aussagen der Zeitzeug:innen von Schüler:innen nicht adäquat eingeordnet werden. Dies wird im Rahmen der am Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung durchgeführten Zeitzeug:innen-Studien untersucht, wobei Effekte auf unterschiedliche Outcomes (z.B. historische Kompetenzen) sowie die zugrundliegenden Prozesse in den Blick genommen werden. 

KLUG: „inKLUsiv Geschichte lehren: Ein blended learning-Konzept für die Lehrkräftefortbildung“

Die KLUG-Lehrkräftefortbildung wurde in Zusammenarbeit der Geschichtsdidaktik, der pädagogischen Psychologie und der Sonderpädagogik entwickelt und seitdem weiter optimiert, z.B. im Hinblick auf Digitalität. In einer Serie von Studien wird die Effektivität der Fortbildung insbesondere im Hinblick auf die Stärkung der historischen Kompetenzen der Schüler:innen untersucht.