„Zeitgenössische historiographische Kunst pluriversalisieren"
Trotz des „global turn“ und des langjährigen Interesses moderner und zeitgenössischer Künstler an „nicht-westlichen“ Ästhetiken sind Kunstgeschichte und -theorie weiterhin in der universalisierten, selbstreferentiellen euro-amerikanischen Genealogie von Moderne und Postmoderne und den damit verbundenen ästhetischen und kritischen Diskursen westlicher Repräsentationskritik verwurzelt. Um Kunst unter den Bedingungen einer pluralen sozialen und erkenntnistheoretischen Gegenwart gerecht zu werden, müssen Ansätze für konstruktive Kontroversen, multidirektionale Auseinandersetzungen und diskursive Gleichheit geschaffen werden. Das erfordert, eurozentrische Kategorien der Kunstgeschichte durch transkulturelle Ansätze zu dezentrieren und pluriversal zu öffnen.
In meinem Vortrag verfolge ich das Anliegen, Geschichten und Diskurse zeitgenössischer historiographischer Kunst zu pluriversalisieren. Ausgehend von der Annahme, dass die Erweiterung kultur- und geistesgeschichtlichen Wissens neue Fragen und Reflexionen über bisher gültige Interpretationsannahmen ermöglicht, zielt ein pluriversaler Ansatz darauf ab, die vielfältigen transkulturellen Interdependenzen, die zeitgenössische Kunst konstituieren, zu entschlüsseln und so einen Interpretationsrahmen zu schaffen, der die Kritik an westlichen universalistischen Annahmen mit der kritischen Analyse alternativer Ästhetiken verbindet.
In diesem Sinne zeige ich in meinem Vortrag auf, dass sich zusätzliche, pluriversale Bedeutungsebenen ergeben, wenn zeitgenössische historiographische Kunstwerke global involvierter Künstler*innen in China durch die Brille einer längeren chinesischen Geschichte historiographischer Kunst und einer damit verbundenen Ästhetik des Wandels und der Transmission gelesen werden.