Uni-Tübingen

Ringvorlesung

Aesthetic turn – Perspektiven einer ,anderen‘ Ästhetik der Vormoderne 

Die Corona-Krise ist auch eine Krise der Kunst und ihrer Institutionen. Die Schließungen von Theatern, Museen, Kinos und Kultureinrichtungen haben auf die ‚systemrelevante‘ Rolle der Kunst für ein gutes Leben aufmerksam gemacht. Kunst ist anthropologische Konstante und Medium des Sozialen – in der Geschichte wie heute. Auch in der Forschung haben Fragen der Kunst seit längerem wieder Konjunktur. Schon vor Corona war selbst in eigentlich kunstfernen Disziplinen wie Biologie oder Politik die Rede von einem aesthetic turn. Daneben haben die kontroversen Debatten um Cancel Culture und Autonomie der Kunst gezeigt, welches Konflikt- und Irritationspotential ästhetische Phänomene immer noch oder wieder bergen.  

Anlass genug für den neu eingerichteten Sonderforschungsbereich 1391 Andere Ästhetik, Fragen der Kunst und der Ästhetik neu auf die Tagesordnung zu setzen. Der interdisziplinäre Verbund beschäftigt sich mit ästhetischen Phänomenen – Objekten, Texten, Artefakten usw. – von der griechischen Antike bis an die Schwelle zur Moderne. Denn ‚Ästhetik‘ beginnt nicht erst mit Gottlieb A. Baumgartens Aesthetica (1750–1758) bzw. mit der idealistischen Kunstphilosophie (Kant, Schiller, Hegel). Schon seit über 2000 Jahren regen ästhetische Phänomene zu Fragen an, die noch heute aktuell sind: Was ist und wo beginnt Kunst? Wozu ist sie gut und was darf sie – oder was nicht? Welche Kontinuitäten zeichnen sich in der historischen und kulturellen Vielfalt des Ästhetischen ab?

Ziel der Ringvorlesung ist es, diese vormoderne Ästhetik einem breiteren Publikum bekannt zu machen, um auf diese Weise einen neuen Blick für Debatten der Gegenwart zu eröffnen, die – oft unbewusst – auf die Vielfalt der vormodernen Kunst und Ästhetik zurückzugreifen.

Termin: SoSe 2021, Do 18–20 Uhr
Veranstaltungsort: digital auf Moodle
Organisation: Prof. Dr. Jörg Robert

Downloads: Programm, Flyer