Uni-Tübingen

Übung digitalisieren

Didaktik

Semesterplanung digital

Vorab: mit Übungen sind Lehrveranstaltungen u.a. im Bereich der Geschichtswissenschaft, der Altphilologie oder der Sprachpraxis in der Anglistik oder Romanistik gemeint, in denen das gemeinsame Arbeiten und Üben im Vordergrund stehen. Die allgemeinen Hinweise zu Übungen überschneiden sich stark mit denen zu Seminaren.

Hinweise für die in den Naturwissenschaften verbreiteten Übungsgruppen sowie generell zu Tutorien finden Sie unter Übungsgruppen und Tutorien.

Ziele und Inhalte digital umsetzen

Welches sind die Ziele und Inhalte der Übung? Was ist bisher geplant und was davon lässt sich gut in ein digitales Lehrszenario übertragen, so dass die Ziele erreicht werden und Studierende von der Übung profitieren können?

Generell empfiehlt es sich, v.a. einfache, asynchrone digitale Tools zu nutzen. Und: weniger ist mehr. Entscheiden Sie sich lieber für wenige digitale Tools, die Sie mit den Studierenden einüben und in denen Sie dann auch selbst an Sicherheit gewinnen. Wichtig ist außerdem die gute Kommunikation und Interaktion mit den Studierenden: Informieren Sie Ihre Studierenden darüber, die die Semesterplanung aussieht, wie Inhalte vermittelt und bearbeitet werden sollen, welche Arbeitsaufträge zu bearbeiten sind und wie die Kommunikation im Kurs ablaufen soll.

Vermitteln: Lese- und Lernpakete

Es empfiehlt sich, wochenweise übersichtliche Lese- und Lernpakete mit Texten und weiterführenden Links zu einem Thema (sonst eine Sitzung) zur Verfügung zu stellen. Dabei kann auch auf existierende Materialien im Netz zurückgegriffen werden. Eine weitere Möglichkeit sind eigene Videos oder sogenannte Screencasts (Aufnahme von Powerpointfolien mit Ihrer Sprechstimme), das können ganz kurze Aufnahmen sein (5 Minuten), z.B. zum Einstieg in ein Thema.

Vom Uni-Netz aus kann über Links auch auf E-Books u.ä. der Universitätsbibliothek zugegriffen werden. Wie bisher können Auszüge und einzelne Artikel auf der Lernplattform zur Verfügung gestellt werden. Bitte stets das Urheberrecht beachten.

Achten Sie darauf, dass die wöchentlichen „Portionen“ angemessen sind.

Aktivieren: Arbeitsaufträge

Arbeitsaufträge können in sehr unterschiedlicher Form umgesetzt werden. Einige Beispiele ausgehend von den Möglichkeiten der Lernplattformen:

  • Foren – alle sehen alle Beiträge: es sollen Beiträge zu bestimmten Themen (Statement oder Zusammenfassung) erstellt oder Fragen gesammelt werden, z.B. zur Textanalyse: Was ist der wichtigste Aspekt im Text xy? Was sehen die Studierenden kritisch? Weitere Option: Rechercheaufträge, Zusammentragen im Forum. Zum Einstieg: Was interessiert mich besonders am Thema der Übung?
  • Übung/Einreichungsaufgabe – geht nur an Dozierende: z.B. Kurzessays zu bestimmten Fragen, andere Schreibaufgaben, Übersetzungen, Annotationen zu einem Text.
  • Wiki: gemeinsamer schriftlicher Diskurs. Sicherung von Arbeitsergebnissen oder Lektüreerfahrungen unter bestimmten Fragestellungen. Erweiterung eines Wikipediabeitrags u.a.
  • Gruppenarbeit – Gruppe kann im Kursraum gesondert eingerichtet werden, Zusammenarbeit z.B. über Etherpad, das das gemeinsame Schreiben erlaubt.

Betreuen: Kommunikation im Kurs

Ein wesentliches Element ist die Kommunikation im Kurs, die Ermöglichung unterschiedlicher Kanäle für Fragen und Rückmeldungen. Das heißt nicht, dass man immer sofort antworten sollte, vielmehr müssen Spielregeln klar und Kommunikationsformen bekannt sein. Dabei geht es insbesondere in diesen Zeiten auch darum, in Kontakt zu bleiben.

Gerade zu Semesterbeginn ist es notwendig, die Studierenden zu informieren: über das neue Format, über technische Besonderheiten, über das gemeinsame Arbeiten und die Kommun­ikation im Kurs – um überhaupt arbeitsfähig zu sein.

Kommunikationskanäle und Spielregeln können sein:

  • Allgemeine Fragen sollen ins Forum – damit nicht zu viele Einzelanfragen auflaufen. Hierfür am besten einen eigenen Themenstrang aufmachen, „Allgemeine Fragen“.
  • Sie geben einen Zeitraum an, in dem Sie als Lehrende regelmäßig im Chat zur Verfügung stehen.
  • Sie geben einen Zeitraum an, innerhalb dessen Sie auf Anfragen antworten – z.B. innerhalb von 2 Tagen, innerhalb eines Tages …
  • Wochenmail an alle (ILIAS: Mail an alle, moodle: Nachrichtenforum/Ankündigungen): aktueller Stand, Organisatorisches, Zusammenfassung bisheriger Aktivitäten, Ausblick auf die kommende Woche. Es kann z.B. eine Montags- oder eine Freitagsmail geben.
  • Da Ihre Studierenden sich vermutlich nicht (zumindest nicht alle) kennen, könnten auch Kennenlernrunden und der Austausch über den eigentlichen Inhalt der Übung hinaus für die Studierenden interessant sein. Hierfür kann z.B. ein eigenes Forum bzw. ein eigener Themenstrang im Forum eingerichtet werden.
  • Hilfreich ist auch, wenn alle ein Foto von sich einstellen (im Profil)
  • Synchrone Kommunikation per Videokonferenz ist nicht als standardmäßiger Kommunikationskanal zu empfehlen: die technische Funktionsfähigkeit ist von vielen Variablen abhängig und kann nicht sichergestellt werden.

Lesetechniken – Aufgaben zum wissenschaftlichen Lesen und Schreiben

In der Übung und auch im Seminar können Arbeitsaufträge im Kontext des wissenschaftlichen Lesens und Schreibens sehr gut eingesetzt werden: Solche Aufgaben unterstützen die Studierenden in der Strukturierung ihrer eigenen Arbeit, zugleich lassen sie sich sehr gut unter digitalen Rahmenbedingungen realisieren.

Was die digitalen Werkzeuge anbelangt, lassen sich hier z.B. Foren, Einreichungsaufgaben, Etherpad (kollaboratives Schreiben) gut einsetzen. Wichtig sind auch an dieser Stelle Rückmeldekanäle über Sie als Lehrende (s. allgemeine Semesterplanung digital Übung) und Peer Feedback.

Leseaufgaben, Lesetechniken – Verknüpfung mit dem Schreiben

Beispiele für Lesetechniken, die z.T. auch mit dem wissenschaftlichen Schreiben verknüpft sind (Auszüge aus: Daniela Blum, „Keiner liest …“ Lesekompetenz fördern – ein Modell aus dem Fach Kirchengeschichte, S. 14f):

Vorwissen aktivieren

Diese Lesetechnik ist einfach umzusetzen. Die Leser verschaffen sich einen Überblick über den Text, lesen ihn quer und fragen sich schließlich, über welches Vorwissen sie zum Thema verfügen, mit welchen Anforderungen zu rechnen ist und mit welchen Lesestrategien sie sinnvoll-erweise den Text bearbeiten. Die Übung zeigt den Studierenden gleich zu Beginn des Seminars, dass sie Fachliteratur nicht einfach konsumieren sollen, sondern sich aktiv mit ihr auseinandersetzen müssen.

Exzerpt

Für das Exzerpt bearbeiten die Studierenden einen Text zunächst mit Unterstreichungen und Randbemerkungen, exzerpieren dann Kernaussagen und erstellen daraus eine fließende Zusammenfassung.

Fragen entwickeln

Bei dieser Lesetechnik verfassen die Studierenden selbstständig Fragen zum Text. Fragen zu entwickeln statt zu beantworten übt eine aktive Lesehaltung ein.

Essay

Der Essay fasst die bisherigen Lesetechniken zusammen und führt gleichzeitig in eine subjektivere Form des wissenschaftlichen Schreibens ein.

Absätze und Überschriften setzen

Die Studierenden markieren in einem Text, der zuvor aller Strukturmerkmale beraubt wurde, zunächst Absätze und Kapitelgrenzen und versehen dann die Absätze mit einem inhaltlichen Schlag-wort und die Kapitel mit Überschriften.

Visuelle Darstellung

Für das Visualisieren von Texten gibt es unterschiedliche Techniken. Die Studierenden können sich, je nach Textgattung, zwischen dem Erstellen einer Mindmap und dem Erstellen einer Argumentationsskizze entscheiden.

Eulen der Weisheit

Diese Lesetechnik arbeitet stark mit Begriffen. Die Methode „Eulen der Weisheit“ sieht vor, dass die Studierenden die Schlüsselbegriffe des Textes markieren, exzerpieren und schließlich definieren. Diese Übung stärkt die Genauigkeit im Umgang mit Begriffen und ist weniger für historische Texte als für systematisch-theologische Texte eine hilfreiche Herangehensweise.

Rezension

Die Bewertung von Texten ist unmittelbar an das Lesen gekoppelt: Kritisches Denken speist sich nämlich aus schlussfolgerndem Denken bereits während des Lesens und aus der Identifizierung der Intention des Textes.

Die vollständigen Texte zu den einzelnen Techniken sowie weitere Hinweise zur Förderung der Lesekompetenz finden Sie in: Daniela Blum: „Keiner liest …“. Lesekompetenz fördern – ein Modell aus dem Fach Kirchengeschichte. Tübinger Beiträge zur Hochschuldidaktik 13,2 (2017).

Technik

Übungen bedeuten praktisches Anwenden und Einüben von Fähigkeiten, die in anderen Veranstaltungsformen vermittelt werden. Vor allem interaktive Methoden und Techniken stehen im Vordergrund. Werkzeuge wie E-Assessments, digitale Übungsformate und kollaborative Tools können in Online-Übungen wichtig sein. Auch ist bei von Dozenten geleiteten Übungen Feedback wichtig. Fehlerkorrekturen oder Tips zur wissenschaftlichen Arbeit müssen niederschwellig und schnell kommuniziert werden können.

Werkzeuge zur Vermittlung

Demonstrieren von Lösungswegen: Lösungswege aufzeichnen und bereitstellen können Sie mittels ScreenCasts. Auch für das Aufzeichnen handschriftlicher Notizen gibt es Möglichkeiten. Zusätzliche Informationen oder Aufgaben können Sie dann in den Lernplattformen ergänzen, z.B. in einem Lernmodul oder mit dem Tool interaktives Video.

Werkzeuge zur Aktivierung

Aufgaben lösen und Feedback bekommen, Lernerfolg überprüfen: Übungsblätter oder Aufgaben können von den Studierenden über das ILIAS-Objekt "Übung" eingereicht werden. Sollen sich die Studierenden gegenseitig korrigieren bzw. Rückmeldungen geben können Sie die Peer-Feedback Funktion der Übung nutzen oder Aufgaben im Forum einreichen lassen.

Online-Tests oder Quizzes mit H5P helfen Ihnen und den Studierenden dabei den Lernerfolg weitgehend automatisiert zu überprüfen.

Moodle bietet dazu ähnliche Funktionen an wie ILIAS.

Gruppenarbeit:  Auch Gruppenarbeiten können digital abgebildet werden. Die Lernplattformen bieten Studierenden die Möglichkeit gemeinsam Inhalte zu erarbeiten, z.B. in einem Wiki oder etherpad. Diskussionen und Austausch können in asynchroner Form in einem Forum oder synchron in Chats oder den WebConf-Tools erfolgen.

Werkzeuge zur Kommunikation und Organisation

Zur Kommunikation mit den Studierenden stehen Ihnen neben Emails, Telefon und den WebConf-Werkzeugen folgende Werkzeuge in den Lernplattformen zur Verfügung:

Die zeitliche Strukturierung der Veranstaltung über das Semester kann durch das Erstellen sog. Sitzungen im Lernplattformskurs abgebildet werden. Ein Kurskalender sowie die Möglichkeit, Abgabetermine für Aufgaben zu definieren, stehen in den Lernplattformen ebenfalls zur Verfügung.

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen - Informationsversorgung, HowTos und Schulungen

Um eine Übung digital anbieten zu können, werden selbstverständlich digitale Inhalte benötigt, die nicht erst eingescannt und aufbereitet werden müssen. Einsteiger in die Online-Lehre brauchen kurze Erklärungen, vulgo HowTos, wie man mit dem einen oder anderen Werkzeug überhaupt umgeht. Schließlich kann es auch nicht schaden die eine oder andere Fertigkeit in Form einer Online-Kurzschulung, sei diese synchron oder asynchron, zu erlangen. Informationen zu diesen Bedarfen erhalten Sie hier.

Die wichtigste Quelle für Online-Material

Die Universitätsbibliothek hat über fast alle Fachbereiche hinweg in den letzten Jahren umfangreiche Bestände an eBooks, elektronischen Zeitschriften und an Datenbanken aufgebaut. In den Kurs(-Containern) der Lernplattformen können diese Bestände im Rahmen des deutschen Urheberrechtes als Materialgrundlage für Übungen benutzt werden. Bei Fragen steht Ihnen die Stabsstelle Urheberrecht der Universitätsbibliothek gerne zur Verfügung. Die Lernplattformen bieten dabei die Weblink-Funktion (Link setzen). In vielen Fällen müssen sie die elektronischen Inhalte aus ihren Angebotsumgebungen nicht einmal exportieren. Tragen Sie lediglich Herkunfstwebadresse in einen Weblink in Ihrem Kurs ein.

Material im Open Access oder als OER

Neben Online-Publikationssystemen, die von jeder größeren Hochschulbibliothek angeboten werden, finden Sie zahlreiche deutsche und internationale Repositorien für Open Educational Resources (OER) und andere freie Medien- und Bildserver.

Die praktische Umsetzung

Damit Sie mit Diensten und Werkzeugen umgehen können, bieten wir Ihnen vielfältige HowTos und Schulungen an. (Links setzen) Die HowTos werden auf den Lernplattformen gesammelt, die Sie in Ihrem jeweiligen Fachbereich sammeln:
- Link zu den Ilias-HowTos (sichtbar nach Anmeldung in der Plattform)
- Link zu den moodle-HowTos (sichtbar nach Anmeldung in der Plattform)